Nach der Reise ist vor der Reise

Entlang der Teestraße, 24.09. bis 16.11.2017

Am letzten Tag unternehmen wir noch eine kleine Stadtrundfahrt, die uns erneut durch das brandneue Stadtviertel Gaozhuang sowie auf die andere Mekongseite und zum großen Buddha von Jinghong führt.

Heute treffen wir aber auch auf Karls Gruppe, die zur Goldenen Dreieck-Tour startet. Einige kennen sich schon von früheren Fahrten, und unter großem Hallo werden die Hotellobby und die kleine Nudelbude gegenüber gestürmt.

Carola und Karlheinz schließen sich schon so halb ihrer neuen Gruppe an, für uns andere heißt es Abschied nehmen: von den Rädern, der Reise, Xiao Luo und Xiao Ding, und vom schönen Yunnan. Es war eine schöne Tour auf der Teestraße. Ich zumindest komme wieder, soviel ist sicher!  

(Statistik folgt)

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Bereit für eine andere Welt?

Entlang der Teestraße, 24.09. bis 16.11.2017

Von Sanchache nach Jinghong, 42 km, schwül-warm und Regen

Ich wache auf und es regnet. Nein, es schüttet, und weil die dicken Tropfen unaufhörlich auf das Zierdach aus Wellblech am Eingang prasseln, hört sich das Ganze noch viel viel stärker an. Ein Regenguss unterwegs wäre schon ok, aber bei diesem Wetter zu starten, das wollen wir dann doch nicht. Abwarten und Tee trinken, heißt sie Devise, und eine Stunde später als geplant reißt der Himmel auf und wir können starten.

„Es gibt gute Nachrichten“, meint Xiao Ding, „die Autobahn von Kunming nach Mohan ist im September endlich fertig gebaut worden, deswegen sollte es auf unserer Straße ruhiger sein.“ Das trifft zu, und so macht einigen von uns nur noch die steigende Luftfeuchtigkeit, nach dem Regen ist es besonders dampfig, zu schaffen. Unser Zielort der Teestraßen-Tour, Jinghong, liegt etwa auf 21° nördlicher Breite und damit, zumindest nach einer der Definitionen (alles innerhalb der Wendekreise, also 23° nördlicher und südlicher Breite), schon in der Tropen. Der Regenwald macht seinem Namen alle Ehre, und wir bekommen immer wieder eine warme Dusche ab.

In der 500.000 Einwohner zählenden kleinen Stadt sind wir in Gaozhuang untergekommen. Am Ufer des Mekongs wurde innerhalb von knapp sechs Jahren ein kompletter Stadtteil aus der schlammigen Erde gestampft: hübsche Wolkenkratzer, dazwischen kleine Dörfer mit Nachtmarkt, am Ufer ein riesiges Hotel, daneben Apartments zum Kauf oder zur Miete. Von den fünf Zonen, mit deren Bau 2012 begonnen wurde, sind vier schon fertig, der fünfte soll Ende 2018 ebenfalls abgeschlossen sein. Es ist ein beeindruckendes Projekt, das wir uns erst im Modell und danach bei einem Rundgang bei Nacht ansehen. Nicht nur ich habe das Gefühl, China verlassen und in Thailand oder einer ganz eigenen Welt gelandet zu sein. Ein erstaunlich leiser Nachtmarkt mit zahlreichen Ständen, viel Gegrilltem, Obst und sonstigen Leckereien… wir snacken uns fröhlich durch.


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Freitag der 13.

Entlang der Teestraße, 24.09. bis 16.11.2017

Aus den Teeplantagen nach Sanchahe

… ist zwar erst morgen, aber dieser Tag hatte es in sich und wir waren froh, als Donnerstag der 12. vorüber war.

Dabei hatte alles so gut begonnen: aus den Teeplantagen heraus führt die kleine Straße direkt durch einen Nationalpark: die Vegetation wird Djungel-ähnlich, die Bäume genauso wie die Luftfeuchtigkeit an den Steilhängen höher, und von den Monokulturen ist nichts mehr zu bemerken. Oben angekommen haben wir wechselweise einen Blick auf das dichte Grün oder die Wolkenfetzen unter uns und genießen die Hefeschnecken, die Xiao Luo heute früh noch aus einer Bäckerei in Pu`er besorgt hat. „Dafür muss man ab sechs Uhr anstehen, und jede Person darf nur zehn Stück mitnehmen“, erzählt Xiao Luo, „so begehrt und selten ist dieses Gebäck.“

In der zweiten Tageshälfte ist uns leider ein Kind ins Rad gelaufen, was hinterher glücklicherweise glimpflich für alle Beteiligten ausgegangen ist. Uns steckten der Schock und die Sorge jedoch noch den ganzen Tag in den Knochen. Schließlich gab es einen tropischen Platzregen und keinen Unterschlupf weit und breit. Nass bis auf die Haut und einige ziemlich durchgefroren (was auch bei den warmen Temperaturen vorkommen kann), wollten wir die letzten 30 km Abfahrt auf glitschiger Straße heute einfach nicht mehr riskieren. Mit einem zusätzlichen Auto ging es also zum Zielort, der mitten im „Wild Elephant Valley“ liegt. Ein rauschender Fluss hinter dem Haus, das Zirpen der Grillen und Zikaden und zahlreiche uns unbekannte Vogelstimmen – eigentlich schönste Urwaldkulisse – das alles nehmen wir nur noch am Rande wahr und fallen ziemlich erledigt in den Schlaf.


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Endlich Tee

Entlang der Teestraße, 24.09. bis 16.11.2017

Von Pu`er in die Teeplantagen, 27 km, sehr hügelig

Dieser Tag steht ganz im Zeichen des Tees. Am Vormittag brechen Renate, Werner, Karlheinz und ich zum Teemarkt von Pu`er auf. Pu`er ist die Hauptstadt des gleichnamigen Tees, die diesen Namen allerdings erst 2007 bekam. Das heutige Ning`er, eine etwas chaotische kleinere Stadt, musste diesen Titel an das ehemalige Simao abgeben, was auf alten Karten, Orts- und Entfernungsbeschilderungen noch immer für Verwirrung sorgt.

Der Chayuan Guangchang ist ein Teegroßmarkt mit vielen Hallen und kleinen Läden, in denen alle möglichen Tees, Teezubehör und die dazugehörigen Möbel angeboten werden. Besonders beim Anblick der großen Teetische, die aus ganzen Baumstämmen mit gut zwei Metern Durchmesser und oft mehr als drei Meter Länge bestehen, blutet mir das Herz. Unvorstellbar, welche Urwaldriesen hierfür gefällt wurden. Aber wir sind ja wegen des Tees hier, und der mundet. Wir sind früh dran, und in den Geschäften ist es noch ruhig. So können wir in aller Ruhe Tee verkosten.

Der ungereifte Pu`er Tee ist heller in der Farbe und etwas bitter, auch wenn es sich um den begehrten „first flush“, also die ersten zarten Blätter der Teeernte im März, handelt. Der gereifte Tee hat dann die charakteristische rotbraune Farbe und ist rauchig im Geschmack, mit einer feinen Vanillenote, wie Renate findet. Der Tee, den wir verkosten, hat anscheinend in Guangzhou einen Preis gewonnen. „Diesen Tee kann man auch am Abend trinken“, antwortet eines der drei Mädels, die uns elegant durch die Teezeremonie führen, auf die Frage, ob man nach dem Teegenuss auch schlafen könne. Gut für die Verdauung, fettreduzierend, beruhigend, das sind alles Eigenschaften, die einem gereiften Pu`er Tee zugeschrieben werden. Er wird im Gegensatz zum Grüntee mit kochend heißem Wasser aufgegossen. „In dieser Gegend erreichen wir wegen der größeren Höhe allerdings nur 97 Grad Celsius“… so geht es eine Weile weiter und wir trinken einen Aufguss nach dem anderen (es sind bis zu 20 Aufgüsse möglich), der jeweils etwas anders schmeckt. Schließlich entscheiden wir uns für einen gereiften Tee, der traditionell in Fladen gepresst verkauft wird.

Schnell geht es zurück zum Hotel, und auf die Räder, denn wir wollen heute noch in die Teeplantagen fahren. Auf den knapp 30 km legen wir gut 600 HM zurück, es ist eben hügelig im Lande des Tees. Unterwegs entdecke ich die ersten Mimosen, die auch noch auf den Blog-Bildern zu sehen sind. Unsere Unterkunft liegt in den Teehängen, und wir verbringend den Nachmittag mit Entspannen und Spaziergängen durch den Tee.


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So schön kann Radeln sein

Entlang der Teestraße, 24.09. bis 16.11.2017

Von Zhenyuan über De`an nach Pu`er

Ab Zhenyuan begleitet uns Xiao Ding, weil sich Xiao Luo für ein paar Tage um die kleine Tochter kümmern muss. Es folgen zwei bergige Radtage, die jeweils über 1.000 HM für uns bereithalten. Dazu warmes Wetter, kaum Verkehr und eine tolle Landschaft, was will man mehr.  

Dicht bewaldete, steile Hügel, grün grün und nochmal grün, links von uns meist der Fluss. Am Morgen hängt der Nebel in den Hügeln, was der Szenerie eine mystische Stimmung verleiht. Spätestens zur Mittagspause ist es so warm, dass wir uns über jeden Schatten freuen und dafür auch mal auf der falschen Straßenseite fahren. Den wenigen Fahrzeugen, die hier unterwegs sind, scheint das nichts auszumachen.

Nach De`an sind es 87 km und 1.021 HM. Die erste Tageshälfte vergeht wie im Fluge. Wir halten nur ganz selten zum Fotografieren an, mir haben es beispielsweise die stacheligen Blätter und große schwarze Schmetterlinge angetan. In der Mittagspause sitzt eine kleine chinesische Gesellschaft neben uns, die fröhlich Schnaps trinkt und immer lauter wird. Wir probieren nur den Apfelsaft, der ein wenig nach Essig schmeckt und für unseren Geschmack etwas zu stark gezuckert ist. In der Auslage befinden sich auch Bambuswürmer und Bienenwaben, die wir aber dankend ablehnen und lieber nur gebratenen Reis bestellen.

Die unangefochtene Bergkönigin ist Renate. Das stellt sich auch wieder auf dem letzten Anstieg nach De`an heraus. Werner dagegen meistert die schnellsten Abfahrten, egal wie kurvig die Straße auch sein mag. Karlheinz fährt am liebsten in den großen Gängen. Carola findet heute riesige Schnecken und der andere Werner macht mit seinem orangenen Helm eine gute Figur in der grünen Umgebung.

De`an ist ein kleines Dorf, das noch von einem Lautsprecher mit Parolen beschallt wird. Die beginnen am Morgen kurz nach den Hähnen, ausschlafen kann man hier sicherlich nicht. Also sind auch wir vor acht auf der Straße. Die Strecke ist wegen Erweiterungsarbeiten zeitweise gesperrt, so dass wir am ersten Anstieg nahezu allein unterwegs sind. Oben angekommen zeigt sich kurz die Sonne, die Abfahrt im Nebel ist so kühl, dass man schon fast eine Jacke anziehen muss. Bis nach Pu`er sind es 106 km, und auf drei Anstiegen kommen knapp 1.600 HM zusammen.

Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt: wir sind schon um vier Uhr in Pu`er, wo ich einen kleinen Zivilisationsschock bekomme. Die Räder stellen wir in die Tiefgarage des Hotels ab, statt Hühner- und Schweineställen befinden sich jetzt Bars und Restaurants in der unmittelbaren Umgebung, und zwar so viele, dass man sich kaum entscheiden kann. Die Ausgehmeile von Pu`er kommt sehr schick und großstädtisch herüber, es gibt Hochglanzgeschäfte und Musicbars mit stylischen Innenräumen, in denen angesagte Bands spielen. Bis zum Auftritt hat allerdings nur noch Werner durchgehalten. Uns anderen steckten die beiden schönen aber auch anstrengenden Radtage in den Knochen.


Strecke vom 09.10.2017 (Zhenyuan nach De’an)

Strecke vom 10.10.2017 (De’an nach Pu’er)

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Berge, Bambus und Bananen

Entlang der Teestraße, 24.09. bis 16.11.2017

von Weishan über Nanjian nach Jingdong und Zhenyuan

… und vieles mehr. Ich mache einmal den Versuch, drei Radtage zusammenzufassen, was nicht so einfach ist, denn wir haben ziemlich viel erlebt.

In Weishan verbringen wir noch einen Vormittag, besichtigen u.a. das Nanzhao-Museum (über ein Königreich, das etwa von 600 bis 900 n.Chr. in dieser Gegend Yunnans bestand, und auf dessen Spuren man auf der Südlich der Wolken-Tour z.B. am Steinschatzberg stößt) und essen in einer angesagten Nudelbude zu Mittag, in der die Nudeln aus einem einzigen Teigfaden gezogen werden. Auf der kurzen Fahrt nach Nanjian, es geht 40 km tendenziell bergab, stoßen wir dagegen immer wieder auf die Spuren der heutigen Entwicklung: überall werden neue Straßen, Autobahnen und Eisenbahntrassen gebaut. In Nanjian werden wir herzlich von der Hotelchefin empfangen, es gibt Tee und Walnüsse (es ist gerade Erntezeit). Außerdem empfiehlt sie uns ein Restaurant am anderen Ende der Stadt. „Es ist ganz einfach, ihr fahrt bis zur Endstation des Elektrobusses, es gibt nur eine Linie, die immer die Hauptstraße auf- und abfährt“. So haben wir es auch gemacht und viel Freude dabei gehabt. Kleinstädte (Nanjian hat etwa 200.0000 Einwohner) sind immer wieder für eine Überraschung gut.

In Nanjian starten wir früh, eine Nudelbude hat glücklicherweise schon um halb acht geöffnet. Die Fahrt ist 108 km lang und wir überwinden dabei knapp 1.300 Höhenmeter. Die ersten 20 km geht es bis auf gut 2.000 m Höhe stetig bergauf, den Rest des Tages rollen wir an einem kleinen Fluss hinunter auf eine Höhe von 1.200 m. Ok, ein bisschen in die Pedale treten muss man dafür schon. Zwischendurch trifft Xiao Luo an einem Obststand eine alte Freundin, die Welt ist klein. Spätestens heute beginnt der zumindest für mich botanisch interessante Teil der Tour: jetzt tauchen riesige Bambuswälder und die ersten Bananen auf. Nach einer letzten Rast in der üppigen Vegetation landen wir im Hotel von Xiao Luos Schwester und essen mit der Familie zu Abend: Mutter, Sohn und Tochter sind alle dabei, und schließlich kommt auch noch der Ehemann Xiao Ding dazu, der in den letzten Woche eine andere China by Bike Radgruppe begleitet hat. Ein schöner Abend mit Familienanschluss!

70 Kilometer nahezu eben (es sind dann doch noch knapp 700 HM zustande gekommen) laden zu zahlreichen Fotostopps ein. In dieser Gegend, zwischen dem Fluss und den Bergen, wird unglaublich viel angebaut: Zuckerrohr, Taro, Reis und Tabak waren uns schon bekannt. Dass hier auch Maulbeerbäume in großer Anzahl gepflanzt werden, war zumindest mir neu. „Die kleinen Büsche, dessen Blätter an Bambus erinnern, sind übrigens Ingwer“ beantwortet Xiao Luo meine Frage von gestern. Und tatsächlich entdecke ich die Pflanze in fast jedem Gemüsebeet. Aus den Plastikplanen dagegen sprießt meist Chili. Auch die Plantagen der Drachenfrucht, die wir neben den kleinen Bananen in den Obstpausen genießen, sind uns jetzt bekannt. Alles, was ich nicht kenne und häufig auf den Feldern sehe, wird fotografiert und später nachgefragt. Vielleicht können wir es in der nächsten Pause oder am Abend in einer Garküche bestellen (die blau blühenden Wasserhyazinthen sind eher für das Vieh bestimmt)… heute Abend gab es allerdings Fisch-Hotpot, die Wahl war auf einen Stör gefallen. Dafür mussten wir allerdings ein paar Minuten am neu angelegten Parkstreifen am Kanal entlang spazieren. Denn Neu-Zhenyuan ist eine zwar schon gebaute und hübsche saubere Stadt, steht aber zum größten Teil noch leer. Die wenigen Geschäfte bieten meist Tee an, und die großen Bauten lassen ahnen, dass einige Geschäftsleute bereits hier mit Tee gutes Geld verdienen. Die ersten Teebüsche haben wir gestern gesehen, aber eher vereinzelt, das wird noch besser werden. Gegen Ende der Etappe haben wir einem Stück Holperstraße Tribut gezahlt: beim Bruch des Schaltwerks ist glücklicherweise nur dem Fahrrad etwas passiert.
Sämtliche genannte Pflanzen und einige mehr finden sich in den Bildern wieder:


Stecke vom 06.10.2017 (Weishan nach Nanjian)

Strecke vom 07.10.2017 (Nanjian nach Jingdong)

Strecke vom 08.10.2017 (Jingdong nach Zhenyuan)

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Weishan und sein daoistischer Berg

Entlang der Teestraße, 24.09. bis 16.11.2017

Ausflug zum daoistischen Weibaoshan, 13 km, 500 Höhenmeter

Zum Ruhetag in Weishan möchte ich die Bilder sprechen lassen. Ruhetag heißt übrigens, dass Renate, die beiden Werner und ich nur 13 Kilometer zum daoistischen Weibaoshan geradet sind. Weil immer noch Feiertagswoche ist, waren die etwa 400 Jahren alten Tempel gut besucht und eine meditative Hintergrundmusik eingeschaltet. Der Daoismus hat sich mir noch nie so richtig erschlossen, aber vielleicht macht gerade das den Reiz aus.

Nach dem Abendessen schlendern wir wieder durch die Fußgängerzone Weishans und bleiben an dem einen oder anderen Stand mit getrockneten Früchten und kandierten Walnüssen hängen. Gut, dass es ab morgen wieder richtig aufs Rad geht.


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Mondfest

Entlang der Teestraße, 24.09. bis 16.11.2017

Von Xiangyun nach Weishan, 97 km

Heute Abend zirpen die Grillen sehr laut. Die chinesische Familie im Innenhof ist dagegen ziemlich leise, und das will etwas heißen. Es ist Mondfest, also ein bestimmter Vollmond im Herbst, der nach dem Bauernkalender bestimmt wird. An diesem Tag kommt die Familie zusammen, schaut in den Himmel und isst. Dabei geht es eher beschaulich zu.

Apropos Essen: auf die Nudelsuppe haben wir heute früh verzichtet und dafür Leckereien aus der chinesischen Bäckerei und Baozi mit süßer Bohnenpasten- und Pilzfüllung gegessen, die wir am Stand mit den vielen großen silbernen Dampfeinsätzen erstanden haben. Kurz nach der Stadtausfahrt aus Xiangyun lassen wir erst einmal unsere Räder vom Schlamm befreien, von der Dame am Truckstop. Nach 58 Kilometern machen wir eine kleine Obst- und Kekspause in einem kleinen Park. Der Schatten tut gut und außer uns haben sich auch einige Chinesen ins Gras gesetzt, um zu entspannen. Kurz darauf gibt es einen Regenschauer, der die Luft reinigt und uns eine staubfreie Weiterfahrt ermöglicht. Bei unserem heutigen Nudesuppenstopp sehen wir an den ersten Papayabäumen, dass wir uns ein gutes Stück nach Süden bewegt haben. Es ist herrlich warm und wir könnten noch Stunden hier sitzen bleiben…

Die letzten Kilometer nach Weishan sind purer Genuss: leichte Steigung, tolle Landschaft, kaum Verkehr, keine Baustellen.

In Weishan lassen wir die Seele baumeln: im Innenhof des Hotels im Stil einer alten Karawanserei kann man prima sitzen, im nahen Restaurant herrscht reger Feiertagsbetrieb und die hübsch beleuchtete Altstadt lädt zum Schlendern ein. Nur die Bedienung der chinesischen Waschmaschine ist nicht ganz einfach: Wäsche von oben einfüllen und Wasser einlassen bekommen wir gut hin, nur der Abfluss funktioniert nicht. Also muss die Wäsche ganz altmodisch in der großen Schüssel ausgespült werden. Bei der warmen Witterung sollte sie bis morgen getrocknet sein. Yunnan im Herbst ist einfach toll, um denn kurzen europäischen Sommer etwas zu verlängern!


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Erste Bergetappe

Entlang der Teestraße, 24.09. bis 16.11.2017

Von Nanhua nach Xiangyun, 115 km, etwa 1.400 Höhenmeter

Eine lange Etappe bringt uns in Richtung Dali. In der letzten Ebene werden die Wohnhäuser größer und stattlicher. Chinesische Kleinstädte sind immer wieder gut für Entdeckungen.

Heute sind wir schon um acht Uhr im Sattel. Erst einmal nur zu viert, Carola hat eine Erkältung auszukurieren und Werner stößt später dazu. Wir sind recht schnell unterwegs, so dass ich von der schönen Passlandschaft gar keine Bilder gemacht habe. Die grüne Hügel, noch nebenverhagen, ergeben ein tolles Bild. Außer uns haben wir noch sieben weitere chinesische Radgruppen getroffen. Drei Jungs aus Shenzhen zum Beispiel: sie liefern sich beim Anstieg mit Renate ein Rennen – und verlieren. Ich freue mich, dass so viele Radler unterwegs sind, denn Radreisen war bis vor der Olympiade im Jahr 2008 eine echte Seltenheit im Lande.

Die Passhöhe auf über 2.400 Metern erreichen wir gegen ein Uhr, Mittagspause inklusive. Bei der schönen Abfahrt wird es langsam sehr warm. Immer wieder geht es vorbei an Seen und durch kleine Dörfer, ansonsten ist diese Gegend noch sehr unberührt. Erst in der Ebene, in der vor allem Reis angebaut wird, nimmt die Besiedlung zu. Wir befinden uns noch auf 2.000 Meter Höhe, das Licht ist fantastisch, die Ebene ist umgeben von höheren Bergen. Die Häuser werden stattlicher, hellgrün gekachelte zweistöckige Wohnhäuser mit großen, gewölbten Glasfensterfronten, oft mit Balkon oder Wendeltreppe zum Dach, sind gerade der letzte architektonische Schrei. Die traditionelleren Bauten sind mit Torbögen und Malereien verziert, wie man es aus dem nahe gelegenen Dali kennt.

Die letzten Kilometer ziehen sich, und wir sind froh, endlich am Zielort anzukommen. Bei einem Rundgang zeigt sich, wie vielfältig chinesische Kleinstädte sind: ganz in der Nähe gibt es von Friseuren über kleine Shops und Snackbuden bis hin zur modernen Einkaufsmeile mit Hochglanzgeschäften und Bäckereien alles Mögliche zu sehen. Trotzdem wird der Abend nicht allzu lang. Morgen erwarten uns 95 Kilometer, bevor wir in Weishan einen Ruhetag einlegen.


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Regentag

Entlang der Teestraße, 24.09. bis 16.11.2017

Von Chuxiong nach Nanhua (30 km)

Eine kurze Etappe. Gemütliches Radeln erst bei Hitze, dann bei Regen.

Heute ist es ruhig in Chuxiong. Nach dem Frühstück schlendere ich an den Kanälen vorbei, Carola liest und Renate und Werner besuchen die Galerie gegenüber. Ohne ein Foto mit dem Künstler, der gerade vor Ort ist, geht es auch hier nicht. Zwei neunjährige Mädels freuen sich über eine Abwechslung: „Warum haben nur einige von euch blaue Augen, wie bekommt man eine lange Nase und was sind die befreundeten Länder von Deutschland und Österreich“, fragen sie ungeniert und plaudern aus ihrem Leben in Chuxiong. Als wir gegen zwölf Uhr endlich aufbrechen, sind sie ganz traurig. „Wir wollen doch noch so viel wissen“.

Unterwegs erwischt uns ein starker Platzregen, den wir angesichts der kurzen Strecke, es sind nur 30 km nach Nanhua, mal eben am Auto abwarten. Im Hotel angekommen fängt es richtig an zu gewittern, so dass wir im Hotelrestaurant zu Abend essen und später noch in der Lobby sitzen, neben dem gigantischen Leuchter. Das Hotel ist mit der überdimensionalen Eingangshalle ein Überbleibsel aus früheren kommunistischen Tagen. Das jüngere Personal im Restaurant bekommt einen Rüffel, weil sie sich die ganze Zeit mit uns unterhalten und gar nicht daran denken, wieder in der Küche mitzuhelfen.

Nach der kurzen Etappe erwarten uns in den nächsten Tagen zwei längere, bergigere Strecken.


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