Zum Schluss also Shanghai

Südlich der Wolken , 09.08. bis 30.08.2014

Shanghai ist einfach anders. Nach den Dörfern Yunnans ist die moderne Metropole ein Schock, der dann in Faszination übergeht. Bei mir kippt die Stimmung irgendwann wieder und ich bin froh über einen Szenen-Wechsel. „China für Anfänger“ meinen einige Expats, die wir am Abend auf der Dachterasse der Captain`s Bar getroffen haben. „Paris des Ostens“ kann man in der Reiseliteratur lesen. Jeder mag seinen eigenen Titel finden für diese Stadt, in der alt und neu (noch) so dicht beieinander liegen und die ihr Gesicht täglich zu ändern scheint.

Auf diesem Weg einen Gruß an die Gruppe und danke für die schöne Zeit. Kommt gut heim und lasst Euch nicht stressen!

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Kunming-Szenen

Südlich der Wolken , 09.08. bis 30.08.2014

Mit dem Bus ging`s nach Kunming, wo wir einen halben Tag Zeit hatten um die Seele baumeln zu lassen, im Cuihu-Park zu flanieren, den Schachspielern und ihren Fans zuzusehen, in der Sonne zu sitzen und nach einem Spaziergang durch die Altstadt ein Abendessen im Innenhof des Laofangzi zu genießen.

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Ohrensee im Regen

Südlich der Wolken , 09.08. bis 30.08.2014

80 Kilometer am Ohrensee, davon die meisten im Regen, anschließend 13 Kilometer Bootsfahrt

Zumindest zu Beginn und zu Ende der Seerunde war es trocken. So gibt es leider keine schönen Bilder wie im Frühjahr, als das strahlende Blau des Himmels mit den vielfältigen Nuancen des Ohrensees konkurrierte und uns einen unglaublichen Tag auf der nagelneuen Uferstraße bescherte.

Heute aber jagte ein Schauer den anderen, und wir immer mitten drin. Großes Kompliment an die Gruppe, alle sind tapfer und ohne Murren durchgefahren. Völlig durchnässt zur Nudelsuppe, wieder einigermaßen getrocknet vorbei an Reisfeldern, durch kleine Dörfer, in denen immer mehr Cafés und kleine Herberge entstehen, und schon wieder nass. Das Spielchen wiederholt sich (ohne die Nudelsuppe) einige Male – nicht so schlimm eigentlich, denn kalt ist es nicht und pünktlich zur Kaffeepause an der Promenade von Shuanglang lässt sich sogar die Sonne kurz blicken.

Ingrid und Oskar waren bereits vor einigen Jahren hier geradelt und kommen aus dem Staunen nicht mehr raus – Oskar muss vergeblich auf die Schlammschlacht warten, die es vor Fertigstellung der Uferstraße unweigerlich gegeben hätte. Vorher gab es hier nichts außer einigen Booten, die am unwegsamen Ufer auf ein paar Fischer warteten. Die Dörfer öffneten sich zum Land und den Feldern hin, denn dort spielten sich das Leben und die Arbeit ab. Die neu aufgeschüttete und befestigte Straße führt nun direkt am See entlang und bietet ganz andere Perspektiven: während man in einigen Dörfern immer noch an der wenig herausgeputzten Rückseite der Häuser vorbeifährt, entstehen anderswo kleine Hotels mit riesigen Panoramafenstern, gemütliche Cafés und sogar den einen oder anderen Liegestuhl haben wir gesehen. In Europa würde spätestens jetzt die erste Segelschule eröffnen, und ich bin seit einiger Zeit gespannt, ob oder wann das hier auch irgendwann geschehen wird.

Zurück an Land geben wir die Räder ab, erahnen in einem klaren Augenblick die nebelverhangenen Gipfel des Cangshan-Gebirges und spazieren durch das immer gut besuchte Südtor in die Fußgängerzone. In den nächsten Tagen werden die Städte größer: wir fahren erst nach Kunming, in die Provinzhauptstadt Yunnans und fliegen schließlich nach Shanghai… mal sehen, wie gut wir die dortigen Superlativen nach den beschaulichen Tagen in Yunnan vertragen werden.


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Ruhetag in Dali

Südlich der Wolken , 09.08. bis 30.08.2014

… Text folgt…

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Auf der Burmastraße nach Dali

Südlich der Wolken , 09.08. bis 30.08.2014

50 km von Yangbi nach Dali, heimliche Königsetappe

Sie ist unbarmherzig steil, der Belag nicht immer gut und erstaunlich viele LKW ziehen es vor, auf der alten Burmastraße zu fahren anstatt die direkt nebenan gebaute neue Autobahn zu nehmen. Die Vegetation wird üpppiger, Bananen bestimmen zunehmend das Bild und es ist heiß. Wir quälen uns Kilometer um Kilometer hoch, bis die Temperaturen auf 2.000 Metern wieder angenehm frisch werden. Ab Dali Neustadt hat uns die chinesische Zivilisation wieder eingeholt, Hochhäuser, vierspurige Schnellstraßen, Gehupe… das hatten wir in den letzten Tagen fast vergessen.

Fünf Minuten vor Dali Altstadt fängt es an zu regnen. Kaum sind die Sandalen trocken, folgt der nächste Schauer. Es ist sogar kühler als im Frühjahr, als ich mit der letzten Gruppe im T-Shirt um den Erhai gefahren bin.

Wir verabschieden uns von unserem Fahrer-Duo: Xiao Luo (die immer mit einem Lächeln und frisch geschältem Obst an der richtigen Stelle auf uns gewartet hat) und ihrem großer Bruder. Die beiden haben uns liebevoll und sicher durch die Lande begleitet. Den restlichen Tag verbringen wir in Dali mit Ausruhen, Spazieren und Kaffee trinken, Fußpflege und Massage – jeder wie es ihm gefällt. Morgen haben wir einen Tag „Freizeit“, bevor wir uns ein letztes Mal auf die Räder schwingen und zur Runde um den Ohrensee aufbrechen.


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108 Kilometer Genuss pur

Südlich der Wolken , 09.08. bis 30.08.2014

Von Shaxi nach Yangbi, teilweise heftige Regenschauer

Die Fahrt von Shaxi nach Yangbi ist eine der schönsten Strecken, die ich kenne. Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters, aber es gibt wohl kaum eine so lange, verkehrsarme, unverbaute und einsame Route wie diese. Den ganzen Tag lang radeln wir durch terrassenförmige Reisfelder, immer wieder Eukalyptus und sehr kleine Dörfer, vorbei an Wasserbüffeln und ihre Hütern, die uns entspannt auffordern, Pause zu machen und auszuruhen.

Dass wir das letzte Drittel im teilweise strömenden Regen fahren müssen, kann den Genuss nur bedingt schmälern. Am Abend sind wir gut müde, immerhin sind auf der Hügelfahrt gute 1.000 Höhenmeter zusammengekommen. Mit einem sauer-scharfen Feuertopf und einem Absacker in der offenen Hotellobby beschließen wir die längste Fahrt dieser Tour.

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Volksfest am Steinschatzberg

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Tagesausflug zum Steinschatzberg, Besichtigung des Baoxiang-Tempels und des Shizhong-Tempels

Man könnte auch das Motto „Landfrauen auf Urlaub“ wählen, denn das Folkfestival am Steinschatzberg hat ähnliche Qualität. Einmal im Jahr kommen sämtliche Tanz- und Musikgruppen der Provinz Yunnan an diesen in den Hügeln versteckt gelegenen Ort, um auf einer kleinen Bühne um die Gunst des Publikums zu buhlen. Das sind vor allem Frauengruppen in Trachten, die man an ihren Hüten unterscheiden kann. Die Naxi tragen dunkles Blau, die Yi große schwarze Hüte und die Tracht der Bai ist in Weiß und Pink gehalten. Der große Parkplatz ist schon voll, als wir ankommen, und ein Besucherstrom drängt unaufhörlich aufs Festivalgelände. Ich höre Worte wie „Wacken“ fallen und muss an „An Tagen wie diesen“ denken, nur dass die Zelte und Klappstühle fehlen – und der Alkohol, denn das ist hier nicht gestattet. Um die Musik geht es den meisten nicht, stellen wir fest, als wir uns zum Baoxiang-Tempel und schließlich zur Bühne gedrängt haben. Es ist einfach eine Gelegenheit, sich zu treffen und zu plaudern. Oder um Westler zu fotografieren, die nichts Böses ahnend Nudeln essend im Halbkreis stehen und zur Bühne schauen. Schon sind wir von riesigen Objektiven umringt, dahinter stehen meist Männer in Tarnuniform, die den Anschein machen, als würden sie auf Großwildjagd gehen. So fühlen wir uns dann auch wie Freiwild, versuchen aber ein zivilisiertes Verhalten an den Tag zu legen, zu lächeln und uns keine Patzer mit den Stäbchen zu leisten… so ein Volksfest ist anstrengend.

Der Tag hatte ähnlich begonnen, als „Jianchuan TV“ ein Interview von uns wollte. Wie uns Shaxi gefalle, was wir so machen und woher wir kommen, wollte man wissen und am Abend würde dann in den Lokalnachrichten davon berichtet. Danach stand der berühmte Freitagsmarkt in Shaxi auf dem Programm, auf dem sich die ganze lokale Bevölkerung, die noch nicht auf dem Festival war, eingefunden hatte.

Dementsprechend froh waren wir, als wir mit dem eigens eingerichteten Shuttlebus von der Bühne aus den Massen entfliehen, weiter zum Shizhong-Tempel fahren und nach einer kurzen Besichtigung den einsamen Fußweg zurück ins Dorf antreten konnten. Trotz Regen haben wir die Stille und das viele Grün sehr genossen.


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Kurze Fahrt nach Shaxi

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Von Jianchuan nach Shaxi

Mit 32 Kilometern steht heute eine kurze Etappe auf dem Programm. Deswegen lassen wir uns viel Zeit, schlendern noch einmal über den Jianchuaner Markt und bleiben an den Ziegeleien und beim Tabaktrocknen stehen – und verursachen prompt einen Stau, weil anscheinend alle Autos der Umgebung in Richtung Shaxi unterwegs sind. Das wird sich bald als halbrichtig herausstellen. „Morgen gibt es das Tanz- und Musikfest am Steinschatzberg“, erklärt man uns am Zielort Shaxi im Laomadian, einem der hübschen alten Karawansereien der Teestraße. „Dieses Festival findet nur einmal im Jahr statt und dauert zwei Tage. Morgen geht es los.“ Das erklärt die vielen Menschen, die in dieser sonst so einsamen Gegend unterwegs sind.

Wir verbringen den Rest des Tages mit der individuellen Erkundung Shaxis, das mit Schweizer Unterstützung aufgebaut worden ist und nicht so quietschbunt wirkt wie andere wiederaufgebaute Altstädte des Landes. Highlight des heutigen Abends ist aber eine kleine etwa 10-jährige geschäftstüchtige Dame, die in Abwesenheit ihrer Familie die Abendessenbestellung aufnimmt, uns gut berät, später bedient und ihre ganze Familie in der Küche herumscheucht. „Tut mir leid, wir haben nur noch eine Portion Ziegenkäse“ entschuldigt sie sich bei mir und verdreht zur Küche gewandt die Augen „Ein Gericht ist ausgegangen und jetzt steh ich hier… wieso sagt mir das denn keiner!“ Sicher wird sie in ein paar Jahren diesen oder einen anderen Laden ganz gut meistern.

Wir haben einen ruhigen und gemütlichen Tag verbracht, die Ruhe vor dem Sturm, denn morgen wollen wir uns ins Getümmel des Folkfestivals vom Steinschatzberg stürzen.

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Tanz- und Kochkurs in Jianchuan

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Von Shigu nach Jianchuan, tendenziell bergauf mit den ersten größeren Reisfeldern der Tour

Nach einer Nudelsuppe am Straßenstand schhwingen wir uns auf die Räder. Den ersten Teil der Strecke kennen wir bereits von gestern, nur dass wir heute hochradeln, zusätzlich werden wir von zwei Plattfüßen behindert. Dann verlassen wir den Yangzi und steigen unaufhörlich bis nach Baihanchang. Dieser kleine Ort an einer Nebenkreuzung nach Lijiang hat sehr unter dem Bau der Autobahn gelitten, die seit Januar diesen Jahres Lijiang mit Dali verbindet und die alte 214 nahezu überflüssig macht. Es gibt nur noch wenige Restaurants und die machen keinen florierenden Eindruck. Den übrigen Ortschaften, die vom Reis- und Tabakanbau geprägt sind, merkt man die Auswirkungen der neuen Schnellstraße noch nicht an. Die wird derzeit erweitert und soll in einigen Jahren auch Shangrila erreichen. Was das für den Ort bedeuten wird, kann man sich ausmalen, wenn man einmal die nicht enden wollenden Besucherströme in Lijiang und Dali gesehen hat.

Jianchuan ist eine aufstrebende Kreisstadt, will man der chinesischen Touristeninformation glauben. Ein wenig im Dornröschenschlaf ist die Jianchuaner Altstadt aber doch: enge Gassen, neues Kopfsteinpflaster, kleine zweistöckige Holzhäuser, und alles noch herrlich authentisch unrestauriert, sagen die Westler – eher uninteressant, finden die meisten Chinesen. Wir schlendern eine gute Stunde durch die Gassen, bewundern die Architektur, die Schnitzereibetriebe und vor allem die älteren Damen von Jianchuan, die unermüdlich vor historischer Kulisse das Tanzbein schwingen und die eine oder andere von uns zum Mitmachen animieren.

In einer einfachen Garküche steht der Küchenchef am Wok, zwei fleißige Hände schneiden direkt daneben Gemüse und Fleisch, zwei weitere bedienen und tragen Biernachschub für elf Westler aus dem Nachbarladen herbei. Die Treffsicherheit, mit der der Koch ohne hinzusehen Saucen anmischt, die zischend im Wok landen, ist unglaublich. Ein Gebläse verhindert, dass der unvermeidliche Qualm die fünf Tische des Restaurants einhüllt, das den ganzen Abend lang fast bis auf den letzten Platz gefüllt ist. In Windeseile haben wir ein weiteres leckeres Mal auf dem Tisch und viel über die chinesische Kochkunst gelernt. So langweilig (und in unserem Fall staubig nach fünf Kilometern Baustelle) Kreisstädte bei der Einfahrt auch erscheinen, es gibt immer etwas zu entdecken.


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Gratulation!

Südlich der Wolken , 09.08. bis 30.08.2014

Aus der Tigersprungschlucht heraus am Yangzi entlang nach Shigu, Hochwasser

Nach einem üppigen Frühstück (Müsli und Walnuss-Pfannkuchen) radeln wir aus der Tigersprungschlucht heraus. So richtig schnell kommen wir nicht voran, erst klemmt eine Kette, dann lockt die Aussicht und die Nudelsuppe in Qiaotou. Nur einige ältere Erdrutschstellen mahnen zur Weiterfahrt. Das Werkzeug habe ich nicht mit in die Schlucht getragen und bin ziemlich froh, dass es bis zum Mittagessen keine Platten gegeben hat. Die folgen allerdings auf der hügeligen Nebenstrecke am rechten Yangziufer, und auch der weitere Tag entwickelt sich anders als vermutet. Eigentlich wollten wir eine weitere Nebenstrecke, die eben am linken Ufer verläuft, und dann die Fähre nehmen. Doch heute sind die Ufer überschwemmt, braune Brühe mit sehr viel Plastikmüll und wirbelnde Strudel, das ist nicht der ruhige Fluss, den ich von vorherigen Touren her kenne. Ein Anruf im Guesthouse bestätigt es, seit zwei Tagen ist der Wasserstand des drittlängsten Flusses der Erde immer weiter gestiegen, der Fährbetrieb eingestellt. Uns bleibt also nur das andere Ufer, also einige Kilometer auf der brandneuen Schnellstraße – mit gutem Belag und geringer Steigung, aber donnernden LKW – und die restliche Wegstrecke auf der uns schon bekannten 214 – bei Sonnenschein durch die Dörfer, in denen die Tabakernte in vollem Gang ist, dafür geht`s Hügel rauf Hügel runter.

Am Abend sind wir zu müde für einen Spaziergang durch Shigu, dem Ort der ersten Biegung des Yangzi, außerdem hat Mao mit seinen Kameraden auf dem Langen Marsch hier der Fluss gequert. Trotzdem wird es ein schöner Abend, denn es gibt etwas zu feiern: zufällig haben wir heute in der Gruppe zwei Hochzeitstage, und das will mit einer Kanne Schnaps begossen werden!


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