Laotische Entspanntheit in Jinghong

Entlang der Teestraße, 11.02. bis 05.03.2017

Tagesausflug auf Schusters Rappen durch Jinghong bei bestem Wetter

Der Morgen beginnt mit einer Debatte. Sollen wir in das Café westlichen Stils frühstücken gehen oder sollen wir unserer allmorgendlichen Nudelsuppe treu bleiben? Die Nudelsuppe trägt schließlich den Sieg davon. Westlich frühstücken können wir in zwei Tagen wieder zuhause.

Frisch gestärkt schlendern wir die Manting Road hinunter zum gleichnamigen Park. Der kostet stolze 54 RMB Eintritt (etwa 7,50 EUR) aber dafür wird auch eine kunterbunte Dai-Show geboten. Die Gesänge sind nicht unbedingt die Erfüllung unserer westlichen Ohren aber dafür ist das Spektakel wie schon gesagt schön bunt. Weiter schlendern wir durch den weitläufigen Park, vorbei an der weißen Pagode und einem großen Binnensee zum Manting-Tempel, der Hauptattraktion des Parks. Die Bauten der Dai-Nationalität und der Tempel sind unverkennbar im Südostasiatischen (laotischen) Stil.

Gestern waren wir in einem Radladen um Rad-Shirts mit chinesischer Schrift zu kaufen. Da der Laden keine solchen Shirts hatte, empfahl er uns zu der anderen Zweigstelle zu gehen, die könnten solche Hemden haben. Da wir glauben in der Nähe des Ladens zu sein, machen wir uns nach der Parkbesichtigung auf den Weg dorthin. Wie sich zeigt ist es doch nicht ganz um die Ecke. Auf dem Stadtplan sieht das näher aus. Was das schlimmste ist, der Weg ist völlig umsonst, denn die Zweigstelle hat auch keine chinesischen Radhemden. Dafür aber welche in Deutsch von Max Hürzeler.

Am Nachmittag fahren wir zum Mekongufer in der Hoffnung eine Dampferfahrt machen zu können. Gibt’s aber leider nicht. Dafür beobachten wir etliche Motoradfahrer, die ihre Maschinen im Mekong waschen. Sogar ein Auto wird zum waschen in den Mekong gefahren. Später entdecken wir noch ein Damen-Kricket-Tournier und schauen dort ein wenig zu. Alles ganz entspannt wie die Dai bzw. die Laoten so sind. Nur keine Eile. Auf dem Rückweg kommen wir an einem Musikgeschäft vorbei. Da Jörg Schlagzeuger ist, schauen wir uns das Instrumentarium mal an. Der Ladenbetreiber ermuntert uns mal zu spielen. Also machen Jörg und ich eine kleine Session mit Schlagzeug und Gitarre. Blues in E. Der Ladenbesitzer ist so erfreut, dass er uns bittet heute Abend nochmal zu einer Session vorbeizukommen.

Wir essen heute am Mekongufer zu abend. Schönes Ambiente aber das Essen lässt leider etwas zu wünschen übrig. So ist das manchmal in so schicken Läden. Die einfachen Restaurants sind meist doch die besten. Gleich gegenüber des Restaurants befindet sich ein deutsches Bierhaus mit selbstgebrautem Bier. Ich frage den Wirt ob er die Braukunst in Deutschland gelernt habe. Er bejaht es, kann aber erstaunlicherweise kein Wort Deutsch. Macht nichts. Das Bier ist auf jeden Fall recht süffig. Auf dem Rückweg kommen wir wieder absolut rein zufällig an dem Musikladen vorbei. Unsere Groupies, Uwe und Lutz, bedrängen uns förmlich doch nochmal was zu spielen. Also machen wir das. Es ist noch ein anderer chinesischer Musiker da der auch spielt. Der kann irgendwie alles ein wenig. Gitarre, Saxophon und Schlagzeug, ein richtiger Tausensasser. Wir machen nochmal eine etwas ausgedehntere Session und der Ladenbesitzer bedauert, dass wir morgen schon heimfliegen. Aber so ist das leider meistens. Wenn‘s am schönsten ist, muss man wieder nachhause.

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Wie in einem anderen Land

Entlang der Teestraße, 11.02. bis 05.03.2017

Fahrt nach Jinghong, ca 43 km hügelig, bei bedecktem Himmel

Die heutige Etappe schließt den Bogen. Schon die erste Etappe war eine reine Überbrückungsetappe, die heutige ist es ebenfalls. Wir radeln auf einer Schnellstraße nach Jinghong. Die Strecke ist relativ kurz, so dass wir sie in kapp über zwei Stunden bewältigt haben. Zwei längere Anstiege sind dabei aber sonst überwiegend bergab. Jinghong empfängt uns mit seinem südostasiatischen Charme. Die Häuser sind von der Bauweise denen in Laos sehr ähnlich und die Vegetation ist es ebenfalls. Hier leben die Dai. Diese Minderheit ist ethnisch eng mit den Laoten verwandt. Die Grenze zu Laos ist ja auch nur rund 170 km entfernt. Man kommt sich hier vor, als sei man plötzlich in einem anderen Land.

Nach dem Mittagessen schlendern wir durch die Stadt, schauen uns einen Radladen an und kehren in einem schicken Café ein. Dort gibt es hervorragenden Kaffee und sogar Bienenstich. Nach drei Wochen rein chinesischer Küche, eine willkommene Abwechslung.

Am Abend zieht es uns ans Flußufer. Jinghong liegt am mythenbeladenen Mekong. Am Ufer dort ist ein Nachtmarkt der so ziemlich alles bietet. Der Markt zieht sich über mindestens einen Kilometer und hat an mehreren Stellen kleine Fressmeilen. An einer lassen wir uns nieder und lassen uns begrillen und trinken Beer Lao. Das hat ein paar Umdrehungen mehr als das chinesische Leichtbier. Da merkt man wenigstens, dass man was getrunken hat. Der perfekte Schlummertrunk.


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Wer soll ‘n das alles saufen?

Entlang der Teestraße, 11.02. bis 05.03.2017

Fahrt nach Sanchahe, ca 110 km sehr bergig

Wer soll ‘n das alles saufen? Dieser Ausspruch kommt von Jörg als wir durch Teeplantagen fahren so weit das Auge reicht. Die erste Hälfte der Strecke radeln wir vorwiegend durch Teeplantagen. Bergauf und bergab insgesamt sind es heute 1512 Höhenmeter. Die meisten Anstiege sind nicht so arg steil aber ein paar nette Rampen sind doch wieder dabei.

Wenn wir mal nicht durch Teeplantagen radeln, geht es durch tropischen Wald. In einem kleinen Städtchen machen wir Mittag und prompt sitzt am Nachbartisch eine chinesische Radgruppe aus Hangzhou. Die sind natürlich ganz aus dem Häuschen und müssen unbedingt Fotos mit uns machen.

Nach 110 km einer phantastischen Etappe, strahlende Sonne, frisch asphaltierte Straße und kaum Verkehr kommen wir in Sanchahe in unserer Herberge an. Wir wohnen in einer Familienherberge einer gemischten Dai-Han Familie. Das Management der Herberge ist komplett in Frauenhand. Wir werden von vier Frauen gleichzeitig bekocht. Die Küche ist halb im freien so dass wir jeden Arbeitsschritt beobachten können. Es schmeckt mal wieder ausgesprochen lecker und dazu gibt es wieder den selbst angesetzten Schnaps von Xiao Ding. Wie durch Zauberhand ist die Flasche am Ende des Abends leer. Aber laut Xiao Ding bekommt man von seinem Schnaps keinen dicken Kopf. Wir werden sehen…..


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Tee-Pampa

Entlang der Teestraße, 11.02. bis 05.03.2017

Fahrt nach Chaboyuan, ca 28 km, bergig

Unser Hotel in Pu’er ist ausgesprochen gut. Sowohl was den Komfort der Zimmer angeht, als auch das Frühstück heute morgen. Den Vormittag verbringen wir noch in Pu’er und schlendern etwas durch die Stadt. In einem Café trinken wir Bananenshake, andere außer Apfel haben sie gerade nicht. Ich fühle mich etwas an das „Meiyou Spiel“ von früher erinnert. In den Restaurants gab es vor 20 Jahren von den Speisen auf der Karte immer nur einen kleinen Bruchteil tatsächlich. Man musste deshalb solange bestellen, bis das Wort „Meiyou“ (haben wir nicht) nicht mehr fiel. „So ähnlich war das auch in diesem Café. „Mango bitte“, „Meiyou“ „und Erdbeere?“, „Meiyou“, “Ananas?“, „Meiyou“. „Was gibt’s denn?“, „Nur Banane und Apfel“.

Gegen Mittag machen wir uns langsam auf den Weg. Die Etappe ist kurz aber knackig. Auf den 28 km haben wir fast 700 Höhenmeter zu bewältigen. Drei der Anstiege sind steiler als alles was wir bislang auf der Tour hatten. Aber um halb vier kommen wir dann in Chaboyuan an. Die Etappe verläuft durch jede Menge Teeplantagen und wir wohnen sogar in Mitten von Teeplantagen in einer parkähnlichen Anlage. Die beherbergt auch ein Teemuseum. Alles dreht sich hier um Tee, sonst gibt es hier nichts. Das Tee-Museum reizt uns allerdings nicht allzu sehr nach der etwas tristen Erfahrung im Salzmuseum in Heijing.

Nach dem Abendessen gehen wir noch ein paar Meter außerhalb der Anlage spazieren und finden ein Ladenzeile, die ein Restaurant, einen kleinen Supermarkt und einen Internet Service beherbergt. Wir kaufen noch ein paar Bierchen im Supermarkt bei der alten Dame mit dem ruppigen Charme und trinken das Bier vor dem Restaurant. Die Läden scheinen alle in der Hand einer Familie zu sein. Es ist heute Abend nicht so kalt und es ist nett den Abend draußen sitzend bei einem Bier zu beenden.


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Großstadt feeling

Entlang der Teestraße, 11.02. bis 05.03.2017

Fahrt nach Pu‘er, ca 106 km sehr bergig (1650 Höhenmeter), unsere Königsetappe

Gestern noch Sonne, heute kalt und neblig. So kann‘s gehen in den Bergen. Es ist laut Wetterbericht sogar Regen angesagt aber wir lassen uns nicht beirren und radeln trotz aller schlechter Prognosen los. Es ist zwar kalt und neblig aber der Regen bleibt aus. Das ist das wichtigste, denn bei Regen macht radeln einfach keinen Spaß. Insbesondere weil wir heute reichlich Steigungen vor uns haben. Wir müssen etwas über 1650 Höhenmeter bewältigen auf einer Strecke von 106 km.

Die Strecke ist herrlich. Und dass die Bergspitzen im Nebel verschwinden hat sogar etwas mystisches. In Ning’er essen wir zu Mittag, wie meist gebratenen Reis mit Ei und Gemüse. Als wir weiter fahren kommt sogar die Sonne heraus. Da macht der letzte große Anstieg dann sogar richtig Spaß und bei der langen Abfahrt frieren wir nicht. Allen Prognosen zum Trotz war es ein zwar anstrengender aber richtig schöner Radtag.

Am Abend schlendern wir durch Pu’er auf der Suche nach einem Restaurant. Wir wohnen in einem neugebauten Viertel, das eine neue Ausgehmeile beherbergt. In einem kleinen Restaurant mit Außenbewirtung lassen wir uns nieder. Kurz darauf kommt die Wirtin mit ihrem 13 jährigen Sohn und erklärt uns, dass er Englisch üben solle. Er muss 10 Sätze mit uns wechseln und sie zählt eisern mit. „Das waren jetzt 6 Sätze, noch 4. Los!“ Der arme kleine bringt ziemlich verlegen und stotternd dann schließlich seine 10 Sätze zusammen und ist froh als es vorüber ist. Zum Abschluss müssen wir noch ein Gruppenfoto mit der kleinen Tochter der Familie machen. Wie es scheint, verirren sich nicht viele Ausländer nach Pu’er.

Ein letztes Bier trinken wir noch in einer schick gestalteten kleinen Kneipe in der Country Music läuft. Das hier ist er erste Ort seit Kunming, der richtige Bars und Kneipen hat. Pu’er ist auch der größte Ort seit Kunming. Man sieht hier, die Entwicklung und Modernisierung Chinas zieht sich schon bis in die entlegensten Winkel des Landes, sogar in den äußersten Südwesten.


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Palindrom

Entlang der Teestraße, 11.02. bis 05.03.2017

Fahrt nach De‘an, ca 85 km, erst hügelig und später bergig bei strahlendem Wetter.

Das heutige Ziel ist mein Ort, eigentlich… Nur haben die den falsch herum geschrieben. Mein chinesischer Name lautet Ande aber die haben meinen Ort De’an genannt. Die chinesischen Schriftzeichen stimmen nur eben falsch herum. Also ein chinesisches Palindrom. „An“ heißt Frieden und „De“ heißt Tugend (bei meinem Namen übrigens vollkommen passend, ich bin katholisch…) also wohnen wir heute im Dorf des tugendlichen Friedens. Mit anderen Worten, hier ist tote Hose. Der Ort hat zwei Straßen in der einen wohnen wir.

Aber dafür ist das Hotel zwar schlicht, aber sauber und hat eine gute Küche. Aber nochmal zum Anfang. Wie inzwischen bei uns Tradition haben wir uns beim Frühstück verquatscht und fahren mit einer halben Stunde Verspätung los. Ist nicht schlimm meint Xiao Ding, die Etappe ist total flach und nur 86 km lang. Die 1100 Höhenmeter unterschlägt er mal eben. Aber wie sich herausstellt, ist es tatsächlich nicht schlimm, denn wir sind unglaublich fit. Wir fliegen nur so die Berge am Ende der Etappe hinauf. Allen voran Lutz. Ich strample mit einen ab und habe einen verkrampften Gesichtsausdruck und da fliegt Lutz in doppeltem Tempo an mir vorbei und so entspannt, als säße er bei einer Tasse Kaffee. Dass er nicht noch singt und pfeift ist auch alles. Oben angekommen wartet er immer schon auf uns mit den Worten: „Das hat doch richtig Spaß gemacht, oder?“. Hat es heute auch, denn wir haben perfektes Wetter und eine richtig schöne Etappe.

Mal sehen wie es morgen wird, da kommen noch ein paar hundert Höhenmeter und weitere 20 km obendrauf. Beim Abendessen im Hotel ist recht ausgelassene Stimmung dank Xiao Dings Schnaps. Er und seine Frau nutzen die Stimmung um uns ein paar Geschenke zu machen. Auch das hat mittlerweile Tradition. Inzwischen beschränken sie sich glücklicherweise auf Geschenke, die man mit dem Flugzeug auch mit nachhause nehmen kann. Wir bekommen jeder eine Packung Tee aus eigener Produktion mit einem kleinen Vortrag wie der Tee geerntet und verarbeitet wird. Außerdem bekommt jeder eine Packung getrockneter Mu’er Pilze. Das ist echt rührend und wir lernen eine Menge über chinesische Gastfreundschaft. Ein wenig beschämt es uns, dass wir nicht auch Gastgeschenke haben, aber Xiao Ding und Xiao Luo machen uns deutlich, dass die auch gar nicht erwartet werden. Wir sind die Gäste in China. Xiao Ding meint: „Wenn ich nach Berlin komme, kannst Du mir auch was schenken.“


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Die Zukunft lässt grüßen

Entlang der Teestraße, 11.02. bis 05.03.2017

Fahrt nach Zhenyuan, ca 71 km hügelig, bei angenehm warmem Wetter

Das Frühstücksbuffet im Hotel von Xiao Dings Schwägerin ist recht ansprechend. Xiao Dings Frau, Xiao Luo, bringt uns sogar noch selbst angebauten Kaffee vorbei der wesentlich besser schmeckte als alles was man in den Supermärkten kaufen kann. Als wir nach dem Frühstück aufbrechen wollen, kreuzt Xiao Luo‘s Schwester auf und bietet uns einen selbst angebauten Tee an. Da kann man schlecht nein sagen. Also setzen wir uns wieder hin und bekommen von ihr eine Tee-Zeremonie. Das hat schon was.

Mit ziemlich genau einer Stunde Verspätung brechen wir auf. Macht nichts, denn die Etappe heute ist nur rund 70 km weit und nur hügelig und nicht bergig. Wir kommen auch prima durch. Die Etappe ist angenehm, weil einerseits nur mäßiger Verkehr auf der Landstraße ist und weil es verhältnismäßig warm ist. Die letzten 5 km sind allerdings wieder Baustelle mit einem Mega-Stau. Gut dass Xiao Ding und Xiao Luo vorgefahren sind, sonst würden wir bis heute Abend auf unsere Koffer warten können. Die Sicherheitsleute haben abgesperrt und lassen nur zu bestimmten Zeiten Autos durch. Mit den Rädern können wir uns aber halbwegs an den ganzen LKWs vorbeischlängeln.

Nach der sehr notwendigen Dusche, fahren wir noch mit den Rädern ein wenig durch die Stadt und essen eine Kleinigkeit. Im Nachbar Restaurant sitzen ein paar chinesische Jugendliche, die uns mehrfach zuprosten und zum Schnapstrinken animieren wollen. Die Jungs sind schon ziemlich betrunken und torkeln herum. Zuprosten ist ok aber das Schnapstrinken können wir umgehen. Dafür haben wir beim Gewinnspiel der Dali-Brauerei zwei Flaschen Bier gewonnen. Die gibt der Kioskbesitzer nur sehr ungerne heraus. Der hätte nie damit gerechnet, dass Langnasen von dem Gewinnspiel in den Kronkorken wissen. Aber das hat uns Xiao Ding vor ein paar Tagen gezeigt. Da hatten wir auch schon ein paar Flaschen gewonnen.

Was uns beim Schlendern durch den Ort massiv auffällt ist, dass unheimlich viele Gebäude leer stehen und trotzdem noch eine Menge neue Gebäude entstehen. Entweder wird hier wie wild am Bedarf vorbei gebaut oder man erwartet hier in Zukunft einen massiven Zustrom an Menschen. Die Zukunft wird’s zeigen. Auch die Straßen scheinen in diesem Ort, wie in anderen vergleichbaren Städten Chinas, etwas überdimensioniert. Hier wird definitiv für die Zukunft gebaut.


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Festgelage Teil 2

Entlang der Teestraße, 11.02. bis 05.03.2017

Fahrt nach Jingdong, ca 107 km bergig, Anfangs Regen später Sonnenschein.

Regen. Gleich früh am Morgen. Das macht keinen Spaß. Erst mal frühstücken und dann sehen wir weiter. Es gibt leckere Maultaschen und während wir essen hört der Regen auf. Wir packen unsere Sachen und entscheiden obwohl es noch ein wenig tröpfelt zu fahren. Nach etwa 700 m wird der Regen wieder stärker. Mist. Wir halten an um Regenklamotten überzuziehen, entscheiden dann aber alle Mann ins Begleitfahrzeug zu steigen und ein paar Kilometer zu fahren. Wir wollen nicht bei der 20 km langen Fahrt bergauf pitschnass werden und uns dann bei der langen Abfahrt verkühlen. Ein kranker reicht ja.

Also fahren wir Bus. Nach etwa 5 km kommt etwas die Sonne durch und wir halten an um die Wetterlage zu checken und zu entscheiden ob wir weiter radeln oder mit dem Bus fahren. Nach einer kontroversen Diskussion fahren wir doch weiter Bus. Lutz trauert ein wenig. Er fährt am liebsten Berge hinauf und bedauert die 20 km Aufstieg nicht mit dem Rad gefahren zu sein. Aber auch er sagt, bei Regen macht es halt einfach keinen Spaß. Und das ist ja hier schließlich Urlaub.

Kurz hinter dem Pass hört der Regen denn auf und wir steigen auf die Räder. Der Regen verschont uns auch den Rest des Tages und es kommt später sogar die Sonne heraus. Die Landschaft ist sehr schön und deshalb werden die verbliebenen 83 km zu einer sehr schönen Radtour.

Jingdong ist die Heimat unseres Fahrers Xiao Ding. Er hatte bereits angekündigt, dass er uns hier nochmal zum Essen einladen wird. So ist es dann auch. Wir fahren zu einem Restaurant eines Freundes und essen dort zusammen mit seiner ganzen Familie. Wie auch zuvor in Nanhua fahren sie gewaltig auf. Ich hatte Xiao Ding mal erzählt, dass es in Schwaben auch Maultaschen gibt und dass unsere beiden Schwaben deshalb auch in China gerne Maultaschen essen. Sie bestellen gleich drei Portionen für uns. Etwas too much. Aber das ist eben chinesische Gastfreundschaft.

Zum Ausklang fahren wir noch auf einen Festplatz der Yi-Nationalität, denn Jingdong ist ein autonomer Kreis der Yi. Wir kommen leider etwas spät, denn die Tänzer und die Fressstände sind bereits weg. Übrig sind kurioser Weise nur noch die Spielbuden für kleine Kinder. Die reizen uns nicht so sehr, also fahren wir wieder zurück ins Hotel. Das Hotel ist das Beste bisher auf der Tour und gehört der Schwägerin von Xiao Ding. Dass wir uns hier wohlfühlen, macht seine Frau mächtig stolz.


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Laufen lassen

Entlang der Teestraße, 11.02. bis 05.03.2017

Fahrt nach Nanjian, ca 42 km fast nur bergab

Gemütlich um 09:00 Uhr begannen wir unseren Tag mit dem Frühstück. Wir hatten keine Eile, denn der Vormittag heute war frei. Gemeinsam schlenderten wir nach dem Frühstück durch die Stadt und besuchten u.a. den Konfuzius-Tempel, ansonsten ließen wir uns einfach treiben. Da es leicht zu regnen anfing, setzten wir uns in ein Café. Das war im pseudo Kaffeehaus-Stil aber lange nicht so hip wie das kleine Café von gestern.

Gegen 14:00 Uhr radelten wir dann los. Es waren nur rund 40 km und so gut wie nur bergab. Das hatten wir schnell hinter uns. Nun bekam ich auch die Strecke mit, die ich vor zwei Tagen verpasst hatte. Wirklich eine schöne Strecke mit wenig Verkehr. Da konnte man einfach laufen lassen. Eigentlich schade, dass es morgen nicht mehr so sein wird. Da erwarten uns 105 km mit über 1300 Höhenmetern.

Am Hotel angekommen, hatte Xiao Ding bereits die Zimmerschlüssel organisiert. Gerade als wir die Koffer in die Zimmer schleppen wollten rückte die Chefin mit der Nachricht heraus, dass heute keine Duschmöglichkeit bestünde, da das Rohr gebrochen sei. Wann es wieder repariert sei wisse sie nicht, aber wir könnten uns ja Wasser mit den Wasserkochern heiß machen und uns damit waschen. Diese Vorstellung gefiel uns irgendwie überhaupt nicht und so gaben wir die Schlüssel zurück und bezogen ein Hotel gleich um die Ecke.

Nach dem Duschen und einer kurzen Pause führte uns Xiao Ding in ein sehr gutes und preiswertes Restaurant. Sehr leckeres Essen für schlappe 155 RMB inklusive Getränke für 5 Personen, das sind in etwa 20 Euro. Da kann man nicht meckern. Wir wollten noch irgendwo ein „Gute Nacht Bierchen“ trinken, aber da hatten wir weniger Glück. Wir fanden auf dem Rückweg keine Bar oder ähnliches. Aus Not tranken wir dann in der Lobby unser aus Weishan mitgebrachtes belgisches Bier. Eine Spende von Jörg!! Dem Spender sei Dank, Gott sei Dank.


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Daoistische Gelassenheit

Entlang der Teestraße, 11.02. bis 05.03.2017

Tagesausflug auf den Weibaoshan, ca 30 km sehr bergig und zwischen drin ca 8 km Wanderung mit 300 Höhenmetern. Das Wetter war stark bewölkt und es war recht kalt.

Das Frühstück ging schon wieder runter was bedeutete, dass es mir schon wieder etwas besser ging. Dennoch ließ ich es etwas langsamer angehen. Nach dem Frühstück machten sich Jörg und Lutz mit den Rädern auf den Weg hinauf zum Weibaoshan, einem der berühmtesten daoistischen Berge. Uwe und ich wuschen erst einmal die Wäsche der Gruppe in der hoteleigenen Waschmaschine und hatten für die Fahrt zum Weibaoshan hinauf ein Taxi bestellt. Für die Fahrt fühlte ich mich noch nicht fit genug, denn das sind 13 km, von denen 10 km stramm bergauf gingen. Wir waren noch nicht lange oben, da trudelten die beiden kurz hintereinander ein. Wie wir erfuhren hatten sie sich sogar noch verfahren, sonst wären sie noch früher hier oben gewesen. Sie nahmen es gelassen wie echte Daoisten. Und Daoismus stand ja heute auf dem Programm.

Die Wanderung war ein etwa dreistündiger Rundgang durch ein Areal von kleinen daoistischen Tempeln. Gelegentlich war auch mal buddhistischer Tempel darunter. In einem solchen wurden wir von einer alten Dame zum Tee eingeladen. Insgesamt war die Wanderung über wahrscheinlich tausende von Treppenstufen zwar nicht unanstrengend, aber dennoch sehr entspannt, weil außer uns nur noch eine Handvoll anderer chinesischer Besucher unterwegs war. Da konnte man schon die daoistische Gelassenheit und Naturverbundenheit hautnah erleben.

Am Abend schlenderten wir noch ein wenig durch die Altstadt und entdeckten ein richtiges Café mit einer professionellen italienischen Kaffeemaschine. Die Inhaberin und ihr Mann waren zudem noch Fahrradenthusiasten, das passte wie die Faust aufs Auge. Wir ließen dort natürlich nach dem Abendessen den Abend ausklingen.


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