Lichtermeer zur Ankunft

14.10.2010

Wettergötter sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Wahrscheinlich vom Klimawandel vergrätzt, hält sich der chinesische Kollege sich an keine Abmachung mehr: Es regnet in Strömen! Eckhard schenkt sich daraufhin auch noch die letzte Etappe und steigt in das begleitfahrzeug um. Uli und ich lassen uns die Einfahrt nach Shanghai natürlich nicht nehmen und trotzen den Elementen bzw. dem Element Wasser. Schon nach 10 Kilometern müssen wir uns dann von unserem Begleitfahrzeug und Eckhard verabschieden, da vor uns eine Brücke repariert wird und nur Fußgänger und Radler passieren können. Das Begleitfahrzeug muss einen großen Bogen schlagen und nach einigen Versuchen, uns im Gewirr der Straßen wiederzufinden, beschließen wir, dass es gleich bis zum Hotel durchfährt. Ein wenig Dreck und Nässe auf der Kleidung kommt bei Ankunft auf der EXPO sicherlich ganz gut. Da wartet der chinesisch-deutsche Pavillon und ein paar Dutzend chinesische Journalisten auf uns. Um 15:00 Uhr müssen wir am Eingang 7 sein. Also geben wir Gas und versuchen erst einmal viel Strecke zu machen. 80 Kilometer liegen noch vor uns. Gegen 10 Uhr haben wir den Huangpu erreicht, den Fluss, der auch durch Shanghai fließt und Puxi von Pudong trennt. Kurz danach passieren wir eine Sicherheitskontrolle, die speziell zur EXPO den recht spärlichen Verkehr auf unserer Nebenstraße kontrolliert. Wir werden durchgewinkt und sind in Shanghai – d.h. in der VErwaltungseinheit Shanghai. Bis zur Innenstadt sind es noch 50 Kilometer. Glücklicherweise wird der Regen nun schwächer, der Verkehr hält sich auch noch in Grenzen und wir kommen gut voran. Gegen 11:00 Uhr begrüßt uns die Shanghaier Metro, nun geht es auf einer breiten Magistrale zügig unserem Ziel entgegen. Kurz nach 12:00 Uhr haben wir die Innenstadt erreicht, machen Pläne, vor dem EXPO-Besuch noch gemütlich zu Mittag zu essen, die Stimmung steigt und der Regen hat aufgehört. Dann ein Knall. Meine Fahrt wird unrund. Der hintere Mantel ist auf zwei Zentimeter eingerissen, der der Schlauch hängt in Fetzen. Warum können deutsche Ingenieure keine wirklich unplattbaren Mäntel konstruieren? Nachdem Schwalbe ja schon einen eigenen Blogeintrag hatte, nun eine kurze Anmerkung zum Konkurrenten Continental. Der “Travel Contact” ist eigentlich der ideale Reisereifen. Ehrlich! Nur dass er nach spätestens 4.000 Kilometern Risse auf Felgenhöhe bekommt. Manchmal auch nach 2.000 Kilometern, wie es mir 2007 auf einer Erkundungstour passiert ist. Und das ist dann wirklich ein Problem. Die Suche nach dem idealen Mantel für längere Touren geht also weiter! Für den Moment suche ich aber nur einen Mantel, egal welche Firma und Qualität. Da ich den nicht habe, tausche ich erst einmal den Schlauch aus und klebe dann ein kleines Stück Bambus mit Panzertape auf den Riss. Muss ja nur bis zum nächsten Fahrradladen halten. Macht es auch, dort erstehe ich für umgerechnet 6 Euro einen stabil wirkenden Mantel chinesischer Produktion, ziehe den auf und dann geht es weiter. 45 Minuten haben wird durch die Panne verloren und nun wird es knapp! Immerhin haben uns die netten Leute im Radladen eine andere Fähre über den Huangpu gezeigt, die ein paar Minuten und Kilometer spart. Kurz vor 14:00 Uhr setzen wir über den Fluß und haben dann nur noch vier Kilometer bis zur EXPO. Um 14:21 Uhr Ortszeit sind wir dann am Eingang 7 angekommen.

Dort werden wir herzlich und mit viel Interesse empfangen. Und die chinesischen Journalisten bestürmen uns durchaus mit interessanten Fragen.
- Wie wir den Unterschied zwischen Arm und Reich, Land und Stadt einschätzen
- Ob China ein gutes Land für Radfahrer ist
- Wie die Infrastruktur des Landes einzuschätzen ist
- Ob die Chinesen im Landesinneren von der EXPO wüssten und von ihr profitieren würden
- Wie wir die Lage in China einschätzen
- Was wir von der Berichterstattung der westlichen Medien über China halten

Westliche Journalisten waren nicht anwesend. Die hatten ja alle Hände voll zu tun, über einen Nobelpreisträger zu berichten, den in China kaum einer kennt.

Nach zwei Stunden offenem Gespräch mit den chinesischen Kollegen gönnen wir uns noch ein deutsches Bier, dann noch eins und eine Wurstplatte (Uli) bzw. eine Schweinshaxe (ich). Machen ein paar Erinnerungsfotos vor dem deutschen und dem französischen Pavillon und radeln dann durch die Shanghaier Nacht in Richtung Hotel. Am Bund, der immer noch hell erleuchteten historischen Uferpromenade, normalerweise off limits für Radfahrer, machen wir noch eine ausführliche Fotosession. Die Polizei schaut derweil geflissen an uns vorbei und ignoriert den Regelverstoß.

Gegen Mitternacht waren wir dann im Hotel, müde, aber glücklich!

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Von Wasserdorf zu Wasserdorf

13.10.2010

Der Countdown läuft! Mehr dazu aus Shanghai!

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Ein Deal mit dem Wettergott

12.10.2010

Ich versuche es mit Galgenhumor. „Ok!“, verkünde ich beim Frühstück. „Zwei Tage Regenwetter, wenn es bei der Einfahrt nach Shanghai strahlenden Sonnenschein gibt!“ Der Wettergott nimmt mich beim Wort und schickt uns im Laufe des Tages so alles runter, was es an Feuchtigkeit gibt.

Das taucht dann immerhin die rostigen Industrieanlagen in ein gnädiges Licht, nimmt aber auch den Spaß an den Reis-,Tarrot- und Wasserkastanienfeldern. Dann sind da noch so einige Brücken, die erneuert werden, was uns immer wieder auf längere Umwege schickt. An einer dieser Brücken ist dann auch Schluß für unser Begleitfahrzeug. Mit den Rädern können wir den Kanal noch auf einer wackligen Bambusbrücke überqueren, unser Fahrer muss sich aber ohne uns auf einen längeren Umweg wagen. Dementsprechend kommen wir dann auch vor dem Begleitfahrzeug im Hotel an und genießen die schönen Zimmer und vor allem die brühheiße Dusche. Pünktlich zum Abtrocknen ist dann auch unser Gepäck da.

Bleibt zu hoffen, dass sich der Wettergott auch an den zweiten Teil der Abmachung hält. Noch zwei Tage und 140 Kilometer bis Shanghai!

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Drachentee und Meeresfluten

11.10.2010

Chinesische Maler lieben den Dunst. Das leicht im Nebel Verschwommene. Und sie lieben Hangzhou, den Westsee, die Deiche und Pagoden. Heute sind die Maler in ihrem Element: Die Szenerie von Hangzhou ist nur in Schemen auszumachen.

Schicksalsergeben steigen wir auf unsere Räder, fahren ein Stück den Westsee entlang, mieten uns ein Boot samt Ruderer für eine Stunde und machen den „Drei Pagoden, die den Mond widerspiegeln“ unsere Aufwartung. Dann nehmen wir die letzte Steigung unserer Reise in Angriff und radeln die drei Serpentinen hoch zur Drachenbrunnen-Quelle, jenes Wasser, das angeblich am besten zur Zubereitung des gleichnamigen Longjing-Tees geeignet ist. Natürlich kosten wir auch den exzellenten Tee direkt beim Bauern, nun in Gesellschaft von Ann-Kathrin und Felix, zwei deutschen Studenten, die sich uns für ein paar Stunden angeschlossen haben. Durch die Teeplantagen im „Tal der Neun Bäche“ (Jiu Xi) schieben wir unsere Räder zum Qiantang-Fluss und besteigen abschließend die „Pagode der Sechs Harmonien“. Bei gutem Wetter hat man hier eine ausgezeichnete Sicht auf den Fluss, die Hangzhouer Vorstadt und die Doppelstockbrücke, die hier den Fluss überspannt. Heute ist es eher eine Tuschmalerei, die viel Phantasie fordert.

Dann aber doch noch ein Highlight: Der Qiantang-Fluss hat eine Eigenheit, die vor allen zu Vollmondzeiten Tausende von Besuchern anlockt. Durch die Wirkung der Gezeiten des nahen Meeres rollt regelmäßig eine Flutwelle den Fluss hinauf. Zum ersten Vollmond im Herbst ist diese mehrere Meter hoch, heute werden wir wenigstens Augenzeugen, wie sich eine breite, etwa ein Meter hohe Welle den Fluss heraufdrückt. An der Brücke bricht sich die Flut und teilt sich in mehrere Wellen, die einige hundert Meter später auslaufen. Ein ziemliches Naturspektakel, und wir hatten Logenplätze!

Den Tag beschließen wir mit einem ausgedehnten Spezialitätenessen – es gibt Fisch aus dem Westsee, Süßwasser-Shrimps und in Reiswein gesottene Schweinshaxe – und einen kleinen Spaziergang über den Nachtmarkt von Hangzhou.

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1001 Inseln im Nebel

10.10.2010

Kurz vor 7:00 Uhr sitzen wir in unserem neuen Lieblingsrestaurant, schlürfen Nudelsuppe und tunken gebackenen Maultaschen in Chillisauce. Dann laufen wir durch die Haupt- weil einzige Straße von Shendu zum Hafen und sitzen sobald mit Bauer Wang und seinen Reissäcken auf dem Linienboot nach Chun’an am östlichen Ufer des „1000-Insel-Stausees.“ Nachdem Tom die Strecke vor einem Jahr mit dem Touristenboot gefahren ist und sich über viele so kitschige wie endlose Stopps an sogenannten Sehenswürdigkeit aufgeregt hat, viel meine Wahl auf das Linienboot. Neben Bauer Wang sitzten in der gemütlichen Holzklasse mit Seeblick noch mehrere junge Pärchen. Die ersten zwei Stunden fährt außerdem noch eine Snackverkäuferin mit, die gute Geschäfte macht. Langsam geht die Fahrt dahin, an beiden Ufern kleben neu gebaute Dörfer in traditioneller Architektur – weiß getünchte Mauern und ein Stufendach mit verzierten Ziegeln.

Unser Boot ist das Äquivalent einer Regionalbahn und hält an jeder Sojamilchkanne. Dann werden schnell ein paar Säcke Reis an den Hafen geschmissen und Familie Wang, Liu oder Zhang fährt ins Nachbardorf. Gegen 11:00 Uhr fahren wir in den eigentlichen Stausee ein und blicken auf ein gutes Dutzend der angeblich 1000 Inseln. Der Rest verschwindet im Nebel. Mit Chun’an haben wir dann die Provinz Zhejiang erreicht und der Kontrast könnte größer nicht sein. Vor zwanzig Jahren selbst noch eine Armutsprovinz, hat es Zhejiang, vor allem in der Nähe der Zentren Hangzhou, Ningbo und Wenzhou zu Wohlstand gebracht. Am Hafen fahren wir an einer langen Reihe von schicken Ferienhäusern vorbei, Wochenendrefugien reicher Städter. Und Chun’an erschlägt uns förmlich mit seinen Glitzerfassaden, Sternehotels und Spezialitätenrestaurants. Nach einer ausführlichen Fischmahlzeit steigen wir dann ins Auto und überbrücken die Stecke bis Hangzhou. Da wir am 14.10. auf die EXPO eingeladen sind, mussten wir einen Tag entlang der Strecke einsparen. Die Wahl fiel leicht, Chun’an-Hangzhou ist nicht gerade der Inbegriff einer atrraktiven Route, wie wir uns durch das Autofenster versichern können. Das Wetter steht auch mal wieder auf der Kippe. Sonnige wechseln mit worlkigenen Abschnitten und am Horizont kündigt sich eine Regenfront an.

Bei Hangzhou ist das für mich schon Tradition: Gute zehn Mal war ich in der Stadt, habe 1990 dort sogar fünf Wochen an der Uni verbracht und hatte bis heute gerade einmal einen Sonnentag mit strahlend blauem Himmel in der Stadt.

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Das Restaurant am Ende des (chinesischen) Universums

09.10.2010

Das Bett im Old Street Hotel ist weich und warm – da kann mich auch das schöne Wetter nicht auf die Straße jagen! In Tunxi war ich schon zweimal, und so schön die Lao Jie, die „Alte Straße“ ist, eine Mütze Schlaf tut mir gut.

Uli und Eckhard sehen das natürlich anders und sind schon früh auf den Beinen, knipsen, was das Zeug hält und genießen das ideale Fotowetter.

Bei strahlendem Sonnenschein und 25 Grad radeln wir dann auch aus Tunxi raus. Das ist fast schon Routine: Die ersten 20 Kilometer sind stressig, weil Stadtverkehr, dann werden die Fahrzeuge spärlicher und schließlich geht es auf autofreien Nebenstraßen gemütlich dahin. Heute haben wir uns eine besonders schöne Strecke ausgesucht. An den Ausläufern des „1000-Insel-Stausees“ entlang schlängelt sich eine neu gebaute Asphaltstraße durch pitoreske Dörfer. „Gemälde in der Landschaft“ verkündet ein großes Reklameschild, eine Investition, die wohl in die Hose gegangen ist, wenn man die verwaisten Parkplätze und Pavillons ein paar Kilometer weiter sieht, die wohl einmal auf touristischen Massenansturm ausgelegt waren. Der Schönheit der Landschaft, die tatsächlich einer chinesischen Tuschemalerei gleicht, tut das keinen Abbruch.

Dann erreichen wir unser Ziel. Ich hatte die Gruppe vorgewarnt: „Das wird wahrscheinlich das schlechteste Hotel der Reise!“ Von Außen sieht es aber ganz gut aus. Als wir die Rezeptionsdame um 16:30 Uhr aus dem Mittagsschlaf reißen müssen, verlieren wir dann alle Illusionen. Die Zimmer sind nicht ekelhaft, aber dennoch solide heruntergewohnt. Bei Brandfleck 50 auf dem Teppich höre ich auf zu zählen. Also, definitiv das schlechteste Hotel auf der Reise. Und das langweiligste und vergessenste Nest zwischen Quelle und Mündung des Yangzi. Shendu ist definitiv nicht der Rede wert – trotz der Tatsache, dass hier die Ausflugsschiffe des „1000-Insel-Sees“ abfahren.

Wäre da nicht dieses Restaurant. Ein kleiner Familienbetrieb gegenüber dem Hotel. Die Chefin sieht uns, springt auf und schiebt uns quasi die Stühle unter den Hintern. Präsentiert uns die pikobello saubere Speisenauslage und verwöhnt uns dann mit Fisch und Fleisch vom Feinsten. Hier, am südöstlichen Zipfel der Provinz Anhui, mag die chinesische Welt zu Ende sein – das Restaurant am Ende des Universums ist definitiv eine Reise wert!

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Fahren mit Kater

08.10.2010

Das Wandern auf den Huangshan hat uns sichtlich gut getan, die Stimmung ist gelöst und wieder besser. Dafür sind wir alle drei körperlich angeknackst: Die Treppen des Huangshan machen sich noch zwei Tage später in einem heftigen Muskelkater bemerkbar. Da fährt man 3.000 Kilometer mit dem Rad durch China, ohne das ein Muskel weh tut und eiert dann nach ein paar Treppen wie ein Invalider durch die Gegend. Zugegeben – es waren gut 10.000 Treppen, wenn nicht mehr!

Immerhin geht es uns allen so und jede Bewegung eines Gruppenmitgliedes löst bei den anderen beiden Heiterkeit aus – bis das Lachen in einem Wadenkrampf endet. Das Schöne ist jedoch, dass Radfahren so ziemlich die einzige Bewegung ist, bei der nichts weh tut. Trotz wackliger Beine können wir uns einen morgendlichen Spaziergang durch Xidi, dass uns weiterhin mit perfektem Herbstwetter verwöhnt. Gegen 11:00 Uhr satteln wir dann unsere Räder, und fahren dann durch die Bilderbuchlandschaft von Anhui nach Tunxi. Sogar der Wind ist uns hold und bläst uns sachte in den Rücken. Gegen 13:00 Uhr sind wir schon kurz vor dem Ziel, legen noch eine Mittagspause ein und stehen dann am frühen Nachmittag vor unserem Hotel in Tunxi. Das liegt direkt am Eingang der guterhaltenen Altstadt, die, der Einfachheit halber „Lao Jie“, „alte Straße“ heißt. Ein etwa zwei Kilometer langer Straßenzug mit alten Gildehäusern und den klassischen chinesischen Gewerbebauten: Geschäft im gemauerten Erdgeschoß, Wohnung im hölzernen Obergeschoß. Während Eckhard seine Waden mit einer Massage und Uli die Müdigkeit mit einem Nachmittagsschläfchen pflegt, führe ich zur Abwechslung mal meine Kamera spazieren und schwelge in einem Meer von roten Fahnen und historischer Architektur.

Am Abend treffen wir uns dann im „ersten Haus der alten Straße“, einem historischen Restaurant, das vor allem Maultaschen in allen Variationen im Angebot hat. Nach zehn Portionen mit wechselnden Füllungen und einigen Flaschen Bier zur Muskelentspannung watscheln wir dann zurück ins Hotel.

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Xidi – Ein Rundgang in Bildern

07.10.2010

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Die Dörfer von Anhui

06.10.2010

„Der Osten ist rot!“ Hat Mao Zedong angeblich beim Betrachten des Sonnenaufganges am Huangshan gesagt. Ein Ausspruch mit Symbolwirkung, der es immerhin in den 1960er Jahren bis zur chinesischen Nationalhymne gebracht hat.

Und der Osten ist wirlich rot, jedenfalls an diesem Morgen. Neben mir stehen drei schlotternde Deutsche aus dem Zelt und einige hundert Chinesen, den Fotoapperat im Anschlag. Über der Fabellandschaft des Huangshan geht glutrot die Sonne auf. Wir haben einen der 20 Tage im Jahr erwischt, an dem keine Wolken oder Nebel das Bergmassiv einhüllen. Und der Tag wird noch besser!

Bilderbuchwetter begleitet unseren Abstieg – Treppen, Treppen! – und auch, als wir am Nachmittag wieder auf den Rädern sitzen, zeigt sich der Wettergott von der besten Seite. Auch wenn die Provinz heute zu den ärmsten Chinas gehört, war Anhui bis ins 19. Jahrhundert einer der Verkehrsknotenpunkt Chinas. Entlang der Handelsstraßen entstanden reiche Kaufmannstädte, die heute zwar ein Schatten ihrer selbst sind, aber immer noch die leicht verfallene Grandeur der vergangenen glorreichen Tage zur Schau stellt. Xidi, eine dieser Städte, ist unser heutiges Ziel. Wir radeln gemächlich durch leicht hügelige Landschaft und haben am frühen Nachmittag Xidi erreicht. Dort erwartet uns die Xidi Travel Lodge, eine ehemalige Kaufmannsresidenz, die nun als Hotel dient.

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Der Berg der Berge

05.10.2010

Wir haben uns den Frust aus dem Körper gewandert. 1.100 Höhenmeter und etliche tausend Steintreppen erklimmen wir und stehen dann auf dem Huangshan, der Chinesen liebster Ausflugsberg. Trotz perfektem Sonnenwetter ist es frisch auf dem Gipfel. Am Tag wärmen uns noch die atemberaubenden Ausblicke auf schroffe, bizarre Felsformationen und wettergebückte Koniferen. Gegen Abend kriecht dann die nasse Kälte unter unsere Fleece-Jacken. Innerlich wärmt schon bald der chinesische Medizinschnaps, äußerlich helfen die dicken Daunenjacken, die das Hotel zur Verfügung stellt.

Beim Abendessen lernen wir drei Deutsche kennen, die sich für exorbitante 30 Euro eines der Zelte gemietet haben, die auf dem Hotelvorhof aufgeschlagen sind. Der Huangshan ist eine Goldgrube, und warum soll diese nicht bis zum letzten Platz genutzt werden. Unsere Hotelzimmer, die auch schon einmal bessere Tage aber wohl noch nie Temperaturen über 15 Grad gesehen haben, sind die mit Abstand teuersten auf der Reise und kosten pro Person 180 Euro. Frühstück exklusive. Den drei Deutschen graust es vor der kalten Nacht im Zelt und so leiste ich ihnen noch bis Mitternacht bei allerlei Bier und Schnaps Gesellschaft, bevor wir dann die Nacht angehen. Die drei in ihrem Zelt, ich in meinem gemütlichem, aber ebenfalls eiskaltem Bett. Als ich nach einer Stunde immer noch friere, schicke ich einen gedanklichen Mitleidsgruß in den Hotelhof. Sechs Grad Nachttemperatur stand an der Rezeption. Es fühlt sich auf jeden Fall kälter an!

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