Hongkong macht mobil

Das Blaue China, 16.10. bis 07.11.2016

Ausflug nach Lantau zum großen Buddha

Lantau ist die größte zu Hongkong gehörige Insel. Man kann sie entweder via Fähre erreichen oder mit der U-Bahn fahren, denn der neue Flughafen ist gleich neben Lantau auf einer künstlich aufgeschütteten Insel gebaut worden und dorthin geht ein Airport-Express.

Wir fuhren also mit der U-Bahn nach Tung Chung auf der Insel Lantau und von dort mit der Seilbahn zum großen Buddha hinauf. Die Seilbahnfahrt forderte uns schon eine große buddhistische Gelassenheit ab, denn wir mussten eine Stunde anstehen um in eine der Gondeln zu kommen. Wie wir später erfuhren hatten alle Hongkonger am heutigen Tag 50% Rabatt auf alle Fahrten mit Bahnartigen Verkehrsmitteln und deshalb war wahnsinnig viel los. Auch oben am Buddha war es wie auf dem Rummel. Das letzte mal als ich hier war, regnete es und es war ein Nebel, dass man kaum sah dass dort ein gigantischer Buddha sitzt. Damals waren wir fast die einzigen hier. Heute tobten hier die Massen.

Eigentlich wollten wir noch mit dem Bus nach Muiwo um dort am Silver Mine Beach zu baden. Aber da die Verkehrswege so arg verstopft waren und alles länger dauerte als gedacht, entschieden wir uns wieder mit der Seilbahn zurück zu fahren. Für die Fahrt hinunter standen wir 1,5 Stunden an. So ist das manchmal in Asien.

Am Abend nahmen wir unser letztes gemeinsames Abendessen ein. Dazu gingen wir nochmal in ein richtig typisches chinesisches Restaurant. Es war so eingerichtet wie die Restaurants in China, es schmeckte so wie in China und es war auch so laut wie in den Restaurants in China. In einem Raum nebenan feierte offensichtlich eine chinesisch-stämmige Gesellschaft. Es wurde immens aufgetischt und es war eine Art Moderatorin, die durch den Abend führte und immer wieder gab es Gesangsdarbietungen mal mehr, mal weniger schlecht. Und alles war auf Mandarin, nicht auf kantonesisch was man hier in Hongkong eigentlich spricht. Wir waren uns einig, ein guter und passender Abschluss unserer Chinareise.

Morgen kann jeder nochmal auf eigene Faust ein wenig Hongkong erkunden und dann geht es auch schon wieder zurück nach Hause. Goodbye China und goodbye Hongkong.

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Hongkongs grüne Seite

Das Blaue China, 16.10. bis 07.11.2016

Wanderung auf Lamma Island und von Aberdeen zum Victoria Peak. Rund 17 km bei gutem Wetter.

Hongkong ist grüner als mancher denkt. Bei Hongkong haben die meisten Leute einen Hochhaus-Dschungel vor Augen, den es natürlich auch gibt, aber 60% der Insel sind grün. Wir fuhren mit der Fähre nach Yung Shue Wan, ein recht mediterran wirkendes Dörfchen auf der Nachbarinsel Lamma, und wanderten in zwei Stunden einmal quer über die Insel nach Sok Kwu Wan. Dort nahmen wir eine kleine Fähre für die etwa halbstündige Überfahrt nach Aberdeen an der südlichen Seite Hongkong Islands. Joachim und Renate wollten nicht mitfahren, sondern lieber gemütlich mit der Peak Tram hinauf gondeln, also trennten sich hier unsere Wege und wir wanderten nur zur dritt los.

Schnell waren wir aus Aberdeen raus und liefen über einen riesigen Friedhof immer weiter in die Berge hinauf, immer die Hochhäuser und die Küste von Aberdeen im Blick. Irgendwann waren wir komplett im Grünen. Dort machten wir erst einmal Picknick mir Reispapierröllchen mit Shrimps gefüllt, die wir uns in Aberdeen gekauft hatten. Sie waren sogar noch warm. Unsere weitere Wanderung führte uns langsam um den Victoria Peak herum. Irgendwann waren wir ein wenig von unserem Track abgekommen als eine Engländerin, die in Hongkong ansässig zu sein schien, uns einen Tipp gab wie wir den Peak umrunden könnten um zur Peaktram Station zu gelangen. Ob dies letztlich ein kürzerer Weg war, ist schwer zu sagen, aber er war recht schön und wir trafen nur wenige Wanderer. Mehrfach hatten wir den Verdacht falsch zu sein, insbesondere weil immer wenn wir auf einen Wegweiser trafen, er die gleiche Zeit bis zum Ziel auswies. Es hieß immer ein einviertel Stunden. Das war etwas frustrierend. Irgendwann traf der Weg wieder mit unserem ursprünglichen Weg zusammen und wir erreichten noch vor Einbruch der Dunkelheit die Peaktram-Station.

Wir setzten uns in ein Kaffee mit Blick auf die Tram und tranken gemütlich Kaffee. Als wir dann mit der Tram hinunter fahren wollten, stellten wir fest, dass gefühlt etwa 1000 Menschen die gleiche Idee hatten. Wir standen etwa 45 Minuten an bis wir in die Tram hinein kamen.


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Goodbye China

Das Blaue China, 16.10. bis 07.11.2016

Fährfahrt nach Hongkong und kleiner Rundgang auf Hongkong Island und Kowloon.

Und wieder einmal mussten wir früh aufstehen, denn unsere Fähre nach Hongkong fuhr schon um 10:30 Uhr. Die Fahrt zum Fähranleger dauert gute 1,5 Stunden und da man in der Rushhour nie so genau weiß wie man durchkommt, holte uns unser Fahrer schon um 08:00 Uhr ab. Vorher frühstücken und Koffer packen. Aber das war das letzte mal, dass wir so früh raus mussten.

Obwohl Hongkong mittlerweile schon fast 20 Jahre wieder zu China gehört, ist der Grenzverkehr wie eh und je. Wir reisten in Guangzhou aus China aus und mussten in Hongkong wieder Grenzformalitäten erledigen. Hongkong soll ja laut Vertrag mit England 50 Jahre so bleiben wie es unter den Engländern war. Hat fast geklappt

Die Fährfahrt dauerte 2 Stunden und eine Viertelstunde. Das Boot legte in Kowloon an und wir mussten nach Hongkong Island rüber. Im Untergeschoss des Hafengebäudes gibt es einen Taxistand. Dort warteten wir auf ein Taxi, das uns nach Hongkong Island fahren würde. Die Taxen auf Kowloon fahren nämlich nicht auf die Inselseite hinüber. Also mussten wir warten, bis ein Taxi von der Insel nach Kowloon zur Harbour City kam. Das scheint auch nicht so oft zu geschehen, denn wir warteten etwa eine halbe Stunde. Als dann ein Taxi da war, fuhren Joachim und Renate mit unserer aller Gepäck ins Hotel und wir anderen drei liefen zur U-Bahnlinie 2 die auf die Insel rüber fährt. Gar nicht so leicht auf die Insel zu kommen, vor allem wenn man viel Gepäck hat.

Nach dem Einchecken machten wir eine kurze Pause und danach ging es los mit der doppelstöckigen Straßenbahn ins Zentrum von Hongkong. Als erstes fuhren wir im IFC 2 Tower in den 55 Stock. Dort liegt das Währungsmuseum von Hongkong. Der Besuch ist kostenlos und man hat von dort oben einen schönen Blick über Hongkong. Von dort fuhren wir mit der Star Ferry auf die Festlandseite Kowloon hinüber und genossen die Symphony of Lights, die beeindruckende Beleuchtung von Hongkong Island.

Langsam waren wir hungrig. Unten an der Promenade gibt es leider keine Restaurants, so fuhren wir mit der U-Bahn eine Station nach Norden und aßen in einem der Openair-Restaurants in der berühmten Tempelstreet, der Nachtmarkt-Straße von Kowloon. Für die Rückfahrt nahmen wir die U-Bahn, denn die ist am schnellsten und es war ein langer Tag.

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Moloch mit Charme

Das Blaue China, 16.10. bis 07.11.2016

Ein Tag in Guanzhou ganz ohne Räder

Die Nacht endete schon sehr früh. Um 05:30 schmissen uns die Schaffner rigoros raus und machten uns klar, dass der Zug bald ankommen würde. Katzenwäsche und dann war es auch schon so weit, um 06:11 Uhr kamen wir in Guangzhou an. Unser Fahrer brachte uns ins Hotel aber leider waren noch keine Zimmer frei. Die Rezeptionistin sagte, dass sie in der Regel zwischen 10 und 11 Uhr Zimmer frei hätten. Wir wanderten um Shamian Island, die Kolonial-Insel auf der unser Hotel liegt und tranken Kaffe in einem noblen Kaffeehaus. Um 11 Uhr gingen wir zurück ins Hotel aber es gab immer noch keine freien Zimmer. Also machten wir ein kleinen Ausflug zum berühmten Qingping Markt für traditionelle Medizin und liefen eine Runde durch die Altstadt. Um kurz vor eins standen wir wieder an der Hotelrezeption. Diesmal hatten sie immerhin schon zwei Zimmer und ein drittes wurde auch gerade frei. Endlich duschen! Denn nach der Fug fühlten wir uns doch ganz schön schmuddelig.

Nachmittags fuhren wir dann mit der U-Bahn zur Akademie des Chen Klans, eine sehr opulent geschmückte Anlage, die der Nachwuchs-Ausbildung des Chen Clans diente. Ebenso diente die tempelartige Anlage der Ahnenverehrung. Heute ist dort eine Ausstellung für chinesisches Kunsthandwerk untergebracht.

Weiter ging es zum Tempel der 6 Banyan Bäume (Liu Rong Si). De Tempel war leider größtenteils in Renovierung und auch die Hauptattraktion des Tempels, die 9 stöckige Blumenpagode, war geschlossen. Auf dem Rückweg nutzten wir die Gelegenheit und machten einen ausgiebigen Geschäftsbummel. Das Abendessen nahmen wir in einem traditionellen kantonesischen Restaurant ein. Ein bisschen teurer aber gut. Aber das war ja schließlich der Abschlussabend in China. Morgen geht’s schon nach Hongkong, da reisen wir rein technisch aus der VR China aus.

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Buddhistische Lehrstunde

Das Blaue China, 16.10. bis 07.11.2016

Tag in Zhangzhou bei gutem Wetter

Entspannen war heute die Devise. Wir reizten die Frühstückszeit im Hotel voll aus und frühstückten bis satte 09:30 Uhr. Um zehn trafen wir uns um los zu radeln aber was war das? Ein Platten und zwar ein gemeiner schleichender. Gestern war er noch nicht da und wie aus den Nichts über Nacht war Annettes Rad platt. Also wechselte ich den Schlauch mit dem letzten den ich noch hatte. Ein schon geflickter aber was soll‘s. Wir fuhren zum Nanshan Tempel, einem kleinen aber sehr hübschen Tempel aus der Tangzeit, grob 10. Jahrhundert. Der Tempel war sehr ruhig, weil dort in der Regel keine Touristen hinkommen und er ist ganz normal in Betrieb. Gläubige kommen um zu beten oder um Mittag zu essen. Als wir am Speisesaal vorbei liefen, luden uns gleich mehrere alte Damen ein, wir sollen doch rein kommen es gäbe was zu essen. Richtig süß.

Als wir zurück fahren wollten, war Annettes Rad schon wieder platt. Unsere Nachforschungen ergaben, dass der Flicken nicht gehalten hat. Da hat der Kraus wohl schlampig geflickt. Beim nächsten Schrauberkurs muss der gewiss nachsitzen. Peinlich ist das, nicht mal Reifen flicken kann der. Wir machten den alten Schlauch wieder rein, der mit dem schleichenden Platten, in der Hoffnung, dass der für die letzten zwei Kilometer der Reise mit dem Rad noch halten würde. Da halft nur die buddhistische Gelassenheit und einfach daran zu glauben, dass irgendwie alles gut geht. Ändern hätten wir in der Situation eh nichts können, Aber unser Karma scheint doch ganz ok zu sein, denn der Schlauch hielt als wäre er neu. Im Zweifelsfall hätten wir den Platten einfach ignoriert, frei nach dem sozialistischen Motto: Wo keine Lösung, da auch kein Problem.

Der Nachmittag war dann (bis 15:00 Uhr) frei. Um 15:00 Uhr trafen wir uns dann um gemeinsam Mittag zu essen. Es war gar nicht so einfach ein Lokal zu finden, das mitten am Nachmittag noch kocht. Wir fanden ein Nudelrestaurant von Hui betrieben, die extra die Küche nochmal anschmissen. Die Hui sind chinesische Moslems. Der Chef des Restaurants kam sogar aus Lanzhou, quasi der Nudelhauptstadt Chinas. Das schmeckte man auch. Die Nudeln waren handgezogen, also absolut frisch, gut und günstig. Wir bezahlten für 5 Portionen etwa 9 Euro.

Um 17:00 Uhr machten wir uns auf den Weg zum Bahnhof, denn wir fuhren heute mit dem Nachtzug nach Guangzhou. Die Fahrt war gemütlich in 4er Schlagkabinen in einem relativ langsam dahin schaukelnden Zug. Da wir schon spät am Nachmittag richtig gegessen hatten, machten wir eine Art Picknick am Abend mit Obst und Gebäck bei chinesischer Entspannungsmusik.

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Hoch hinaus

Das Blaue China, 16.10. bis 07.11.2016

Fahrt von Nanjing nach Zhangzhou bei Sonnenschein und 28°C. Strecke 47 km ohne Pannen.

Das goldene Sofa in der Lobby unseres Hotels hatte es uns angetan. Schon gestern zog es uns magisch an und gestern beschlossen wir auch vor der Abfahrt heute ein Gruppenfoto auf diesem herrlichen Sofa zu machen.

Die ersten 10 km schrubbten wir erst mal auf der Landstraße weg. Das ging flott. Dann bogen wir in eine Seitenstraße ab und von da an fuhren wir auf kleinen Sträßchen durch Dörfer und später auf Feld- und Trampelpfaden mitten durch die Bananenplantagen. Bananen beherrschen hier eindeutig die Landschaft. Ab und zu sieht man auch mal andere Früchte wachsen, aber die Banane ist hier King.

In einem kleinen Dorf bereiteten sie gerade eine Zeremonie zum Ehrentag ihres regionalen Schutzgottes vor. Als wir anhielten um ein Foto vom Tempel zu machen wurden wir gleich mit Fragen überschüttet. Woher kommt Ihr? Was macht ihr hier? Aus Deutschland, ist das nicht arg weit? Wie lange bleibt Ihr und wo fahrt Ihr als nächstes hin? Dann mussten wir unbedingt das Gebäck probieren, das eigentlich für den Gott bestimmt war und bekamen jeder mehrere Flaschen Wasser geschenkt, denn Radfahren macht ja durstig. Zum Schluss gab‘s noch eine Wegbeschreibung und einige gute Wünsche mit auf den Weg.

Je näher wir Zhangzhou kamen, desto beschwerlicher wurde der Weg. Wir radelten von einer Baustelle in die nächste. Hier in Zhangzhou scheint man sich auf eine große Zukunft vorzubereiten. Es wurde ein riesiger Uni-Campus weit außerhalb der Stadt errichtet, riesige Straßen, auf denen noch keine Autos fahren, und alte Wohnviertel weichen neuen, moderneren, höheren Gebäuden. China im Wandel. „Nit kleckern, klotzen!“ wie der Rheinländer sagt. Die Chinesen haben sich das zu Herzen genommen. Hier wird in die Infrastruktur von morgen investiert und zwar für große Massen von Menschen. Laut Prognosen soll die Bevölkerung Chinas um 2030 die 1,5 Milliarden Grenze erreichen. Das merkt man der Stadtplanung hier an. Die Planer wollen hoch hinaus.

Es war schon später Nachmittag, als wir in Zhangzhou ankamen. Wir machten uns nach einer kurzen Pause im Hotel auf den Weg in die Altstadt. Die ist noch richtig bewohnt und lebendig. Keine Touristenläden, sondern ganz normale Läden für den Alltagsbedarf. Ich finde, gerade das macht diese Altstadt so sympathisch. Wir tranken einen Kaffee in einem kleinen Kaffeehaus und gingen anschließend nahe der Altstadt essen. Das Restaurant muss wohl ein Sichuan Restaurant gewesen sein, denn alle Gerichte hatten eine beachtliche Schärfe. Die Platten hatten ordentlich Chili und Sichuan-Pfeffer geladen.

Auf dem Rückweg gingen wir noch über einen typisch chinesischen Straßenmarkt. Von frisch zubereiteten Snacks über Haushalts- und Elektroartikeln bis hin zu Klamotten gab es alles. Sogar deutsche Markensportschuhe von den beiden berühmten Brüdern – wie hießen die noch gleich? Ich glaube Adadis und Adibas…


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Not Joachim’s Day

Das Blaue China, 16.10. bis 07.11.2016

Fahrt von den Rundhäusern der Hakka nach Nanjing. Strecke ca. 88 km bei bedecktem Himmel und einigen Pannen.

Die Rundhäuser begleiteten uns noch eine Weile auf dem ersten Teil unserer Strecke. Immer wieder kamen wir an Dörfern vorbei, die eines oder mehrere dieser stattlichen Lehmbauten aufwiesen. Im weiteren Verlauf der Radtour wurden sie dann seltener. Dafür radelten wir lange Zeit an einem Verbund von Stauseen entlang. Die Strecke war sehr ruhig, kaum Verkehr und sehr grün. Wir fuhren an den Seen und Flüssen entlang, durch Bambuswälder und gelegentlich mal ein Dorf. Immer wieder passierten wir Staustufen und kleine Wasserkraftwerke.

Da es auf der Strecke keine Möglichkeiten gab einzukehren hatten wir in weiser Voraussicht etwas Obst, Brot und Kekse gekauft und machten auf einer malerischen Brücke Picknick. Kurz bevor wir wieder auf eine belebtere Straße trafen fuhren wir eine längere Abfahrt hinab. Dabei wurden Joachims Felgen so heiß, dass sie den Schlauch zum Explodieren brachten und den Mantel gleich mit. Einen Ersatzschlauch hatte ich ja dabei aber einen Mantel leider nicht. Der war auf einer Länge von rund 15 cm aufgeplatzt. Wir starteten zwar noch einen Reparaturversuch und klebten vom zerfetzten Schlauch ein Stück in den Mantel, doch das war vergebene Liebesmüh.

Glücklicherweise war an der Staustufe, an der wir gerade vorbei gefahren waren, ein Bediensteter. Der rief auf meine Bitte hin einen Bekannten von sich an, der mich in den nächsten Ort fahren würde. Nach wenigen Minuten kam ein Mopedfahrer bei uns an, der mich zusammen mit dem kaputten Reifen die 7 km zum nächsten Ort fuhr. Dort steuerte er eine klitzekleine Motorradwerkstatt an. Etwas anderes gab es in dem Ort nicht. Der Mechaniker betrachtete meinen Reifen und sagte nur, soetwas habe er nicht. Nach einer Gedenkminute fügte er hinzu: „Geht auch ein gebrauchter?“ Ich war heil froh über den gebrauchten Mantel, den er in seinem Müll ausgrub. Er montierte ihn mir und pumpte ihn auf und verlangte dann satte 8 Yuan. Das ist etwa 1 Euro. Für einen Euro würde ich in Deutschland nicht mal einen Kostenvoranschlag bekommen. Glücklich fuhr ich dann die 7 km wieder mit dem freundlichen Mopedfahrer zurück zur Gruppe. Der Fahrer wollten dann ganze 20 Yuan für die 14 km inklusive Warten bei der Werkstatt, also nicht ganz 3 Euro. Das hat sich definitiv gelohnt.

Wir waren noch keine 10 km weiter gefahren, da blieb der arme Joachim wieder liegen. Diesmal war es ein ganz banaler, schnöder Platten. Keine Herausforderung. Der Platten war schnell geflickt und den Rest der Strecke fuhren wir pannenfrei bis nach Nanjing in unser Hotel. Dies ist nicht das berühmte Nanjing am Yangzi, sondern das Nanjing in Fujian. Eine Kleinstadt mit einem erstaunlich luxuriösen Hotel, in dem wir logieren. Aber morgen geht’s ja dann leider schon wieder weiter.


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Zu Gast bei Gästen

Das Blaue China, 16.10. bis 07.11.2016

Tagestour zu den Rundhäusern der Hakka. Rund 17 km bei bedecktem Himmel.

Wir sind bei den Hakka. Der gestrige Tag stand im Grunde genommen im Zeichen des Transfers ins Hakka-Gebiet. Die Hakka sind eine chinesische Volksgruppe, die überwiegend in Südchina ansässig ist, aber ursprünglich mal aus der Region um den Baikalsee stammt. Wir schauen uns die berühmten Rundhäuser der Hakka (Tulous) nicht nur an, sondern wohnen sogar in einem. Das ist schon ziemlich spektakulär. Wir sind Gäste bei den Gästen, denn Hakka auf Chinesisch „Kejiaren“ bedeutet Gäste was auf ihre Zuwanderung verweist.

Das Haus, in dem wir untergebracht sind, wurde im 17. Jahrhundert gebaut und hat für mehrere hundert Personen Platz. Zur Zeit wohnen hier außer uns noch eine Hundertschaft chinesische Mittelschüler, die hier im Rahmen des Kunstunterrichts die Rundhäuser malen sollen. Die Tulous haben meist mehrere Meter dicke Lehmwände, sind kreisrund, und mit einem großen Innenhof. Die Zimmer liegen alle um den Hof herum und sind mehrstöckige Holzbauten. Nach außen haben die Tulous nur einen Eingang und nur wenige kleine Fenster in den oberen Etagen. Die Architektur diente der Verteidigung, denn die Küsten Fujians wurden ständig von Piraten heimgesucht.

Das Ziel unseres heutigen Tagesausfluges ist eine Rundhaussiedlung, die von den Einheimischen „Vier Gerichte und eine Suppe“ genannt wird. Die vier Gerichte sind die vier Rundhäuser, die in ihrer Mitte ein quadratisches Lehmhaus einschließen, die Suppe. Jedes dieser Tulous ist noch bewohnt ist quasi lebendiges Museum. Die ganzen Rundhäuser der Region sind mittlerweile UNESCO Weltkulturerbe. Nachdem wir die Tulous alle besichtigt haben, essen wir in dem größten von ihnen zu Mittag. Der Wirt macht mit uns vor dem Essen noch eine Teezeremonie, natürlich mit der Absicht, uns den Tee zu einem stolzen Preis zu verkaufen. Der Tee, ein Tieguanyin, ist wirklich gut, aber doch sehr teuer.

Da wir auf der Hinfahrt fast permanent bergauf geradelt sind, ist die Rückfahrt deutlich schneller und entspannter, abgesehen von dem Platten den wir beheben müssen. Am Nachmittag machen wir noch einen kleinen Spaziergang durch den Ort Taxia in dem wir wohnen und schauen uns den Ahnentempel der Familie Zhang an. Der Ort ist klein und recht hübsch, aber man sieht an allen Ecken bereits die Zeichen des großen Tourismus, der bald kommen wird. Hoffentlich geht es damit nicht zu schnell. Es wäre schade, wenn der Ort allzu bald seine Entspanntheit verliert.


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Wedding Island

Das Blaue China, 16.10. bis 07.11.2016

Rundfahrt in Xiamen bei über 30°C und subtropischer Feuchtigkeit.

Die gestrige Zugfahrt verlief reibungslos. Der Zug war wie immer pünktlich und wir kamen auch pünktlich am Nachmittag in Xiamen an. Uns empfing der Sommer und nicht zu knapp. Es waren hier 36°C bei Ankunft und Sonnenschein. Endlich! Heute morgen meinte Renate allerdings: „Wir wünschen uns den Regen und die Kühle bestimmt bald zurück.“ Es ist schon richtig schweißteibend, sogar im regungslosen Zustand.

Am Vormittag holten wir die Räder im Radladen ab und stellten sie ein. Von dort wühlten wir uns durch den Stadtverkehr in Richtung Putuo Si, dem berühmtesten und größten Tempel Xiamen. Zuvor entdeckten wir noch einen kleinen daoistischen Tempel, den eine Nachbarschaftsinitiative errichtet hatte. Er war winzig, aber sehr nett gestaltet.

Der Putuo Si selbst ist sehr groß und scheinbar sehr reich. Es wird noch nicht einmal Eintritt verlangt wie bei den meisten Tempeln. Und trotzdem sieht er aus wie aus dem Ei gepellt. Besonders gefällt mir, dass er farblich nicht so überladen ist, nicht so barock wie viele andere Tempel. Er ist hauptsächlich in unlackiertem Holz gehalten und deshalb sehr naturfarben.

Da alle Frauen unserer kleinen Gruppe Vegetarier sind nahmen wir dies zum Anlass, in dem berühmten vegetarischen Restaurant des Tempels zu speisen. Es war auch wirklich außerordentlich gut und sogar vegan. Von dort radelten wir zur Xiamen Universität, die einen sehr schönen Campus im traditionellen Stil hat. Leider durften wir nicht mit den Rädern auf den Campus. Die Wachleute sagten nur sehr unfreundlich, das ginge erst ab 17:30 Uhr. Also fuhren wir drum herum ans Meer.

Wir setzten uns an den Strand und Renate und Joachim badeten sogar. Als wir am Meer entlang weiter fuhren passierten wir Hochzeitspaar um Hochzeitspaar. Es waren gewiss hunderte. Es waren so viele, dass wir gar nicht glauben konnten, dass die alle echt sind. Wir mutmaßten, dass viele von denen professionelle Models waren. Aber China hat einfach viele Menschen und die Küste ist ein romantisches Fleckchen.

Die Rückfahrt durch die Stadt zurück zum Hotel wurde etwas umständlich. Eine Straße, die wir hätten fahren sollen, war aufgrund einer großen Baustelle nicht mehr existent, so mussten wir diese umfahren und landeten auf einer großen Straße von der wir aufgrund von Einzäunungen nur schwer wieder runter kamen. Dazu kam, dass es mittlerweile dunkel war und als europäischer Radfahrer ohne Licht in so dichtem Verkehr, das ist doch recht gewöhnungsbedürftig. Morgen ist erst mal ein radfreier Tag, da können wir uns ein wenig von dem Stadtverkehr erholen.


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Nachholbedarf

Das Blaue China, 16.10. bis 07.11.2016

Stadtbesichtigung in Hangzhou per Rad bei bewölktem Himmel und etwa 18°C

So reizend unser Hotel in Hangzhou auch ist, so lieblos ist das Frühstück. Es gibt Mantou (gedämpfte Brötchen), Reissuppe und Eier. Das war uns etwas zu öde. Denn wir sind verwöhnt und wollen es bleiben. Also fuhren wir mit den Rädern in Richtung Stadt auf der Suche nach etwas besserem.

Auf dem Weg zum Frühstück ist es dann passiert: Unsere erste Panne. Bisher lief alles so glatt – nicht mal ein Platten – dass es fast schon unheimlich war. Irgendwie musste ja noch etwas passieren, wir hatten quasi Nachholbedarf. Bei Renates Fahrrad blockierte das Hinterrad und die Kette ließ sich nicht mehr richtig drehen. Grund war ein Kettenanriss. Wir setzten ein Kettenschloss ein und das Rad lief wieder. Dafür hatten wir uns nun aber ein Premium-Frühstück verdient. Wenige Minuten später fanden wir es auch. Ein kleines Café direkt am Westsee, das einen prima Kaffee macht und dazu ein paar leckere Frühstückssnacks.

Von dort war es dann nicht mehr weit zu den Bootsanlegern für die Schifffahrt auf die Insel mit den vier Binnenseen. Diese Insel ist eine sehr schön gestaltete Parkanlage mit den vier Seen in ihrer Mitte, die flächenmäßig den größten Teil der Insel ausmachen. Wir spazierten einmal drum herum und bewunderten dabei die drei kleinen Pagoden, die neben der Insel im See stehen, denn die sind das Wahrzeichen des Sees und von Hangzhou. Der Westsee ist in ganz China bekannt für seine anmutigen Szenerien und ist sogar mehrfach kopiert worden. Angeblich gibt es in China mittlerweile 36 Westseen. Bereits in der Song-Zeit 960 – 1279 war Hangzhou als eine Art Kurort für die Schönen und Reichen des Chinesischen Reiches bekannt. Und das alles wegen des Westsees.

2002 habe ich einmal hier an der Hangzhouer Universität ein halbes Jahr unterrichtet. Zu jener Zeit hatte ich direkt gegenüber der Uni einen Lieblings-Maultaschen Laden. Da der sowieso in der Richtung unseres nächsten Zieles lag, fuhren wir mal dort vorbei um zu sehen, ob es den Laden noch gibt. Es gab ihn und die Jiaozi schmeckten so lecker wie eh und je. Der Chef erinnerte sich sogar angeblich noch an mich. Aber das war sicher nur die chinesische Höflichkeit.

Die Jiaozi gaben uns genug Kraft für die weitere Strecke, denn nun ging es in die umliegenden Berge zum Drachenbrunnen Dorf, dem Chinas berühmtester Tee, der Longjing Tee, seinen Namen verdankt. Die Fahrt dort hin geht überwiegend bergauf, aber zur Entschädigung für die Anstrengungen durch sehr grüne und schöne Landschaft. Kurz bevor wir das Drachenbrunnen Dorf erreichten, passierte es schon wieder: Eine Panne. Und zwar am gleichen Rad wir am Morgen. Nur, dass der Schaden diesmal irreparabel war, zumindest für uns unterwegs. Das Schaltauge war gebrochen und das Schaltwerk hin in den Speichen verkeilt. Es half nichts, wir mussten ein Taxi rufen und das Rad samt Fahrer zum Radladen bringen lassen. Eigentlich war es ja Renates Fahrrad, aber Joachim erklärte sich bereit mit dem Taxi zum Radladen zu fahren. Wir anderen radelten dann mit den verbliebenen Rädern ebenfalls zum Radladen. Das war also das abrupte Ende unseres heutigen Radausfluges. Glücklicherweise waren wir sowieso fast durch und wären von hier aus sowieso zum Radladen geradelt. Von Hangzhou aus werden die Räder wieder in unserer Lager nach Kunming geschickt. In Xiamen, der nächsten Station, bekommen wir neue Räder. Ich hoffe, dass wir dort keine solchen Probleme haben werden. Und das Wetter könnte sich ruhig auch noch steigern, da sind wir uns alle einig. Aber Xiamen liegt ja ein großes Stück weiter südlich, gleich gegenüber Taiwan, da stehen die Chancen ziemlich gut.


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