Eine untergegangene und neu „aufgetauchte“ Stadt an der Schlucht auf dem neuen Zehner

Bilderbuch am Tag 170 der Weltreise in Fengjie, wolkig, ein paar Regentröppelchen, aber sommerlich schwühlwarm. Von Peter Frenzel.

Die Herausforderung wächst, Informationen über die Orte zu finden, die wir bei unserer Reise länger als eine Nacht besuchen.

Fengjie wird z.B. nicht zuerst als Stadt sondern mehr als Gebiet mit 30 Großgemeinden und Gemeinden wahrgenommen:
Der Kreis Fengjie liegt im Osten des Verwaltungsgebiets von Chongqing. Er hat eine Fläche von 4.087 km². 2010 wurden im Kreis Fengjie fast 900.000 Einwohner gezählt.
(Fengjie County, Fengjie Deutsch, Fengjie ,Fengjie1)

Fengjies Geschichte reicht weit über 2000 Jahre zurück. Die Zeit der Streitenden Reiche (220-280) hat auch hier ihre Spuren hinterlassen. Damals wurde Fengjie von Yufu zu Yongan umbenannt. In der Song Dynasty (960-1279) bekam sie dann ihren heutigen Namen zurück.
In den Stauseefluten ist wohl auch die Klärung mancher Mythen untergegangen.

Andreas kennt diese Geschichte:
Liu Bei (161-223) gilt als der Begründer der Shu-Han Dynastie. Er behauptete mit dem Herrscherhaus der gerade untergegangenen Han Dynastie verwandt zu sein, also ein quasi legitimer Nachfolger zu sein. Liu Bei erlangte großes Ansehen bei der Bekämpfung des Aufstandes der „Gelben Turbane“ Ende des 2. Jahrhunderts. Nach dem das Han-Reich offiziell zerfallen war, rief er sich zum Kaiser aus und nannte sein Reich Han. Zur Unterscheidung von der vorherigen Han Dynastie wird das Reich im Allgemeinen Shu Han genannt. Liu Bei starb zwei Jahre nach Gründung des Reiches beim Rückzug von einem katastrophalen Feldzug gegen seinen ehemaligen Verbündete Sun Quan König des Reiches Wu.

Ein evtl. weiteres Beispiel: Cao Cao.
Cáo Cāo (Ts’ao Ts’ao) war ein chinesischer General, Stratege, Politiker, Dichter und Warlord während der späten Han-Dynastie. Er errang die Herrschaft über ganz China nördlich des Jangtsekiang und übte sogar großen Einfluss auf den Kaiser aus.
(Die Geschichte der drei Reiche)
Cao Cao gilt in China als grausam und verschlagen. Das Sprichtwort: „Wenn man von Cao Cao spricht, dann kommt Cao Cao.“ hat in China die Bedeutung: „Wenn man vom Teufel spricht, dann kommt er auch.“

In der Stadt selbst wohnen heute ca. 300.000 Menschen, weiß auf Nachfrage die freundliche Dame an der Hotelrezeption. Das sind weniger (!) als vor der Umsiedlung durch das Fluß-Stau-Projekt, erfahren wir von Andreas. Der ist heute – ja natürlich sonst auch 🙂 – unser besonderer Glücksfall, denn seine damalige Magisterarbeit beschäftigte ihn mit eben dieser „Drei-Schluchten-Problematik“.

Die Stadt Fengjie, wie viele weitere Orte auch, wurde vor wenigen Jahren quasi neu gebaut, denn frühere Teile liegen jetzt mindestens 50 Meter unter Wasser. Hier beginnt das Staugebiet des „Drei-Schluchten-Stausees“. Eine kleine Bus-Boots-Tour bringt uns näher heran. Wir fahren vom Hotel zur Anlegestelle und dann ein kurzes Stück in die erste Schlucht, die Qutang-Schlucht (auch: Kui-Schlucht) hinein. Sie ist mit 8 km die kürzeste der drei Schluchten, aber sogar auf der neuen 10 Yuan-Note abgebildet. Die anderen beiden (sooo weit kamen wir leider nicht) heißen Wu-Schlucht (Hexenschlucht, 44 km lang) und Xiling-Schlucht (Westhügel-Schlucht, 66 km lang).
Mehr Lesestoff dazu siehe u.a.: Drei Schluchten und Three Gorges.

„Bitte gut festhalten“, empfiehlt uns unsere nette Begleiterin, „denn die Straße ist nicht so gut und es hoppelt etwas“.
Na klar, DIE Straße kennen wir schon, denn über die mußten wir gestern die letzten Kilometer mit dem Fahrrädern fast bis zum Hotel „hoppeln“.
Hat sich echt gelohnt, der Ausflug. Siehe Bilderbuch.

Die 175-Meter-Marke am Ufer ist die maximale Stauhöhe. Zur Zeit ist der Pegel deutlich niedriger geregelt, was an den Felsen sehr gut erkennbar ist.

Der Jangtsekiang, auch kurz Jangtse oder Yangtze heißt übrigens wirklich und offiziell Chang Jiang ( = Langer Strom / Langer Fluss, kurz: Jiang). Wußtet ihr das – wie ich – auch nicht? Er ist mit 6380 Kilometern (2800 Kilometer schiffbar!) der längste Fluss Chinas und der längste Fluss Asiens; nach dem Nil und dem Amazonas somit der drittlängste Strom der Welt.
(Jangtse kiang)

Zum Namen Yangzi kam der Fluß durch die Engländer. Der Changjiang hat regional viele Namen wie z. B. Tiantong He, Jinsha Jiang, Chuan Jiang oder Yangzi Jiang um nur einige zu nennen. Die Engländer, die im Flussdelta bei Shanghai Handel trieben fragten die Menschen dort wie denn dieser imposante Fluß hieße und die Leute nannten ihnen natürlich den regionalen Namen des Flusses, eben Yangzi Jiang. So wurde von den Engländern der Name Yangzi Jiang oder in der alten Lautschrift Yang-Tse-Kiang in der Welt verbreitet.
(Danke Andreas für den Input 🙂 )

Fengjie- und Qutang-Schlucht-Bilderbuch auf:

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Runter an den Yangzi sollte sich eigentlich anders anfühlen

Tag 169 der Weltreise: 98 km Fahrt von Wuxi nach Fengjie mit 1929 Höhenmetern bei bedecktem Himmel und einigen Sonnenstrahlen. Von Andreas Kraus.

In den meisten Fällen wurde uns bei heftigen Anstiegen vorher eine kleine Warmradelphase gegönnt. Nicht so heute. Wir waren noch nicht mal aus der Kleinstadt Wuxi heraus da fing bereits die Steigung an. Und zwar hatten wir heute gleich zu beginn die längste der heutigen Steigungen. Auf 16 km kamen 850 Höhenmeter in einem Rutsch. Und das gleich nach dem Frühstück. Das war hart.

Nach einer kurzen Abfahrt von etwa 350 Höhenmetern kam der zweite Anstieg von 250 Höhenmetern auf 6 km und im späteren Verlauf der Strecke hatten wir noch weitere 4 Anstiege zu bewältigen, so dass wir auf 1929 Höhenmeter kumuliert an diesem Tag kamen.

Auf dem ersten Pass mussten wir feststellen, dass bei Reinold eine Speiche gebrochen war. Das Ersatzrad war leider mit dem Begleitbus vorausgefahren um das Gepäck ins Hotel zu bringen und leer wieder zurück zu kommen um mehr Platz zu haben, falls jemand in den Bus steigen müsste. Da wir nun das Hinterrad von Reinold nicht wechseln konnten, fuhr er kurzerhand mit Rudis Rad weiter und Rudi setzte sich ins Begleitfahrzeug. Das tat Rudis lädiertem Knie sicher gut, diese Etappe nicht fahren zu müssen.

Von den Bergrücken über die wir uns schlängelten, konnten wir irgendwann die Meixi-Fluss sehen. Dieser mündet dann bei Fengjie in den Yangzi. Von da an wussten wir, dass das Ziel nicht mehr fern ist. Im Grunde fuhren wir ja eigentlich runter zum Yangzi, nur, dass es sich überhaupt nicht so anfühlte. So viel bergauf waren wir nur selten gefahren. Kurz vor dem Ort ging es dann aber doch noch den ein oder anderen Höhenmeter nach oben und die letzten 10 Km war die Straße so kaputt, dass es die reinste Rütteltour wurde und zwar für Fahrräder und Autos gleichermaßen. Im Hotel angekommen, hatten wir uns unser Schmutzbier redlich verdient.

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Im Drei-Provinzen-Eck

Tag 168 der Weltreise: 97 km Fahrt von Zhenping nach Wuxi bei kühlen Temperaturen, bedecktem Himmel und einigen Regenschauern. Von Andreas Kraus.

Als wir starteten war es noch trocken. Aber das änderte sich. Leider mitten am Berg, als wir uns den 11 km langen Aufstieg hinauf kämpften. Den Berg hinauf fuhren wir ein Stückchen durch die Provinz Hubei. Gestartet waren wir in Shaanxi und auf dem Pass überquerten wir die Grenze von Hubei nach Chongqing, die mit 30 Millionen Einwohnern inzwischen größte Stadt Chinas. Three in one, eine Radtour, drei Provinzen und alles an einem Tag! Das muss uns erst mal einer nachmachen!

Die Abfahrt war der Wahnsinn. Die Landschaft war sehr schön und durch die tief hängenden Wolken sehr mystisch anmutend. Man hätte im Grunde alle paar hundert Meter anhalten können um ein Foto zu machen aber man wollte ungerne die Fahrt abbremsen. So rauschten wir etwa 30 Kilometer bergab. Kurz nach der Abfahrt kehrten wir ein für eine Nudelsuppe, die heute ausgesprochen lecker war.

Der Rest der Strecke war ein stetiges Auf und Ab das aber tendenziell bergab ging. Kurz vor unserem Ziel war eine Brücke auf unserer Strecke abgerissen worden, so dass wir eine Alternativ-Strecke fahren mussten. Es ging durch einen Tunnel und nochmal einen kurzen aber knackigen Anstieg hinauf bevor wir hinab in den Ort und zum Hotel rollten.

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Jede Menge Beziehungen nur nicht zu Petrus

Tag 167 der Weltreise: 108 km Fahrt von Pingli nach Zhenping bei Regen. Von Andreas Kraus.

Der Quoten-Regentag von gestern scheint sich zu einem Dauerzustand auszuwachsen. Als ich heute morgen aus dem Fenster schaue regnet es noch immer. Nach dem Frühstück regnet es noch immer. Wir steigen auf die Räder und es regnet noch immer. Der Regen ist nicht stark, aber es nieselt unablässig.

Alle radeln mit und anfangs fühlt es sich eigentlich gar nicht so schlimm an. Durch den permanenten Anstieg ist einem warm und als der Pass richtig los geht, wird einem noch etwas wärmer, so dass der Regen fast eine erfrischende Wirkung hat. Am Pass oben passieren wir noch einen Tunnel und dann geht es rasant bergab. Hier rächt sich nun, dass wir doch ziemlich durchnässt den Pass hinaufgefahren sind. Bei der Abfahrt wird es barbarisch kalt. Die Gliedmaßen sind dermaßen kalt und steif, dass man kaum die Bremsen betätigen kann. Als wir nach rund 10 km Abfahrt ein Restaurant erreichen, bin ich so durchgefroren in den nassen Klamotten, dass ich am ganzen Leib zittere. Da bin ich allerdings nicht der einzige.

Die gebratenen Nudeln spenden wieder ein wenig Wärme und im Restaurant haben sie für uns Heizstrahler und Kohleöfen angefacht. Rudi und ich kauften uns in einem Laden im Ort trockene, todschicke Pullover um einigermaßen wieder warm zu werden. Den Rest erledigte der heiße Tee.

Nach dem Mittagessen ging die Abfahrt noch eine Weile weiter. Aber drei von uns stiegen in den Bus, da sie die nasse Kälte nicht länger ertrugen. Der Rest fuhr bis zum Ende durch. Die letzten 40 km waren wieder ein überwiegendes Bergauf mit ein paar Entspannungsmomenten in denen es ein wenig abwärts ging. Zhenping, unser Zielort entpuppte sich als ein zwar recht kleiner Ort (rund 60.000 Einwohner) aber erstaunlich belebt.

Das Abendessen hatte auch wieder eine skurile Begebenheit. Die Polizistin, die ins Hotel kam um unsere Passe und Visa zu kontrollieren hatte einen Restauranttipp für uns. Um sicher zu gehen, dass wir es auch finden, führte sie uns auch gleich hin. Und in der Tat hätte ich dieses Restaurant sicher nicht gefunden. Später nahm die Polizistin sogar höchst persönlich die Bestellung auf bevor sie sich verabschiedete. Die Chefin des Restaurants war höchstwahrscheinlich ihre Mutter oder zumindest eine Tante. So läuft das in China. Beziehungen sind alles.

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Ein Quoten-Regentag

Tag 166 der Weltreise: 83 km Fahrt von Ankang nach Pingli bei Regen. Von Andreas Kraus.

Regen hatten wir ja schon lange nicht mehr, aber heute war’s mal wieder so weit. Aber seit Datong vor rund 4 Wochen den zweiten Regentag ist eigentlich ein ziemlich guter Schnitt. Und der Regen war heute auch gar nicht so schlimm. Kurz nachdem wir abgefahren waren und gerade aus der Stadt heraus waren, fing es an zu nieseln. Es war so wenig, dass man überlegen musste, ob man sich den Stress antat die Regenjacke aus der Satteltasche zu kramen.

Zwischenzeitlich hörte es wieder auf zu regnen und wir konnten vom Fahrtwind getrocknet den Großteil der Strecke zurücklegen. Es warteten 3 Pässe auf uns die alle aber auch überschaubar waren. Da hatten wir schon Schlimmeres überwunden und Schlimmeres wird auch noch auf uns zu kommen. Beim dritten Anstieg fing es dann nochmal an zu regnen, diesmal aber etwas stärker, damit sich das Mitschleppen der Regenklamotten wenigstens gelohnt hat. Ausserdem sähe eine Ratour von solcher Länge ohne Regentage irgendwie unglaubwürdig aus. Es muss einfach den ein oder anderen Regentag geben, allein der Quote halber.

Kurz vor Ende der Etappe fanden wir denn auch ein Restaurant in dem wir Mittag essen konnten. Einkehrmöglichkeiten waren auf der heutigen Etappe leider Mangelware. Das Restaurant machte uns die Essensauswahl leicht, denn es gab nichts anderes als Jiaozi (Maultaschen). Die waren aber auf jeden Fall lecker. Unser Hotel lag dann schließlich inmitten von Teeplantagen. Das nutzten wir nach einer kurzen Pause um uns frisch zu machen denn auch aus um uns bei einem Tee-Erzeuger im Dorf eine kleine Teezeremonie zu gönnen. Frei nach dem Motto: Nicht abwarten, Tee trinken!


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Eine angenehm weitläufige Stadt am Han-Fluss mit Erinnerungen aus der Zeit der Streitenden Reiche

Bilderbuch am Tag 165 der Weltreise in Ankang, bedeckt und diesig aber sommerlich warm. Von Peter Frenzel.

Wie schön, über Ankang gibt es was im allwissenden Internet zu lesen und Ankang hat sogar eine sehr lebendige eigene Website: http://www.ankang.gov.cn/Default.html
Die Präsentation gibt es aber leider nur in chinesisch und schon wird es schwierig, für mich jedenfalls.
Besser helfen da schon Ankang Englisch, Ankang Deutsch und Travel China Guide.
Das mit der „angenehm weitläufigen Stadt am Han-Fluss“ hatte der Reiseveranstalter versprochen. Stimmt.
Wer findet mehr?

Wir haben uns bei einem kurzen Stadtbummel umgesehen.

Ankang (chinesisch 安康市) ist eine bezirksfreie Stadt im Süden der Provinz Shaanxi in der Volksrepublik China. Sie liegt auf 300 m Höhe im Tal des Flusses Han Jiang. Die Einwohnerzahl wächst auf die 3 Millionen zu.

Der Fluß Han sieht hier schon sehr mächtig aus.
Der AnLan Park mit der Pagode hoch oben lädt zum Schlendern und Relaxen ein. Blasinstrumente oder Bongos „trommeln“ zu Hause zu üben, kann eher störend sein, hier klingt es sogar unterhaltsam. Vielfach!
Bonsai-Fans kommen auch voll auf ihre Kosten. Ja, die originale Idee stammt nicht aus Japan, auch wenn die es meist noch viel kleiner treiben!

Das kleine Museum „The Ankang City Planning Exhibition“ im Park präsentiert stolz uralte Geschichte. Die Besiedlung Ankangs soll schon vor 5000 Jahren begonnen haben!
Modelle und Bilder zeigen heutiges und noch geplantes. Gebaut wird in Ankang so emsig wie wohl überall in China.

Am Ufer ist ein weiterer Park, der „Old Dragon Head Landscape Node“, der insbesondere den Drachen gewidmet ist, genauer den Rennen der gleichnamigen Bootsklasse(n), für die eine große Zuschauertribüne gebaut wurde.

Angelesenes:
Die im Stadtgebiet gelegenen Liujiaying-Stätte aus der Zeit der Streitenden Reiche und der Qin- und Han-Dynastie steht seit 2013 auf der Liste der Denkmäler der Volksrepublik China.
In Ankang gibt es ein Amt für religiöse Angelegenheiten. Die Stadt ist seit dem 28. März 1928 Sitz der Apostolischen Präfektur Hinganfu der römisch-katholischen Kirche.
Ankang hat sogar einen Flughafen und ist seit 2001 Endpunkt der Eisenbahnstrecke Xi’an – Ankang.

Am Nachmittag war dann noch allgemeine Radelpflege angesagt, nach den letzten zwei über 40 km langen Tortur- statt Tourkilometern über die Straßenbaustellen am und hoch über’m Fluß auch bitter nötig!
Bitte nehmt die Definition für Tortur unter Folter nicht wörtlich, aber Radelgenuß sieht für mich meist anders aus.
😉
Im „Team tout-terrain“ radeln seit Xi’an zwei neue mit. Eins war mit Karin nach Hause geflogen.
Alles nach wie vor technisch topfit. Die Schwalbe-Reifen haben mittlerweile ihre liebe Mühe mit den vielen kleinen Drahtstückchen, die von den von den LKW-Felgen wegexplodierten Reifenresten überall verstreut umherliegen. Da werden wohl in Bälde frische nötig sein. Die Rohloff-Getriebe werkeln zuverlässig, angetrieben von den unverwüstlichen Gatescarbonriemen. Ich mußte aber nun nach bis hier geradelten 12.847 Kilometern die Brems“gummis“ der MAGURA wechseln. Beachtliche Bremsleistung, was? Die wasserdichten MSX-Lenkertaschen sind es immer noch. Ende der Werbepause – zurück zum Blog. 😉

Zum Abendbummel laß‘ ich einfach Fotos sprechen.

Ankang-Ruhetagsbilderbuch auf:

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Durch die Wüste

Tag 164 der Weltreise: 108 km Fahrt von Shuhe nach Ankang bei bedecktem Himmel. Von Andreas Kraus.

Die Abfahrt aus Shuhe war noch wie wir uns das vorstellten. Auf gut asphaltierter Straße aus dem Ort hinaus und direkt am Han-Fluss entlang durch reizvolle Landschaft. Die Strecke war leicht hügelig, es rollte eigentlich ganz gut.

Ein gutes Stück vor Xunyang, das etwa auf der Hälfte der Strecke lag ging es dann los mit einer Baustelle, die uns für die nächsten mehr als 40 km nicht mehr loslassen sollte. Die Baustelle reichte bis kurz vor Ankang. Es wird dort die Straße anscheinend neu gemacht und bei dieser Gelegenheit verbreitert. Überall war auf der Hang ein gutes Stück weggerissen und wurde teilweise befestigt. Wir holperten über die rumpelige Strecke und der Staub, den die LKWs aufwirbelten, hüllte uns ein. Ich war froh, dass ich die Staubmaske, die wir für die Durchquerung des Kohlegebiets angeschafft hatten, noch aufgehoben hatte. So muss es sich anfühlen durch die Wüste zu fahren. Heißes Klima und überall nur Staub.

In Ankang angekommen, waren wir von oben bis unten verstaubt. Die Farbe der Räder war unter dem Dreck kaum noch zu erkennen und einige der Räder waren durch das stetige durchrütteln auf der Holperpiste reparatur bedürftig. Glücklicherweise ist morgen ein Ruhetag in Ankang, an dem wir die Räder warten können.


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Wer weiß mehr über Shuhe und Jiaozi?

Mini-Bilderbuch am Tag 163 der Weltreise in Shuhe. Von Peter Frenzel.

„… konnten wir das authentische ländliche China aus nächster Nähe betrachten.
In Shuhe wohnten wir in einem kleinen Hotel im chinesischen Stil.“, hat Andreas zur Fahrt von Manchuan nach Shuhe notiert.
Wo erfährt man(n) mehr über Orte und Landschaften? Na klar, im allwissenden Internet, aber halt nicht immer.
Shuhe erklärt dann auch ganz bedeutungsvoll: „Shuhe (Yanyuan) (树河镇), Großgemeinde im Kreis Yanyuan in der chinesischen Provinz Sichuan“. Also schon mal nix von wegen Provinz Hubei oder Shaanxi. Weiterklicken hilft auch nicht: „Hier kannst du einen neuen Wikipedia-Artikel verfassen. Eine Anleitung für Anfänger findest du unter Hilfe:Neuen Artikel anlegen.“

Wer mehr erfahren will, muß morgens im Ort frühstücken!
Andreas und Rudi hatten ein kleines Restaurant wenige hundert Meter vom Hotel entfernt ausfindig gemacht, daß schon früh am Morgen geöffnet war und als Spezialität Jiaozi anbot.

Während der Inhaber und Chefkoch also werkelte, uns heißes Wasser, später sogar grünen Tee servierte sowie viel fragte und erzählte, erfuhren wir dies und jenes mehr über die Stadt. Sie hat immerhin 80.000 Einwohner!
Er verkürzte uns zusätzlich die Zeit mit einer relativ neuen „Imagebroschüre“, die neben Text für unsere Guides und alle anderen chinesischkundigen zumindest informative Fotos für alle enthält.

Nochmal kurz zurück zum Frühstück:
Jiaozi (chinesisch 餃子) ist ein Teiggericht, das in ganz vielen chinesischen Restaurants auf der Speisekarte steht.
Die Füllung besteht aus verschiedenem Gemüse oder Fleisch oder Garnelen. Chinesische Restaurants bieten jedoch häufig eine große Auswahl weitere Füllungen an. Gewürzt werden diese mit Salz, Sojasauce oder fein gehacktem Ingwer. Die gekochten Jiaozi werden vor dem Verzehr in Sojasauce oder Reisessig mit fein gehacktem Knoblauch getunkt. Die Sauce ist in dem separaten kleinen Schälchen.
Schon öfter konnten wir in den Restaurants Frauen beobachten, die in unermüdlicher Handarbeit aus beachtlichen Teigbergen riesige Mengen mit flinken Fingern zuschnitten, füllten und zur kochfertigen Teigtasche formten.

Auch in anderen Teilen der Welt wird ähnliches zubereitet.
In Japan sind sie als Gyōza populär, in Korea als Mandu, in Russland als Pelmeni, in Osteuropa als Piroggen bekannt. In Schwaben heischt dasch Plagiat 😉 bekanntlich Maultäschle (oder „Herrgottsbscheißerle“) auch wenn sie seit 2009 von der EU in ihrer Herkunftsbezeichnung geschützt wurden und nun in die Klasse „Geschützte geografische Angabe“ fallen . Eine Legende besagt nämlich, dass auf diese Weise die Zisterziensermönche des Klosters Maulbronn (daher der Name Maultasche) in der Fastenzeit das Fleisch vor dem lieben Herrgott verstecken wollten, was im Volksmund dann zum Beinamen „Herrgottsbscheißerle“ führte.
(Wer mehr dazu wissen will, guckt u.a. hier: Jiaozi, Maultasche)

Unser Frühstück – wir waren nur zu siebt, die anderen hatten sich abends Alternativen zum Essen im Hotelzimmer gekauft – Jiaozi „trocken“ und mit Suppe war jedenfalls superlecker und machte uns radelfit.

Auf dem Weg aus der Stadt hinaus kamen wir dann am Wasserkraftwerk der Stadt vorbei. Eins von weiteren noch geplanten am Han-Fluß, der dazu moderat als Han-Reservoir aufgestaut wurde.

Mini-Bilderbuch auf:

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Shaanxi, Hubei und zurück

Tag 163 der Weltreise: 97 km Fahrt von Manchuan nach Shuhe bei bedecktem Himmel. Von Andreas Kraus.

Der heutige Tag startete angenehm sanft hügelig. Nach 20 km hatten wir die erste etwas länger Steigung von etwa 6 km. Die Abfahrt hätte wie immer länger sein können und wir mussten uns bereits viel zu früh wieder in die Höhe schrauben. Allerdings sehr gemächlich wie am Anfang. Die letzten 5 Kilometer waren dann wieder eine kräftigere Steigung am Stück. Die Landschaft war wie die Tage zuvor wild romantisch. Jede Menge zerklüftete Felswände zu beiden Seiten.

Nach der ersten Steigung schlichen wir uns ein kleines Stück in die Provinz Hubei rein. Dort aßen wir in einen kleinen Ort zu Mittag und fuhren dann auf einer kleinen landwirtschaftlichen Nebenstraße bis nach Hubei, das wieder in Shaanxi liegt. Auf der Straße wurde kräftig gebaut und Teilabschnitte waren sehr geröllig und matschig aber auch diese Strecke war sehr reizvoll. Vorbei an Feldern und kleinen Dörfern konnten wir das authentische ländliche China aus nächster Nähe betrachten.

In Shuhe wohnten wir in einem kleinen Hotel im chinesischen Stil. Shuhe hat auch einen kleinen Altstadtteil in dem unser Hotel liegt. Das Abendessen war ebenfalls in der Altstadt in einem kleinen Restaurant mit Außenbewirtung. Der Wirt gab sich wirklich Mühe uns zufrieden zu stellen. Leider wurde der Reis einfach nicht fertig. Erst gegen Ende unserer Mahlzeit wurde er dann aufgetischt. Eigentlich sehr chinesisch, aber wir hätten ihn dann doch gerne zu den anderen Speisen dazu gehabt. Wir wirkten nicht sehr glücklich darüber, deshalb spendierte der Wirt noch ein weiteres Gericht und mehrere Runden Schnaps. Und es funktionierte: Wir konnten ihm nun einfach nicht mehr böse sein…


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Shaanxis schöne Berglandschaften

Tag 162 der Weltreise: 95 km Fahrt von Shanyang nach Manchuan bei strahlendem Sonnenschein. Von Andreas Kraus.

Das Frühstück mussten wir heute außer Haus einnehmen, denn das Hotel hatte kein Restaurant. So gingen wir einmal um die Ecke und fanden ein Restaurant, das Teigfladen mit Gemüsefüllung machte. Dazu gab es Töpfe mit eingelegtem Gemüse und Sojamilch. Das war lecker und machte uns alle satt und wir bezahlten ganze 4 Yuan pro Person, umgerechnete etwa 50 Cent. Unglaublich!

Die heutige Strecke war landschaftlich wieder grandios. Schon seit geraumer Zeit radeln wir durch die wunderschöne Berglandschaft Shaanxis, einer Provinz, die man eigentlich nur durch Xi’an und seine Terrakotta-Armee kennt. Wie schön der Rest der Provinz ist, wissen wahrscheinlich die wenigsten.

Heute ging es immer entlang des Matan- und des Jia-Flusses, zu beiden Seiten steile Felswände und bis Kilometer 65 fast ausschließlich leicht bergab. So macht Radeln Spaß. Kurz vor der längeren Steigung aßen wir zu Mittag und machten uns dann wohl genährt an den Aufstieg. Etwa 500 Höhenmeter mussten wir uns in 6 km hinaufschrauben. Auf der Passhöhe war ein kleiner Pavillon den wir in Beschlag nahmen und eine Melone schlachteten. Das ist immer wieder eine willkommene Radlererfrischung. Anschließend ging es wieder bergab. Erst steil, dann gemächlicher. 25 km später kamen wir in Manchuan in unserem Hotel an.

Manchuan hat eine neue Altstadt, die anscheinend Touristen anlocken soll. Der Plan scheint noch nicht ganz aufgegangen zu sein, denn wir waren offensichtlich die einzigen Touristen, die heute hier einfielen. Das merkten wir auch beim Abendessen. Das Restaurant, das wir uns fürs Abendessen aussuchten, musste erst einmal die Küche anschmeißen und alles von Null an vorbereiten. Aber das nimmt man lieber in Kauf als wenn es zu überlaufen wäre.

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