In the Middle of Nowhere

Die Drei Schluchten des Yangzi, 09.09. bis 04.10.2015

Im Blog diesmal wieder zwei Tage im Block. Heute Ruhetag in Ankang, gestern die Anfahrt im Regen

Unsere Schönwetterphase hat gestern ihr vorläufiges Ende gefunden und wir mussten die gut 100 km den Han-Fluss aufwärts bis nach Ankang in einem trüben Dunst zurücklegen. Im wuseligen Zentrumsmarktviertel von Xunyang haben wir schon so eine Art Stammlokal für die Mittagsmahlzeit – zumindest lassen das die Fotos der Tourgruppen vermuten, die unübersehbar über dem Tresen prangen. Vielleicht sollte der Chef uns mal eine VIP-Karte ausstellen. Jede zehnte Nudelsuppe gratis oder etwas in der Art. Die zweite Hälfte zieht sich dann etwas in die Länge, da das Auf und Ab der Strecke deutlich zunimmt. Etwa 15 km vor dem Ende der heutigen Fahrt kündigen der zunehmende Verkehr und Dreck das Nahen einer Großstadt an. Eine Großstadt? Hier, im Nirgendwo zwischen den zwei großen Flüssen, dem Gelben Fluss und dem Yangzi? Zwischen den zwei Gebirgen in der Mitte Chinas, dem Qinlingshan und dem Dabashan? (Die Flüsse kennt man ja vielleicht gerade noch so…)

Also, wer hat schon mal was von Ankang gehört? Das Verwaltungsgebiet mit 3 Mio. Menschen, das städtische Zentrum immerhin noch eine halbe Million, dreitausendjährige Geschichte, lokale Operntradition, Wasserspender für den trockenen Norden? Vor allem – Ankang und das Wasser. Mit den Wassern des Han-Flusses muss Ankang besonders eng verbunden sein, im Guten wie im Bösen. Wenn man sich auf der wiedererrichteten Stadtmauer im Zentrum der Stadt befindet und den Blick von den Hochhäusern im Süden wendet und in die andere Richtung auf den Fluss blickt, sieht man die Leute im Fluss unter der großen Brücke baden oder sich mit der Strömung treiben lassen, andere waschen ihre Wäsche oder ihre Fahrräder am Ufer und oberhalb davon hat sich die Stadt noch eine große Promenade für die Fußgänger gegönnt. So macht Ankang trotz der staubigen Stadteinfahrt hier einen recht modernen und freundlichen Eindruck und gibt uns die Gelegenheit für einen angenehmen Stadtspaziergang an unserem Ruhetag.

Der Fluss kann aber auch anders, wie wir schon stromabwärts in Shuhe gesehen haben. Dort hatte uns die Wirtin die Hochwassermarken von 1983 gezeigt, etwa in der Höhe des dritten Stocks unseres Hotels. Und das stand nicht unten am Fluss, sondern oben an der Hauptstraße. Damals hatten heftige und wiederholte Regenfälle dafür gesorgt, dass in Ankang am schlimmsten Tag des Hochwassers der Pegel fast den ganzen Tag lang um durchschnittlich 75 cm pro Stunde stieg. Das war dann selbst für die Stadtmauer, die hier gleichzeitig als Hochwasserschutz dient, zu viel. Mittlerweile ist sie aber wieder aufgebaut und wir beziehen sie ausgiebig in unseren Spaziergang mit ein. Der Rückweg führt uns dann durch die kleinen Straßen und Wohnviertel, die direkt hinter der Stadtmauer beginnen und am Abend kehren wir schließlich noch einmal zur Uferpromenade zurück, wo man jetzt meinen könnte, Ankang möchte es in absehbarer Zeit mit dem nächtlichen Uferblick von Shanghai aufnehmen.


Strecke 22.09.2015:

Strecke 23.09.2015:

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