Stadt der Gegensätze

Ruhetag in Datong mit Stadtspaziergang und Shopping.

Als ich das letzte Mal in Datong war, und das ist schon 19 Jahre her, war die Stadt ein absolutes Drecknest. Es gab viele alt Hutongs, die Stadtviertel mit den traditionellen Häusern, und vier oder fünfstöckige Bauten aus den 80er Jahren, durchweg weiß gefliest und überall war es mehr als staubig und dreckig von den Kohlekraftwerken und der Industrie in der näheren Umgebung.

Seit knapp 10 Jahren läuft in China jedoch eine riesige Sanierungswelle und diese hat Datong nun auch erreicht. Die alten Häuser werden mit der Planierraupe zusammen geschoben und ein neues „altes“ Zentrum entsteht. Es gibt Prachtstraßen im traditionellen chinesischen Stil mit viel Platz für Restaurants, Läden und Boutiquen. Die ehemaligen Bewohner müssen ausweichen in die Satellitenstädte. das ist natürlich, wie alles in China, ziemlich zweischneidig. Natürlich möchten die Leute raus aus den engen Wohnhöfen, in denen auf engstem Raum vier oder fünf Familien wohnen und die Toilette am Ende der Straße ist und die sich schon 50 Meter vorher durch einen scharf beißenden Geruch ankündigt. Genauso natürlich sind die Mieten für die Wohnungen im Neubau wesentlich höher, der Wohnkomfort auch, viele können es sich leisten, dort eine Wohnung zu kaufen, andere jedoch nicht und die stehen jetzt faktisch ohne Obdach da.

Aus dem Fenster meines Hotels prallen diese drei Welten aufeinander, vorn ist noch ein schäbiger Hutong, dann kommen die Bauten der 80er Jahre und am Horizont steht eine kleine Skyline.

Trotz des schlechten Geruchs tobt in den Hutongs das Leben, Kinder spielen, von der Großmutter beaufsichtigt, auf der Straße. Fliegende Händler mit Fahrradkarren bieten Obst und Gemüse feil und in jedem zweiten Häuschen gibt es einen Laden oder eine Bude mit einem öffentlichen Telefon und Verkauf von Schnaps und Zigaretten. Verschlafen trampelt ein Chinese in schlabbrigem Unterhemd und Unterhose mit Pantoffeln an den Füßen in Richtung Toilette. Die Schlafanzugläufer sind wieder unterwegs. Zu den Olympischen Spielen war diese (Un)sitte bei Ordnungsstrafe verboten, ebenfalls hatte man sich bemüht ein Rauchverbot für Gaststätten durchzusetzen. Das hat alle wieder gebröckelt, in den kleinen Lokalen wird geraucht wie vorher, nur die großen Restaurants sind manchmal rauchfrei.

Danach erreichen wir die neu gestaltete Innenstadt. Es sieht so schön und historisch aus, wie es in den letzten 4000 Jahren chinesischer Geschichte nie war, für den Touristen schön anzusehen, für den Reiseleiter eher langweilig, denn in allen Städten wird ähnlich „rekonstruiert“. Rekonstruktion auf Chinesisch heißt, Abreißen und neu Aufbauen und dabei einen pseudohistorischen Stil bewahren.

Die Frauen meiner Gruppe enden bei einem Schneider in einem Hutong. Das tapfere Schneiderlein hat eine schöne Auswahl an Seidenstoffen und bekommt gleich drei Aufträge von unseren Damen. So was hat er auch noch nicht erlebt, Ausländer in seinem Laden und lassen sich auch noch bei ihm Maßschneidern.

Um die Ecke plärren die Lautsprecher der Klamottenläden unten im Kaufhaus. Es ist ein babylonisches und lautes Gewirr an Musik und Werbung, welches hier durch die Straßen dröhnt und ich will hier eigentlich nur so schnell wie möglich wieder weg. Den Chinesen scheint es nicht zu stören, der kann seine Ohren nämlich einfach abschalten.

Während meine Gruppe weiter die Kaufhäuser leer kauft habe ich noch ein weiteres Nachmittagsprogramm, vier unserer Radler fliegen Übermorgen nach Hause und deren Räder müssen verpackt und versandfertig gemacht werden. Xiao Pang, unser Fahrer hilft mir und in einem Radladen finden wir auch Kartons und weitere Unterstützung.

Am Abend droht ein Gewitterguss, deshalb machen wir heute Kontrastprogramm und gehen in ein Restaurant in einem dem Abriss geweihten Hutong. Der Laden ist winzig, das Essen bodenständig rustikal und gut, die Rechnung wieder erfrischend niedrig.

An der Großen Mauer

71 Kilometer von Fengzhen nach Datong, „durch“ die Große Mauer und Besichtigung des Yunggang Felsenklosters, 396 Höhenmeter bei heißen 33 Grad und Sonne.

Heute wird es spannend auf der Strecke, denn die Straße schneidet irgendwo die Große Mauer. Meiner Gruppe habe ich noch nichts davon erzählt, denn nicht jeder Mauerabschnitt ist so imposant, wie es auf Werbung für Chinareisen dargestellt wird. An vielen Stellen ist eigentlich nichts mehr von dem Wall übrig geblieben oder lediglich ein paar Lehmhaufen.

Doch wir haben Glück und links und rechts der Straße tauchen ein paar große Lehmhügel auf, ehemalige Wachtürme und auch die Mauer dazwischen lässt sich erahnen. Ehemals waren die Bauwerke alle mit Ziegeln verkleidet, während der Kern der Mauer aus lokalen Materialien, hier also Lehm, bestand. Als die Mauer dann jedoch irgendwann vor zwei- oder dreihundert Jahren außer Betrieb genommen wurde, haben sich die Bauern rundherum billig mit Baumaterial eingedeckt und so bestehen alle älteren Ziegelbauten aus der Umgebung aus dem Material der Großen Mauer.

Etwas weiter weg kann man dann den Verlauf der Mauer besser sehen, aller 500 Meter ein Wachturmsockel und dazwischen die Lehmreste der Mauer, manchmal ganz weggespült, manchmal noch drei bis vier Meter hoch. Etwas später gibt es dann auch noch die Ruinen eines alten Forts in dem die Mauersoldaten stationiert waren und hier nutzen wir die Gelegenheit und klettern auf das alte Gemäuer. Das adelt uns dann zum „richtigen Chinesen“, denn so etwas kann man nur werden, wenn man mindestens einmal im Leben die Mauer bestiegen hat. Auf Chinesisch heißt die Mauer „10.000 Meilen Wall“, wobei eine chinesische Meile ca. 500 Meter hat, aber die Mauer an sich gibt es gar nicht. Seit der Han-Dynastie (200 B.C.) wurde mehr oder weniger systematisch an einem Schutzwall gegen die nomadischen Steppenvölker gebastelt. Dabei entstanden jeweils an zentralen Stellen Mauerabschnitte. In späteren Dynastien wurde ergänzt, einige Abschnitte verfielen und andere kamen dazu. Heute sind vor allem die Abschnitte aus der Ming und Qing Dynastie, also den letzten Dynastien am besten erhalten und teilweise überrekonstruiert worden. Die schönsten Abschnitte befinden sich im Norden und Nordosten von Beijing und in einigen Tagen werden wir dort auch die Mauer besichtigen können.

Heute soll es jedoch weiter historisch bleiben und auch heiß dazu. Bei 30 Grad hügelt die Straße in Richtung Datong. 20 Kilometer vor der Stadt liegen die Yungang Grotten. Es ist eine in den Sandstein gegrabene buddhistische Höhlenanlage mit 42 Grotten und 210 Nischen mit insgesamt über 50.000 Buddhastatuen. Der Baubeginn der Grotten lag vor 1500 Jahren in der Wei-Dynastie, als der Buddhismus Staatsreligion wurde. Über die Jahrhunderte war die Anlage jedoch der Witterung und der Erosion ausgesetzt und deshalb sind viele der Skulpturen und Grotten stark verwittert, andere sind wegen Restaurierungen und Umbauten in verschiedenen Epochen erstaunlich gut erhalten.

Wir betreten die Anlage durch einen eher futuristisch anmutenden Tempel. Hier haben die Chinesen alles gezeigt was sie können, wenn sie alte Geschichte neu empfinden und etwas restaurieren, was es nie zuvor gab. Man spaliert erst einmal durch eine Gasse mit Säulen, die von indischen Elefanten getragen werden. Dann zieht der Besucherstrom nach der Abgabe des 16 Euro Eintrittspreises auch schnell durch die vorderen Teile des modernen neu-alten Betontempels nach hinten zu den Felsengrotten.

Die erste Gruppe an Höhlen ist ziemlich stark verwittert, einige Buddhafiguren lassen sich nur noch erahnen. Lediglich in den tieferen Grotten sind die großen Figuren von bis zu 10 Meter Höhe besser erhalten oder rekonstruiert. Es ist schön hier der Gluthitze der Sonne entfliehen zu können und zu den erhabenen und Ruhe ausstrahlenden Gesichtern empor blicken zu können. Am tollsten sind die Grotten im Mittelteil der Anlage, die meistens als Zwillings- oder Drillingsgrotten angelegt sind. Geschützt durch tempelähnliche Vorbauten aus Holz sind hier die Figuren sehr gut erhalten, ebenso wie ihre farbenfreudige Bemalung. Auch hier sind die Figuren wieder 15 bis 20 Meter hoch. In einer besonders schönen Grotte sind um die große Buddhafigur die Wände mit tausender kleinen Buddhafiguren von vielleicht 10 bis 20 Zentimeter Größe.

Wir brauchen gute zwei Stunden für den Rundgang und treffen uns dann wieder in einem kleinen Restaurant am Ausgang, dessen Spezialität eine Suppe aus Bohnenstärke ist. Trifft man dieses Gericht im ganzen Land, dann verspeist man eine Art durchsichtige Nudeln, hier aber ist es eine glibberige Masse. Entsprechend geteilt ist das Echo der Gruppe auf die “Quallen”, obwohl der Geschmack mit Gemüsestreifen, Essig, Erdnüssen und Chili durchaus nicht übel ist, aber eben diese glibberige Struktur.

Bis in die Stadt brauchen wir noch ein bisschen mehr als eine Stunde. Im Zentrum von Datong wohnen ca. 1,5 Millionen Menschen, bei den 3 Millionen Angaben der Reiseführer sind die Vorstädte und kleiner Städte mit eingerechnet. Entsprechend hoch ist das Verkehrsaufkommen, aber der Verkehr in China ist rücksichtsvoller als in der Mongolei oder in Russland, meist gibt es rechts eine breite Fahrradspur und für die Autos bleibt auf den Hauptstraßen mit bis zu 8 Spuren auch noch genügend Platz.

Für uns beginnen heute drei Tage in einer 4 Sterne Luxuswelt mit großen Zimmern und fetter Dusche, wir haben kein großes Programm, also wird viel Zeit zum Schlendern und Ausruhen bleiben und natürlich zum Essen. Für heute habe ich ein etwas größeres und besseres Lokal ausgesucht, wir essen verschiedenen Fisch, leckere Brunnenkresse, Lamm, Rind und Huhn. Beeindruckender als das Essen ist jedoch der Lärm, den die beiden Chinesentische links und rechts verursachen, Unterhaltungen an unserem Tisch sind fast nicht mehr möglich. Zum Spaß erhöhen auch wir einmal den Gesprächslärm um eine Vielfaches für 2 Minuten und brüllen uns auch an, was aber in keinster Weise auffällt……”Die spinnen ja, die Chinesen” hätte Obelix jetzt sicher gesagt.

Höhenprofil

Die Chinesen und das Achte Weltwunder

77 Kilometer von Jining nach Fengzhen, anfangs sehr schöne Nebenstrecke durch kleine Dörfer, dann auf ruhiger Hauptstraße hügelig bis zum Ziel, sonnig bis 28 Grad.

Das Schlimmste haben wir hinter uns gebracht, bis zu den nächsten Ruhetagen in Datong haben wir nur noch zwei relativ kurze Fahrtage. Heute sind wir in mehrfacher Hinsicht in China richtig angekommen. zum einen sieht man kaum noch Mongolen und andere Minoritäten, die meisten Leute sind jetzt Chinesen. Auch wird auf jedem freien Quadratzentimeter Landwirtschaft betrieben. Wir folgen einer winzigen Straße nach Süden, eine Bäume bestanden Alle windet sich durch kleine Dörfer und unsere Fahrt, heute nur mit leichtem Wind, ist eine regelrechte Landpartie. Ab und zu sehen wir in den kleinen Dörfern eine Moschee, ein Zeichen für die Hui-Minorität. Eigentlich sind die Hui keine eigene ethnische Gruppe, sondern auch Han-Chinesen, die allerdings wegen ihrer Religion als eigene Volksgruppe gezählt werden.

Es ist so angenehm, durch das viele Grün zu radeln, links und rechts der Straße viele Maisfelder und die Tupfen der gelben Sonnenblumen. Ab und zu rattert ein kleiner Traktor vorbei oder wir überholen einen Eselkarren. Auf der Straße stehen die Leute und schwatzen. Wenn unsere Gruppe vorüber zieht, dann verstummen die Gespräche und man winkt uns zu und versucht sich an einem „Hellouu“, wir winken und geben ein freundliches „Hello“ oder „Moin, moin“ zurück.

Als wir in einem winzigen Städtchen auf dem Markt anhalten sind wir von Chinesen nur so umringt, manch einer versucht seine drei „Broken Englisch“, Gerhard ist wie immer das Kommunkationswunder und redet platt mit den Chinesen und kommt prima damit klar. Zwar versteht keine der beiden Seiten viel, aber alle haben Spaß und jetzt kennt auch der letzte Chinese in der inneren Mongolei das kleine Fischerdorf Bokel. (Das ist ein kleiner gruppeninterner Scherz, natürlich sind auch wir Süddeutschen, die südlich von Hannover wohnen, der Meinung, dass sich alle Dörfer im hohen Norden natürlich nur von Fischfang ernähren.)

Nach dem Bananen und Getränkestopp verlassen wir mit Mühe den riesigen Auflauf auf der Straße, den wir verursacht haben und das kleine Städtchen, leider auch die winzige Straße. Aber auch größere Straße ist nicht schlecht zu fahren, leider geht es nicht mehr so direkt durch die kleinen Dörfer.

Mittag haben wir dann in einem winzigen Restaurant, es dauert eine Weile, bis wir genug Stühle zusammen gesammelt haben, bevor wir uns eine kleine Mahlzeit aus drei oder vier Gerichten und Maultaschen gönnen.

Zum Glück haben wir es nicht mehr weit bis zum Ziel nach Fengzhen. Die Stadt ist keine Retortenstadt, wie die Städte in der Wüste, also in den letzten 20 Jahren „historisch“ gewachsen. Deshalb gibt es auch keine imposante Einfallsstraße, sondern einen staubigen Weg mit zahlreichen Reparaturbuden für LKW. Da sich das Leben auch hier auf der Straße abspielt, wird überall geschraubt, gebastelt und geschweißt. Motoren liegen auseinander gebaut auf der Straße und dazwischen spielen ein paar Kinder.

Am Ortseingang an einem steilen Hang gibt es noch einen kleinen buddhistischen Tempel, der recht verfallen wirkt, der obere Teil am Berg wird gerade renoviert, die neuen Buddhafiguren stehen unten in einem Schuppen schon bereit und sind noch verpackt. So können wir nur die alten Gebäude von außen betrachten.

Am Abend landen wir in einem winzigen Restaurant, das wir komplett einnehmen, der Koch ist eine Perle und zaubert in der winzigen Küche die schmackhaftesten Gerichte in Sekundenschnelle. Nach dem Essen wird der Fotograf vom Laden nebenan geholt und es muss noch ein Bild geschossen werden. Wenn ich im nächsten Jahr hier vorbeikommen sollte, dann hängt unsere Gruppe hier mit Sicherheit an der Wand. Zum Abschluss probieren wir noch einen Hirseschnaps, der trotz des 65%igen Alkohols noch recht angenehm zu trinken ist, zumindest ab dem zweiten Schluck!

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Hinter der Gobi

80 Kilometer von Shangdu nach Jining, 186 Höhenmeter bei drehenden Winden bis 28 Grad, kleine, neue Straße mit vielen winzigen Dörfern und recht viel Landwirtschaft.

Heute heißt es erstmals frühstücken, wie der normale Chinese, denn im Hotel gibt es kein Buffet. Auf der anderen Straßenseite dagegen gibt es einige Früstücksläden und dort gibt es dann zu einem Glas warmer Sojamilch gefüllte gedämpfte Teigtaschen und Youtiao, das ist eine Art Pfannkuchenteig der in langen Strängen in Öl ausgebraten wird.

So gestärkt geht es auf die heute erstmals etwas kürzere Strecke. Wir rollen aus dem kleinen modernen Retortenstädtchen noch einmal vorbei an einem riesigen kitschigen Denkmal. Auf einer Art Rolle aus Stahl galoppiert ein Pferd in die Weite des Himmels. Ich frage einen der an der Kreuzung stehenden Chinesen, was das Denkmal bedeuten soll, der zuckt aber mit den Schultern und sagt, dass es gerade zur Stadtfeier gebaut wurde. Die Stadt feiert in den nächsten Tagen ein Stadtfest und wurde deshalb auch schon überall mit Lichterketten und roten Laternen geschmückt, schade, dass wir das nicht erleben dürfen.

Noch einmal geht es ein wenig durch die Grassteppe, das Land ist heute wieder recht flach, etwas Abwechslung bringen die kleinen Dörfer. Damit haben wir dann wohl die Wüste endgültig hinter uns gebracht, denn es gibt zunehmend mehr und mehr Grüne Flächen und immer mehr Felder. Anfangs sind es nur Getreideflächen, dann kommen Mais und anderes hinzu.

Die kleine Straße, die wir heute gewählt haben ist noch nicht einmal richtig fertig gestellt und deshalb fast verkehrsfrei und das bleibt auch den ganzen tag so. Der Wind dreht und wendet sich und an einigen Stellen quälen wir uns wieder im Pulk vorwärts und etwas später treibt uns ein hauch von hinten voran.

Zwar sind die Temperaturen mit 28 Grad noch recht harmlos, aber die Sonne sticht wegen der höheren Luftfeuchtigkeit doch recht ordentlich. Zu den Pausen suchen wir irgendwo einen schattigen Platz, denn sonst ist es in der Sonne nur schwer auszuhalten.

Am späten Nachmittag taucht dann am Horizont der Umriss eine großen Kohlekraftwerkes auf, wir kommen also langsam in die Kohleregion und unserem heutigen Ziel, der Stadt Jining langsam näher.

Die Stadt hat schon eine knappe Million Einwohner und entsprechen rege ist das Leben auf der Straße und auch die Auswahl an Restaurants ist größer. Obwohl wir heute in ein Seafood Restaurant einziehen und im Separee dinieren haut uns der Preis nicht aus den Socken, der Fisch und Tintenfisch sind lecker, das Muschelgericht etwas mager, der Eselsbraten toll und die Gemüsegerichte gut wie immer.

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Tag der Windkraft

95 Kilometer von Xianghuang nach Shangdu, am Anfang wieder heftig windig und etwas bergan, zum Schluss dann etwas Rückenwind, 316 hm bei etwas Sonne und Wolken bis 25 Grad.

Der Morgen beginnt nicht sehr erfreulich, denn die Pappeln vorm Fenster biegen sich nur so im Wind und natürlich in die falsche Richtung. Hört das denn nie auf mit dem Scheißgegenwind, gestern war es wenigstens am Morgen noch windstill. Eigentlich ist doch die Mongolei, das “Land der zornigen Winde”.

Gleich hinter der Stadt müssen wir uns wieder formatieren, der Wind ist so stark, dass bei jedem Wechsel vorne, die ganze Gruppe durcheinander kommt, also setzen sich Gerhard und ich nach vorne ans Feld und bleiben Windschatten spendend auch dort. Schwer kämpfend kommen wir noch gemächlich durch die Landschaft und wir stellen fest, dass es wohl hier immer streng windig ist, denn wir sehen heute wieder jede Menge an Windparks. Die gibt es schon seit der Grenze. Hin und wieder ragten die hohen weißen Windmühlen aus dem Wüstensand und auch viele Transporter waren unterwegs mit den Teilen für neue Windmühlen hinten drauf.

Heute gibt es jedoch besonders viele davon auf den Bergen links und rechts der Straße. In den letzten Tagen haben wir allmählich an Höhe gewonnen und sind jetzt auf über 1500 Meter Höhe. Man merkt es hauptsächlich daran, dass die Lippen in der Sonne schneller verbrennen und muss ordentlich mit Sonnencreme schmieren. Auch scheinen wir heute die Wüste endgültig hinter uns gelassen zu haben, denn es gibt ab und zu kleine Ortschaften und überall links und rechts der Straße Felder. Hauptsächlich werden Getreide, Kartoffeln und Mais angebaut, manchmal sieht man dazwischen noch eine Schaf- oder Ziegenherde.

Heute haben wir dann erstmals in China auch eine richtige Mittagspause, am Abzweig auf die Hauptstraße gibt es ein paar Restaurants. leider essen wir viel zu viel und dann müssen wir wieder aufs rad, aber wir haben Glück, der Wind dreht ein bisschen und auch die Straße macht einen kleinen Bogen in die richtige Richtung und dann gleiten wir die letzten 40 Kilometer auf dem Highway dahin. Das ist in China kein Problem, denn die Verkehrsdichte ist hier nicht sehr hoch und es gibt einen breiten Seitenstreifen für Radfahrer, Traktoren und Eselskarren. So taucht unser Übernachtungsort Shangdu heute schon einmal ein bisschen eher auf als sonst und es bleibt neben einer ausgiebigen Dusche ein wenig mehr Zeit zum Entspannen, bevor wir zum Abendessen losziehen. Ich entdecke ein Feuertopfrestaurant und wenig später sitzen wir um einen dampfenden Tischkessel und schieben jede erdenkliche Art von Fleisch und Gemüse in die brodelnde Brühe, ein paar Minuten später beginnt der Verteilungskampf um Tofustücken, Wachteleier, Rindfleisch, Goldnadelpilze, aber alles ist mehr als reichlich uns so sind wir dann heute zum zweiten male gut abgefüllt. Auch wenn der Yuan Renminbi, die chinesische Währung wieder einmal 10 % zugelegt hat, isst man in China immer noch mehr als günstig. Ein Bier kosten 35 Cent und für das Gruppenessen legen wir unter 50 € auf den Tisch und das bei 13 Personen. Wenn man dann sieht, wie viel Personal in jedem Laden herumspringt, fragt man sich, wie das überhaupt möglich ist.

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Zurück in der Grassteppe

124 Kilometer mit Gegenwind durch die leicht bergige Grassteppe von Sinnidbanner nach Xiang Huang, 524 hm bei 28 Grad und Sonne und Wolken.

Am Anfang sieht es windtechnisch gesehen recht gut aus, es ist windstill und wir fliegen über den Asphalt. Heute sind wir von der Autobahn abgebogen und fahren über eine kleine Straße einen östlichen Bogen durch die Landschaft. Und heute gibt es endlich wieder einmal ein wenig Landschaft.

Die Wüste ist nicht mehr ganz so trocken und wird schon langsam wieder zur Grassteppe. Damit kommt natürlich wieder etwas mehr Grün in die Landschaft. An Jurten fehlt es weiter hier in der Inneren Mongolei, wie dieser Region Chinas heißt. Die Hirten, die wir heute auch mit ihren Herden treffen haben das Nomadenleben aufgegeben und wohnen in kleinen Backsteinhöfen, die über die Weite der Steppe verstreut liegen. Auch sehen wir die Hirten nicht zu Pferde bei ihren Herden, sondern zumeist auf dem Motorrad. Am Anfang treibt uns der Wind knappe zwei Stunden gut durch die Grassteppe, doch dann schlägt er wieder um und weht fast von vorne und so wird es wieder ein harter Tag, zumal doch einige länger Hügel auf uns warten. Auch heute gibt es wieder kein Lokal unterwegs und wir haben unseren Junkvorrat am Morgen noch einmal aufgefüllt und um ein paar unnatürlich aussehend Würstchen und süße Kekse aller Art aufgefüllt.

Unser Ziel ist eine weitere Retortenstadt, die irgendwann einmal eine Jurtensiedlung war und die die in den letzten fünf Jahren komplett aus dem Boden gestampft wurde. Vielleicht 30.000 Menschen wohnen hier, aber es gibt ein giagntisches Verwaltungshaus und gleich zwei anständige Hotels in dem Kaff. Auf der Straße ist eigentlich nicht viel los, trotzdem ist die Hauptstraße grandios illuminiert. Auf vielleicht zwei Kilometern Länge stehen aller 30 Meter kitschige Lampen mit jeweils 96 “Leuchtelementen”. Leider war ich am Abend zu müde und habe vergessen, die Kamera mit zum Abendessen zu nehmen. Aber ich bin nicht der einzige müde Krieger und so wählen wir gleich ein kleines Restaurant gegenüber dem Hotel, wo wir wieder vorzüglich speisen.

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Im Gegenwind durch den Jurassic Park

121 km von Erlian nach Sunidbanner, 173 Höhenmeter und heftiger Gegenwind, vierspurige Autobahn und noch einmal ein Tag in der flachen weiten Gobi, leichter Regen bei recht frische 24 Grad.

Eigentlich ist das chinesische Frühstück nicht jedermanns Sache, aber hier im Hotel war es recht ordentlich, etwas ungewohnt, am Morgen eingelegtes Gemüse und gebratene Auberginen zu essen oder dünne Reissuppe zu schlürfen, aber es gibt eine nette kleine Auswahl an Gerichten, so dass jeder etwas finden kann.

Eine kleine Geschichte habe ich gestern noch vergessen, als wir unsere Räder parkten. Die Managerin hat für uns auf dem großen Parkplatz eine gut mit Monitor überwachte Ecke herausgesucht, dann rief sie einen Arbeiter mit Farbeimer, der extra für unsere Räder eine Parkfläche markierte, auf der wir dann unsere Räder zusammenschließen konnten. Zum Schluss schleppten drei Hotelmitarbeiter noch eine Absperrkette heran und bauten diese rundherum auf. Alles mit lachenden Gesichtern und heller Begeisterung über die 12 verrückten Radler.

China ist immer noch das “Hello”-Land. An der Straße winken uns die Chinesen zu und jeder dritte Autofahrer fährt langsam und der Beifahrer fällt fasst heraus beim gucken und “Hello” rufen oder macht schnell ein Foto mit dem Handy.

Langsam lassen wir die modernen Hochhäuser hinter uns, vor der Stadt wird der Neubau in immensem Tempo weiter voran getrieben. Wo nehmen die Chinesen nur das Wasser her für solche Projekte in der Wüste.

Wasser gibt es am Anfang ein wenig von oben. Es regnet und der Himmel ist Grau, als wir wieder in die Wüste eintauchen. Heute aber nicht mehr auf einer holprigen Piste, sondern auf einer vierspurigen Autobahn, allerdings mit kräftigem Gegenwind.

Vor der Stadt in der Wüste liegt “Jurassic Park“. Große Dinosaurier weiden in der Wüste und recken ihre Hälse in die Luft oder strecken sich an den Boden, um die kargen Grasbüschel zu zupfen. Erst sind es nur ein paar wenige, dann werden es immer mehr.

Knapp 100 lebensgroße Skulpturen der verschiedensten Arten “beleben” hier die Wüste. Den Abschluss bildet ein großes Tor zweier Tiere über die Autobahn, die Köpfe der Tiere treffen sich über dem Mittelstreifen.

Der Tag heute wird eine üble Plackerei, denn wegen des Windes kommen wir kaum schneller als 15 km/h voran. Rundherum gibt es nicht viel zu sehen, die Landschaft ist mehr als platt und eben und rundherum nur Wüste. Mehr kleine Siedlungen gibt es als in der Mongolei und kaum noch Jurten. Die meisten Nomaden hier sind in kleine Häuser umgezogen. Und manchmal steht dann eine Lehmhütte in der Prärie und dahinter eine gigantische Windmühle, die sich gemächlich dreht und ihren Teil zum Stillen des chinesischen Energiehungers beiträgt.

Unterwegs gibt es leider kein einziges Restaurant, aber wir waren gut vorbereitet und junkfooden uns durch den Tag. Wir hatten noch Unmengen an Äpfeln und Bananen, Keksen und kleinen Snacks besorgt, die wir heute in den Pausen nach und nach vernichten, dazwischen geht es dann immer in 15 Kilometer Schritten nach Süden, immer fest in der Gruppe gefügt und im “Belgischen Kreisel” rotierend dem Wind trotzend.

Erst am Abend, kurz bevor dei Sonne am Horizont versinkt erreichen wir nach 120 Kilometern Sun Ni Ban Er, wieder ein modernes Städtchen, etwas kleiner als Erlian, aber alles neu und in den letzten 5 Jahren aus dem Boden gestampft. Müde sind wir und ziehen gleich los in ein Restaurant am Ende der Hauptstraße. Endlich können wir unseren Energiebedarf mit vernünftigen Gerichten decken und es geht wieder kreuz und quer durch die chinesische Küche. Noch müder traben wir dann ins Hotel zurück und auch ich will nur noch duschen und ab ins Bett.

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Reich der Mitte – Kulturschock

15 chaotische Kilometer über die Grenze nach Erlian, Kulturschock in der aufgeputzten chinesischen Kleinstadt mit modernen Häusern, etwas Grün dazwischen und quirligem Händlerleben, grandioses chinesisches Abendessen.

Heute Morgen heißt es noch einmal Abschied zu nehmen von unserem mongolischen Begleitteam und wir sind alle ein wenig traurig. Außerdem müssen wir in den Bus steigen, denn die Grenze darf idiotischerweise nur mit einem Fahrzeug überwunden werden. Wenig später lernen wir, dass diese Regelung nur dazu dient, einer ganzen Region zu Lohn und Brot zu verhelfen, es ist eine riesige ABM Maßnahme. Schon vor der Grenze stauen sich Stoßstange an Stoßstange Jeeps russischer Bauart, gnadenlos mit Leuten voll gestopft und warten, dass an der Grenze etwas passiert. Die Jeepfahrer haben eine Genehmigung nach Erlian auf der anderen Seite zu fahren und verdienen gut daran, die Passagiere in beide Richtungen zu kutschieren. Vor dem Grenzvorposten sammeln sich dann an die 100 Jeeps, eine Hand voll Busse und 50 LKW und alle wollen nach China. Alle 20 Minuten wird das Tor geöffnet und es dürfen 3 LKW, ein Bus und 10 Jeeps passieren, dann passiert wieder 20 Minuten nichts. Je näher man an den Grenzposten wird, umso größer wird das Gedränge. An der mongolischen Grenzanlage müssen alle aussteigen, theoretisch soll alles Gepäck mitgenommen werden, aber wir lassen die Räder und die schweren Koffer im Bus und stürzen uns ins Gedränge. Zwar ist eine Grenzangestellte bemüht, die Reihen zu bündeln und zu sortieren, aber das misslingt und es wird gedrängelt, was das Zeug hält. Um heute noch auf die andere Seite zu kommen, versuchen wir „dicht“ zu machen und keinen mehr vorbei drängeln zu lassen, das gelingt auch ganz gut, bis es fast zu Hangreiflichkeiten kommt. Ein fetter Mongole versucht es besonders dreist von allen Seiten und ich muss mein bösestes Gesicht aufsetzen und die Ellenbogen einsetzen, um ihn nicht vorbeizulassen. Der ist so sauer, dass er dann meine Taschen mit Tritten malträtiert. Die herbeigeeilte Beamtin entreißt ihm seinen Pass und der Mann beginnt die Dame zu schubsen und zu stoßen und mit roher Gewalt seinen Pass zurück zu bekommen, aber die Gerechtigkeit siegt und der Mann muss ohne Pass wieder abdrehen. Für die Aktion mit dem Grenzposten wäre er auf einem deutschen Grenzposten erst einmal arrestiert worden. Dann geht alles Weitere bei den Mongolen reibungslos und endlich nach vier Stunden haben wir die Mongolei verlassen und stehen im Niemandsland.

Dort herrscht dann Krieg. Krieg auf der Straße, die sich auf eine Spur verengt und nun wird klar, warum die alten Russjeeps so verbeult und Stoßstange an Stoßstange stehen. Jede noch so kleine Lücke ist um kämpft und es wird gnadenlos in die Warteschlange gestoßen, das die Bremslichter splittern. Hier müssen wir wieder fast zwei Stunden warten und haben unseren Spaß beim Beobachten der Straßenschlacht. Einmal gehen zwei mongolische Fahrer dann sogar mit einer Eisenstange aufeinander los.

Doch dann sind wir irgendwann durch das Tor und damit auf chinesischem Boden und alles ändert sich. Im Grenzposten viele Warteschlangen in einem modernen Gebäude und es geht gut sortiert und freundlich ins Reich der Mitte.

Wir treffen auf der anderen Seite Xiao Pang, unseren neuen Fahrer mit einem Kleinbus und laden die Räder auf die Straße und das Gepäck ins Fahrzeug und rollen die letzten drei Kilometer bis zum Zentrum ins Hotel.

Welcher Unterschied! Die Hauptstraße vierspurig und asphaltiert. Am Straßenrand Gras und Bäume und Blumen, moderne Häuser und Laden an Laden. Auf den Straßen Taxis, Radfahrer und Elekto-Radfahrer, es ist ein wenig, als ob wir einen anderen Planeten betreten haben.

Das Hotel ist modern mit großen Zimmern und dickem warmen Wasser und wir alle genießen dies ausgiebig und treffen uns recht schnell wieder zu einem Spaziergang. Viel Zeit haben wir nicht mehr, aber es reicht um noch Geld zu tauschen und über den Markt zu schlendern und das quirlige Leben zu betrachten. Besonders fasziniert uns das breite Angebot an Obst und Gemüse, hier mitten in der Wüste so viel Vielfalt und wir freuen uns aufs Abendessen.

Obwohl ich nur ein kleines Restaurant suche ist das Angebot riesig und wir stapeln 13 Gerichte auf dem Tisch, einmal Querbeet durch die chinesischen Grundlagen des Essens: Rind, etwas Lamm, Schweinefleisch, Spinat, Auberginen, Bohnen und noch mehr, so tafeln wir bis in den Abend hinein. Der Nachbartisch ist brennend interessiert an unserer Fahrradtour und kann es gar nicht glauben, dass man mit dem Fahrrad von Deutschland aus nach China fahren kann: Kann man aber doch, die fünf Durchfahrer haben das heute geschafft. Und natürlich wechseln wir jetzt vom Wodka zum Gaoliang Schnaps, das ist ein Brand aus einer roten Hirsesorte, der dem 60%igem Brand eine Grappanote verleiht.

So schön es in der Mongolei auch war, die ersten Stunden hier waren ein regelrechter Kulturschock und wir sind froh, wieder in der gewohnten Zivilisation zu sein.

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Durch losen Sand ins Grenzland

55 Kilometer aus der Wüste in den Grenzort Zamin Uud, wenig Höhenmeter, aber schlechteste Piste und Gegenwind.

Unser letzter Morgen im Zelt in der Wüste, einerseits schade, denn die Abende in der Wüste haben ihre eigene Stimmung und wenn fernab der Zivilisation keine Stadtlichter den Himmel mehr erleuchten, dann ist das weiße Band der Milchstraße am sternenklaren Himmel deutlicher zu sehen, als man sich das in Deutschland überhaupt vorstellen kann. Auf der anderen Seite freuen wir uns dann natürlich auch wieder auf die tollste Errungenschaft der Zivilisation: eine Dusche und nicht nur eine oder zwei Flaschen Wasser, mit denen man den düftelnden Körper etwas abreiben kann. Doch bis dorthin sind es noch einmal 50 Kilometer durch die Wüste. Und diese haben es heute noch einmal in sich. Es wird der härteste Tag in der Wüste überhaupt. Der Wind bläst uns kräftig ins Gesicht und die Piste teilt sich in drei Gruppen von Scheißpiste. Entweder gibt es über Hunderte von Metern Wellblech, bei dem man sich das Gehirn komplett zerrüttelt, oder Sandpiste mit 3 bis 8 cm tiefem Streusand, durch den man nur mit äußerstem Kraftaufwand durchschlingern kann und dann doch noch absteigen muss. Die dritte Art ist dann die Kombination von Wellblech und Sand, bei dem beim Schlingern dann noch zusätzlich das Gehirn malträtiert wird. Mit dem Gegenwind kommen wir heute ohne größere Anstiege auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 11 km/h und allein dieser Wert sagt schon alles.

Die Wüste ist heute mehr als trocken und eintönig, einige finden das toll, aber ich bin persönlich nicht der Wüstenfuchs, mir hat es in den weiten grünen Ebenen und Gebirgen wesentlich besser gefallen, aber die Geschmäcker sind halt verschieden. Heute ist es auch noch zunehmend flach, das heißt der Blick in die unendliche Ferne ist geprägt durch absolute Einöde oder besser schon Zweiöde oder Dreiöde. Nur einmal stehen ein paar wiederkäuende schwangere Kamele am Wegesrande und beäugen uns.

Schon 25 Kilometer vor dem Ziel ist Zamin Uud zu sehen, aber die Stadt kommt nur langsamst näher und nach dem Mittagessen machen uns die Temperaturen um die 35 Grad noch zusätzlich zu schaffen und die letzten 12 Kilometer bis zum Stadtrand sind die reinste Quälerei. Aber dann kommen die ersten Hütten im Staub und auch ein kleiner Laden und dessen Kühlschrank gehört uns. Mit den kühlen Getränken spülen wir den Wüstensand herunter und dann haben wir den letzten Kilometer bis zum Hotel nur noch Asphalt oder Beton unter den Rädern.

Am Nachmittag mache ich mich dann mit Mugi noch einmal auf den Weg an die Grenze und wir eruieren die Varianten, wie wir morgen nach China kommen. Der Grenzübertritt ist deshalb problematisch, weil es angeblich nicht erlaubt ist, über die Grenze zu radeln und man eigentlich mit dem öffentlichen Bus fahren soll. Für diesen ist es zwar möglich auf dem Busbahnhof ein Ticket zu kaufen, aber es gibt immer nur Restplätze und die Station wäre mit 12 Radlern und Gepäck gnadenlos überlastet. Nun werden wir noch ein paar Möglichkeiten prüfen und heute am späten Abend entscheiden.

Das Abendessen heute ist unser letztes in der Mongolei und wir nehmen Abschied von unserem netten Begleitteam, das uns fehlen wird. Karin und Lin haben zu dem mongolischen „Zugvogel“-Lied einen neuren Text gedichtet, den wir zum Abschied unserem Team präsentieren.

Höhenprofil

Tag des „Uws“

72 Kilometer durch die Wüste von einem Zeltlager zum anderen, 317 Höhenmeter bei Temperaturen bis 32 Grad, natürlich sonnig mit kräftigem Gegenwind und abends Sturmböen und drei Regentropfen.

Nach der stürmischen Nacht sehen alle wenig ausgeschlafen aus und nach dem Frühstück schieben wir die Räder zur Straße zurück und müssen eins unserer wenigen mongolischen Worte, die wir gelernt haben: „Uws“. Das bedeutet Dornengestrüpp und das ist hier so hartnäckig, dass es sich auch durch die eigentlich pannensicheren Reifen piekt, das Resultat ist dann jedes Mal ein schöner Plattfuß. Schon auf den 300 Metern zurück vom Zeltlager zur Straße haben wir drei „Löcher“ eingesammelt und so verzögert sich der Aufbruch gleich noch einmal um eine halbe Stunde. Aber mit Gerhard schaffen wir auch das Akkordflicken recht zügig.

Der Sturm hat uns einen Windumschwung beschert, es ist weiterhin heiß, aber der Wind bläst kräftig von vorn – und das ist sehr unangenehm. Ist die Piste schon bei Rückenwind schwer zu fahren, macht es nun mit dem Gegenwind keinen Spaß mehr und wird richtig anstrengend.

Die Gruppe versucht in immer kürzeren Abständen Pause zu machen, aber ich muss immer ein wenig gegenlenken, denn wir haben noch ein gutes Stück bis zur Grenze vor uns und sollten heute so viel wie möglich Kilometer hinter uns bringen. Also heißt es, sich eisern durch die Gobi zu kämpfen und abwechselnd über Wellblech zu fahren und wenig später im Sand stecken zu bleiben. Zwar haben wir schon 165 Kilometer in Russland hinter uns gebracht, aber da gab es, wenn auch schlechten, doch noch Asphalt. Der Durchschnitt fällt auf 13 km/h heute und das sagt eigentlich sehr viel.

Zu sehen gibt es nur kleine huschende Eidechsen, ab und zu ein Kamel und ansonsten nur leicht hügelige Wüste mit trockenem Kraut.

Unser heutiges Zeltlager ist sehr schön, aber am Abend kommt wieder ein Sturm auf und wir müssen im Bus sitzen und essen, danach können wir wieder draußen sitzen.

Leider gibt es keine Sterne während unserer letzten Zeltnacht auf der Tour und vor den Schlafen gehen stellen wir fest, dass der „Uws“ noch zwei mal zugeschlagen hat, zwei weitere Reifen sind heute platt und müssen morgen früh noch repariert werden.

Höhenprofil