Angekommen in der Hauptstadt

Auf dem Dach der Welt, 06. bis 31.05.2012

35 km, von Dhulikhel nach Kathmandu

Wir sind alle gut in Kathmandu angekommen. Heute war ein öffentlicher Feiertag, deswegen nur wenig Verkehr auf der Straße, so dass die Strecke zwar eine Herausforderung war, aber weniger Nerven gekostet hat als erwartet. In der Hauptstadt hat es in der vergangenen Woche Demonstrationen gegeben, aber heute sind es am Parlamentsgebäude nur eine Handvoll Demonstranten, alles scheint sehr friedlich zuzugehen. „Gestern ist die Frist verstrichen, eine neue Verfassung zu verabschieden. Die Parteien konnten sich nicht einigen, was jetzt passiert, bleibt abzuwarten.“ erfahren wir im Hotel. Es wird gerade Geschichte geschrieben in Kathmandu, aber das Leben in den Straßen berührt das anscheinend wenig.

Bilder gibt es aus Nepal weniger, vom Rad aus wird das Fotografieren schwierig und auf der Straße will man nicht unbedingt lange anhalten.

Angekommen, nach guten 1.000 km Strecke und einem Aufstieg von etwa 10.000 m, Abstieg ein paar hundert Meter mehr, so liest sich die Bilanz unserer Tour. Schön war`s, keine Stürze, keine Unfälle, und bei keinem von uns haben sich Symptome von Höhenkrankheit gezeigt. Da kann man schon ganz zufrieden sein und die gute Ankunft im Innenhof des Kantipur Temple House ein wenig feiern.


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Auf nach Nepal

Auf dem Dach der Welt, 06. bis 31.05.2012

26.-27.Mai

24 km, 1.049 m Abstieg, von Zhangmu nach Nepal

Es ist immer wieder erstaunlich, wie der Grenzübertritt von Tibet nach Nepal funktioniert. Wenn die Station um 10:00 Uhr chinesischer Zeit öffnet, drängen sich bereits Touristengruppen, Träger und Verkäufer um den kleinen Zugang zur Brücke. Wir haben uns mit dem Frühstück Zeit gelassen und sind nicht die ersten vor Ort. „Das ganze Gepäck dort drüben ist aus dem Basecamp zurückgekommen, die Saison ist vorbei.“ erzählt unser Grenzguide und deutet auf unzählige blaue Tonnen, Gasflaschen und andere Ausrüstungsgegenstände. Unglaublich, welcher Aufwand hier betrieben wird. Unser Gepäck wird von Trägern nach Nepal gebracht, und nach einer guten Stunde finden wir alles hübsch aufgestapelt in unserem nepalesischen Bus wieder. Vom vorherigen Chaos keine Spur.

Wir haben an der Grenze 2h 15 min gewonnen und viel Zeit, im Last Resort, unserem „Djungelcamp“ den Tag zu genießen, in Zelten liegend die Fahrt Revue passieren zu lassen und uns an die Fülle Leben, das Grün und die hübsch angestiegenen Temperaturen zu gewöhnen. Der Kontrast zum kühlen, weiten Tibet muss erstmal verdaut werden.

67 km, 1.039 m Aufstieg, vom Last Restort nach Dhulikhel

Linksverkehr, LKW und Busse, die nicht mehr viel Abstand halten und gern kurzfristig vor Radfahrern einscheren, um Passanten aufzunehmen – das alles steht heute auf dem Programm. Grüne Hänge mit Terrassenfeldern bis hoch hinauf, die Kinder in Schuluniformen (in Nepal ist nur der Samstag komplett schulfrei) rufen Namaste statt Tashidelek, hinter jeder Kurve steht ein Dorf, oder zumindest ein Straßenkiosk, die Gegend ist dicht besiedelt. Der Asphalt strahlt eine unglaubliche Hitze ab, und irgendwann muss ich anhalten, um meinen Kreislauf zu sortieren. Natürlich, ein Liter Wasser reicht bei 34 Grad im hügeligen Gelände einfach nicht aus. So machen wir Pause und beobachten das Dorfleben, die vielen Busse und einige Westler auf zwei Rädern, die sich ebenfalls in der Mittagshitze den Berg hochquälen. Die letzen kurvigen Bergkilometer fordern höchste Konzentration und einiges an Kraftreserven, dann nur noch die Treppen hinauf und wir kommen wieder in den Genuss einer sehr ruhigen, gepflegten Resortanlage. Heute sind wir unsere letzte „Bergetappe“ geradelt, die uns wegen der Hitze viel anstrengender vorkam als sämtliche 5.000er Pässe in Tibets dünner Luft. Mal sehen, wie es sich morgen in Kathmandu fährt.

26.05.2012

27.05.2012

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Die längste Abfahrt der Welt

Auf dem Dach der Welt, 06. bis 31.05.2012

124 km bergig, etwa 1.300 m Aufstieg und 3.500 m Abstieg, von Sumo nach Zhangmu (über Lalung La 5025 m und Yarle Shung La 5.140 m)

… ist schlichtweg atemberaubend. Obwohl es eher dem „längsten Sägezahn“ nahekommt, denn die Gegenanstiege in Kombination mit Gegenwind haben es doch in sich. Viele Bilder haben wir nicht gemacht, und die können nicht annähernd wiedergeben, wie sich die Landschaft vom schneebedeckten Gipfel des Xixiabangma (8012 m) bis zum immergrünen Nebelwald an der Grenze zu Nepal entwickelt. Unsere Empfehlung: selber mal fahren.


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Wieder Wind

Auf dem Dach der Welt, 06. bis 31.05.2012

62 km flach, Gegenwind, von Tingri nach Sumo

Ich hatte es angekündigt, es kann windig werden, und da war er dann. Der Gegenwind, der die schlappen 60 Kilometer (in toller Landschaft) ohne nennenswerte Steigungen zur wahren Herausforderung machte.

Unsere Herberge ist sehr einfach und wir haben noch genügend Tageslicht. „Wir machen einen Ausflug ins nahe gelegene Kloster, hier im Ort gibt es nichts zu sehen“ meint Lhaba. Der Weg dorthin will kein Ende nehmen. „Das Kloster liegt hinter dem Berg, dort leben 17 Mönche. Zu Fuß noch eine halbe Stunde,“ ist die gleich lautende Information der Einheimischen im Nachbardorf und im Dorf danach. Hinter dem alten Fort geht es links in ein Nachbartal, vorbei an aufgetürmten Gebetssteinen, die mit getünchten Yakschädeln durchsetzt sind. Nach etwa zwei Kilometern am Gebetspfahl wieder links und dann liegt es doch noch vor uns: das sagenumwobene und wenig besuchte Kloster der Nyingmapa Schule, unser letztes Kloster in Tibet. Ein ruhiger Ort mit eigener Stromleitung, alter Tradition und geheimen Kammern, in denen dämonenhafte Schutzgötter die Gegner des Buddhismus in Angst und Schrecken versetzen.

Nach unendlichen fünf Kilometern Rückweg sitzen wir wieder in der guten Stube, überstehen ein Stück vom getrockneten Ziegenbein und hoffen auf eine ruhige Nacht vor dem letzten Pass… was uns wegen der Dorfdisko und Dorfhunde nicht ganz vergönnt sein soll.


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Wild West

Auf dem Dach der Welt, 06. bis 31.05.2012

60 km flach, von Baipa nach Tingri

„Es ist wie im wilden Westen, eine Hollywood Kulisse und gleich taucht irgendwo Clint Eastwood auf“ meint Gerhard, als wir nach der Radtour in Old Tingri einradeln, um im nächsten Saloon Yakmomo zu bestellen. Das Straßendorf, das im Februar noch in Winterstarre verharrt hatte, ist nun aufgewacht. Männer mit Cowboy-Hüten laufen auf der Straße, Pferdekutschen queren unseren Weg genauso wie jede Menge Kühe und Hunde, die sich um die Essenreste der Dorfbewohner balgen. Dass wir noch in Tibet sind, zeigt sich am Blick auf den Everest. Der hatte sich kurz vor Tingri geöffnet, und ist vom Hof unseres Motels gut zu genießen.

Auf der Fahrt hat sich die Landschaft nicht wesentlich geändert. Braune Wüste, ein kleines Dorf, geschmückte Yak und Schafe mit Gebetsfahnen ins Fell genäht, braune Wüste und wieder ein Dorf. Morgen erwartet uns eine ähnliche Szenerie, auf dem friendship highway immer Richtung Westen.


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Butterfahrt

Auf dem Dach der Welt, 06. bis 31.05.2012

74 km Transfer, von Passum nach Baipa (über Pang La 5.150 m)

Wir steigen in den Truck und lassen uns die Piste über den Pang La zurück nach Baipa kutschieren. Ich staune immer wieder, wie leicht Arne dieses Waschbrett vor zwei Tagen gemeistert hat – die Serpentinen scheinen gar kein Ende zu nehmen. Im Auto fallen Schlagwörter wie „Yakbutterfahrt“, während einige von uns an „Yaktose Intoleranz“ leiden. Als wir das berühmte rote Hotel überholen, wie es sich den Berg hinauf quält, sind wir uns einig: das wäre nichts für uns, lieber steigen wir wieder auf die Räder. Am Pass vertilgen wir noch eine der vielen Nudelsuppen, dann ist Ausspannen im Motel angesagt. Vor uns liegen zwei flache Etappen, bevor wir uns wieder über die 5.000 er und hinab in die Ebene von Kathmandu begeben.

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Der Berg ruft…

Auf dem Dach der Welt, 06. bis 31.05.2012

… und wir folgen. Unser kleiner Ausflug zum Everest Basecamp stand wohl unter einem günstigen Stern. Kein Wölkchen am Himmel, das uns die Sicht auf den heiligen Berg versperrt hätte. Nur am Nachmittag zieht kurz ein wenig Weiß auf, wie fürs Foto gemacht, was sich nach ein paar Minuten wieder verzieht. Auch auf über 5.300 m Höhe halten sich zwischen den Steinen noch Pflanzen, hier und da zeigt sich eine Blüte. Die Kora um das alte Kloster Rongbuk hat es in sich, selbst ein paar Schritte fallen schwer. Dank Gerhards Ausrüstung können wir unsere Sauerstoffsättigung messen, sie liegt zwischen ordentlichen 77 und 85, trotzdem bin ich froh, in einem der Zelte einen Milchtee zu trinken und auszuruhen. Wir alle haben den Tag sehr genossen, aber unser Fahrer Ngawang ist wohl der glücklichste: eine Nonne hat ihm einen Gebetsschal geschenkt, im Kloster bekommt er noch buddhistische Texte, und auf dem Rückweg kann er sich heiliges Wasser abfüllen, das direkt aus dem Gletscher kommt. Und fürs Foto legt er eine kurze Meditation vor dem Quomolangma ein.
Am Abend sind wir uns einig: nach 24 Stunden freien Everstblicks haben wir uns satt gesehen, jetzt kann es weitergehen in Richtung Nepal.

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Der König des Waschbretts

Auf dem Dach der Welt, 06. bis 31.05.2012

74 km, von Baipa nach Passum (über Pang La 5150 m)

Geschrieben von Arne

Schon in aller Frühe wird es wieder ernst, die Etappe in Richtung unseres Abstechers zum Mt. Everest steht an. Nach geruhsamen 12 km auf asphaltierter Straße geht es dann Richtung Quomolanga auf einer zunächst nur schotterigen aber noch glatten Piste weiter. Ein völlig neuer Untergrund auf dieser Tour. Da habe ich noch nicht so recht geahnt, dass es heute nur noch schlimmer werden konnte. Doro hatte sich wohlweislich schon beim Aufbruch in den Bus abgesetzt; zur Ehrenrettung zurecht, denn sie kämpft schon seit Tagen mit einer hartnäckigen Erkältung. Nach den ersten zwei Checkpoints in das sowohl Schutz- als auch Grenzgebiet zu Nepal gesellte sich zu dem Schotter auch noch die für Pisten übliche Waschbrettoberfläche, die harte Anforderungen an Mensch und Material zustellen begannen, vor allem die Handgelenke und das Hinterteil waren besonders strapaziert. So dünnte sich das Fahrerfeld im Laufe des Vormittags mehr und mehr aus und auf zwei Rädern kam auf gefühlten 7000 m Passhöhe bei super Sichtverhältnissen auf die Schneeriesen nur noch einer an Rast hielten wir dann aber erst wieder etwas ruhiger unterhalb der Passhöhe nachdem unser herzensguter Fahrer Tashi noch einen mit Hydraulikschaden liegengebliebenen Wagen zu reparieren hatte. Dass der mit dem Rad bereits vorgefahrene Arne fast verhungert wäre interessierte bei geduldigem Warten auf ein wolkenfreies Sichtfenster auf den Berg der Berge keinen. Zurecht! Ein erhebendes Gefühl war der Anblick der in der Nachmittagssonne von leichten Wolkenschleiern verborgenen Gipfel von Makalu, Lhotse, Cho Oyu und Everest. Die Abfahrt musste dann wegen der heftigen Schläge Überwiegend im Stehen absolviert werden, was wenigstens die Sitzfläche, umso weniger die Handgelenke und den Rücken, aber auch den rollenden Untersatz schonte. Nach der Nachmittagspause in einer Sherpa- und Bergführer Kneipe mussten noch ebene 15 km nach Passum zu unserem schlichten Homestay beim (wahrscheinlich) Chef des Dorfes und seiner Familie und dem weiteren halben Dorf zurücklegen. Für die Mühsal des Tages entschädigte ein super Blick auf den Everest ohne dass der Gipfel durch den Hauch eines Wölkchens verdeckt war. Der perfekte Blick wurde allerdings nur dem möglich, der die klapprige Leiter neben dem open air- Plumpsklo auf das verdächtig elastische Dach des Hauses bewältigt hatte. Ein toller Tag mit Belohnung für die Qualen der Passüberquerung.


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Königsetappe

Auf dem Dach der Welt, 06. bis 31.05.2012

82 km, Wind nur von vorne, von Lhatse nach Baipa (über Gyatso La 5.259 m)

Heute waren wir gute 7 Stunden auf dem Rad. Es sollte die Königsetappe werden, was die erreichte Höhe angeht. Dass die 1.300 Höhenmeter kein Kinderspiel würden, war uns klar. Dass aber auch die 1.120 m Abfahrt zur Anstrengung ausartete, damit hatten wir nicht gerechnet. Der Wind kam eben von vorn, zunehmend stärker werdend und den ganzen Tag lang. Trotzdem haben wir alle die ganze Strecke mit den Rädern geschafft. Hier einige Eindrücke.

Die Straße zieht sich durch ein enges Tal unerbittlich bergan. Rechts noch ein Bachbett, sonst aber vor allem Felsen, Geröll und Steine. Die vorherrschenden Farben sind braun und grau. In dieser Mondlandschaft erwartet man kein Leben. Bei genauem Hingucken entdeckt man doch so einiges: kleine dornige Büsche, trockene Gräser, hier und da kommt sogar eine kleine weiße Blüte zum Vorschein. Was sich bewegt, sind meist Schafe und Ziegen, die sich nur kaum vom Untergrund abheben. Es sind viele, von was sie hier oben satt werden, ist mir nicht ganz klar. Nach einigen Kilometern bekommen wir Gesellschaft: ein Hund hat uns entdeckt und nicht wie befürchtet angegriffen, sondern eine ganze Strecke lang begleitet. Dann höre ich Pfiffe, es klingt nicht vogelartig, und nach etwas Suchen kommt ein Murmeltier ins Sichtfeld. 4.300 Meter Höhe. Ich fotografiere und halte weiter Ausschau. Doch dann merke ich, dass die Gruppe weit vor mir ist und seufzend mache ich mich weiter an den Aufstieg.

Trotz des Gegenwinds war es eine prima Etappe mit tollen Ausblicken und großartigen Landschaften.


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Rückenwind

Auf dem Dach der Welt, 06. bis 31.05.2012

92 km, Rückenwind, von Jiding nach Lhatse (über den Tra La 4.262 m)

Die Nacht war hart, die Dorfhunde kaum eine halbe Stunde am Stück ruhig. Eine frühe Abfahrt fällt uns nicht schwer. Auf der Fahrt nach Lhatse machen wir halt bei Kilometerstein 5.000. Die 318 führt von Shanghai am Ostchinesischen Meer über die weite Yangtzeebene und über Sichuan bis hinauf zum Dach der Welt und weiter nach Nepal. In Tibet ist sie besser unter dem Namen „friendship highway“ bekannt. Einige Tibeter haben den Kilometerstein zum Anlass genommen, hier einen Rastplatz mit Teebude aufzubauen, eine willkommene Seltenheit auf der sonst eher einsamen Strecke.

Der Wind schiebt uns den Pass hinauf, ebenfalls eine Seltenheit auf dieser Route, und wechselt den ganzen Tag lang nicht die Richtung. So sind wir schnell am Ziel, und haben Zeit, in Lhatse mit Erfolg nach einem Ersatzmantel zu suchen und Proviant für die nächsten Tage einzukaufen. Wir übernachten im tibetischen Lhatse Tibetan Farmer`s Hotel, ein entspannter Ort mit kleinem Innenhof zum Ausspannen. Am Abend spielt der Chef des Hauses auf dem traditionellen Saiteninstrument (sprich Djamnyan), einer Gitarre mit sechs Saiten aus gespannter Wolle und wir kosten die einzige tibetische Nachspeise (sprich Partsa Margu) eine Mischung aus Mehl, weißem und braunen Zucker, Yakkäse und Yakbutter – die von uns Westlern so geliebten und nach dem Essen verlangten Süßigkeiten sind hier eher etwas für kleine Kinder.

In den nächsten Tagen stehen hohe Pässe auf dem Programm, wir sind schon gespannt, wie wir mit der dünnen Luft und den Bergen klarkommen werden.


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