Willkommen bei Transeurasien 2011

Es ist geschafft, die Gruppe hat nach 12.152 Kilometer das Ziel Beijing erreicht. Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Mitlesern und Kommentatoren!

Im unteren Teil können Sie auch weiterhin das Reisetagebuch zu dieser transkontinentalen Reise nachlesen.

In der Navigationsleiste oben erhalten Sie weitere Informationen zu der Reise.

Wir wünschen viel Spaß bei der Lektüre!

Cool Down in Beijing

Tage zum Ausspannen und Erholen Beijing, Besuch der wichtigsten Sehenswürdigkeiten, wie Lamatempel, verbotenen Stadt und Himmelstempel, Shopping, Kaffee und gutes Essen

Lange Ausschlafen ist ein Superluxus, dem man sich nur während des Urlaubs gönnen kann. Nach über 150 Tagen auf dem Rad steht dem nun nichts mehr entgegen, kein argwöhnische Blick aufs Wetter, keiner auf die zu fahrenden Kilometer, sondern gemütlich aufstehen, lange Duschen und dann ab zum Frühstücksbuffet. Unser Hotel in Beijing liegt in einem alten Hutong und das Gebäude ist ein alter traditioneller Wohnkomplex mit verschachtelten kleinen Höfen. Zwar sind die Zimmer recht klein, dafür ist alles mehr als stilvoll und gemütlich ausgestattet und das Frühstück im Innenhof ist ausgezeichnet und entspannend.

Wir bereiten uns auf die Sehenswürdigkeiten der Stadt vor. Mein Lieblingstempel bleibt nach wie vor der Himmelstempel Tiantan. Nicht nur wegen der imposanten Gebäude, der runde Tempel mit seinem blauen Dach ist auch das Wahrzeichen der chinesischen Hauptstadt, sogar in Berlin befindet sich ein kleine Kopie, die als Restaurant fungiert. Der Park um den Tempel ist einfach der Sammel- und Treffpunkt der fitten Rentner und Frührentner Beijings, die hier Sport treiben, Tanzen, Musik machen, Häkeln, Karten spielen und Schwatzen. Und das ist immer eine wirklich gute Fotoserie wert. Beeindruckend sind die geschmeidigen Bewegungen der Tai-Chi Ball Spieler, es funktioniert ein bisschen wie Federball (oder Badminton, wie es seit geraumer Zeit heißt), allerdings spielt man nicht gegeneinander, sondern miteinander und der Ball wird nicht geschlagen, sondern entlang geführt, die Energie des Balles ausnutzend und weiterleitend. Ein Kung Fu Lehrer unterrichtet gerade eine vollschlanke Australierin und ihr ebenso vollschlankes Kind. Womit man sich in Deutschland bis auf die Knochen blamiert hätte, stört hier keinen. Natürlich sehen ein paar Leute zu und nicken lächeln anerkennend, wenn doch mal eine Technik klappt. Überhaupt stört sich keiner daran, was die anderen tun, den Rückwärtsläufern weicht man höflich aus und die Tanzgruppe der über 60jährigen, die sich anhand indischer Filmmusik im Bauchtanz üben, wird ebenso bestaunt, wie die Schachrunde der alten Männer. Etwas ist neu, es wird gescrabbelt, auf Englisch!!!! Jeder der Spieler hat einen Zettel mit dem Alphabet vor sich und eine Liste alphabetisch geordneter Wörter.

Wir bewundern dann auch die stolzen Tempel und reihen uns an der Echomauer ein in die Reihe der laut rufenden und wie wild Hände klatschenden Chinesen, in dem Lärm geht natürlich jeder hörbare Effekt gnadenlos verloren, Spaß macht es trotzdem, ebenso wie das klassische Foto auf dem Mittelpunkt der Welt, zumindest der chinesischen.

Hinter dem Tiantan Park liegt dann das “Kaufhaus des Großen Glücks”, zumindest habe ich dieses Shoppingparadies des ursprünglichen Namens “Hong Qiao”-”Rote Brücke” umgetauft. Hier gibt es ALLES an Markenware, was man fälschen kann. Im unteren Geschoss beherrschen Brillen, Fotoapparate, Handy, i-pods und allerlei elektronischer Klimbim den Markt, dahinter gibt es Seidenware, Unterhosen, Kosmetika. Im ersten Stock dann Schuhe, Koffer, Klamotten, Handtaschen und ganz obern dann Perlen und Schmuck. Im Nebengebäude schlagen die Herzen der großen und kleinen Kinder höher. Elektronisches und ferngesteuertes Spielzeug, Plüschtiere, Holzspielzeug…..Aus rechtlichen Gründen muss ich hiermit natürlich erwähnen, dass wir alle uns den Markt nur angesehen haben, als beredtes Beispiel, wie die chinesische Raubwirtschaft unsere Arbeitsplätze vernichtet und keiner von uns auch nur etwas Illegales erhandelt hat.

Am nächsten Tag steht dann natürlich die “Verbotene Stadt” auf dem Programm, da klinke ich mich ganz gerne einmal aus, denn hier bündelt sich der ganze Touristenandrang in Beijing und es geht nur noch im Gleichschritt hindurch, kein großer Spaß, aber für den Chinaneulinge ist und bleibt der Kaiserpalast ein Muss und wird auch die Faszination der gigantischen Paläste und riesigen Plätze nicht verlieren und jeder begreift, das hier das Zentrum der Macht des Imperiums China über Jahrhunderte lag.

Natürlich steht auch noch der Lamatempel auf der To-do Liste, der Tempel ist der einzige tibetisch-buddhistische Tempel in der Stadt und für mich schon eine kleine Vorbereitung auf meine Tour in 10 Tagen durch Randtibet. Dichte Schwaden der Räucherstäbchen liegen über dem Gelände. Auch wenn sich heute viel Chinesen eher als nicht religiös bezeichnen, hat doch der Boom der Tempel wieder zugenommen und täglich kommen hunderte hierher um Räucherstäbchen zu den Buddhas und Boddhisattvas zu opfern und um einen männlichen Nachwuchs, gute Geschäfte, eine glückliche Ehe zu bitten und zu beten. Es kann ja schließlich nicht schaden. Der wichtigste Anziehungspunkt des Tempels bleibt aber die 26 Meter hohe stehende Buddhastatue, aus nur einem Stück Holz geschnitzt; und mit diesem Attribut hat sie sogar einen Platz im Guiness Buch der Rekorde bekommen.

In mein Lieblingsfeuertopfrestaurant kommen wir nicht hinein, mehr als 50 Leute warten davor und auf einen großen Tisch besteht keinerlei Chance. So begnügen wir uns dann mit einem netten und einfachen Pekinger Lokal, 8 Tische gibt es in dem Laden und man kann sich sogar noch unterhalten, was in vielen anderen Läden nicht geht.

Abschied nehmen heißt es heute, Christa fliegt noch am Abend, die anderen folgen am frühen Morgen. Seit dem 16. April sind wir unterwegs gewesen und haben den kalten Sommer in Deutschland nicht erleben müssen, dafür haben wir uns 12.150 km durchs Baltikum, Russland, Sibirien und die Mongolei bis nach China durchgekämpft und es hat wieder einmal geklappt. Wir sind gesund und munter und um viele Erfahrungen reicher in Beijing angekommen und haben unsere Ehrenrunde auf dem Tiananmen Platz gedreht und unsere Zielfotos unter den wachsamen Augen von Mao gemacht. 5 Monate Radfahren und davor mehr als ein Jahr der Vorbereitung haben hier ihre Vollendung erfahren und wie immer heißt es: Nach der Tour ist vor der Tour! Und deshalb geht es schon in einer Woche weiter in Tibet mit einer neuen Gruppe. Bis dahin verabschiede ich mich und danke noch einmal allen unseren virtuellen Begleitern, das Blog war ein voller Erfolg, wir hatten 15.000 Besucher auf der Webseite, jeden Tag haben 100 Leser unsere Abenteuer verfolgt: Vielen Dank dafür und ein Versprechen meinerseits: Ich schreibe weiter!

Geschafft: Berlin-Beijing, 12.152 Kilometer!!!!!!

82 km von der Wilden Mauer bei Huang Hua bis nach Beijing zum Platz des Himmlischen Friedens, graues Wetter bei bis 25 Grad, abends bei unser glorreichen Einfahrt dann sehr schöner Sonnenuntergang.

Steigen wir heute wirklich zum letzten Male auf die Räder? Sind wir wirklich irgendwann vor langer Zeit in Berlin am Brandenburger Tor logefahren? Waren wir auf dieser Tour in Vilinius, Riga, Moskau, Novosibirsk, Irkutsk und Ulaanbaataar? Das liegt alles schon so weit weg, doch fängt man an in den Erinnerungen zu stochern kommen die Bilder und Ereignisse sofort alle wieder.

Ein letzte mal strampeln wir heute einen kleinen Berg hinauf, vielleicht 200 hm, was ist das gegen die Berge am Baikalsee und in der Mongolei und am Wutaishan. Noch ist es hier 50 km vor Beijing sehr ländlich, aber das ändert sich auf der anderen Seite, es geht richtig weit runter und dann kommt auch schon der sechste Autobahnring. Hier sieht es zwar noch aus wie in einer chinesischen Kleinstadt, aber schon 15 Kilometer weiter am fünten Ring stehen die ersten Hochhäuser.

Das Olympiagelände liegt auf dem Weg, für uns eine Gelegenheit für einen Zwischenhalt und eine Besichtigung des “Vogelnestes” und des “Wasserwürfels”. Wir sind schon wieder in eine andere Welt gekommen, wieder eine Kulturschock, Beijing, die moderne Hauptstadt eines dynamischen und aufstrebenden Landes. Hier ruft Niemand mehr “Hellou, hellou!”, hier gehören Langnasen zum Alltagsbild. Trotzdem lassen sich die Chinesen immer noch gerne mit uns ablichten und wir genießen es.

Als Radfahrer hat man in Beijing wenig Stress, es gibt ordentliche Radspuren vom fünften Ring an bis ins Zentrum, obwohl der Verkehr dicht ist, kommt man aber eben mit den Fahrrad gut durch, nur Pang unser fahrer hat Probleme uns zu folgen.

Gegen 16 Uhr sind wir am Hotel, laden unser Gepäck ab und verabscghieden uns vom “Kleinen Pang” unserem 23 jährigen jungen Fahrer. Er hat sichtlich an Format gewonnen auf seiner ersten Reise mit Langnasen und es hat ihm Spaß gemacht. Ich sehe ihn bald wieder in zwei Wochen auf meiner Tour in randtibet, da kann er dann seinen 12 Wörten Deutsch Umfang noch erweitern. Für heute hat er noch einmal Stress, denn er muss jetzt im Berufsverkehr wieder raus aus der Stadt nach Chengde in seine Heimat 200km nach Nordosten.

Wir brechen gleich noch einmal auf, denn unser Ziel ist noch nicht ganz erreicht, wir wollen noch eine Runde um den Tian An Men Platz drehen und wurschteln uns durch die Innenstadt, hinten Koghlehügel zum Kaiserpalst und dann sind wir endgültig am Ziel: vor uns der riesige Platz mit dem Mao-Mausoleum, dem Historischen Museum und dem stalinistischen Parlamentsgebäude und natürlich mit dem Tor des Himmlischen Friedens.

Eine ruhmreiche Runde und dann packen wir unter Maos wachsamen Augen die Sektflasche aus und lassen die Korken knallen. Die Sicherheitskräfte reagieren mehr als gelassen und wir feiern unsere Ankunft: Halleluja! Wieder einmal geschafft. 12.152 Kilometer zeigt der Tacho von Berlin, die Höhenmeter sind noch nicht addiert. Wir liegen uns in den Armen und füllen eine halbe Speicherkarte mit Fotos.

Am Abend feiern wir dann noch mit Pekingente, kramen unsere schönsten Erinnerungen zusammen und sprechen von weitern Plänen: Nach der Tour ist vor der Tour!!!!! Die nächste Staffel von “Gute Beine, schlechte Beine!” läuft für mich schon in zwei Wochen, die “Berge, Tempel, Tangkhas” in Randtibet und dann ist 2012 ja das Olympiajahr und wir fahren ab 1.1.12 von Hongkong nach London und im Herbst die Nachlese zu dieser Tour, noch einmal geht es dann von Irkutsk über die Mongolei nach Beijing und 2014 will ich ja dann noch einmal etwas drauflegen: Berlin- Singapur!

Aber noch ist unsere Tour nicht ganz zu Ende, wir haben noch vier tage in der nödlichen Hauptstadt Beijing und neben Packen und Shoppen werden wir noch jede Menge zu sehen bekommen, aber vorher erst einmal wieder richtig lange Schlafen!

Höhenprofil

Wegelagerer an der Wilden Mauer

33 Kilometer vom Minggräberstausee nach Huang Hua, Besteigung der Wilden Mauer bei Huanghua und tolle Fischrestaurants, 451 hm bei trüben 23 Grad.

Wieder so ein grauer Tag und dabei ist die Gegend um Beijing hier so schön. Überall gibt es kleine Dörfer und viel Plantagen. in den weiten Tälern wird Obst angebaut und das ganze land wird mit Pfirsichen und Äpfeln aus der Region versorgt. Weiter oben dann werden die Obstplantagen von Walnüssen abgelöst und von einer Frucht, die hier Chinesische Dattel genannt wird, sie sieht auch ein wenig aus wie frische Datteln, aber der niedrige Baum hat mit einer Dattelpalme nichts gemein (und mir schmeckt die Frucht auch nicht sonderlich).

Wir schrauben uns noch einmal 300 Höhenmeter über eine Bergkette und genießen dann eine lange Abfahrt. Hier unten gibt es viele Fischrestaurants, die Fischbecken mit einer schwarzen und einer goldenen Forellenart befinden sich direkt vor den Restaurants. Vor Jahren habe ich mich einmal in die Bedienung eines Ladens verguckt, die wunderschöne lange haare in einem dicken Zopf bis zu den Knien hatte. Das Mädel hat inzwischen längst geheiratet und ein hoffentlich süßes Baby, aber wenigstens bin ich dem Laden treu geblieben und der ist es auch wert. Hier gibt es dann Fisch auf jeder erdenkliche Art und Weise und wir schlemmen mit frischem Fisch und Wasabi, gegrilltem Fisch mit türkischen Gewürzen, Fisch mit Wildpilzen und ich lasse mich sogar dazu hinreißen süß-saueren Fisch zu bestellen. Es ist so lecker, dass sogar die eigentlich Fischhasser ordentlich zugreifen, denn die Forellenart lässt sich leicht und gut von der Gräte lösen.

So gesättigt fahren wir dann die letzten 6 Kilometer bis wir bei Huang Hua wieder auf die Mauer treffen. Hier ist der Mauerabschnitt eigentlich für Touristen gesperrt, bis vor 6 Jahren war auch nichts restauriert, dann hat man aber die Mauer hier auch teilweise ausgebessert und Huang Hua gilt als nicht mehr ganz geheimer Tipp für alle, die auf der mauer ihre Ruhe haben wollen. Das lässt sich aber nicht immer ganz so gut durchsetzen, denn die einheimischen haben die Zugänge zur Mauer blockiert und den Weg auf die Mauer so gestaltet, dass man durch ihren Garten laufen muss. Der ist dann so gesichert, dass man nur durch ein schmales Tor kann und dort wird dann pro Person 2 Yuan abkassiert. Das ist ein sehr freudloser Job, denn jeder Touri, auch die Chinesen regen sich mächtig auf und ich kann mich noch gut an die Steine werfende Frau erinnern, die hier immer noch ihr Unwesen treibt.

Wir hatten uns deshalb eigentlich ohne Debatte mit 2 Yuan Eintritt abgefunden, aber auf dem Weg nach unten muss man durch einen weiteren Garten und da wird wieder kassiert und dahinter liegt ein weiterer, dessen Durchgang auch wieder schwer gesichert ist und hier ist dann auch unsere Geduld und Zahlungsbereitschaft am Ende, aber es nützt nix, das geifernde Pärchen hätte es sogar auf Handgreiflichkeiten ankommen lassen und der Schäferhund im Garten lechzte auch schon nach unseren Waden.

Die Mauer geht hier auch sehr steil die Berge hinauf und wieder hinunter und bei der hohen Luftfeuchtigkeit muss man aufpassen nicht ins Rutschen zu kommen. Wir klettern nicht zu weit, denn die Sicht ist bei dem grauen diesigen Wetter doch sehr eingeschränkt und dabei kann ich mich an wunderschöne Sonnenuntergänge hier erinnern. Auch habe ich die Jahrtausendwende hier mit meinen Studienkameraden auf eine Wachturm am Lagerfeuer verbracht, der Mauerabschnitte hier steckt also für mich voller Erinnerungen.

Das Hotel heute ist auch direkt an einem Fischbecken und so gibt es zum Abendessen wieder reichlich frischen Fisch und kühles Bier und dann beginnt die letzte Nacht, bevor wir morgen unser Ziel erreichen.

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Breakfast with Greg Bennett (Frühstück mit Greg Bennett)

Tagesausflug zu den Minggräbern und zur Seelenstraße, 23 Kilometer bei grauem Wetter ohne Regen und 21 Grad.

Wer zum Teufel ist Greg Bennet? Die Triathlonbegeisterung hat die Gruppe ergriffen, wegen des Events, der in den letzten Tagen hier stattgefunden hat. Lin möchte am liebsten sofort mit dem Training anfangen und geht früh auch schon mal joggen. Theoretisch sitzt hier im Hotel im Frühstücksraum die gesamte Weltelite, ausgenommen der Deutschen. Die sollen im Hotel nebenan wohnen und schlecht abgeschnitten haben, weil sie sich mit dem Essen im Hotel kollektiv den Magen verdorben haben.

Wenn man natürlich mit so vielen Stars und Sternchen in einem Frühstücksraum sitzt, dann möchte man (frau) natürliche wissen, who is who, und es wurde gestern Abend fleißig gegoogelt. Ein gut aussehender Athlet in mittleren Jahren und Trainer wird als Greg Bennet identifiziert, mehrfacher Gewinner diverser Triathlone auf dieser Welt, so um das Jahr 2002 herum. Den muss man doch wohl kennen!

Beim Frühstück möchten wir nun alle wissen, wer ist dieser Greg Bennet und wann kommt er endlich zum Frühstück und was frühstückt er und wir diskutieren darüber ob er gut Fußmassagen geben kann, oder sich doch lieber die Füße massieren lässt. Dann taucht er auf, kräftiger Körper, dunkelblonde Haare, wippender Gang, geschmeidiges Lächeln….und spricht fließend Russisch und heißt Wladimir Tschewonibudch und ist dann doch der Trainer der russischen Equipage statt der australischen.

Der Rest des Tages ist dann Grau in Grau, es lohnt sich kaum die Kamera mitzunehmen, die Wolken hängen tief und es ist mehr als diesig, richtiges Depressivwetter, als wir zu den Minggräbern und zur Seelenstraße aufbrechen. Man könnte hier eigentlich so schöne Aussichten über den Minggräberstausee haben und die Obstplantagen rundherum sind eigentlich wunderbar satt Grün, aber mit dem Nebel ist alles recht öde.

Die Seelenstraße ist der Eingang zum Tal der Gräber der Mingdynastie. Seit dem 17. Jahrhundert wurde 13 der 14 Mingkaiser hier begraben. Nachdem die Ming ihre Hauptstadt von Nanjing nach Beijing verlegt hatte, war man auf der Suche nach einem abgelegenen Tal für die ewige Ruhe der verblichenen Kaiser hier fündig geworden. In einer langen Prozession wurden die toten Kaiser hier durch prächtige Tore und einer langen Straße mit überlebebsgroßen steinernen Figuren von Soldaten, Beamten, Fabelwesen, Elefanten und Kamelen vorbei getragen. Heute ist es vorbei mit der Ruhe der Kaiser, denn die halbe Welt ist hier unterwegs. Der Tagesausflug von Beijing beinhaltet die Seelenstraße, dann einer der Minggräber und die Große Mauer bei Badaling, inklusive Mittagessen und Jadeshoppingcenter.

Wir wandeln noch recht früh am Morgen die Seelenstraße entlang, als noch nicht so viele Touristen hier eingefallen sind, dafür trifft es uns dann am Chang Ling, dem Grab des ersten Ming Kaisers Pu Le, als wir mit 6 großen Bussen voller ausländischer Touris durch die Anlage stampfen. Am interessantesten ist hier der gewaltige Tempel im Eingangsbereich, der auf gewaltigen Baumstämmen ruht. Mit heiliger Ruhe ist hie nix mehr und man hat kaum Gelegenheit, die recht gute Ausstellung über die Regierung der Ming zu genießen.

Das Grab an sich bietet dann nicht mehr als einen schönen Ausblick, denn die Kaiser ruhen in einem Grabhügel tief unter der Erde in einer versiegelten Gruft.

Uns reicht es dann für den Tag und wir suchen uns am Abend wieder ein Grillrestaurant, es wird noch besser als am Vortag, denn es wir auch Gemüse gegrillt, also Kartoffeln, Auberginen und chinesischer Schnittlauch und wir hatten eigentlich nur ein kleines bisschen essen wollen!

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Invasion in Badaling

60 Kilometer vom Ganting Reservoir nach Changping, 232 hm bei sonnigen bis 22 Grad, Große Mauer bei Badaling.

Heute Morgen können wir dann erst einmal einen Blick darauf werfen, wo wir eigentlich gelandet sind, rundherum Maisfelder und ein wenig schimmert der Gaunting Stausee hindurch. Das Frühstück ist mies, es gibt die schlechteste Nudelsuppe, die ich je in China gegessen habe. Ein weiterer Plattfuß ist nach dem Frühstück schnell repariert und dann geht es weiter in Richtung Peking. Nach einigen Kilometern verlassen wir dann auch die Provinz Hebei und fahren in den Pekinger Landkreis ein, die Hauptstadt liegt nunmehr nur 60 Kilometer etwas südlich von uns entfernt, ist aber heute noch nicht unser Ziel. Das liegt in den Bergen vor uns: die Chinesische Mauer bei Badaling.

Badaling ist der Mauerabschnitt, der am nächsten zur Hauptstadt liegt und deshalb auch am touristischsten ausgebaut. Es ist Sonntag und deshalb rechne ich auch mit einem regelrechten Massenandrang. Langsam tauchen dann auch die ersten Wach- und Signaltürme auf den Bergkämmen auf und auch der Verkehr wird dichter. Nur noch drei Kilometer von dem historischen Gemäuer entfernt staut sich der Verkehr auch ordentlich und auf dem Parkplatz ist richtig was los, ganz Beijing schein heute hier unterwegs zu sein und nach links und rechts schiebt sich ein unendlicher Pulk bunter Touristen die Mauer hinauf und wieder hinunter.

Die Mauer in Badaling ist schon recht spektakulär, denn unten vom Tor im tief eingeschnittenen Tal geht es auf beiden Seiten steil nach oben bis auf die Gipfel der umliegenden Berge und dann atemberaubend in das nächste Tal hinein und wieder auf den nächsten Gipfel. Kaum vorstellbar, die logistische Leistung, die hier vollbracht wurde und die Schinderei von hunderttausenden von chinesischen Arbeitern und Strafgefangenen durch verschiedenen Dynastien, die hier emsigst unter schwersten Bedingungen Steine geschleppt und aufeinander gesetzt haben.

2000 Jahre wurde an dem Bauwerk herumgebastelt wird in den Reiseführern und Geschichtsbüchern erzählt, aber die Mauer um Badaling dürfte nicht viel älter als 200 oder 300 Jahre sein. Und auch von den originalen Bauten aus dieser Zeit ist nicht mehr viel zu sehen, denn in den 60er und 70er Jahren wurde hier der Mauerabschnitt renoviert und für den Massentourismus zubereitet. Böse Zungen behaupten sogar, es habe hier an dieser Stelle nie eine Mauer gegeben, in der Realität glaube ich, dass lediglich nicht mehr viel davon übrig war. Ein paar Kilometer weiter befinden sich unrenovierte Abschnitte, die Mauer an sich ist keine zwei Meter mehr hoch und von üppigem Grün überwuchert, lediglich die Wachtürme überlagern die Büsche und Sträucher. Die Ziegel um die Mauerfüllung aus groben Steinen wurden von den Dörflern in der Umgebung wohl sorgfältig wieder abgetragen und zum Häuserbau verwendet.

Wie auch immer folgen wir dem Strom von Touristen aufs Bauwerk, der Eintritt mit 45 Yuan, knappe 5 € ist recht moderat. Es herrscht ausgelassenen Wochenendstimmung und die Chinesen und ein paar ausländische Touristen digitalisieren Erinnerungen, was das Zeug hält. Ich mag Badaling besonders, nicht wegen der Mauer, sondern weil man einfach so hervorragend Chinesen gucken kann, hier findet man den Querschnitt durch eine ganze Nation, da wird die Oma und der Opa vom Lande auf den ersten Wachturm nach oben geschoben, intellektuelle Studenten mit Nickelbrille, verzogene dicke Einzelkinder aus der Hauptstadt, den Betriebsausflug einer Landkommune, Neureiche mit superprofessioneller Fotoausrüstung und eben ein paar Radfahrer, die vor ziemlich genau 12.000 Kilometern an der Berliner Mauer aufgebrochen sind, um hierher zu fahren.

Wieder zurück auf dem Parkplatz schicken wir Xiao Pang, unseren Fahrer, über die Autobahn weiter und schmuggeln uns an den Ordnungskräften vorbei in die Fußgängerzone und können dadurch auch direkt durch die Mauer fahren. Wir stoppen noch einmal unter dem Torbogen für ein historisches Foto und ganz schnell haben wir auch ganz viele Chinesen um uns herum, die auch mit aufs Foto wollen, viel Jubel und Heiterkeit und ein bisschen Olympiastimmung wie vor zwei Jahren, als wir aus Athen kommend auf dem Platz des Himmlischen Friedens angekommen waren.

Den Rest des Tages geht es dann noch 600 Höhenmeter nach unten, dann durch die Stadt Changping hindurch, ein ehemaliges Provinznest, heute eine quirlige Vorstadt von Beijing mit modernen breiten Straßen, die dem Feierabend Verkehr trotzdem nicht mehr gewachsen sind.

Unser Hotel liegt noch drei Kilometer vor der Stadt und hier hat wieder einmal die WM im Triathlon stattgefunden. Überall sieht man schicke superleicht Rennräder und die dazugehörigen bunten Fahrer. Glücklicherweise ist der Wettkampf vorüber und die Mannschaften im Aufbruch, sonst hätten wir wohl in der ganzen Region wieder einmal keine Zimmer gefunden. Von den Wettkämpfern werden wir mit unseren „Billigrädern aus Holland“ kaum beachtet und wenn man die anderen Langnasen auf der Straße grüßt kommt keine Antwort. Das sind mir dann doch die Langstreckenreiseradler lieber, die sich mit zuviel Gepäck durch Wüsten und Gebirge schleppen, ihre Plattfüße selber flicken und durchnumerieren, die auch einmal drei Tage ohne Dusche auskommen und sich richtig über ein Tasse guten Kaffees freuen können.

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Kälteinbruch

146 Kilometer von Yuxian zum Guanting Reservoir, 668 hm bei Regen, Nebel und frostigen 8 bis 10 Grad.

Was für eine Kälte das draußen ist, höchstens 10 Grad und es regnet. Nicht mehr in Strömen, wie die ganze Nacht, aber es plätschert doch noch kalt und unangenehm vom Himmel, so dass wir uns gut verpacken, bevor wir auf die letzte richtig große Etappe gehen.

Hinter dem Ort reist dann die Wolkenschicht ein wenig auf und gibt den Blick auf die umliegenden Berge frei und es ist kaum zu glauben: Es hat geschneit heute Nacht und die Schneegrenze liegt gerade einmal fünfhundert Meter höher, so ungefähr auf 1700 Meter.

Je weiter wir nach oben kommen, und das ist glücklicherweise nicht mehr so viel, umso kälter wird es. Wir kramen Mütze und Handschuhe hervor und tauchen dann in dichten Nebel ein. Nach oben wird es noch einmal merklich kühler und der Nebel immer dichter, zum Glück regnet es nicht mehr, aber trocken wird man natürlich inmitten der dichten Wolken auch nicht. Oben am Pass beträgt die Sichtweite nicht einmal mehr 50 Meter. So kurven wir die schöne Abfahrt auch nur langsam herunter, einmal um nicht zu erfrieren, zum anderen, um den dicken Brummis, die uns ab und an überholen, rechtzeitig ausweichen zu können.

Unten kommt dann an einer großen Kreuzung endlich mal wieder ein Restaurant, aber das Angebot ist mehr als mies und wir bekommen nicht mehr als eine Nudelsuppe mit ein paar Pfitzelchen Fleisch drin.

Aus den Bergen heraus lichtet sich der Nebel und wir merken, dass es eigentlich eine sehr schöne Etappe hätte werden können, aber es fängt wieder an zu regnen, als das Guanting Reservoir am Horizont auftaucht. Und es ist glücklicherweise ein paar Grad wärmer geworden.

Am Stausee kennt niemand das Hotel und so fahren wir weiter und weiter, bis es irgendwann dunkel wird. Endlich dann, 15 Kilometer weiter als vermutet, geht es nach rechts ab in die Maisfelder einen schlammigen Weg entlang. Nach zahlreichen Ecken und Kurven taucht dann Licht auf und wir sind gegen 20 Uhr am Ziel. Das Hotel ist tendenziell eher mies, mehr als schlichte Zimmer und es kommt kein warmes Wasser aus der Dusche. Es ist das erste Mal auf einer Reise, dass ich erlebe, dass alle Teilnehmer auf eine abendliche Dusche verzichten. Wir sind alle schön müde von dem langen Tag und das Essen in dem „Holiday Ressort“ ist gut und reichlich. Wir gönnen uns dann noch zwei Flaschen eines lokalen Cabernet Sauvignons und der ist auch erstaunlich gut, so hat der Tag wenigstens ein gutes Ende und alle fallen müde in die Betten.

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Stark landwirtschaftlich geprägt

96 Kilometer von Hunyuan nach Yuxian, erfrischend kühl bei 15 bis 18 Grad, ein kleiner Pass und 555 hm

„Stark landwirtschaftlich geprägt“ steht heute in unserem Tourenprogramm, eigentlich heißt das: Nix los. Aber es ist das ganze Gegenteil davon, die Dörfer sind recht rustikal und auf Terrassenflächen wächst vor allem Mais. Glücklicherweise sind wir nicht mehr auf der Hauptstraße mit den vielen LKW, sondern teilen die Straße hauptsächlich mit Motorrädern und Eselskarren. Wir erreichen heute auch die Provinzgrenze zur Provinz Hebei, die Beijing umschließt und verlassen das Gebiet von Shanxi. Hier in der Nähe der Hauptstadt können die Bauern gut von Landwirtschaft leben, denn alle Überschüsse gehen zu ordentlichen Preisen ab auf die Märkte der 10 Millionen Hauptstadt Beijing. Kein Quadratzentimeter Land, auf dem nicht irgendetwas angebaut wird. Trotzdem geht das Leben hier nicht hektisch voran, sondern alles geht ganz gemächlich seinen spätsozialistischen Gang.

Wir genießen die Fahrt durch die Herbstfrische, auf der Abfahrt nach unserem kleinen Pass am Morgen ist es recht bissig frisch und wir packen alle die langen Jacken aus, es wird langsam Herbst im Reich der Mitte. Mittag machen wir in einer Nudelstube in einem kleinen Städtchen, hier sind wir wieder einmal die totale Attraktion, man glaubt kaum, dass sich nur 100 Kilometer weiter keiner mehr nach einer Langnase herumdreht, aber die meisten Touristen belassen es bei einem Ausflug zur Großen Mauer.

Dabei ist die gesamte Region um Beijing herum mehr als sehenswert. Einmal aus der Hauptstadt heraus gibt es ruhige Gegenden mit leichtem Mittelgebirge, man findet Wälder und Seen und viele eben „landwirtschaftlich geprägten“ Gebiete. Wären in den Städten nicht die modernen Leuchtreklamen und ab und zu ein dickes Auto auf der Straße, man würde den Genossen Mao Tse Tung noch nicht all zu lange in seiner gläsernen Gruft vermuten.

Unser Zielort ist auch wieder eine Kleinstadt und auch eine recht moderne, viele Wohnblocksiedlungen sind noch im Bau, aber auf den Straßen vor den neuen Geschäften geht es schon recht busy zu. Es ist wieder einmal ein schöner Spaziergang durch alle Sphären des Lebens. Auf der Straße Stehimbisse und auf der anderen Seite Shops mit chinesischen Marken, von Logos wir Calvin Klein oder Lacoste bleibt die Provinz vorerst noch verschont, das liegt noch ein paar Jahre über der Einkommensgrenze der „landwirtschaftlich geprägten“ Gebiete. Auf dem zentralen Platz wird abends wieder getanzt und gesteppt und alte Männer und Damen lassen ihre Drachen steigen. Dabei legen sie eine erstaunliche Geschicklichkeit zu Tage und ich lerne, dass man einen Drachen lenken kann, auch wenn er nur an einer Schnur nach oben steigt. Mit Hilfe eines großen Laufrades in der Hand kann sehr schnell viel Schnur freigegeben oder angezogen werden, dann nach einem Ruck legt sich der Drachen in eine vorbestimmte Kurve und geht in den Gleitflug über und wird erst kurz über dem Boden wieder abgefangen. Wie langweilig ist dagegen Drachen steigen lassen in Deutschland.

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Hochzeitsflopp und taoististischer Berg

Wanderung auf dem Hengshan und halber Faulenztag in Hunyuan.

Eigentlich wollen wir los und es ist auch recht frisch, trotzdem stehen wir uns vor dem Hotel die Füße in den Bauch, wegen einer Hochzeit, die hier in ein paar Minuten stattfinden soll. Dafür sind vor dem Hotel fünf gigantische Böllerkanonen aufgefahren, ein Torbogen wird mit Luft gefüllt und daneben werden auch noch zwei gigantische Löwen aufgeblasen. Als ein Konvoi mit Hochzeitsautos auftaucht werden auch ein paar Böller gezündet, doch der Konvoi steckt wegen eines falsch geparkten Autos fest. Als das mit Gerhards und meiner Hilfe beiseite geschoben ist, passiert gar nix mehr. Irgendwann kommt der Bräutigam mit der rot verhüllten Braut im Arm aus dem Hoteleingang, ignoriert den Torbogen und trägt dahinter in Affengeschwindigkeit die Braut zu einem der Autos: Tür auf, Braut rein, Bräutigam hinterher, Tür zu und weg! Der Konvoi fährt ab und die Löwen werden wieder demontiert. Also Vollflopp!

Zum Hengshan sind es vielleicht 6 Kilometer, es geht bis zum Parkplatz gut 400 hm hoch, aber wir haben ja Ruhtag und nehmen den Bus. Dann scheiden sich die Geister in Seilbahnfahrer und Läufer, aber nach oben zu den ersten Tempeln ist es nicht zu weit und wir treffen uns nach einem langen Treppenanstieg schnell wieder.

Im Gegensatz zum Wutaishan ist der Hengshan kein buddhistisches Heiligtum, sondern ein daoistischer Berg. Von Außen unterscheiden sich die Tempel kaum, aber im Inneren findet man keine Buddhas, sondern daoistische Himmelgötter und Göttinnen. Während es im Buddhismus darum geht seinem schlechten Karma und dem ewigen Kreislauf der Wiedergeburten zu entrinnen, ist es das Ziel des Daoismus mit der Natur und der Gesellschaft in äußerster Harmonie zu leben. Dazu muss alles schön ausbalanciert werden und die Lehre vom Yin-Yang entstand.

Die Tempel am Hengshan sind reizvoll in die Berge eingebettet und meist spektakulär in Felsnischen untergebracht. Mit einigen chinesischen Gruppen pilgern wir uns auf den treppenreichen Wegen von Tempel zu Tempel und dann noch ganz nach oben auf den 2016 Meter hohen Gipfel. Wäre es nicht so trüb, könnte die Aussicht spektakulär sein, so liegt alles hinter einem trüben Schleier.

Wieder machen wir ein spätes Mittagessen in unserem Stammlokal und beschließen, diesem auch heute Abend treu zu bleiben. Am Nachmittag bleibt dann wieder Zeit für ein Schläfchen, der Tag will schließlich gut ausbalanciert sein und nicht nur Barbara hofft ein biblisches Alter zu erreichen.

Am Abend im Restaurant ist dann schon ein bisschen Abschiedsstimmung, nur noch 6 Tage trennen uns von der chinesischen Hauptstadt und das soll es dann schon wieder gewesen sein. Für unsere Blogleser gibt es eine gute Nachricht, denn im nächsten Jahr legen wir die Tour noch einmal auf! Nein, nein, nicht die ganze Tour, aber von Irkutsk über den Baikalsee und dann durch die Mongolei und dann wieder durch den Norden Chinas über den Wutaishan an der Großen Mauer vorbei bis nach Beijing. Der Zeitrahmen wird ähnlich der diesjährigen Tour sein, also morgen auf den Freitag die gute Laune des Chefs ausnutzen und ihm verklickern, dass ihr 54 Tage Urlaub braucht!

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Das Hängende Kloster am Hengshan

Tagesausflug zum Hängenden Kloster und beschaulicher Spaziergang in einer chinesischen Kleinstadt.

Wäre da nicht der Hengshan, ein daoistisches Heiligtum und das Hängende Kloster, würden wohl kaum inländische oder gar ausländische Touristen diesen Ort betreten. Dabei ist Yuxian eine typische chinesische Kleinstadt und man könnte eigentlich sagen, wenn man Yuxian gesehen hat, dann hat man China gesehen, weil hier eben alles so typisch chinesisch ist.

Überall ist enges Gewusel auf den Straßen, die Autos versuchen sich wild hupend einen Weg durch Radfahrer, Transportrikscha und Fußgänger zu bahnen und alle anderen geben sich reichlich Mühe, das Gehupe zu ignorieren. Schon der Blick aus dem Hotelfenster auf die Kreuzung wird nicht langweilig. In der Mitte stehet eine fesche Politesse und regelt den Verkehr, obwohl das gar nicht notwendig ist. Einmal gibt es eine Ampelschaltung und zum anderen macht eh jeder, was er will, allerdings im Vergleich zu anderen Ländern recht gemächlich, genau so, dass eben nix passiert.

Die Straße aus der Stadt weist in die Zukunft, sechs Spuren plus Fahrradstreifen und hinter den letzten Blocks ist die Straße verwaist und hört dann einfach auf, es gibt einen kleinen Feldweg, der die 50 Meter bis zur alten Straße überbrückt.

In einer engen Schlucht vor der Stadt liegt oder besser schwebt oder klebt das Hängende Kloster an der Felswand. Scheinbar nur auf ein paar dünnen, in den Fels gerammten Balken ruhend beeindruckt das Gebäude, das wie ein Schwalbennest in der Felswand hängt, den Betrachter.

Der Eintritt ist mit 14 € wieder richtig fett, aber die Anlage ist es wert, auch wenn es mit den vielen chinesischen Reisgruppen fast nur im Gleichschritt nach oben geht. Auch einige Ausländer hat es hierher verschlagen und sogar einige Deutsche und Holländer sind darunter, die sogar Gerhards “Plattdütsch” verstehen können.

Über eine Treppe geht es den Berg hoch und dann in steilen Stiegen durch die einzelnen hängenden Gebäude. Man traut sich kaum einen Blick herunter zu werfen, so schwindelerregend ist es. Auch ich bin nicht ganz frei von Höhenangst und es grummelt ordentlich im Magen, der sich erst freut, als ich wieder festen Boden unter den Füßen habe. Die Tempel sind eine Mischung aus Buddhismus und Daoismus. Man sieht also die üblichen Buddhafiguren, aber daneben oder in der nächsten Kammer die des taoistischen Götterreigens.

Zurück in der Stadt kehren wir nun zum nächsten male in unserem Lokal von gestern Abend ein und bestellen auch schon Gerichte für den Abend. Die Chefin soll uns auf dem Markt Zuckerschoten und Lotoswurzel besorgen und verspricht dies auch.

Am Nachmittag ziehe ich durch die Stadt, erst durch den alten Hutong, das Wohnviertel mit den alten chinesischen Höfen. Überall sitzen die Alten auf der Straße und schwatzen oder passen auf die Enkel auf. In der Hauptstraße tobt das Handelsleben, alte Männer mit Obstkarren und am späten Nachmittag werden auf dem Platz neben der Post die Grillstände aufgebaut. Alles was dazu gehört befindet sich auf einem Dreiradkarren: Kochgeschirr, Lebensmittel, Tische und Stühle. 20 Minuten dauert der Aufbau und dann ist das Straßenrestaurant arbeitsfähig.

Einfach nur an einer Stelle muss man an der Straße stehen und 20 Minuten die Leute beobachten, dann hat man das gesamte chinesische Kompendium zusammen, doch trotzdem wird es nie langweilig und der sinnlose thailändische Spruch: “Same, same, but different” beginnt wieder an Bedeutung zu gewinnen.

Der Abend wird grandios, natürlich werden unsere Wunschgerichte geliefert und wir essen wie üblich viel zu viel und bezahlen viel zu wenig, wer möchte da wohl zurück nach Russland.

Höhenprofil

Über den Wolken

136 Kilometer von Tauhuai nach Hunyuan, 1700 hm bei angenehmen Temperaturen bis 25 Grad, wegen des Horrorverkehrs die letzten 23 km im Bus.

Heute brechen wir recht zeitig auf, denn vor uns liegen wieder viele Berge und fast 140 Kilometer und wir wollen nicht wieder bis in die Dunkelheit fahren. Den ersten Pass kennen wir schon vom Abend vor zwei Tagen, doch heute ist alles anders. Die Sonne strahlt als wir den Ort verlassen und noch einmal an allen Tempeln vorbeifahren. Gleich inter dem Ort beginnt die Steigung und dann geht es fast 900 hm konsequent 16 Kilometer nach oben. Mit jeder Schleife und jedem Bogen wird die Aussicht über das gesamte Wutaishan Gebiet besser, wie ein Spielzeugland liegt die Stadt mit den vielen Tempeln unter uns. Nach knapp zwei Stunden sind wir oben und auf der anderen Seite ist der Blick ebenfalls grandios. Hier liegen die Wolken unter uns und stecken in den Tälern zwischen den Gipfeln fest.

30 Kilometer Abfahrt ist immer eine tolle Sache, vor allem, wenn es keinen Verkehr gibt und der Asphalt so gut ist, dass man ungebremst mit 60 Sachen dahin blasen kann. Jeden Meter den wir heute segeln können, hatten wir uns vor zwei Tagen hart erkämpft.

Unten in der kleinen Stadt kehren wir wieder in den gleichen Laden ein und verschlingen wieder gebratene Nudeln oder gedämpfte Baozi Teigtaschen, bevor wir uns wieder in die Spur machen. Leider geht es erst einmal 18 Kilometer die Hauptstraße entlang. Dort herrscht ordentlicher Verkehr, aber die Straße ist breit genug. Das soll sich später dann noch ändern.

Endlich kommt der Abzweig und nachdem wir noch ein paar idyllische Dörfer mit Lehmziegelbauten durchquert haben, geht es auf den nächsten Pass zu, der allerdings nur 400 hm hat. Auch dann kommt wieder eine schöne Abfahrt bis ganz weit nach unten und damit haben wir noch keinen einzigen Meter Höhe gewonnen, was den letzten Gebirgszug angeht.

Unten wollte ich wieder auf eine kleine Straße treffen, die ist auch dort, aber wegen einer Baustelle wird der gesamte LKW Verkehr über diese Route geführt. Und es ist der blanke Horror. Die LKW rauschen auf der zu engen Straße im 20 Sekunden Takt vorbei. Überholt wird immer und vor allem in Kurven, wenn man keine Sicht hat. Die störenden Radfahrer werden dann mit lautem Hupen zur Seite geschoben. Dazu kommt dann noch der Staub und Dreck. Wir machen das ganze vielleicht 20 Kilometer mit. Dann steigen wir in das Begleitfahrzeug. Ein zweiter Minibus ist innerhalb von 5 Minuten aufgetrieben und dann dürfen sich die beiden Fahrer durch den hektischen Verkehr quälen. Am Pass sehen wir, dass die Entscheidung mehr als richtig war. Mit 10 km/h schlängeln sich hier die Trucks nach oben, einer nach dem anderen, dazwischen immer 5 Meter Platz und das ganze über gut 4 oder 5 Kilometer.

Um die Abfahrt ist es dann ein wenig schade, aber die Landschaft gibt auch nicht so viel her. Wegen der Bauarbeiten an einer neuen Autobahn sieht es abschnittsweise aus wie auf dem Mond, doch wir sind dann schon zu recht angenehmen Zeiten im Hotel in Hunyuan. Nach dem „Roten Oktober“ der letzten Tage geht es heute recht luxuriös zu, 4 Sterne, die draußen draufgemalt sind, hat das Hotel zwar nicht verdient, aber ansonsten stimmt eigentlich alles im Hotel. Zum Abendessen finden wir ein kleines Familienlokal am Markt und das hat den Vorteil, dass man die Gerichte im Lokal mit den Grillspießen von draußen kombinieren kann.

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