No sun, but fun in Busan

Land der Morgenfrische, 04. bis 23.10.2014

Vormittags Transfer nach Busan, Stadtbesichtigung.

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Es regnet noch immer, als wir nach dem Frühstück unseren Bus für die anderthalbstündige Fahrt nach Busan besteigen. An dieser Stelle mal ganz viel Asche auf mein Haupt, denn ich habe noch gar nicht unseren treuen Fahrer des Busses erwähnt. Sugi hat ihn uns damals am Flughafen von Seoul als Mister Li vorgestellt, obwohl sein Familienname eigentlich einfach nur Yi bzw. I ist. Aber Sugi meint Westler können sich Li besser merken und so blieb er für uns die ganze Zeit Mister Li.

Ich habe selten einen Menschen mit so einem angenehmen Gesicht getroffen wie Mister Li. Immer hat ein seeliges Lächeln auf, selbst als ihn während der Tour mal Rückenschmerzen zu schaffen machten, er kaum noch aufrecht gehen konnte und deswegen in einem unserer Übernachtungsorte ärztliche Hilfe aufsuchen musste. Mit Sugi zusammen war er bald ein eingespieltes Team wenn es darum ging unserer Route zu folgen bzw. voraus zu fahren und geeignete Raststopps zu finden. Auch wenn Sugi mir mal verriet, dass Mister Li während des Fahrens gerne singt, jedoch alles andere als ein begnadeter Sänger ist.

Ankunft in Busan um 10:30 Uhr. Was macht man an einem verregneten Tag in einer Stadt mit sieben Millionen Einwohnern? Ganz klar, man fährt an den Strand! Haeundae heißt der beliebteste Strand Busans und sieht an schönen Sommertagen so aus. Wenn Sie nur einen kleinen Monitor haben: Die ganzen Pünktchen am Strand sind Sonnenschirme. Ordentlich in Reih und Glied aufgestellt und sogar nach Farben sortiert. Damit wollte Busan mal ins Guinness Buch der Rekorde kommen. Aber Sonnenschirme wurden als zu ordinär abgelehnt.

Heute hatten wir einen besseren Tag erwischt, denn der Strand war abgesehen von einer Kolonie Möwen leblos. Zugegeben, das hat ihn angesichts des Regens und der tief hängenden Wolken nicht viel attraktiver gemacht. Daher sind wir nicht lange geblieben und haben nur ein paar Fotos von Schiffsbrüchigen geschossen. Holt uns hier raus!

Busan besteht im Wesentlichen aus zwei Komponenten, nämlich Fisch und Film. Das Busan International Film Festival (kurz BIFF) findet jährlich seit 1996 statt und gehört zu den bedeutendsten cineastischen Events in Asien. Seit 2011 wird das Festival im Busan Cinema Center veranstaltet, einem futuristischem Bau entworfen vom österreichischem Architektenbüro Coop Himmelb(l)au. Wir haben das diesjährige Spektakel um einige Tage verpasst, aber der Gang durch dieses verwinkelte Gebäude war auch so beeindruckend.

Anschließend noch eine Runde im größten Kaufhaus der Welt, Busan Shinsegae, gedreht, dann aber weiter im Programm, der Fisch ruft! Über den Fischmarkt von Busan hatte ich mich bereits im Erkundungsblog von 2012 ausgelassen. Jeder Reiseführer beschreibt den Markt als must see der Stadt. Aber keiner als must smell. Denn nicht nur das Auge wird hier angesprochen, auch olfaktorisch sind die Gassen mit Frisch- und Lebendfisch entlang des Hafens ein Erlebnis. Auf das meine Nase gerne verzichten würde. Aber jeder, der mich kennt und auch meine Nase gesehen hat weiß natürlich, dass ich in der Beziehung etwas Eigen bin. Eberhard, Eric, Susanne und Thomas hat der Besuch jedenfalls nicht geschadet. Im Gegenteil, sie waren begeistert von dem Markt.

Letztes Programm an diesem Tag und auf der Reise überhaupt war ein Seafood Buffet am Abend. Meerestiere bis zum Abwinken. Zum Glück gab es auch ein paar Landtiere und sogar Landgemüse. Ich bin also nicht hungernd ins Bett gefallen.

Eigentlich könnte ich den Blog zu der Tour hiermit beenden. Morgen ist nur noch Heimreise angesagt, also erst Zugfahrt nach Seoul und dann gleich Rückflug nach Deutschland. Aber ich werde in den nächsten Tagen noch ein Fazit schreiben. Ein Fazit hauptsächlich zu Korea als Reiseland für Radwanderer. Ein wenig Statistik zu unserer Tour wird auch noch dabei sein.

(Fotos von Susanne, Eric und Eberhard)


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Zu Besuch bei den Silla

Land der Morgenfrische, 04. bis 23.10.2014

Ganz viel Sightseeing in und um Gyeongju. Auch noch ganz viel Regen und Nebel.

Räder ade. Für die letzten zwei, drei Tage sind wir zu Fuß und auf den meisten Kilometer motorisiert unterwegs.

Korea hat eine wahnsinnig lange Geschichte. 5.000 Jahre, so sagen die Koreaner. Die Geschichte Koreas ist eine Abfolge von Reichsstaaten und Dynastien, immer wieder mal unterbrochen von Fremdherrschaften. Zum Beispiel hatten die Mongolen mal das Sagen, später die Japaner. Die Chinesen hatten auch immer wieder mal ihre Finger im Spiel.

Die beiden prägnantesten koreanischen Dynastien waren die Joseon (1392 bis 1897) und die Silla (gesprochen Schilla, 57 vor bis 935 nach Christus). Was wir auf unserer Reise bisher mitgenommen hatten war überwiegend Joseon (und natürlich der Koreakrieg 1950 bis 1953). Gyeongju war die Hauptstadt der Silla, daher eine geballte Ladung dieses Reiches auf unserer heutigen Besichtigungstour. Nun verhält es sich aber so, dass von den Silla nicht mehr viel übrig geblieben ist in Korea. Verständlich, die Dynastie hatte vor fast 1.000 Jahren abgedankt. Der ehemalige Kaiserpalast, welcher hier in Gyeongju stand, ist längst vermodert. Geblieben sind lediglich etliche Hügelgräber meist unbekannter Potentaten ihrer Zeit. Die meisten Gräber sind ungeöffnet, ein Respekt den Toten gegenüber. Eines jedoch hat man geöffnet und damit haben wir den Tag begonnen.

Um die Ecke der Hüglegräber liegt das Gyeongju National Museum. Es wurde an der Stelle errichtet, an der sich einst der Kaiserpalast der Silla befand. Wie schon geschrieben ist die Anlage längst nicht mehr, aber man hat im angrenzenden Palastteich etliche Fundstücke geborgen. Ein kleiner Teil davon ist nun im Museum zu besichtigen: Dachziegel, Werkzeuge, Schmuckstücke, Alltagsgegenstände aller Art.

Vor zwei Tagen hatte ich noch geschrieben, dass die Koreaner ein aussterbendes Völkchen sind. Hier im Museum und bei den Hügelgräbern könnte man einen ganz anderen Eindruck bekommen, denn die Besucher sind überwiegend Scharen von Kindern, welche fast schon militärisch geordnet durch die Anlagen gescheucht werden. Sugi erklärt uns, dass ein Besuch Gyeongjus Pflichtprogramm für jede Schulklasse in Südkorea sei.

Zeit für eine kleine Stärkung. Vegetarisch und bioökologisch oder so ähnlich stand auf dem Speiseplan. Das Restaurant, nur eine gute Fahrstunde von Gyeongju entfernt, hat Tradition und ist durchaus beliebt. Vorreservierung daher erbeten. Die hat Sugi natürlich vorgenommen, sie war schon mehrfach hier. Das Essen war – interessant.

Jetzt habe ich doch sträflich das Wetter vergessen zu erwähnen. Das war heute nämlich eher schlecht. Leicht getröpfelt hat es bei den Gräbern. Immer wieder Schauer gab es beim Museum, aber da waren wir ja gut geschützt in den Räumen unterwegs. Dauerregen dann ab dem Mittagessen. Somit haben wir uns den Bulguksa, den Tempel des Land Buddhas unter Regenschirmen angesehen. Riesenvorteil: Koreanische Schulklassen meiden Regen, wir waren ziemlich allein in der Tristesse unterwegs. Schöne Anlage trotzdem. Ich kannte den Tempel bereits von meinem ersten Besuch 2012.

Auch die Seokguram Höhle oberhalb des Tempels hatte ich damals anders erlebt. Etwas sonniger und folglich ziemlich Kinderlastig. Heute mal ohne Gören, dafür im dichten Nebel mit Sichtweiten um die 50 Meter. Hat auch was.

Sowohl der Bulguk Tempel als auch die Seokguram Höhle sind übrigens buddhistisch geprägt. Die Silla, um mal wieder den Bogen zur Geschichte Koreas zu spannen, war nämlich eine stark vom Buddhismus beeinflusste Dynastie.

(Fotos von Susanne, Eric und Eberhard)


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Ein kurzweiliger Tag

Land der Morgenfrische, 04. bis 23.10.2014

36 Kilometer von Yeongcheon nach Gyeongju. Die ersten zehn davon feucht. Am Nachmittag Erholung von den ganzen Strapazen.

Gestern Abend hatten wir einen sechsten Mitfahrer für unsere letzte Radetappe auf der Tour hinzugewonnen. Jan Boonstra, den ich bereit im Erkundungsblog 2012 vorgestellt hatte, war aus Busan angereist um uns zu begleiten.

Jetzt lesen Sie mal was ein echter Radfahrer ist: Jan war vorgestern spät abends von einer mehrtägigen Reise in seine Wohnung in seiner Wahlheimat Busan zurück gekommen. Um drei Uhr Nachts ist er ins Bett gegangen und wachte nach nur vier Stunden Schlaf um sieben wieder auf. Und fühlte sich topfit. Dann erledigte er noch ein paar häusliche Dinge und schwang sich um 11 Uhr auf sein Rad. Um mal eben die rund 115 Kilometer von Busan nach Yeongcheon darauf zurück zu legen. Ankunft in Yeongcheon um 17 Uhr, also nach nur sechs Stunden. Zum Vergleich: Wir sind gestern um neun Uhr gestartet und haben für die 92 Kilometer 8 Stunden und 20 Minuten gebraucht. Zugegeben, wir hatten eine ziemlich lange Mittagspause mit Museumsbesichtigung, Aber dennoch…

Jan hatte eine schlechte Nachricht mitgebracht: Heute soll es regnen. So war es auch, als wir aus alter Gewohnheit um neun auf den Rädern saßen nieselte es. Zum Glück nicht so stark, es ließ sich aushalten. Schließlich hatten wir nur eine sehr kurze Etappe vor uns. Schon nach 10 Kilometer und ohne dass wir so richtig durchfeuchtet waren hörte der Regen auf. So kurz die Etappe auch war, langweilig wurde es nie. Erst eine stark befahrene Straße, dann autofrei daneben her auf der alten Straße, dann wieder ein Highway und dann ein asphaltierter Feldweg. Ganz zum Schluss wieder mit mehr Verkehr. Und das ganze fast flach. Wo wir die Straße für uns hatten habe ich mich mit Jan unterhalten. Das macht immer sehr viel Spaß, denn Jan ist einfach eine interessante Persönlichkeit.

An Yeoncheon bereits um 11 Uhr 30. Wenn es regnet bzw. der Himmel grau bedeckt ist macht man einfach weniger Stopps, vor allem wenige Fotostopps. Daher gibt es auch von dem heutigen Tag nur ein einziges Foto, ein etwas bedrömmeltes Gruppenbild ohne Eric (der hinter der Kamera stand) gleich nach der Ankunft. Danach war auch gleich Abschied angesagt, Jan wollte zurück nach Busan. Mit dem Rad, versteht sich, sind ja nur knapp 80 Kilometer. Luftlinie, versteht sich.

Unsere Zimmer waren noch nicht bezugsfähig, daher ein erster orientierender Stadtspaziergang mit anschließender Maultaschenverköstigung. War das lecker! Wieder im Hotel zurück wurde ein halber Ruhetag verordnet. So eine 2½ stündige Schufterei am Vormittag will halt gut verarbeitet werden.


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Solange es sie noch gibt

Land der Morgenfrische, 04. bis 23.10.2014

92 Kilometer von Angye nach Yeongcheon. Eigentlich sollten es mehr werden. T-Shirt Wetter in der zweiten Tageshälfte.

Südkoreanische Frauen bekommen durchschnittlich 1,25 Kinder, damit hat Südkorea eine der niedrigsten Geburtenraten der Welt. Man hat errechnet, dass die Gesamtbevölkerung von heute 50 Millionen im Jahr 2136 auf nur noch 10 Millionen zusammengeschrumpft ist. Und, jetzt halten Sie sich fest, im Jahre 2505 wird der letzte Südkoreaner überhaupt geboren. Man weiß auch schon wo, nämlich in Seoul. Die zweitgrößte Stadt des Landes, Busan, verabschiedet sich bereits 2413 von seinen Einwohnern. Also besuchen Sie die Südkoreaner, solange es sie noch gibt! Und besuchen Sie sie mit uns, dann haben Sie mehr davon 😉

Die Auswirkungen des Geburtenrückgangs haben wir heute während unserer Mittagsrast erleben dürfen. Da haben wir nämlich eine Grundschule besichtigt, die mangels Nachwuchs in ein Museum umgestaltet wurde. Ein Museum für Alltagskultur der Nachkriegszeit. Die Exponate waren also Alt-Tags-Gegenstände. Zum Beispiel Röhrenradios. Oder Walkmans. Wer kann sich noch an diese tragbaren Kassettenabspielgeräte erinnern? Im und um das Museum herum tobte das Leben. Heute schien man eine Art Dorffest zu veranstalten. Viele Aktivitäten für die ganz Kleinen waren dabei. Hüpfburg und so, man kennt das auch aus Deutschland. Das Volk strömte in Scharen und in Massen von Autos herbei. Erst dadurch sind wir auf das Museum / ex Schule aufmerksam geworden. Geplant war der Besuch im Örtchen Nae-myeon nicht.

Der Tag begann mal wieder nebelig und kühl. Und mit einer Aufholjagd auf der Autobahn. Eigentlich wollte ich diesen Eintrag mit „Auf dem Highway ist die Hölle los“ betiteln. Denn die ersten 20 Kilometer sind wir über eine zweispurige Autobahn gebrettert. Auch das war nicht geplant. Als die Vorhut (Eric, Susanne und Thomas) die Abzweigung auf die Nebenstraße verpasste musste die Nachhut (Eberhard und ich) irgendwann hinterher. Auf so einer Autobahn kann man nämlich nicht einfach mal wieder die Seite wechseln und zurück fahren. Schön war es nicht mit dem ganzen Schnellverkehr, aber wir haben es überlebt, sind um eine Erfahrung auf den Straßen Koreas reicher und die nächste Gruppe wird dann die Nebenstraße nehmen. Think positive!

Die Reststrecke hingegen war beschaulicher. Auch hier und da mit viel Verkehr, aber lange nicht so schnell. Die letzten fünf Kilometer haben wir sogar wieder auf einem der koreanischen Flussradwanderwegen hinter uns gelassen. Außerdem wurde es angenehm warm ab der Autobahn.

(Fotos von Susanne, Eric und Eberhard)


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Einmal mit der Kirche ums Dorf

Land der Morgenfrische, 04. bis 23.10.2014

70 Kilometer von Andong nach Angye, dazwischen Dorfschlendern.

Was mir in Korea besonders aufgefallen ist sind die vielen Kirchen. In jedem noch so kleinen Dorf gibt es mindestens eine, in Angye, dem Ziel unserer heutigen Etappe, haben wir zwei entdeckt. Und Angye hat gerade mal knapp 6.000 Bewohner, die umliegenden Dörfchen mit eingerechnet.

Ende des 18. Jahrhunderts hat sich das Christentum in Korea ausgebreitet. In China sind koreanische Intellektuelle damit in Berührung gekommen und haben den Glauben mit in ihr Land gebracht. Am Anfang mussten die Anhänger noch im Verborgenen beten, da die konfuzianische Monarchie keine andere Religion duldete. Aber im Jahre 1882 wurde die Religionsfreiheit eingeführt und es konnten ganz offiziell Gemeinden gegründet und Kirchen gebaut werden. 23,8 % aller Koreaner bekennen sich zum Christentum, Korea ist damit neben den Philippinen und Osttimor das ostasiatische Land mit dem höchsten Anteil an Christen.

Trotzdem haben wir heute keine Kirche besichtigt, sondern ein Folkloredorf auf dem Weg zu unserem Übernachtungsort Angye. Das Dorf heißt Hahoe und zeigt nicht nur ländliche koreanische Kultur, sondern ist außerdem geschichtsbeladen. Der Gründungsclan der Siedlung spielt auch heute noch eine große Rolle in der koreanischen Politik. Details dazu müssen Sie vor Ort erkunden. Gut zwei Stunden sind wir durch Hahoe geschlendert, haben uns einige Anwesen angesehen und den Erklärungen von Sugi zugehört. Hahoe gehört zu den touristischen Highlights Südkoreas, daher kennt sie sich hier aus wie in ihrer Westentasche.

Die Fahrt von Andong nach Hahoe und auch die weiteren 20 Kilometer danach wieder Radwanderwege vom feinsten. Das ist eine sehr willkommene Abwechslung, wir waren über Stunden nur unter uns. Entweder haben wir den falschen Weg genommen oder der Radweg wird nur zu bestimmten Tages- bzw. Jahreszeiten in Anspruch genommen. Schade eigentlich.

Kurz vor unserem Ziel haben wir Eric verloren. Irgendwie hat er die Kurve nicht gekriegt und ist einfach geradeaus gefahren. Oder rechts abgebogen, so genau können wir das nicht mehr rekonstruieren. Jedenfalls war er weg. Hektische Telefonate zwischen Sugi aus dem Begleitfahrzeug, inzwischen am Ziel in Angye angekommen, und mir, irgendwo in der Pampa. Wo steckt der Kerl? Ich hatte keine Ahnung, aber ich hatte Susanne bei mir. Und wusste genau: Wo Susanne ist kann Eric nicht weit sein! Genau so war es dann auch, auf der Zielgerade nach Angye kam Eric angedüst. Wir kamen von links, er von rechts. Hier geht niemand verloren!

(Fotos von Susanne, Eric und Eberhard)


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In Andong und um Andong herum

Land der Morgenfrische, 04. bis 23.10.2014

Ruhetag für die Räder, 80 Kilometer mit dem Bus. Sonnig.

Am Vormittag sind wir zur Schule gegangen und haben anschließend eine Ausbildung zum Papierschöpfer absolviert. Am Nachmittag durften wir ins Theater. Das haben wir dann mit einem Schnaps begossen und sind am Abend auf eigene Faust durch Andong getorkelt.

Reicht eigentlich als Beschreibung für den heutigen Tag. Oder wollen Sie etwa noch mehr Details wissen? Also gut.

Die Schule war natürlich keine ordinäre Schule, sondern eine konfuzianische Lern- und Lehreinrichtung. Dorthin sind wir auch nicht gegangen, sondern mit dem Bus gefahren worden. Die Dosan Seowon Akademie liegt nämlich einige Kilometer außerhalb von Andong. Und so richtig aktiv ist sie auch nicht mehr, hier wird nicht mehr unterrichtet, sondern nur noch besichtigt. Bedeutend war die Schule während der letzten koreanischen Dynastie, der Joseon (1392 bis 1910) und wurde 1574 errichtet. Damit aber genug Jahreszahlen und Geschichte. Wie schon gesagt kann man hier „nur“ noch besichtigen. Nämlich traditionelle koreanische Architektur eingebettet in einer lieblichen Landschaft.

Ganz anders die nächste Station auf unserer Besichtigungsfahrt. Da wird nämlich unter modernen Dächern ein traditionelles Handwerk verrichtet. Die Herstellung von Papier aus der Rinde des Maulbeerbaumes ist in Korea uralt. Jedenfalls viel älter als ich es bin. Der komplexe Prozess vom Verarbeiten der Rinde bis hin zum fertigen Papier wurde uns in einer Papiermühle gezeigt. Nicht nur gezeigt, wir durften sogar selber schöpfen!

Genug gelernt und geschuftet, Zeit für eine Dosis Entertainment. Um die Ecke der Papierfabrik liegt ein Folkloredorf. Nicht irgendein Folkloredorf, sondern das Folkloredorf in Korea schlechthin. Das hatte ich eigentlich für den morgigen Tag als Besichtigungspunkt auf das Programm gesetzt, aber das Maskentheater findet immer um 14 Uhr statt und morgen haben wir dafür vielleicht keine Zeit. Daher heute die Masken und morgen das Dorf in Ruhe.

Wir kamen etwas spät in die Arena, da das Spektakel die Location gewechselt hatte. Die Vorstellung hatte bereits begonnen und wir mussten uns mit den hinteren Plätzen begnügen. Auch nicht schlecht, denn von dort hatten wir nicht nur einen guten Blick auf die Charaktere, sondern auch gleich auf die ganzen Zuschauer. Viel Jungvolk in den Rängen, aber auch eine Gruppe von christlichen Nonnen war darunter. Leider ist in der Galerie da unten kein Bild von ihnen zu sehen. Muss ich wohl gelöscht haben.

Letzter gemeinsamer Programmpunkt: Eine Soju Destille mit angeschlossenem Museum. Soju ist koreanischer Schnaps. Ein hochprozentiges Getränk aus Reis und mehr. Der nicht wirklich komplexe Prozess der Herstellung wurde uns in einer Soju-Fabrik gezeigt. Außerdem andere Artefakte aus dem koreanischen Leben der letzten hundert Jahre.

Egal ob Schule, Papierfabrik und Soju Brauerei, unsere Sugi hat perfekt organisiert und immer stand eine Fachfrau oder ein Fachmann zur Seite, die/der uns mit Hintergrundwissen fütterte. Ich zumindest habe vieles mitgenommen, muss manches aber erst noch verarbeiten bzw. nachbereiten.

Letzter Programmpunkt war dann Andong auf eigene Faust. Ab 17 Uhr trennten sich unsere Wege, jeder bekam die Aufgabe selbst für Unterhaltung und das leibliche Wohl zu sorgen. Hat funktioniert, am nächsten Morgen waren alle wieder da.

(Fotos von Susanne, Eric und Eberhard. Leider wieder nicht chronologisch)


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Geschlaucht

Land der Morgenfrische, 04. bis 23.10.2014

113 Kilometer von Taebaek nach Andong. Dazu kumulierte 1.470 Höhenmeter, aber immerhin tendenziell bergab. Wettermäßig abgesehen von Schnee alles da.

Mal wieder eine Frage an die Linguisten: Woher kommt eigentlich der Ausdruck „geschlaucht“? Kann doch eigentlich nur aus dem Radsport stammen, denn dort ist der Schlauch, also dieser aufblasbare Gummiring zwischen Felge und Mantel, ziemlich essentiell. Oder stehe ich da gerade auf dem Schlauch?

Ehrlich gesagt hatte ich nicht damit gerechnet, dass wir die heutige Etappe nur auf dem Rad sitzend bewältigen würden. Ich war noch am Morgen davon ausgegangen, dass uns vor dem Ziel die Dunkelheit einholt und wir daher die letzten Kilometer mit dem Begleitbus überbrücken müssen. Jedoch meinen der Gruppe gegenüber nicht laut ausgesprochenen Unkenrufen (und woher kommt dieser Ausdruck?) zum Trotz, wir haben es geschafft!

Die Abfahrt in Taebaek hatten wir bereits entgegen unserer bisherigen Gewohnheit um eine Stunde nach vorne verlegt. Also um acht Uhr statt um neun Uhr. Das Frühstück hat jeder zuvor individuell auf seinem Zimmern absolviert. Bei mir gab es eine Lage Sandwiches, was sich die anderen eingeworfen haben weiß ich nicht so genau.

Und dann war es auch noch kühl und bedeckt am Vormittag. Nicht gerade die idealen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Königsetappe. Die Ausfahrt aus Taebaek gestaltete sich etwas abenteuerlich. Wieso befand sich die Straße, in die wir links einbiegen mussten, 20 Meter über uns? So ist das halt, wenn man eine Route nur anhand von irgendwelchen 2D Landkarten ausarbeitet. Da sieht immer alles so schön flach aus. Vor Ort macht einem aber manchmal die dritte Dimension einen Strich durch die Rechnung. Da kann man nämlich nicht einfach so links oder rechts abbiegen, sondern muss zunächst drunter durch oder oben drüber. Und einen anderen Zugang zur beabsichtigten Route finden.

Nach unserer kleinen Irrfahrt gleich zu Beginn wurde es besser. Denn endlich waren wir auf der anvisierten Schnellstraße angekommen. Kein Radweg, keine ruhige Nebenstraße, sondern Autoverkehr satt. Alles donnerte an uns vorbei, PKW, LKW und noch mehr motorisiertes Gefährt mit einem W am Ende. Wir armen Wichte (also die mit einem W am Anfang) mitten drin bzw. immer ganz rechts der Fahrbahn. Das war –äh– aufregend. Aber nicht schön.

Nach acht Kilometer auf der Schnellstraße hatte der starke Verkehr zum Glück ein Ende, wir bogen links ab und wir befanden uns wieder auf gewohntem Terrain: Nämlich auf einer nahezu unbefahrenen Nebenstraße. Hatte ich schon geschrieben, dass wir überwiegend auf Straßen unterwegs sind, die eine sehr geringe Verkehrsdichte aufweisen? Traumhaft für Fahrradfahrer!

Bei Kilometer 42, da hatten wir den höchsten Pass auf der heutigen Strecke bereits hinter uns, ein jäher Wolkenbruch. Nicht lange, aber heftig genug um Susanne, Eberhard und mich komplett zu durchnässen. Eric und Thomas waren weit vorne, nämlich schon beim Partyzelt für unsere Mittagspause. Diese Glückspilze! Auch dort dachte ich wieder daran den Bus für die Weiterfahrt zu nehmen, denn es sah zunächst nicht so aus als würde der Regen für den Rest des Tages aufhören. Aber die Laune des Wetters war eine andere, Noch während wir unsere Instandnudeln schlürften klarte es auf und die Sonne kam wieder zum Vorschein.

Also zügig weiter zu den nächsten beiden Pässen für heute. Nicht wirklich hoch, unter 200 Höhenmeter, aber beide wieder schön steil. Das kostet Kraft. Nach dem zweiten Pass begann der Wettlauf mit der Zeit. Wir wollten es einfach schaffen! Das Höhenprofil gab für die letzten 30 Kilometer noch ein Paar Hügel an. Easy, dachten wir. Aber wenn es auf diese Hügel mit jeweils 10% geht ist das alles andere als easy nach so einer langen Strecke. Was habe ich geflucht und geschwitzt. Am Ende dieser dreißig Kilometer hatte ich neun steile Anstiege als Wegpunkte in meinem Navi markiert.

Mit den letzten Sonnenstrahlen sind wir in Andong eingerollt. Reife Leistung!

(Fotos von Susanne, Eric und Eberhard)


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Und jetzt bitte alle mal „Kimchiiiii“!

Land der Morgenfrische, 04. bis 23.10.2014

62 Kilometer von Jeongseon nach Taebaek, tendenziell bergauf bei blauem Himmel.

Warum gibt es im Deutschen kein Wort welches man laut aussprechen muss wenn man fotografiert wird und dadurch ein besonders breites Grinsen ins Gesicht gemogelt wird? Auf Englisch sagt man Cheeeese, in China qie zi (Aubergine) und in Korea eben Kimchi.

Kein Zweifel, Kimchi ist das Nationalgericht Koreas schlechthin und fast jeder, der an koreanisches Essen denkt, denkt zuerst an Kimchi. Gemüse mittels Milchsäuregärung für den Winter haltbar zu machen und so auch in der kalten Jahreszeit, wo es kein frisches Grünzeug gibt, dem Körper genügend Vitamin C und A zuführen zu können, hat in Korea eine sehr lange Tradition. Man vermutet, dass schon vor 2.600 bis 3.000 Jahren Gemüse auf diese Art eingelegt wurde.

Kimchi gehört in Korea zu jeder Mahlzeit, also Frühstück, Mittagessen und Abendessen. Egal was an Hauptspeise auf den Tisch kommt, eine Schale mit Kimchi gibt es immer dazu. Ohnehin gibt es zum Essen immer mehrere Kaltgerichte. Da bestellt man eine harmlose Nudelsuppe und schwupps, ist der Tisch zugestellt mit kleinen Schalen eingelegter Leckerreien.

Sugi erzählt uns, dass es über 200 verschiedene Arten Kimchi gibt. Da nicht nur Chinakohl, die wohl bekannteste Zutat von Kimchi, eingemacht werden kann, sondern praktisch jedes Gemüse, ist das absolut verständlich. Wir hatten schon viel verschiedenes Kimchi, mir persönlich hat der Rettich neben dem Chinakohl immer am besten geschmeckt.

Kimchi ist nicht nur eine Speise, es ist eine Art soziales Happening für jede Familie. Einmal im Jahr treffen sich alle Frauen einer Familie um gemeinsam Kimchi zuzubereiten. An dem Tag müssen sich die Männer zum Teufel scheren, damit die Frauen in aller Ruhe tratschen können, während sie die einzelnen Arbeitsschritte für die Herstellung vor sich nehmen. Kimchi damggi heißt dieser Tag und ist 2013 von der UNESCO in die Liste der Immateriellen Kulturerben aufgenommen worden. Was es nicht alles gibt!

Kimchi kann man übrigens sehr einfach selber machen. Ein Rezept finden Sie zum Beispiel auf Seite 22 im Tourenprogramm 2015 von China By Bike, welches in den nächsten Tagen aus dem Druck kommen wird.

Heute sind wir an etlichen Feldern mit Chinakohl vorbei gefahren. Daher komme ich überhaupt auf dieses Thema. Es ist Erntezeit und auf vielen Feldern wurde fleißig gepflückt. Andere waren bereits abgeerntet oder warteten noch darauf.

Frühstück im Café chez Sugi. Am Vorabend hatten wir uns in einer Bäckerei mit Nahrungsmitteln für den westlichen Gaumen eingedeckt und uns damit heute Morgen in Sugis Hotelzimmer getroffen. Also mal kein Kimchi zum Frühstück. Dagegen Toast, Marmelade, Butter, Sandwiches und Kaffee. Letzterer aufgebrüht auf Sugis neu erstandenem Campinggaskocher.

Abfahrt wie gewohnt um neun Uhr. Wieder wie gestern durch ein Flusstal, nur dass wir heute dem Fluss in Richtung Quelle folgten. Sprich nach oben mussten. Und gegen Ende der Etappe zwei Pässe hatten. Kein Problem, inzwischen sind wir gut eingeradelt.

Zum Abendessen in Teabaek, einer Bergarbeitersiedlung, gab es die lokale Spezialität schlechthin, nämlich zartes Rindfleisch vom Tischgrill. Und natürlich wieder Kimchiiiii!

(Fotos von Eberhard und Eric. Leider nicht chronologisch sortiert)


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Sonntagsfahrer

Land der Morgenfrische, 04. bis 23.10.2014

43 Kilometer von Jinbu nach Jeongseon, überwiegend rollen lassen und das schöne Wetter genießen.

Heute ist gar nicht Sonntag, sondern Dienstag. Um das zu überprüfen musste ich auf den Kalender schauen. Auf Reisen verliere ich nämlich immer den Überblick über die Wochentage. Gefühlt war für mich aber heute Sonntag, denn Sonntag ist für mich Sonne, lange schlafen, wenig Stress und viel Nichtstun. Wenn es nach mir ginge sollte man den Sonntag in „Faultag“ umbenennen. Aber auf mich hört ja niemand 🙁

Mal meine Vorstellung von einem Sonntag überprüfen:
1.) Sonne. Ja, die hatten wir heute satt. Nicht gleich am Anfang, aber um 9:30 kam sie heraus und hat uns gut gewärmt. Eigentlich erstaunlich, nach dem trüben Tag gestern.
2.) Lange schlafen. Passt, ich hatte die morgendliche Abfahrt angesichts der kurzen Strecke auf 10 Uhr angesetzt.
3.) Wenig Stress. Stimmt! Aber um ehrlich zu sein trifft „wenig Stress“ schon seit mehreren Tagen zu.
4.) Viel Nichtstun. Stimmt natürlich nicht. Fast vier Stunden auf dem Rad ist nicht wirklich „Nichtstun“.

Soweit die überwiegend positive Bilanz. Ankunft in Jeongseon bereits um kurz nach Mittag. Das war auch gut so, denn hier gibt es einiges zu sehen. Wir haben eine Fahrt zum Ecoland inklusive Ausblick auf Kleinkorea unternommen und Ararichon Folk Village besichtigt. Also reichlich Unternehmungen für eine Gruppe von Sonntagsfahrern.

(Fotos von Eberhard, Eric und Susanne)


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Howdy Hardy

Land der Morgenfrische, 04. bis 23.10.2014

85 Kilometer von Girin nach Jinbu, wieder ein paar knackige Steigungen dabei. Schlechtwettertag.

An dieser Stelle möchte ich mal einen meiner Teilnehmer vorstellen. Er heißt Eberhard, auch Hardy genannt, und ist ein ganz alter China By Bike Hase. Wie viele Touren er schon mit uns gemacht hat weiß er gar nicht mehr so genau. Mit Korea sind es nun acht, ich habe im Büro nachzählen lassen.

Aber Hardy reist natürlich noch mit anderen Veranstaltern und auch gerne mal allein. Und meistens mit dem Fahrrad. So hat er zum Beispiel den Jakobsweg beradelt, ab Berlin auf 4.000 Kilometer. Reisen ist seine Leidenschaft, er erzählt gerne von den Ländern die er bereits besucht hat. Das sind so viele, dass Eric mal meinte es gäbe für Hardy nicht mehr viele weiße Flecken auf der Weltkarte. Ich nannte spontan und scherzhaft den Nord- und Südpol. Aber Fehlanzeige, auch dort ist er bereits gewesen.

Von Haus aus ist Hardy Sprachwissenschaftler, hat in Berlin studiert. Nach dem Studium ging er nach Japan, um im Rahmen des DAAD Deutsch und Englisch zu unterrichten. Er hat dort viele Jahre gelebt, sowohl in Großstädten als auch auf dem flachen Land. Jetzt frönt er seiner Reiseleidenschaft und schreibt nebenbei Bücher mit sehr originellen Titeln. Sein letztes Buch hat er mir vor der Reise zukommen lassen und ich muss zugeben, schwere Kost für mich. Dabei fällt mir ein, dass ich mich bei ihm noch gar nicht für das Buch bedankt habe 🙁

Dieses Jahr ist Eberhard 70 geworden. Er fährt auf unserer Tour selten vorne weg, aber er hält gut mit. Sollte ich mal 70 Jahre alt werden hätte ich garantiert nicht mehr seine Kondition. In diesem Sinne: Auf deine nächten 70 Jahre Eberhard! Prost, Cheers, Kanpei, Salud, Ganbei, Sokdee und Wihajo (oder wie auch immer das koreanische Wort dafür umschriftet wird).

Der koreanische Wetterdienst hatte für heute eine Regenwahrscheinlichkeit von 68% voraus gesagt. Kaum zu glauben nach dem so sonnigen Tag gestern. Der Wetterdienst sollte zunächst Recht behalten, zum Frühstück in unserer Herberge fegten Regenböen an den Fenstern vorbei. Aber zur Abfahrt, wie gewohnt um neun Uhr, war es zwar recht kühl, jedoch erstaunlich trocken von oben herab. So ist es dann auch die ganze Fahrt über geblieben, nur vereinzelt hatten wir kurz leichten Nieselregen.

Was außerdem blieb war der teilweise sehr böige Wind. Sehr zu unserer Freude, denn wir hatten ihn meistens im Rücken. Das ist dann wie Pedelec fahren mit nachhaltiger Energie. Die war willkommen, denn die Strecke war relativ lang und die Steigungen oft fies. Gerne um die 10%. Nur der vorletzte und höchste Pass bei Kilometer 64, bei dem wir die 1.000 Meter-Marke geknackt haben, war überwiegend geruhsam zu erklimmen.

(Fotos von Eberhard, Eric und Susanne)


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