Abschied von den Millionen

Tal des Roten Flusses, 05. bis 27.03.2011

Der Tag begann mit einem Taiji-Kurs auf dem Sonnendeck. Edith, Anja und Matthias turnten fleißig mit, während Dieter und ich es mehr als Fernstudium aus sicherer Entfernung betrieben. Um 07:30 Uhr gab es dann Frühstück. Das Schiff nahm inzwischen Kurs auf ein schwimmendes Fischerdorf, das wir uns noch anschauen wollten.

In diesem schwimmenden Dörfchen leben rund 40 Fischerfamilien in einer dieser malerischen Buchten. Es gibt dort sogar eine schwimmende Schule und eine schwimmende Bank. Also alles was man braucht. Die Fischer verkaufen ihren Fisch überwiegend an asiatische Touristen und betreiben auf kleinen Booten natürlich auch Handel mit Souveniers, Getränken und Obst. Ein wenig befremdlich war es allerdings schon, so zwischen den Hausbooten daher zu schippern und die Fischer zu bestaunen und zu Fotografieren als säßen sie im Zoo. Aber diese Fischer leben hauptsächlich vom Tourismus und wie der Guide uns versicherte leben sie davon gar nicht so schlecht.

Auf unserem Schiff zurück gab es dann auch bald schon das Farewell-Mittagessen. Auch diesmal war es wieder sehr köstlich. Unser Kellner, die allesamt sehr sympatisch waren scherzten gelegentlich, indem sie grinsend ein Gericht auf den Tisch stellten uns sagten: „Dog Meat“. Dass sie uns damit gar nicht schocken, sondern eher enttäuschen konnten, weil es dann doch nur Rindfleisch war, konnten sie ja nicht ahnen.

Um 13 Uhr bestiegen wir dann wieder den Bus, der uns wieder in die 4 Millionen-Metropole Hanoi zurück brachte. Der Verkehr war wieder in gewohnter Weise ruppig und chaotisch. Dieters Kommentar hierzu war: „Da sind das so liebe Menschen hier aber wenn man ihnen einen fahrbaren Untersatz gibt, werden sie zu wilden Tieren“.

In Hanoi angekommen bezogen wir wieder das nette kleine Posh-Hotel und hatten noch ein wenig Freizeit. Das Abendessen zelebrierten wir heute zum Abschied von Vietnam etwas vornehmer. Ich hatte einen Tisch in einem Restaurant bestellt, das uns Duong empfohlen hatte. Da gingen dann anderthalb Millionen für das Essen drauf. Es tut schon ein wenig weh solche Beträge aus der Hand geben zu müssen. Nun ja, aber zuhause in Deutschland ist das Millionärsdasein sowieso wieder vorbei.

Der morgige Tag steht nochmal zur freien Verfügung. Da können wir dann noch einmal nach Herzenslust shoppen und unsere restlichen Millionen verschleudern, bevor uns der Bus dann zum Flughafen bringt.


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Halongbucht 2. Versuch

Tal des Roten Flusses, 05. bis 27.03.2011

08:30 Uhr wurden wir vom Bus abgeholt, der uns in die Halongbucht brachte. Würde es diesmal klappen? Wir glaubten es erst, als wir auf dem Boot saßen, den Begrüßungsdrink heruntergespült hatten und das Boot tatsächlich ablegte. Wir bekamen unsere Kabinen zugeteilt und bald darauf gab es Mittagessen. Die Kabinen sind klein aber sehr hübsch eingerichtet. Der gesamte Deckaufbau besteht aus Holz, denn man hat den Schiffen einen historischen Anstrich gegeben. Das Mittag essen war auch erstaunlich lecker, das hätten wir auf einem touristischen Schiff gar nicht erwartet. Aber um so besser.

Wir teilen uns das Boot mit Amerikanern, Australiern, Indern und Skandinaviern und zwei weiteren Deutschen. Nachmittags machten wir einen Ausflug zur Höhle „Surprise“ wie die Franzosen sie bei ihrer Entdeckung getauft hatten. Eine wirklich beeindruckende Tropfsteinhöhle in einem der Karstberge.

Anschließend wurden Kajaks geliehen und wir paddelten etwa eine Stunde zwischen den Felsen herum. In einem Felsenbasin, in das man nur durch eine Höhle gelangte, wimmelte es von Affen. Die waren die paddelnden Touris anscheinend gewöhnt, denn sie zeigten keinerlei Scheu. Obwohl sie nicht gefüttert wurden. Im Kajak kann man auch schlecht noch Affenfutter mitbringen. Auf jeden Fall war das Kajakfahren eine willkommene Abwechslung und vor allem ein wenig Bewegung, auch wenn man dabei zwangsläufig etwas nass wurde. Der Nässegrad stieg in etwa exponential mit zunehmender paddlerischer Unfähigkeit.

Das Abendessen war wieder exzellent. Jede Menge Seafood und mehr und alles sehr liebevoll angerichtet und kunstvoll garniert. In manchen Fällen so schön, dass es ein Frevel gewesen wäre die Deko mitzuessen.
Ab 21 Uhr war dann Paaadie….


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Hanoi

Tal des Roten Flusses, 05. bis 27.03.2011

Auch heute ging es wieder bei Zeiten los. Wir Frühstückten im Hotel wo die Bediensteten rührend für uns sorgten und machten uns dann auf den Weg zu Ho Chimin. Das war auch der Grund für unser frühes Aufstehen, denn das Mausoleum machte bereits um 11 Uhr wieder zu. Dort angekommen, waren wir erst einmal leicht geschockt von den Menschenmengen, die zu Onkel Ho wollten. Wir reihten uns in die Besuchermassen ein und gaben am Eingang brav unsere Rucksäcke ab. Die Kameras durften wir mitnehmen mit dem Hinweis, dass wir nur von außen Fotos machen dürften. Nachdem wir etwa 100 Meter in der Schlange zurückgelegt hatten, wurden wir auf recht unfreundliche Art wieder aus der Schlange herausgeholt und aufgefordert unsere Kameras abzugeben. Wir fragten, warum wir die Kameras nicht gleich hätten abgeben sollen, denn diese Aktion machte nicht viel Sinn. Unseren Einwand ignorierte man einfach. Hier bei Onkel Ho geht es halt noch etwas sozialistischer zu als im restlichen Vietnam. Die restliche Wartezeit in der Schlange verging dann doch schneller als erwartet und unter den strengen Blicken der Wachsoldaten schoben wir uns innerhalb einer halben Minute an Ho Chimins Mumie vorbei. Ein ziemlich kurzer und fragwürdiger Genuss für ein so langes Prozedere. Man kann auch nicht gerade behaupten, dass die Wartezeit die Vorfreude auf Onkel Ho steigerte.

Anschließend spazierten wir zum Literaturtempel. Dieser im Jahre 1070 erbaute Tempel war seiner Zeit zu Ehren Konfuzius errichtet worden und dann im Jahre 1076 zur ersten Universität Vietnams umfunktioniert worden. Da Konfuzius ja ein großer Gelehrter war, der dem Lernen höchste Priorität einräumte, ist die Errichtung der Universität in seinen Hallen quasi konsequent.

Zum Mittagessen trafen wir uns wieder mit unserem vietnamesischen Guide Duong. Er holte uns am Literaturtempel ab und fuhr mit uns zum Biergarten 19 C. Das war wirklich schön bei mildem Wetter im Freien essen zu können. Unserer Tradition treu bleibend, wurden wieder Gerichte bestellt, die etwas Besonderes waren. Diesmal war Hund auf der Speisekarte. Aber nicht alle von uns aßen etwas davon. Eigentlich schön zu merken, dass wir doch noch Skrupel haben und unsere Sinisierung, was das Essen angeht, doch noch nicht so weit fortgeschritten ist.

Am Nachmittag besuchten wir noch das Museum für vietnamesische (Früh-) Geschichte. Es war sehr auffällig, wie sehr die Vietnamesen kulturell von den Chinesen geprägt waren und auch heute noch sind. Nicht nur, dass die historischen Quellen alle in klassischem Chinesisch verfasst wurden, auch die Kleidung, die rituellen Gegenstände sowie die Riten selbst waren den chinesischen gleich oder zumindest sehr ähnlich.

Der Rest des Nachmittags stand dann zur freien Verfügung. Zum Abendessen trafen wir uns wieder und spazierten durch die Altstadt auf der Suche nach einem Restaurant. Schließlich landeten wir doch wieder in der Garküche direkt neben unserem Hotel. Das begossen wir dann wieder mit einigen Bierchen und vietnamesischem Vodka, den Edith in akzentfreiem Vietnamesisch bestellen kann. Hut ab!

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Vom Winde verweht

Tal des Roten Flusses, 05. bis 27.03.2011

Eigentlich sollten wir jetzt auf einem historisch anmutenden Boot zwischen den Karstfelsen der Halongbucht dahin dümpeln und relaxen aber wir sind in Hanoi. Das kam so:
Früh am Morgen fuhren wir rund 4 Stunden mit Duong in die Halongbucht zum Bootanleger. Wir waren bei weitem nicht die einzigen denn dort hieß es, es sei noch nicht sicher, ob die Boote heute auslaufen dürften. Wir warteten. Nach etwa anderthalb Stunden war es dann definitiv. Es durften keine Boote rausfahren wegen einer „Starkwind-Warnung“. Wir berieten uns und entschieden, den Hanoi-Aufenthalt vorzuziehen. Also schwangen wir uns wieder ins Auto und fuhren dreieinhalb Stunden nach Hanoi. Das Hotel dort ist klein aber fein. Schöne Zimmer und exzellenter Service.

Nach einer kurzen Pause machten wir einen Spaziergang durch die Altstadt und besorgten uns Karten für das berühmte Wasserpuppentheater. Witzige Idee die Marionetten nicht durch die Luft, sondern durch im Wasser verlaufende Stangen zu steuern. Es wurden alle Themen präsentiert, die im traditionellen Vietnam eine Rolle spielten. Von der Feldarbeit bis hin zu den verdienten Schlachten des Vietnamesischen Volkes.

Essen waren wir zuvor auf einem der Nachtmärkte Hanois. Anschließend tranken wir in der Garküche neben unserem Hotel dann noch das ein oder andere Bier.


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Dschungel versus Karstfelsen

Tal des Roten Flusses, 05. bis 27.03.2011

Das Paradies kennt eine Steigerung: Die trockene Halongbucht.

Die letze Radetappe der Tour verlief vom Cuc Phuong Nationalpark durch die trockene Halong Bucht bis nach Nin Binh.

Zuerst machten wir aber mit einem Guide des Nationalparks eine kleine Wanderung durch den Urwald. Ziel war der „Tausendjährige Baum“. Der ist tatsächlich so alt im Gegensatz zu den chinesischen „Tausendjährigen Eiern. Dieser Baum ist 45 Meter hoch und misst 5,5 Meter im Durchmesser. Gewaltig. Anschließend besichtigten wir noch die Affenzucht des Parks. Hier werden einheimische Affen sowohl gezüchtet als auch wieder ausgewildert. Außerdem fungiert es als Zwischenstation für Affen, die man vom Schwarzmarkt gerettet hat. Diese Affen sollten als Delikatesse oder für medizinische Zwecke nach China verkauft werden. Auch diese Affen wildert man wieder aus.

Nach unserem Spazierang ging also die Radtour los. Leider ohne mich, denn an meiner Hinterachse war leider nichts mehr zu machen. Das Rad wird nach Kunming zurückgeschickt und wird dort ein neues hinteres Laufrad bekommen.

Also betätigte ich mich heute als Streckenposten. An Abzweigungen oder markanten Wegpunkten stellten wir uns mit dem Begleitfahrzug hin und passten auf, dass die Gruppe den richtigen Weg nahm. Ein Zwischenstück musste aufgrund einer Baustelle anders gefahren werden als ursprünglich, aber sowas kann unsere Gruppe nicht mehr schrecken.

Das Beeindruckenste an unserer Etappe heute war, dass man den Karstfelsen so dicht kam wie nie zuvor. Man fuhr quasi direkt am Fuße der Felsen entlang. Das ist ein herrlicher Anblick.

Im Hotel angekommen. Machten wir die Räder versandfertig. Abendessen fand diesmal im Hotel statt. Vorzügliches Essen mit Schlangenschnaps, für alle die wollen. Es wollten alle. Unsere Gruppe ist kulinarisch sehr unkompliziert und experimentierfreudig. Wir essen alles was auf den Tisch kommt. Auf uns trifft bald das chinesische Sprichwort zu: Wir essen alles was 4 Beine hat außer Tischen, alles was fliegt außer Flugzeugen und alles was schwimmt außer Schiffen.


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Pannentag im Paradies

Tal des Roten Flusses, 05. bis 27.03.2011

Der Tag fing schon mal gut an. Anjas Fahrrad war platt. Also flickten wir den Reifen. Dann gings los. Die Strecke war sagenhaft. Den ganzen Tag fuhren wir durch märchenhafte Karstlandschaft und Reisfelder. Beim Mittagessen am Ho Chi-Min Highway ereilte uns der nächste Platten. Wieder Anjas Fahrrad. Die Tour ging weiter durch traumhafte Karstlandschaft. Plötzlich blockierte mein Hinterrad. Die chinesische Felge aus Yuanyang hatte sich festgefahren. Wir standen an einem kleinen vietnamesischen Dorf und ich begann mein Werkzeug heraus zu kramen.

Zu Anfangs begutachteten uns die Leute erstmal neugierig bis skeptisch. Als sie dann aber sahen, dass ich Werkzeug auspackte und offensichtlich eine Panne hatte, waren wir sofort umringt vom halben Dorf. Ein paar Leute fingen an meinem Rad herumzufummeln. Das fand ich zuerst mal nervig. Dann bemächtigten sie sich meines Werkzeuges und fingen an laut schnatternd an meinem Rad herumzuschrauben. Ich dachte mir: na lass sie mal machen. Doch es stellte sich schnell heraus, dass sie genau wussten was sie machten und dass sie mit dieser Art Problem recht vertraut waren. Fachmännisch schraubten sie an der festgefahrenen Hinterachse herum und stellte sie neu ein, so dass das Rad wieder zum Laufen kam. Ich muss gestehen, dass ich sehr dankbar war für die Hilfe. Dieter schlug vor, dass wir den Herren Reparateuren ein wenig Bier spendieren sollten. Das machten wir dann auch. Erst wollten sie das Bier ablehnen, aber nachdem das Bier dann bereit stand und wir uns verabschiedeten, nahmen sie es doch an.

Ich fuhr etwa 500 Meter und erlitt einen Platten. Toll. Also flickte ich diesen. Als ich gerade am flicken war, kam einer der Dorfbewohner vorbei, der auch vorher schon mit repariert hatte und lachte sich tot. Er half sofort wieder beim Einbau des geflickten Hinterrades.

Keine 10 km später war mein Hinterrad schon wieder platt und ich flickte noch einmal. Mittlerweile habe ich richtig Übung. Nervig ist nur, dass die chinesische Felge mit Schraubkranz keine Schnellspanner hat. Der Reifen war wieder geflickt, aber die Hinterachse hatte wieder enorm viel Spiel und schlackert so herum, dass sie am Rahmen schleifte. Ich rief Duong an, dass er mich abholen solle, denn ich wollte das Rad mal in aller Ruhe mal einstellen und nicht hektisch am Straßenrand. Ich entschied mich aber, Duong wenigstens ein Stück entgegen zu fahren. Nach ein paar Metern war die Hinterachse so richtig festgefahren, so dass erstmal nicht mehr an Weiterfahren zu denken war. Also wartete ich auf Duong.

Er lud mein Rad auf und fuhr mich die letzten 10 km ins Hotel des Cuc Phuong Nationalparks. Dort kümmerte ich mich schon mal um die benötigten Schmutzbiere, wenn die Gruppe eintreffen würde. Nach dem Einchecken und Duschen fuhren wir in den nächsten Ort zum Abendessen. Wieder mal sehr lecker. Eigentlich wie jedes Mal.


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Heiße Quellen

Tal des Roten Flusses, 05. bis 27.03.2011

Wir starteten bei bewölktem Himmel aber ohne Regen. Petrus scheint meine Gebete erhört zu haben. Es ging wieder durch Dörfer, vorbei an idyllischen Reisfeldern und an einem See entlang. Was mir auffällt ist, dass die vietnamesischen Dörfer viel bunter sind als die Chinesischen. Sehr viele Häuser haben ganz bunte Fassaden.

Mittlerweile hatten wir uns auch etwas an den vietnamesischen Verkehr gewöhnt. Der ist deutlich rüder als in China. Hieß das Hupen eines LKWs in China „Hallo, Vorsicht, ich komme von hinten und werde gleich überholen“, so heißt es in Vietnam „Weg da!!!“. Aber auch daran gewöhnt man sich. Obwohl dieses ruppige Verkehrsverhalten eigentlich im krassen Gegensatz zu den sehr freundlichen Menschen hier steht. Die Menschen sind hilfsbereit und nett und kaum jemand der nicht erpicht darauf wäre uns zu grüßen. Ob Erwachsene oder kleine Kinder, ein jeder ruft uns ein nettes „Hello“ zu. Oft klingt es wie „Hellau“ und ich frage mich, ob das vielleicht auch so gemeint ist. Manche kleinen Kinder springen vor Freude über uns Langnasen wild schreiend umher. Ich bin schon ganz heißer von den vielen Hello-Erwiderungen.

Während der Fahrt kam immer mehr die Sonne heraus. Anja war so begeistert, dass Sie ihren Lenker mit einem Blumensträußchen schmückte. Unsere Fahrt ging erst einmal nur 24 km, denn dann kam eine sehr große und sehr unwegsame Baustelle. Duong verfrachtete uns und unsere Räder in zwei Begleitfahrzeugen und wir fuhren etwa zwei Stunden lang und überbrückten dabei gut 150 km. Dort machten wir unsere Mittagspause mit Nudelsuppe oder Obst und nach dem Mittagessen fuhren wir nochmals 7 km auf der extrem verkehrsreichen Hauptstraße bis zu einem Abzweig wo wir dann wieder auf unsere Räder stiegen und durch eine wundervolle Karstlandschaft fuhren. Nach 23 km kamen wir an unserem Hotel, dem V-Resort, an.

Dieses Resort ist eine sehr schön gestaltete Hotelage mit Swimmingpool, Sauna und eigenen heißen Quellen. Das nutzten wir natürlich sofort aus und erholten unsere müden Muskeln im heißen Bad.


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Trockenen Fußes nach Yen Bai Sa

Tal des Roten Flusses, 05. bis 27.03.2011

Es regnet nicht. Wir können unser Glück kaum fassen. Also schwingen wir uns nach der allmorgendlichen Nudelsuppe hochmotiviert auf die Räder. Einziger Wermutstropfen: unsere Klamotten sind natürlich nicht über Nacht getrocknet. Es hat schon etwas Überwindung gekostet, in die noch quatsch-nassen Schuhe zu schlüpfen. Ich hatte mir für etwa 2 Euro vietnamesische Schlappen gekauft, aber die hebe ich für die Abende auf, damit ich etwas Trockenes an den Füßen habe. Außerdem dachte ich mir, dass meine Schuhe beim Tragen trocknen würden, vorausgesetzt es regnet nicht. Die Hose war auch noch nass, aber auch die trocknete schließlich im Fahrtwind.

Unsere Etappe führte uns von Pho Rang rund 94 km durch wunderschöne Landschaft vorbei an Reisfeldern, Teeplantagen, strohgedeckten Hütten und vielen, vielen Dörfern nach Yen Bai Sa. Es war eine sehr hügelige Strecke. Das fortwährende Auf und Ab spürten wir am Abend ganz schön in den Beinen. Wir fanden diese Etappe sogar anstrengender als die chinesischen Bergetappen. Aber sie war schön und vor allem trocken!

Ordentlich durchgeschwitzt machten wir dem Schmutzbier in einer kleinen Bar am See vor dem Hotel wieder mal alle Ehre. Sogar bestellen können wir schon selbst. Das machen einem die Vietnamesen aber auch sehr leicht. Bier heißt auf Vietnamesisch ganz einfach: Bia. Die Zahlen zeigen wir mit den Fingern und dann einfach: Bia. Super! Wenigstens die Grundversorgung können wir selbst regeln.
Das Hotel selbst war ein sozialistischer Prachtbau, wie er in allen Ländern des ehemaligen Ostblocks hätte stehen können aber es hatte in jedem Fall mehr Komfort als das Hotel in Pho Rang.

Zum Abendessen führte uns Duong ins beste Restaurant der Stadt. Auch die Gerichte waren heute etwas Besonderes. So hatten wir zum Beispiel Schnecken mit grünen Bananen und Tofu. Das war echt lecker auch wenn es vielleicht nicht so klingt.


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Singin‘ in the Rain

Tal des Roten Flusses, 05. bis 27.03.2011

Es regnete immer noch. Da wir uns auf der langen Abfahrt von Sapa nach Laocai nicht durchnässen lassen wollten und dabei total auszukühlen, entschieden wir uns vorerst mal die Abfahrt im Auto zu absolvieren. Insgeheim hatten wir die Hoffnung, dass es unten in Laocai nicht mehr regnen würde. Wieder solch ein Irrtum. In Laocai luden wir die Räder aus, aber es war eine ziemliche Überwindung im strömenden Regen aufs Rad zu steigen. Ein bisschen Bewegung wollten wir aber doch haben. Also fuhren wir erstmal los. Die zu fahrende Strecke reduzierte sich dadurch auf ca 80 km.

Nach etwa 35 km wartete Duong auf uns und zeigte uns ein kleines Nudelrestaurant wo wir uns stärken und vor allem ein warmes Süppchen zu uns nehmen konnten. Das war nicht schlecht aber wir froren dabei ganz ordentlich. Dennoch waren wir guter Dinge und entschieden uns nach der Nudelsuppe weiterzuradeln. Das ging gut bis Kilometer 50. Da ereilte Anja ein Platten. Im strömenden Regen zu Flicken fanden weder Anja noch ich eine hinreißende Idee, also stellten wir uns unter und ich rief Duong an mit der Bitte Anja abzuholen. Während wir im Eingang eines Bauernhofs warteten, kam ein etwa 13 jähriger Junge aus dem Haus und stellte und ein paar Plastikstühle hin, damit wir nicht stehen mussten. Nach wenigen Minuten schob er ein kleines Servierwägelchen heraus und brachte uns Tee. Das rührte uns sehr und es war uns fast zu peinlich den Tee anzunehmen. Aber das wäre unhöflich gewesen.

Nachdem Anja mit Duong auf dem Weg zum Hotel war, setzten wir zu viert unsere Fahrt fort. Nun wurde es gebirgig mit ziemlichen Steigungen aber landschaftlich wunderschön. Leider hatten wir aufgrund des Regens nicht die Muße Pausen zu machen und die Landschaft zu genießen.

Im Hotel angekommen, einem recht einfachen kleinen Hotel, hatten wir das Problem unsere durchnässten Sachen trocken zu bekommen. Da es zum einen ziemlich kalt und außerdem sehr feucht war, stellte sich das als hoffnungslos heraus. Zum aufwärmen gingen wir in das kleine Restaurant gegenüber des Hotels und aßen früh zu Abend und tranken reichlich Reisschnaps. Bier natürlich auch. Denn wir sind einhellig der Meinung, dass das vietnamesische Bier wesentlich besser ist als das Yunnan-Bier auf der chinesischen Seite.


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Ich wär so gerne Millionär…

Tal des Roten Flusses, 05. bis 27.03.2011

Heute hatte es aufgehört zu regnen. Dafür schneite es. Es waren lauschige 3°C und es schneite in Sapa. Mit allem hätte ich gerechnet aber nicht mit Schnee. Er blieb nicht liegen aber es war trotzdem skuril. Wenn zu dem 2000 m hohen Pass oberhalb von Sapa hochschaute, sah man dass er dort liegen blieb. Aufgrund der Witterung entschieden wir uns gegen das Radfahren und machten stattdessen eine Wanderung. Vor her ging es erstmal zur Bank um endlich Geld zu wechseln. Die Bank war offen aber es war nur eine Aufsichtsperson dort. Ein wenig ungläubig hörten wir, dass die Bank erst wieder am Nachmittag arbeite, weil alle Angestellten zum Pass hochgefahren seien um den Schnee anzuschauen. Es sei der erste Schnee seit 3 Jahren. Wir machten erst unsere Wanderung zu einem Dorf der „Schwarzen Hmong“ ein Bergvolk in Nordvietnam. Das Dorf war natürlich touristisch erschlossen und kostete Eintritt, aber es war trotzdem interessant anzusehen. Und sehr imposant war der Wasserfall an der tiefsten Stelle des Ortes. Zwischenzeitlich war das Schneetreiben wieder in Regen übergegangen. Aber Kalt war es immer noch.

Daher aßen wir zu Mittag Feuertopf um etwas warmes in den Bauch zu bekommen. Als Vorspeise gab es selbstgerollte (Frühlings-)Röllchen mit Lachs und Gemüse Füllung. Sehr lecker!

Am Nachmittag hatte die Bank dann wie versprochen geöffnet und ich bekam für 100 € rund 2,8 Millionen Dong. Wow. Endlich Millionär! Ein Glück, dass ich einen Rucksack dabei hatte, denn mein Portemonnaie ist mit solchen Geldmengen ein wenig überfordert. Der Nachmittag war dann zur freien Verfügung, den die Gruppe aufgrund des Wetters zum Lesen und Postkartenschreiben nutzte. Ich wechselte an allen Rädern die Bremsbeläge, denn morgen würde uns ja eine steile Abfahrt von 27 km bevorstehen.

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