Feuchter Abschied

Die Drei Schluchten des Yangzi, 13.09. bis 08.10.2013

Auch unser letzter Tag hier in Shanghai versinkt im Regen und wir müssen mehrfach unsere Pläne anpassen. Schon früh sieht es richtig übel aus und wir entscheiden uns, zuerst das Shanghai Museum anzusteuern. In dem exzellenten Museum mit freiem Eintritt kann man locker einen ganzen Tag verbringen, wobei eines der Highlights die Kostüme und Masken der ethnischen Minderheiten Chinas sind, von denen es hier eine schöne Auswahl gibt. Wir nehmen uns heute allerdings nur etwa anderthalb Stunden Zeit und schaffen deshalb nur einen kleinen Bruchteil der Ausstellungen.

Auf unserem Weg hinüber zum Yu-Garten, einem hervorragenden Beispiel chinesischer Landschaftsgestaltung inmitten der Reste der Shanghaier Altstadt, machen wir auch noch unseren letzten Nudelsuppenstopp. Da es mittlerweile wieder stärker angefangen hat zu regnen, dezimiert sich unsere Gruppe weiter und wir landen schließlich nur noch zu siebent an der ehemaligen Residenz eines hochrangigen Beamten des Kaiserhofs. Der Garten macht auch im Regen noch eine gute Figur bzw. hat er hierbei seinen eigenen Reiz und der Besuch lohnt sich auch heute wieder.

Der Regen lässt jetzt nur noch selten und ganz kurzzeitig etwas nach, also werden sämtliche Außenaktivitäten gestrichen und wir suchen am frühen Abend unser Heil in der Shanghaier Gastronomie. Die hat eine große Auswahl zu bieten und so suchen wir uns schonmal was Passendes für einen langsamen Übergang zu den bekannten Verhältnissen, die uns zu Hause erwarten – ein Gläschen Wein beim Italiener und danach ein Abendessen auf Thailändisch. Morgen geht es dann zurück in die Heimat, zu Schwarzbrot, Käse und richtigem Kaffee.

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Mafan

Die Drei Schluchten des Yangzi, 13.09. bis 08.10.2013

„Mafan“ ist ein chinesischen Wort, das Ärger und Ungelegenheiten in unterschiedlichem Ausmaß bezeichnet. Unser Busfahrer hier in Wuhan scheint ein recht ruhiger, wenn nicht sogar phlegmatischer Zeitgenosse zu sein. Trotzdem habe ich ihn bereits gestern mehrfach was von „mafan“ vor sich hin brabbeln hören. Das Wort heute Morgen innerhalb von zwei Minuten schon wieder aus seinem Mund zu vernehmen, ist ein ganz schlechtes Zeichen. Gestern meinte er noch, der Bahnhof sei ganz in der Nähe und es wäre überhaupt kein Problem dahin zu kommen. Eine Stunde reiche dabei völlig aus. Nach einigem Hin und Her habe ich noch eine Viertelstunde früher herausgehandelt, obwohl man sich in der Regel eigentlich auf die Einschätzungen der Fahrer verlassen kann. Wir sind keine hundert Meter gefahren, als wir plötzlich eingekeilt im Blechgewühl stecken. Ein kleiner Unfall mit Blechschaden hat die Straße so blockiert, dass nur noch PKWs vorbeikommen und zurück geht auch nichts mehr. Zwei überforderte Hilfspolizisten kurz vor dem Ruhestand laufen ziellos um die Unfallstelle und versuchen den unbeeindruckt um sie herumströmenden Verkehr zu lenken. Sämtliche Appelle, doch mal die Straße frei zu machen, sind zwecklos. Schließlich muss ja erst die Polizei kommen, um den Unfall aufzunehmen. Nach einer Viertelstunde schafft es unser Fahrer dann doch noch umzulenken und auf einem Umweg erreichen wir kurz vor Abfahrt des Zuges den Bahnhof.

Während in Wuhan noch die Sonne schien, bewahrheiten sich bei der Zugfahrt langsam die schlechten Wetterprognosen, es wird grau am Himmel und schließlich setzt ein stärker werdender Regen ein. Die südöstlichen Küstenprovinzen einschließlich Shanghai werden derzeit von den Ausläufern eines bzw. sogar mehrerer Taifune heimgesucht. In diesem Fall darf man der Regenvorhersage des chinesischen Wetterbericht wohl ohne Abstriche vertrauen. Genauso ist es auch, aber ein bisschen Glück haben wir doch, denn nach einer späten Ankunft in Shanghai und einem ganz guten Abendessen mit Shanghai-Küche und diversem Meeresgetier machen wir noch einen trockenen Spaziergang über den abendlichen Bund, dessen gegenüberliegende Seite Pudong mit ihren in die Wolken stoßenden Hochhäusern und der allabendlichen Lichtshow einen imposanten Anblick bietet.

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Superstau

Die Drei Schluchten des Yangzi, 13.09. bis 08.10.2013

Zu unserem heutigen Tag gibt es leider nicht allzu viel zu berichten. Eine längere und eher unspektakuläre Busfahrt über flaches Land bringt uns in die Provinzhauptstadt Wuhan. Die Industriemetropole und eine der größten Städte Zentralchinas liegt am Zusammenfluss von Yangzi und unserem alten Bekannten, dem Hanfluss und steht wegen der Mischung aus Feiertagsdruck, U-Bahnbau und Brückenrenovierungen kurz vor dem endgültigen Kollaps. Das Verkehrschaos spottet jeder Beschreibung und so bleibt uns als einziger Programmpunkt heute der Besuch des Guiyuansi, eines sehr interessanten und rege besuchten buddhistischen Tempels. Gefühlt die Hälfte des Tages verbringen wir im Stau und erreichen irgendwann gegen Abend unser Hotel, das wir dann auch nur noch kurz für das Abendessen verlassen. Schade eigentlich, denn Wuhan hätte auch sonst noch einiges zu bieten gehabt – das bekannte Provinzmuseum mit seinen Ausgrabungen aus der Zeit der Streitenden Reiche, der Turm des Gelben Kranichs nahe dem Yangziufer (heute sogar mit einigermaßen guter Sicht) oder die Uferpromenade in Hankou mit den alten Gebäuden aus der Kolonialzeit.

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Stillleben mit Wäscheleine

Die Drei Schluchten des Yangzi, 13.09. bis 08.10.2013

Nun haben wir endgültig den letzten Tag unserer Radtour erreicht, der nochmal eine abwechslungsreiche Strecke, aber auch einiges an Autoverkehr bereithält. Zunächst hält uns eine bergige Umgehungsstrecke durch die Vororte noch ein wenig auf Distanz zur Hauptstraße, aber bald müssen wir uns unsere Route wieder mit dem chinesischen Feiertagstourismus teilen. Einen Stopp legen wir noch ein am Huanglingmiao, einem Tempel, der Yu dem Großen und seinem gelben Ochsen gewidmet ist, die der Legende nach gemeinsam die drei Schluchten geschaffen haben.
In der Haupthalle hat man noch zwei Säulen mit den Marken des Jahrhunderthochwassers von 1870 belassen, bei dem selbst dem großen Yu das Wasser bis zum Mantelkragen gestanden hätte. Wie er da so steht. Aber tatsächlich ist er ja erst nachher aufgestellt worden, also kann man jetzt sagen, dass er nach seiner Verewigung in Form einer Statue die Fluten erfolgreich zurückgehalten hat.

Ein paar Kilometer weiter setzen wir zügig mit der Zweirad- und Personenfähre über, während Xiao Yang mit seinem wahlweise gas- oder dieselgetriebenen Mobile etwas länger an der größeren Autovariante warten muss. Der nun folgende letzte Passanstieg unserer Tour hält nochmal einige schöne Ausblicke auf die letzte der Drei Schluchten bereit, die allerdings wieder durch das diesige Wetter getrübt werden.

Karin sagt, ich soll den Blog mal in fototechnischer Hinsicht aufpeppen und Hautnahes aus dem chinesischen Alltag präsentieren – es kann auch ruhig mal etwas Schlüpfriges dabei sein. Diesem Wunsch sein hiermit mit dem Stillleben mit Wäscheleine entsprochen.

Der Rest unserer heutigen Strecke bringt uns heftiges Stauen an einem chinesischen Vergnügungspark mit Bungeerampe und Riesenschaukel und eine doch irgendwie ganz interessante Stadteinfahrt mit älteren verschlafenen Vororten und einem recht ansehnlichen großstädtischen Zentrum. Heute Abend verabschieden wir auch noch unseren Fahrer Xiao Yang, der uns fast drei Wochen begleitet hat und sich morgen auf den Heimweg in seine 750 km entfernte Heimatstadt Xi’an machen wird. Sicher werden wir uns noch lange an ihn erinnern, unser tägliches hautnahes Beispiel chinesischer Kultur. Er hat uns tatkräftig zur Seite gestanden, hat uns angefeuert, für musikalische Untermalung gesorgt, uns heimgeleuchtet (in den Tunneln), Essen eingekauft und zwischendurch auch ab und zu mal sich und sein Bäuchlein mit einem kurzen Schönheitsschlaf verwöhnt.


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Durch die Schluchten

Die Drei Schluchten des Yangzi, 13.09. bis 08.10.2013

Heute morgen müssen neben unserem Gepäck auch erstmal unsere Räder verladen werden, denn diesmal können sie nicht mit aufs Boot, sondern müssen einen ca. neunstündigen Umweg durch die Berge nehmen. Wir dagegen wollen mit dem Boot die Drei Schluchten durchfahren und uns außerdem den im hinteren Teil befindlichen Staudamm anschauen. In den letzten Tagen hatten wir glücklicherweise immer gutes Wetter und es hat nicht geregnet. Das könnte allerdings auch mit dazu beigetragen haben, dass sich heute mal wieder eine in China häufig anzutreffende Wetterlage durchsetzt, die alles in einen trüben Dunst hüllt. Auch das vollbesetzte Linienboot lässt nur eine mangelhafte Aussicht zu, so dass wir von den Schluchten heute insgesamt nur wenig zu sehen bekommen.

Gegen Mittag erreichen wir dann unseren Hafen und steigen um in den Bus, der uns zum Staudammareal bringt. Die Ferien zum chinesischen Nationalfeiertag sind in vollem Gange und wir reihen uns in den Touristenstrom ein, der generalstabsmäßig geplant durch das riesige Staudammareal geschleust wird. Es gibt verschiedene Aussichtspunkte auf den Damm und die Schiffshebewerke und zum Ende noch einen Gedenkpark für die Maschinen, die beim Bau des Staudamms verschlissen wurden. Zu dieser Jahreszeit ist der Wasserstand nicht besonders hoch und alles sieht recht ruhig aus, aber wer schonmal die Stromschnellen in der Tigersprungschlucht am oberen Yangzi gesehen hat, der kann sich vielleicht ungefähr vorstellen, welche Kräfte hinter der 2 km langen Mauer aufgestaut werden. 660 km lang ist der Stausee, über 1 Mio. Menschen wurden umgesiedelt. In China hat man es immer gerne ein bisschen größer als anderswo. Die Energiegewinnung und die bessere Hochwasserregulierung sowie die bessere Schiffbarkeit des Yangzi gegen die ökologischen Folgen und die Folgen der Umsiedlung. Schwer zu sagen, wie lange es noch dauern wird, bis man hierzu eine endgültige Bilanz ziehen kann.

Wir haben heute auch das Drei-Provinzen-Eck von Shaanxi, Chongqing und Hubei hinter uns gelassen und haben endgültig die Provinz Hubei erreicht. In dieser Region befand sich vor gut 2000 Jahren das Königreich Chu und da wir am Abend in der Stadt auf ein Restaurant treffen, dass das entsprechende Zeichen in seinem Namen trägt, nehmen wir gleich die Gelegenheit war, uns mit der Küche dieser Gegend vertraut zu machen. Insgesamt etwas weniger scharf als weiter im Westen und etwas ausgewogener gewürzt wie wir finden. Davon kann es ruhig noch ein bisschen mehr sein in den nächsten Tagen.

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Drei-Sterne-Tour

Die Drei Schluchten des Yangzi, 13.09. bis 08.10.2013

Unsere Tour der Drei Schluchten ist nicht umsonst auch eine Drei-Sterne-Tour. Neben der Königsetappe gibt es hier nämlich auch noch eine heimliche Königsetappe. Wer von einem der Dreischluchtenstädtchen zum nächsten fahren will und gerade kein Boot zur Verfügung hat, muss über den Berg. Unweigerlich. Die Streckenführung ist aber einfach. Zuerst geht es ganz lange bergauf und dann ganz lange bergab. Zum Ende hin dann wellig. Das klingt einfach und schaut auf dem Höhenprofil recht harmlos aus, kann aber nochmal ganz schön fies werden. Insgesamt macht das gut 80 km mit fast 1700 Höhenmetern. Da unsere Stadtein- und ausfahrten heute ganz besonders tief im chinesischen Straßenlärm und –dreck versinken, wird der Tag nochmal zu einem kleinen Härtetest für Beine und Nerven.
Im welligen Teil der Strecke treffen wir gegen Ende noch auf die Stadt des Weißen Kaisers und machen einen kurzen Abstecher. Ihr Platz befindet sich auf einem Felsen, der mittlerweile von den Fluten des Yangzistausees umspült wird, oft nebelverhangen gewesen sein soll und deshalb wegen seiner mythischen Aura ausgewählt wurde. Davon ist heute nicht allzu viel zu spüren, sondern vielmehr die geballte Wucht des chinesischen Feiertagsverkehrs, der sich über die Uferstraße voranstaut. Heute bestimmen kilometerlange Autoschlangen und rangierende Reisebusse das Bild.

Fengjie hinterlässt einen etwas zwielichtigen Eindruck bei mir. Wir suchen noch ein Restaurant für unser Abendessen und laufen die Hauptstraße herunter, aber erstmal Fehlanzeige. Wir versuchen, uns durchzufragen. Oh ja, man kann uns helfen, gleich um die Ecke soll ein Restaurant sein, das unsere Wünsche erfüllen kann, man wird uns gleich hinbegleiten. Wahrscheinlich gehört das Restaurant der Schwägerin, aber na gut, muss ja nicht schlecht sein. Das Restaurant ist ein bisschen schmuddelig und das ist nicht so gut, also weiter. Schräg gegenüber gibt es einen Einkaufstempel mit einer großen Restaurantreklame, das versuchen wir als nächstes. Es gibt einen Fahrstuhl und ich will erstmal nach oben fahren, um die Lage zu prüfen. Der Fahrstuhl fährt ins Tiefgeschoss und ein Meister im Arbeitskittel fängt an, Mülltonnen in den Aufzug zu wuchten. Wir fahren weiter ins nächste Tiefgeschoss und die Mülltonnen werden wieder ausgeladen. Es sieht aus wie in den Katakomben des Dresdner Hauptbahnhofs, die ich kennenlernen durfte, als ich noch richtig arbeiten musste. Keine gute Erinnerung. Wir fahren zum Glück wieder nach oben. Noch mehr Mülltonnen. Wir erreichen den fünften Stock mit dem Restaurant, ich stolpere über ein paar Müllberge und lande in einem Schnellrestaurant. Es ist zwar ausreichend hell hier, aber das macht es auch nicht besser. Also weiter. Wir laufen noch ein Stück die Straße hinunter und landen an einer großen Brücke. Und endlich – hinter dem Geländer tut sich ein großes Loch auf, angefüllt mit Restaurants. Von unten leuchten die roten Lichter der Restaurantreklamen und Dampfschwaden von Feuertöpfen steigen auf in den Nachthimmel. Das ist nicht nur einfach nur eine Fressgasse, sondern eine regelrechte kleine Fressstadt. Wenn der Höllenfürst immer noch in der Geisterstadt Fengdu weiter oberhalb am Yangzi wohnt, dann könnte ich mir vorstellen, dass er demnächst hierhin umzieht.


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Flussabwärts

Die Drei Schluchten des Yangzi, 13.09. bis 08.10.2013

Heute vertauschen wir unsere Räder mal mit dem Boot bzw. wir nehmen sie mit darauf. Damit wir uns die Felswände zu beiden Seiten auch mal in Ruhe ansehen können, ohne gleich in den Straßengraben zu fahren, nehmen wir heute das Boot und fahren durch die drei kleinen Schluchten bis runter zum Yangzi. Kurz hinter Wuxi schaut es häufig recht dünn aus unter dem Kiel. Der Wasserstand ist ziemlich niedrig und manchmal schrammt der Bootsboden über die Steine. Bald erreichen wir aber schon die Stelle, an der der Rückstau des Dreischluchtenstausees spürbar wird. Hier wird der Fluss breiter, das Wasser ruhiger und der Dreck sichtbarer.
Heute ist Nationalfeiertag (der chinesische) und da wir uns als anständige Gäste erweisen wollen, feiern wir denselben auf unserem Boot mit einer Flasche trockenen Rotem aus den bekanntesten chinesischen Weinanabaugebieten. Aller guten Dinge sind bekanntlich drei, aber das macht nichts, denn bei dem Anstieg zu unserem Hotel in Wushan, den wir dann schon wieder auf dem Rad zurücklegen müssen, schwitzt man das alles ganz schnell wieder aus.

Am Nachmittag bleibt uns noch etwas Zeit für eine kleine Stadterkundung und wir schlendern die steilen Hänge auf und ab. Wushan ist eine Stadt, die zunächst der Flutung des Stausees zum Opfer gefallen ist und dann später einfach weiter oben am Hang wieder aufgebaut wurde. An der Straße gibt es gebackene Süßkartoffeln und wir möchten eine probieren. Unser Versuch die weiche Kartoffel möglichst gleichmäßig unter mehreren Leuten aufzuteilen, erregt größeres Aufsehen und führt zu einigen Fehlinterpretationen: Guck mal die Ausländer haben eine Kartoffel gekauft, und wissen nicht, wie sie sie essen sollen. Es muss ihnen jemand helfen… Eine junge Frau bemüht sich rührend um uns, aber wir sind gerade ziemlich beratungsresistent und am Ende schenken wir ihr die Kartoffel und verabschieden uns einfach. Ob das nun unbedingt zum gegenseitigen Verständnis beigetragen hat, lassen wir mal dahingestellt. Unser Versuch einen Kaffee zu trinken, endet schließlich in einem Zockerparadies, wo wir uns mit halbautomatischen Majiang-Tischen anlegen. Das mit den Einsätzen haben wir zwar schon richtig verstanden, aber was die weitere Umsetzung anbelangt hat der Reiseleiter mal wieder eindeutig versagt, wie man den Fotos entnehmen kann.

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Wespenalarm

Die Drei Schluchten des Yangzi, 13.09. bis 08.10.2013

Wir nähern uns langsam immer mehr der Stelle, die unserer Tour den Namen gegeben hat. Hier ließ Yu der Große seinen Ochsen eine Bresche in die Felsen rammen, damit der Yangzi freien Lauf hatte und ungehindert abfließen konnte, so dass die Menschen nicht mehr unter den ständigen Überflutungen leiden mussten. Eine ausgesprochen bergige Gegend hier, aber genau so gefällt uns das. Die Strecke heute ist nur unwesentlich kürzer als gestern, dafür sind die Berge noch ein bisschen steiler. Mit den Wespen in dieser Gegend ist zurzeit nicht gut Kirschen essen und es hat in den letzten Tagen einige Meldungen über Angriffe gegeben und Leute mussten im Krankenhaus behandelt werden. In China ist man auch immer gleich besorgt um das Wohl der ausländischen Freunde, deshalb steht am Morgen auch die örtliche Tourismusbeauftragte auf der Matte und gibt uns Instruktionen. Wir sollen immer schön aufpassen, keine Wespennester anfassen und überhaupt schnell weiterfahren. Falls wir trotzdem gestochen werden, hat Xiao Yang schon einen Kanister mit Essig und eine Notfallnummer besorgt. Glücklicherweise werden wir die aber nicht brauchen. Wir bekommen gar keine Nester mehr zu Gesicht und irgendwann in den nächsten Tagen vergesse ich den Essig in irgendeinem Hotelzimmer.

Xiao Yang findet selbst am steilsten Anstieg noch ein lauschiges Plätzchen und wir können unsere Bananen unter den Felsen der Verliebten mampfen. Früher hat hier eine alte Salzstraße entlanggeführt und unser Zielkreisstädtchen Wuxi ist auch heute noch für seinen Salzabbau bekannt. Anscheinend versucht man seit kurzem, die Route touristisch zu erschließen und baut kleine Touristenspots oder Aussichtspunkte an der Straße, die unter Umständen gute Rastplätze abgeben können. Das führt allerdings auch dazu, dass man selbst in der dunkelsten Schlucht noch darauf gefasst sein muss, für ein Gruppenbild mit Ausländer zu posieren.
Oben am Pass bzw. kurz danach auf der Aussichtsplattform gibt es nochmal Kekse, danach eine rauschende Abfahrt (mir gehen langsam die Adjektive aus) über 25 km und unten im Tal versammeln wir uns alle unter reger Anteilnahme der örtlichen Bevölkerung, um unsere Nudelsuppe zu schlürfen.


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Kaffeeklatsch

Die Drei Schluchten des Yangzi, 13.09. bis 08.10.2013

Ich muss Xiao Yang nochmal fragen, ob die letzte Gruppe auch so viel Kaffee getrunken hat. Ständig muss ich ihn losschicken und eine neue Großfamilienpackung besorgen lassen. Überall ist er dabei – zum Frühstück, beim Mittagessen, bei der kleinen Kioskpause unterwegs. Und wehe ich hab ihn mal vergessen – die Gesichter, ein Anblick des Jammers. Man kann unserer Gruppe ja keinesfalls einen gesunden sportlichen Ehrgeiz absprechen. Die Endergebnisse der jeweiligen Tagesetappe werden immer mit Vehemenz eingefordert und peinlich genau mit den Richtzeiten aus dem gesammelten China By Bike-Erfahrungsschatz verglichen. Aber was die Übernahme der chinesischen Frühstücksgewohnheiten betrifft, hatte ich doch schon Teilnehmer, die härter im Nehmen waren. Aber zum Glück hat ja der ****Instantkaffee seinen Weg schon in die entlegensten Regionen des chinesischen Kernlandes gefunden und so haben wir immer einen rettenden Strohhalm zur Hand, wenn sich der Frühstückshimmel mal wieder mit grauen Wolken überzieht.

Doch zurück zur Statistik. Heute war die Königsetappe angesetzt, d.h. 119 km mit gut 1500 Höhenmetern, Richtwert 8 Stunden reine Fahrzeit. Wir hatten 6:30 Stunden. Damit sich das nicht ganz so unglaubwürdig anhört, wollen wir das gleich mal relativieren. Also wir hatten am Anfang 6 km weniger, weil wir die schon am Vortag gefahren waren und am Ende fehlten uns wohl auch ca. 200 Höhenmeter. Wo die geblieben sind weiß ich auch nicht und ich habe auch niemanden gesehen, der abgekürzt hat. Professionellerweise spricht man in solchen Fällen immer von einem Messfehler, aber vielleicht lag es ja auch einfach am Kaffee und der hat uns so schnell gemacht. Ansonsten hatten wir heute wieder tolles Wetter, tolle Landschaft, einen Genussanstieg und eine 25 km Abfahrt mit liebevoll begrünten Straßenrändern (abwechselnd Bambus und Palmen).


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Zwischen den Gebirgen

Die Drei Schluchten des Yangzi, 13.09. bis 08.10.2013

Ankang heißt so viel wie „friedlich und gesund“. Wie passend, denn hier hatten wir gestern Ruhetag und konnten mal ein wenig kürzer treten und die Wunden versorgen. Das Städtchen hat sich eine moderne Uferpromenade gegönnt und wir klettern auf die erneuerte Stadtmauer, wobei wir sofort unsere schweren Beine spüren. Die Realität ist hier wohl etwas hinter der Planung zurückgeblieben, denn von den im Stadtplan eingezeichneten fünf Stadttoren können wir maximal drei entdecken. Aber egal, für einen kleinen Bummel reicht es allemal. Den Nachmittag dann kann jeder selbst nutzen, wie er möchte.

Mit dem Erreichen des Hanflusses haben wir auch das Qinlinggebirge hinter uns gelassen und dürfen uns damit in Südchina wähnen. Die ersten Reisfelder haben wir ja auch schon gesehen. Heute nun verlassen wir Ankang wieder und nehmen das nächste Gebirge in Angriff, den Dabashan. Es erwarten uns viele Berge, viel Wald, ein Hort der chinesischen Heilkräuter und hohen Artenvielfalt. Im benachbarten Shennongjia soll sogar noch der chinesische Yeti noch zugange sein (wer sich ein Bild machen möchte, kann ja mal den 野人 googeln). Hinter den Bergen wartet dann irgendwann der Yangzi.

Ab heute dürfen wir nun endlich auch die Sonnencreme auspacken und alles ganz planmäßig – der chinesische Wetterbericht im Einklang mit dem Wetter und wir im Einklang mit der Welt. Nur die Koordination lässt heute ein bisschen zu wünschen übrig. Normalerweise zieht sich unsere Gruppe im Laufe des Tages immer wieder etwas auseinander, aber irgendwann steht Xiao Yang mit seinem Begleitbus da, um den sich dann alle versammeln, und beschallt die Umgebung mit seiner Lieblingsmusik. Heute hat er sich ein wenig zu sehr beeilt, die Spitzengruppe einzuholen und ist ohne es zu merken an allen vorbeigefahren. Dann hat er sich gewundert, dass niemand zu sehen ist und ist wahrscheinlich noch schneller gefahren. Normalerweise treffen wir ihn und uns so alle 15-20 km, heute müssen es fast 40 gewesen sein, bis alle wieder beisammen waren. Das kurz unterhalb des letzten Passes, wo die anderen schon eine ganze Zeitlang auf uns im hinteren Teil des Feldes gewartet hatten. Xiao Yang stand dann ungefähr 500 m weiter unten und hat sich die ganze Zeit gefragt, wo wir bloß bleiben.

Da die Gegend hier auch für Teeanbau bekannt ist, besuchen wir kurz vor der Ankunft am Etappenort noch eine Teeplantage. Hier durfte unsere letzte Gruppe noch wohnen, wir bedauerlicherweise nicht mehr. Anscheinend ist das Hotel aber nicht ausgebucht, wie zunächst angenommen, sondern wohl eher abgeschrieben und beherbergt keine Gäste mehr. Wir machen zumindest noch einen Spaziergang durch die Anlage und verkosten im Anschluss den lokalen Tee, der aber wie schon so oft eine schmachvolle Niederlage einstecken muss. Nach dem ersten Schluck greift die Hälfte der Gruppe zum Instantkaffee.


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