Hochzeitsflopp und taoististischer Berg

Wanderung auf dem Hengshan und halber Faulenztag in Hunyuan.

Eigentlich wollen wir los und es ist auch recht frisch, trotzdem stehen wir uns vor dem Hotel die Füße in den Bauch, wegen einer Hochzeit, die hier in ein paar Minuten stattfinden soll. Dafür sind vor dem Hotel fünf gigantische Böllerkanonen aufgefahren, ein Torbogen wird mit Luft gefüllt und daneben werden auch noch zwei gigantische Löwen aufgeblasen. Als ein Konvoi mit Hochzeitsautos auftaucht werden auch ein paar Böller gezündet, doch der Konvoi steckt wegen eines falsch geparkten Autos fest. Als das mit Gerhards und meiner Hilfe beiseite geschoben ist, passiert gar nix mehr. Irgendwann kommt der Bräutigam mit der rot verhüllten Braut im Arm aus dem Hoteleingang, ignoriert den Torbogen und trägt dahinter in Affengeschwindigkeit die Braut zu einem der Autos: Tür auf, Braut rein, Bräutigam hinterher, Tür zu und weg! Der Konvoi fährt ab und die Löwen werden wieder demontiert. Also Vollflopp!

Zum Hengshan sind es vielleicht 6 Kilometer, es geht bis zum Parkplatz gut 400 hm hoch, aber wir haben ja Ruhtag und nehmen den Bus. Dann scheiden sich die Geister in Seilbahnfahrer und Läufer, aber nach oben zu den ersten Tempeln ist es nicht zu weit und wir treffen uns nach einem langen Treppenanstieg schnell wieder.

Im Gegensatz zum Wutaishan ist der Hengshan kein buddhistisches Heiligtum, sondern ein daoistischer Berg. Von Außen unterscheiden sich die Tempel kaum, aber im Inneren findet man keine Buddhas, sondern daoistische Himmelgötter und Göttinnen. Während es im Buddhismus darum geht seinem schlechten Karma und dem ewigen Kreislauf der Wiedergeburten zu entrinnen, ist es das Ziel des Daoismus mit der Natur und der Gesellschaft in äußerster Harmonie zu leben. Dazu muss alles schön ausbalanciert werden und die Lehre vom Yin-Yang entstand.

Die Tempel am Hengshan sind reizvoll in die Berge eingebettet und meist spektakulär in Felsnischen untergebracht. Mit einigen chinesischen Gruppen pilgern wir uns auf den treppenreichen Wegen von Tempel zu Tempel und dann noch ganz nach oben auf den 2016 Meter hohen Gipfel. Wäre es nicht so trüb, könnte die Aussicht spektakulär sein, so liegt alles hinter einem trüben Schleier.

Wieder machen wir ein spätes Mittagessen in unserem Stammlokal und beschließen, diesem auch heute Abend treu zu bleiben. Am Nachmittag bleibt dann wieder Zeit für ein Schläfchen, der Tag will schließlich gut ausbalanciert sein und nicht nur Barbara hofft ein biblisches Alter zu erreichen.

Am Abend im Restaurant ist dann schon ein bisschen Abschiedsstimmung, nur noch 6 Tage trennen uns von der chinesischen Hauptstadt und das soll es dann schon wieder gewesen sein. Für unsere Blogleser gibt es eine gute Nachricht, denn im nächsten Jahr legen wir die Tour noch einmal auf! Nein, nein, nicht die ganze Tour, aber von Irkutsk über den Baikalsee und dann durch die Mongolei und dann wieder durch den Norden Chinas über den Wutaishan an der Großen Mauer vorbei bis nach Beijing. Der Zeitrahmen wird ähnlich der diesjährigen Tour sein, also morgen auf den Freitag die gute Laune des Chefs ausnutzen und ihm verklickern, dass ihr 54 Tage Urlaub braucht!

Höhenprofil

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