Das Abenteuer

Bei einem Blick auf die Weltkarte fällt uns der eurasische Kontinent auf, die riesige Landmasse zwischen Atlantik und dem Stillen Ozean. Selbst dem erfahrenen Reisefreund sind nur wenige Regionen davon vertraut und die liegen hauptsächlich im europäischen Teil, für die meisten beginnt das Unbekannte schon hinter den Masuren und alles, was jenseits des Urals liegt, hat schon einen Hauch exotischer Ferne.

So mancher hat sich einen Traum verwirklicht und mit der Transsibirischen Eisenbahn das Land zwischen Ural und Chinesischer Mauer durchquert und sich beim Durchfahren der Wälder, Steppen und Wüsten die Nasen an der Fensterscheibe platt gedrückt.

Was bisher nur wenige, einsame Globetrotter verwirklicht haben, nämlich durch Eurasien zu radeln, ist nun in einer kleinen Gruppe möglich. Im April 2011 brechen wir in Berlin zu unserem Abenteuer auf. Entlang bekannter und historischer Pfade radeln wir durch Polen und die Masuren bis ins Baltikum, wo wir die großen Handels- und Hansestädte des Mittelalters kennenlernen, bis wir schließlich nach gut einem Monat Moskaus Roten Platz erreichen.

Entlang der Wolga führt uns dann der Weg bis zum Ural, der Europa von Asien trennt. Die schier unendlichen Waldgebiete der russischen Taiga reichen bis ins Herz Sibiriens vor. Am Baikalsee werden wir ein wenig verweilen und neue Kraft schöpfen, um danach die Steppenlandschaften der Mongolei zu durchqueren. In Jurtencamps werden wir zu Gast bei dem freundlichen Nomadenvolk sein. Dort erkunden wir die Heimat Tschingis Khans und seiner Nachfahren zu Fuß oder auf dem Rücken der kleinwüchsigen mongolischen Pferde. Die südlichen Steppen wandeln sich langsam zu einer der gefürchtetsten Wüsten der Welt, der Gobi. Wir folgen alten Karawanenpfaden und treffen auf die größte Handelsstraße des Altertums, die Seidenstraße.

Jenseits der Großen Mauer liegen buddhistische Höhlenklöster und die heiligen Gipfel des Wutaishan. Während an den Tempeln die Gebetsfahnen flattern und kleine Glöckchen bimmeln, ist es Zeit, sich auf den letzten Abschnitt der Reise vorzubereiten. In den Bergen vor der Hauptstadt treffen wir auf atemberaubende Abschnitte der Chinesischen Mauer aus der Ming-Zeit, die kühn auf den Bergkämmen erbaut wurde. Die Minggräber vor den Toren der Hauptstadt lassen uns noch einmal in die Vergangenheit abtauchen, bis wir Beijing, die brodelnde Metropole, erreichen und auf dem Platz des Himmlischen Friedens unter dem wachsamen Auge des großen Vorsitzenden Mao Zedongs auf unseren Tourerfolg und 11.000 Fahrradkilometer anstoßen.

Koga Miyata