Nanjing

Kaiser, Kanäle, Konfuzius, 11.10. bis 02.11.2017


Transfer nach Nanjing und nachmittags Spaziergang durch die Altstadt

Eine zweistündige Busfahrt brachte uns am Vormittag nach Nanjing, die „Südliche Hauptstadt“. Mehrfach war Nanjing in der chinesischen Geschichte Hauptstadt gewesen, zuletzt während der Republikzeit Anfang des 20. Jahrhunderts. Statt eines Mittagessens kehren wir in ein Café ein das eine schöne Terrasse am Fluss hat und essen dort Waffeln mit Mango und trinken Kaffee.

Frisch gestärkt schlendern wir in die Altstadt und schauen uns den Konfuziustempel an der das Zentrum der Altstadt darstellt. Weiter ziehen wir durch die Altstadt zur Stadtmauer und spazieren an ihr und einem kleinen Flüsschen entlang und machen eine Runde durch das Viertel. Abends nach einem hervorragenden Abendessen begeben wir uns nochmal in die Altstadt, denn dort wird auf einem Boot im Kanal Mingzeitlich getanzt. Zumindest, was sich Chinesen heutzutage als mingzeitlichen Tanz vorstellen.

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Tag der Gärten

Kaiser, Kanäle, Konfuzius, 11.10. bis 02.11.2017

Stadtrundfahrt in Yangzhou bei sonnigem Wetter und trotzdem relativ niedrige Temperaturen.

Wir frühstückten heute zweigleisig. Chinesisch mit Maultaschen und westlich mit Gebäck und Kaffee. Wir müssen uns ja wieder langsam unseren heimischen Essgewohnheiten annähern.

Yangzhou hat mit seiner über zweieinhalbtausend jährigen Geschichte einiges an Sehenswürdigkeiten zu bieten. Wir konnten an dem uns zur Verfügung stehenden Tag leider nur die vier absoluten Top Sights besuchen. Wir starteten mit dem He Garten. Dieser Garten der Familie He von 1883 ist in China einzigartig in seiner Gestalt. Er vereint chinesischen und westlichen Baustil zu einer wunderschönen Anlage.

Im Gegensatz zum He Garten, der überwiegend bebaut ist, besteht der Ge Garten zum Großteil aus Gartenfläche. Berühmt ist der Garten vor allem für die vielen verschiedenen Arten Bambus die hier wachsen und denen der Garten seinen Namen verdankt. Denn der Erbauer, ein reicher Salzhändler, war der Ansicht, dass das Schriftzeichen „Ge“ einem Bambusblatt ähnele.

Weiter ging es mit den Rädern zum „Schlanken Westsee“. Das Areal ist eine riesige Parkanlage durch die sich der schlanke Westsee schlängelt. Hier könnte man sich alleine schon einen ganzen Tag aufhalten. Wir wanderten am See entlang und genossen die vielen Landschaftsszenen. Am Nordtor verließen wir den Park wieder und schlenderten zum „Da Ming Si“ einem sehr hübschen buddhistischen Tempel. Die Ursprünge liegen etwa 1500 Jahre zurück, allerdings wurde der Tempel immer weiter ausgebaut bis hin in die letzte Dynastie. Von der 7 stöckigen Pagode hatte man einen tollen Ausblick über den schlanken Westsee-Park und Teile der Stadt.

Wir radelten in die Stadt zurück zu dem Fahrradhändler der unsere Räder wieder nach Kunming in unser Lager schickt und nahmen hier Abschied von unseren Rädern. Nicht eine Panne hatten wir. Das kommt nicht oft vor. Hätte ich das geahnt, hätte ich das schwere Werkzeug zuhause lassen können.

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Launen der Natur

Kaiser, Kanäle, Konfuzius, 11.10. bis 02.11.2017

Fahrt nach Yangzhou, 80 km bei bedecktem Himmel und etwa 18 km mehr als geplant.

Wind. Der ärgste Feind des Radfahrers. Er bedrängte uns heute von allen Seiten. Es gibt kaum etwas unangenehmeres auf dem Fahrrad. Schlimmer ist nur noch Wind gepaart mit starkem Regen. Uns reichte aber schon der Wind. Die Natur hatte aber noch mehr Steine die sie uns in den Weg legen konnte. Unsere Strecke führte durch ein Auffangbecken für Hochwasser. Dieses war heute gut gefüllt. Eine Brücke über die wir sollten, war gesperrt. Davon wollten wir uns nicht abschrecken lassen. Wir sind bisher schon oft genug durch gesperrte Straßen und ähnliches gefahren. Doch die gesperrte Brücke endete abrupt in einem See. Da ließ sich leider nichts machen.

Wir mussten zurück in die Stadt fahren und einen großen Bogen in Südöstlicher Richtung machen und auf eine Autobahnbrücke fahren, die Einzige Brücke weit und breit. Als wir wieder auf gleicher Höhe waren wie die gesperrte Brücke, hatten wir schon 18 km Umweg gefahren. Ende der Großen Brücke konnten wir unseren Weg wieder wie vorgesehen fortsetzen.

Nach rund 80 km kamen wir dann in Yangzhou an und gingen nach dem Einchecken in unser sehr historisch anmutendem Hotel erstmal zünftig Kaffee trinken. Den hatten wir uns heute redlich verdient. Da hatte unsere letzte richtige Radetappe ja doch noch etwas Abenteuer für uns parat. Morgen machen wir noch die Stadtbesichtigung mit den Rädern und dann ist es definitiv vorbei mit dem Radfahren für dieses Mal.


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Prioritäten

Kaiser, Kanäle, Konfuzius, 11.10. bis 02.11.2017

Fahrt nach Gaoyou, 63 km bei hervorragendem Wetter.

Kaum dass man aus Baoying City heraus ist, begegnet man mehrfach kurzen Strecken bestens ausgebauten Radwegs. So etwas habe ich in China bislang noch nirgends gesehen. Diese Einzelstücke sind zwischen mehreren hundert Metern und 2 bis 3 Kilometern lang und zwischendurch muss man immer wieder auf die Landstraße. Man kann allerdings erkennen, dass an den Teilstücken noch gebaut wird. Wahrscheinlich werden sie nach und nach miteinander verbunden. Wenn das mal der Fall sein wird, lässt es sich traumhaft radeln, denn diese Radwege führen ausnahmslos direkt am Kaiserkanal entlang.

Etwa die Hälfte der heutigen Etappe fuhren wir wieder auf kleinen Wegen durch Felder und Dörfer und an kleinen Nebenkanälen entlang abseits vom großen Verkehr. Hier lässt es sich wunderschön fahren und man erlebt immer wieder sehr nette Begegnungen mit den Einheimischen, denn die sind ausgesprochen neugierig. Wenn sie dann herausfinden, dass Leute aus der Gruppe Chinesisch sprechen, gibt es kein Halten mehr und sie fragen einem Löcher in den Bauch. Das ist noch so wie zu meiner Studienzeit vor 25 Jahren. Hier werden nur persönliche Fragen gestellt. „Wo kommt ihr her?“, „was macht ihr hier“, „Seid ihr mit dem Rad aus Deutschland hier her gefahren?“ usw. In den großen Städten kommt ganz schnell die Frage nach dem Verdienst und was kostet ein Benz? Auch, dass Ausländer hier noch einen kleineren Volksauflauf verursachen, ist etwas das ich in China schon eine Weile nicht mehr hatte. Hier ist man noch quasi eine Sensation. Man muss fast fürchten wegen Erregung öffentlicher Erregung verhaftet zu werden.

Am späteren Nachmittag schlenderten wir vom Hotel aus in Richtung Yu Cheng Yi. Das ist das mingzeitliche (1368-1644) Postamt. Auf dem Weg dort hin entdeckten wir ein wirklich nettes Café und so Fiel dann die Besichtigung des historischen Postamts leider unserer Gefräßigkeit zum Opfer. Man muss halt Prioritäten setzen. Als wir das Café verließen, begann es bereits zu dämmern (17:30 Uhr) und als wir das Postamt erreicht hatten, was es bereits dunkel und das Postamt natürlich geschlossen. Um das Postamt herum war eine neue Altstadt gebaut worden die bei Nacht, wie so oft in China, hübsch bunt beleuchtet wurde. In China gibt’s Watt satt!


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Land von Fisch und Reis

Kaiser, Kanäle, Konfuzius, 11.10. bis 02.11.2017

Fahrt nach Baoying, 50 km bei sonnigem Wetter

Dicht an dicht schmiegen sich die Schiffe auf dem Kaiserkanal, als wir über eine weitere dreifache Schleuse fuhren. Viele der Schiffe liegen am Rand vertäut und warten auf ihren Schleusentermin. Andere fahren durch das Gewühl an Schiffen hindurch, manche einzeln, manche im Schubverband von etwa 10 Schiffen. Unglaublich dieser Verkehr auf dem Kanal. Wir fahren mehrere Kilometer immer direkt am Kaiserkanal entlang. Kurz bevor wir abbiegen müssen, führt sogar ein Radweg am Ufer entlang, man könnte meinen wir fahren an der Donau.

Seit der Abzweigung haben wir zwar den Kaiserkanal aus dem Blick verloren, dafür ist aber das Land von Fisch und Reis in den Fokus gerückt. Wir radeln durch eine Idylle von Reisfeldern, Fischteichen und kleinen Ortschaften, ähnlich wie wir es von 3 Tagen schon mal hatten. Die letzten Kilometer fahren wir auf einer wenig befahrenen Landstraße in die Stadt hinein. Für chinesische Verhältnisse ist Baoying eine Kleinstadt. Mit ihrer knappen Million Einwohner wäre sie für deutsche Verhältnisse aber sicher nicht klein zu nennen.

Den späten Nachmittag gestalten wir mit einem kleinen Spaziergang und einer Tasse Kaffee in einem Café, in dem mehr Bedienungen arbeiten als Gäste da sind. Der Kaffee kommt auch so schnell wie noch nirgendwo anders. Unsere heutige schöne Etappe feiern wir dann beim Abendessen mit einigen exotischen Speisen wie Seidentofu mit hundertjährigen Eiern, Qualle süß-sauer und einem chinesischen Rotwein der Marke „Great Wall“.


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Zhou Enlai

Kaiser, Kanäle, Konfuzius, 11.10. bis 02.11.2017

Stadterkundung in Huai’an, zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Zhou Enlai ist hier in Huai’an, seinem Heimatort, allgegenwärtig. Er lächelt einem von Plakaten entgegen und die Hälfte aller Sehenswürdigkeiten der Stadt hat mit ihm zu tun. Er war der Ministerpräsident Chinas in der Mao Zedong Ära für 26 Jahre und für 23 Jahre zeitgleich auch der Außenminister. Er war der intellektuelle Kopf der KPCH und äußerst beliebt im Volk. Wärend Mao Zedong die Lichtgestalt im Vordergrund war, sorgte Zhou Enlai im Hintergrund, dass der Laden irgendwie lief und der Karren trotz aller Kampagnen und politischen Wirren nicht an die Wand fuhr. Kein Wunder also, dass die Menschen von Huai’an mächtig stolz sind auf ihren Zhou Enlai.

Zum Zhou Enlai Memorial konnten wir vom Hotel aus zu Fuß gehen. Das Memorial selbst ist eine weitläufige Parkanlage mit großen See und einer großen Gedenkhalle sowie einer Ausstellungshalle in der viele Stationen des Lebens Zhou Enlais dargestellt werden. Er war ein Kämpfer für das neue China und für das Volk.

Vom Memorial fuhren wir mit der Straßenbahn in die Altstadt. Die ist wirklich sehenswert und war nicht so touristisch wie befürchtet. Außer uns schlichen sich nur eine Hand voll chinesischer Touristen durch die Gassen. Da es bis zur ehemaligen Residenz der Familie Zhou Enlais etwas zu weit zu Fuß war, nahmen wir zwei Tuktuks dort hin.

Die Familie Zhou war bei Leibe nicht arm. Die Residenz glich eigentlich eher einem Palast als einem normalen Wohnhaus. Und die Familiengeschichte Zhou Enlais war nicht minder verworren als die Räumlichkeiten der Residenz. Die ganze Lauferei strengt an und schreit nach einer Kaffeepause. Auf dem Rückweg in Richtung Hotel kehrten wir denn auch in ein ganz nettes Café ein. Nur der Service ließ ein wenig zu wünschen übrig aber China ist halt eben auch kein Kaffeeland. Auf dem weiteren Rückweg wurde noch geschoppt was das Zeug hält in erster Linie Süßigkeiten und ähnliches. Wir brauchen ja schließlich was zum Verbrennen auf der morgigen Radetappe.

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Hupen macht Spaß

Kaiser, Kanäle, Konfuzius, 11.10. bis 02.11.2017

Fahrt nach Huai’an, 65,5 km bei bewölktem Himmel

Waren die letzten Radetappen absolut verkehrsarm und ruhig, war es heute umso trubeliger und laut. Die Landstraße, auf der wir unterwegs waren, war recht ordentlich frequentiert und die ständig warnende Hupe „Achtung hier komme ich“ wurde irgendwann recht nervig. Manche Fahrer hupten auch nur zur Begrüßung da wir als Ausländer auf Fahrrädern ja auffallen wie bunte Hunde. Und da wollte man uns eben einfach mal in China willkommen heißen. Aber ein bisschen weniger Freundlichkeit wäre manchmal erholsam gewesen. Man konnte ein wenig den Eindruck gewinnen als sei hupen die Lieblingsbeschäftigung aller autofahrenden Chinesen.

Wir radelten wieder durch größere und kleinere Dörfer, überquerten Kanäle, einer sogar mit drei Schleusen nebeneinander. Bei dem Verkehrsaufkommen auf dem Kaiserkanal kein Wunder. Ohne diese Dreifachschleuse würde es sicher einen Mega-Stau geben.

Als wir schließlich in Huai’an angekommen waren, machten wir einen Spaziergang durch die Stadt. Anke hatte zuvor bereits ein nettes Café entdeckt und so tranken wir erst mal Kaffee bei verschiedenen Torten. Bei unserem weiteren Rundgang schauten wir uns auf den Plätzen der Stadt das Treiben an. Es wurde Getanzt, Taiji gemacht und einige hundert Leute marschierten rund um ein mit Geländer eingefasstes Gelände. Chinese Walking. Nordic Walking war gestern.


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Chinesische Landpartie

Kaiser, Kanäle, Konfuzius, 11.10. bis 02.11.2017

Fahrt nach Siyang, 65 km, plattes Land, die einzigen Erhebungen waren Brücken.

Der Himmel kündigte schon gutes Wetter an. Es war zwar morgens noch ziemlich frisch, aber es versprach ein schöner Tag zu werden. Am Himmel war nicht eine Wolke zu sehen. Wir setzten uns mit unserem kleinen Fahrradkonvoi in Bewegung und rollten los. Erst mal raus aus der Stadt.

Nach ein paar Kilometern gelangten wir auf einen phantastisch ausgebauten Radweg. Wir fragten uns, für wen der wohl gebaut wurde, denn zum einen war er völlig abseits irgendwelcher Städte oder Dörfer, und zum anderen waren wir weit und breit die Einzigen, die auf ihm fuhren. Letztlich war es uns egal und wir freuten uns über die rund 10 km besten Radweg.

Etwa Mitte unserer heutigen Etappe kamen wir auf schmalen Wegen durch kleinste Dörfer und fuhren auf schmalen Feldwegen zwischen Feldern hindurch. Eine traumhafte Strecke. Gut zu radeln und sehr spannend. Man sah die Bauern aus der Nähe ihre Arbeit verrichten und überall wo man anhielt war großes Hallo und wir wurden mit jeder Menge Fragen bestürmt. In der Regel durfte auch ein Foto mit den weißen Riesen aus dem Abendland nicht fehlen.

Nach Ankunft in Siyang spazierten wir noch an der Uferpromenade des Kaiserkanals entlang und genossen den Sonnenuntergang. Diesen gelungenen Tag schlossen wir mit einem prima Feuertopf in einem hervorragenden Restaurant ab.


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Seefahrt

Kaiser, Kanäle, Konfuzius, 11.10. bis 02.11.2017

Fahrt nach Suqian, 62 km bei gutem Wetter.

Zum ersten Mal auf unserer Tour fanden wir ein Frühstücksrestaurant das Topfkleber im Angebot hatte. Vielmehr gab es hier gar nichts anderes. Topfkleber nennt man hier gebratene Maultaschen, weil sie am Boden der Pfanne anbacken und das ist so gewollt. Oben gedünstet und unten knusprig. Lecker! Es gab sie mit diversen Füllungen und alle waren sie lecker. Großartig.

Am Morgen war es noch erstaunlich kalt. Kälter als die vergangenen Tage. Wir packten uns gut ein und machten uns auf den Weg. Wir sahen von Ferne die Türme einer anderen Kirche und fragten uns zu ihr durch. Es war eine evangelische Kirche, die neu aufgebaut wurde. Ursprünglich war sie 1908 errichtet worden aber anscheinend durch irgendwelche Umstände zerstört worden. Diese hier war auf jeden Fall noch im Bau.

Je länger wir unterwegs waren, desto wärmer wurde es wieder. Unser Weg führte uns vorbei an Reis- und Gemüsefeldern, an einer hübsch bunten Blumenzucht vorbei und immer wieder über kleine Nebenarme von Flüssen oder Kanälen. Und schließlich fuhren wir größtenteils immer am Luoma See entlang. Dort reihte sich Fischzucht an Fischzucht und ein schwimmender Kahn an den nächsten. Der See war heute unser ständiger Begleiter.

Kurz vor Suqian aßen wir bei einem chinesischen Vergnügungspark zu Mittag. Wie vielerorts in China, wir hier auch schon für die Zukunft gebaut. Kilometer lang fuhren wir durch Neubaugebiete und eigens dafür angelegte Grünanlagen in denen noch niemand wohnte. Durch diese Gegend führten vierspurige Straßen ohne Verkehr. Man kam sich vor wie in einer Geisterstadt. Irgendwann kamen wir dann in die Stadt hinein. Auf dem Weg zum Hotel besichtigten wir das Malingshan-Kriegerdenkmal, von dem aus man ein wenig über die Stadt schauen kann. Gleich gegenüber gibt es einen kleinen Chan-Buddhistischen Tempel. Der war klein aber fein. Die wenigen dort lebenden Mönche sangen gerade Sutren als wir dort ankamen. Der monotone Singsang lullt einen regelrecht ein und hat etwas Meditatives. Kurz nach dem Besuch des Tempels erreichten wir dann unser Hotel.


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Gastfreundschaft

Kaiser, Kanäle, Konfuzius, 11.10. bis 02.11.2017

Stadtrundgang durch das historische Yaowan

Es ist Sonntag. Und wie sich das für einen Sonntag gehört, startete der Tag mit einem Gottesdienst in der Kathedrale von Yaowan. Diese wurde 1905 von Kanadiern begründet und 1909 fertiggestellt. Sie wurde mehrfach zerstört und 1980 schließlich komplett abgerissen. 2010 wurde sie dann auf Betreiben der Gemeinde von Xüzhou wieder aufgebaut. Sie gehört der staatlichen patriotischen katholischen Kirche Chinas an, das heißt, man kann dort unbehelligt Gottesdienste feiern. Die anwesende Gemeinde bestand aus 6 Frauen, einem Messdiener und dem Pfarrer. Recht überschaubar. Wir verdoppelten die Gemeinde quasi und wurden mit einem netten Applaus als ausländische Glaubensbrüder und –schwestern begrüßt. Man merkte deutlich die Nervosität der Gemeinde, dass Ausländer an der Messe teilnahmen. Das kam anscheinend noch nicht vor. Ganz rührend war, dass mitten im Gottesdienst eine der anwesenden Damen uns ihre eigene Kniebank, die in der Kirche etwas rar gesäht waren, zur Verfügung stellte damit wir unsere Knie schonten. Der Gottesdienst unterschied sich von der Liturgie her eigentlich nicht großartig von den Gottesdiensten in Deutschland. Es fehlte ein wenig die Orgelmusik aber einen Organisten schien die Gemeinde nicht zu haben. Im Anschluss erzählte uns der Pfarrer noch ein wenig von der Geschichte der Kirche, die sich doch etwas von der offiziellen Darstellungen auf den Erklärungstafeln unterschied. Das abschließende Gruppenfoto war natürlich Pflichtprogramm.

Nach dem Frühstück in der Altstadt machten wir nun den eigentlichen Stadtrundgang und besuchten die Museen der Stadt (sofern wir sie finden konnten, denn der Ort ist ganz schön verwinkelt). Als erstes begegnete uns die Schnapsbrennerei. Dort wurden verschiedene Schnäpse gebrannt von Sorghum (Rotkolbenhirse) über Reis, Mais oder Weizen. Als nächstes fanden wir die Sojasoßen-Manufaktur. Ziemlich geruchsintensiv der Produktionsprozess. Ein bischen verwunderlich war es schon, dass dabei etwas so wohlschmeckendes heraus kam. Es folgten das Heimatmuseum, das Postmuseum, das Gildehaus sowie eine Galerie für traditionelle chinesische Malerei.

Sogar ein Kaffeehaus bot der Ort, was uns immer gelegen kommt. Das Abendessen nahmen wir dann in einem Restaurant am Kaiserkanal ein. Wir saßen im Innenhof obwohl es ein wenig frisch am Abend wurde. Wir wollten zur Feier des Tages mal eine Flasche Rotwein trinken aber der Nachbartisch hatte die letzten beiden Flaschen Rotwein vor unserer Nase weggekauft. Als die Runde am Nebentisch mitbekam, dass wir beim Rotwein leer ausgingen, kam einer der jungen Herren herüber und schenkte uns eine der beiden Flaschen. Eine tolle Geste aber es war uns natürlich schon ein wenig peinlich. Wir schenkten uns ein Gläschen ein und gaben die noch halbvolle Flasche zurück und bedankten uns artig und stießen sehr zur Freude der jungen Herren mit ihnen an. Nach dem sich der Nachbartisch verabschiedet hatte, kam nochmals einer der jungen Männer zurück und lud uns zu einer Geburtstagsfeier in einer Bar ein. Wir lehnten höflich ab, denn wir müssen ja am nächsten Morgen wieder auf die Räder. Aber wir waren natürlich sehr gerührt von der Einladung. Das pasiert einem ja auch nicht alle Tage. Als wir dann selber bezahlen wollten, nahm die Chefin kein Geld von uns an, denn wir seien doch schon alte Freunde wo doch letztes Jahr schon mal eine Gruppe von uns bei ihr gewesen sei. Ich bin immer wieder beeindruckt wie gastfreundlich Chinesen oft sind. In Deutschland ist mir das in einem Restaurant noch nie passiert. Das sind Erlebnisse die man nie vergisst.

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