Quer durchs Land mit der Eisenbahn

Chinesische Landpartie, 05. bis 27.10.2018

Zugfahrt von Peking nach Guilin, 1986km

Unser Frühstück war insofern ein ganz besonderes, als dass wir einen traumhaften Blick auf die Mauer hatten. Allzulange hielten wir uns aber nicht damit auf, schließlich wollten wir noch auf die andere Seite der Mauer, welche wir am Vortag nicht erklettert hatten.
Der Weg dahin wurde erschwert, durch einige Wegelagerer, die einen Wegzoll von uns verlangten.
Zuerst als wir einen kleinen Staudamm überqueren wollten, und dann noch einmal auf der anderen Seite. Verhandeln half da nicht und der zweite im Bunde beteuerte, dass er mit dem anderen rein gar nichts zu tun hat. Wir bezahlten zähneknirschend und machten uns auf den beschwerlichen Weg.

Der Muskelkater vom Vortag war noch mehr als akut, zumindest bei mir. Auf der Mauer begegneten wir einem Mann, der Tai Qi praktizierte. Sein kleiner Hund war mehr als erfreut uns zu sehen. Wie der Hund auf die Mauer gekommen war, blieb uns ein Rätsel.

Auch wichtige Fragen, warum die Mauer anscheinend immer über die höchsten Gipfel gebaut wurde, konnten wir nicht abschließend beantworten. Die werden sich schon was dabei gedacht haben, war unsere Schlussfolgerung mit der wir uns zufrieden gaben.

Man konnte eindeutig feststellen, dass der Mauerabschnitt etwas frequentierter war, schließlich lag überall Müll rum. Darüber konnte man sich nicht so richtig freuen. Aber der Ausblick lenkte schnell wieder davon ab,

Auf dem Rückweg wagten wir uns auf eine unbekannte Route, hatten wir doch Angst, dass die Räuber vom Stausee uns nocheinmal Geld abknöpfen würden. Außerdem hofften wir damit noch etwas Zeit für eine heiße Dusche zu gewinnen. Das gelang uns tatsächlich und wir gelangten auf direktem Weg zurück ins Hotel. Wir ahnten aber, dass dem Hotel (der Fischzucht) daran gelegen war, diesen Weg möglichst nicht der Allgemeinheit bekannt zu machen. Stacheldraht am Eingang und ein Rudel Wachhunde ließen daran keinen Zweifel aufkommen.

Einige Stunden später saßen wir schon im Zug nach Peking. Was hatte es uns gegraust vor der langen Zugfahrt. Und dann wurden wir auch noch voneinander getrennt. Letztlich vergingen aber auch die Stunden im Zug. Für einige schneller (dank einer guten Menge Schnaps), für andere etwas langsamer (aufgrund schnarchender und spuckender Bettnachbarn). Im Zug trafen wir noch den Weltenbummler David. David kommt aus England und besucht seine Tochter in Singapur. Da ihm aber das ständige Fliegen über war, entschied er sich die Strecke mit dem Zug hinter sich zu bringen.

Eine Woche in der Transsibirischen Eisenbahn und dann quer durch China. Immerhin noch schneller als mit dem Fahrrad. Das Abteil teilte er sich mit einer überaus entspannten Mutter, deren Baby gar kein Problem damit hatte, dass David es auf den Arm nahm. Ihr schien die Erholungspause, die ihr der temporäre Vaterersatz verschaffte auch gut zu tun.

Anbei noch die ältere Schwester, von etwa vier Jahren, die zuerst noch etwas schüchtern war, aber nachdem sie eine Nacht gut durchgeschlafen hatte, kaum noch zu bremsen war.
Nachdem die Kleine mich aufgefordert hatte ein Bild zu malen, stellte sie leider fest, wie furchtbar meine Malkünste sind. Also musste ich Nachhilfeunterricht nehmen. Ein Baum, ein Haus, ein Buch etc. Meiner Meinung nach waren unsere Malkünste zwar etwa auf dem selben Niveau, aber sie war so sehr von ihrer Meisterschaft und meiner Unfähigkeit überzeugt, dass ich es nicht wagte ihr zu widersprechen.

Gegen Mittag kamen wir dann in Guilin an und wir wurden von einer tropischen Wärme empfangen. Gerade richtig, scjhließlich fing es im Norden langsam an kalt zu werden.

Das Hotel in Guilin begeisterte uns auf Anhieb durch seine stilvolle Einrichtung und seine ideale Lage am Li Fluss. Wir nutzten die Zeit für einen ausgiebigen Stadtbummel. Die Sonne und Mondpagode war hierbei ein Highlight. Zum Glück gab es immerhin in einer der beiden einen Aufzug. Der Tourguide war schon ganz schön am Ende.

Da wir unbedingt noch die Pagoden in der Nacht sehen wollten, vertrieben wir uns die Zeit auf einem der lokalen Märkte, die dafür berühmt sind, dass man dort übers Ohr gehauen wird. Aber wenn man das weiß, ist es gar nicht so schlimm. Das Warten lohnte sich dann auch, die Pagoden wurden rundum beleuchtet.

Unser Abendessen nahmen wir auf der Dachterrasse des Hotels ein. Auch hier wurden wir mit einer schönen Aussicht verwöhnt. So kann es gerne weitergehen. Ich nötigte die Gruppe vom weltberühmten Guilin-Kuchen zu probieren, der traditionell zum Tee gereicht wird. Wir hatten leider nur Bier. Prädikat: Staubtrocken. Aber lecker.

Morgen geht es dann endlich wieder aufs Rad. Wir können es kaum erwarten.