Unter dem Schwert des Manjushri

Noch ein Ruhtag am Wutaishan, Spaziergang zum Manjushri-Tempel und am Nachmittag großes buddhistisches Shoppingerlebnis.

Im Speisesaal des „Roten Oktober“ geht es heute sehr ruhig zu, denn die Chinesen sind alle gestern Nachmittag noch abgereist, um heute wieder das Chinesische Bruttosozialprodukt zu steigern. Auch gibt es keinen Spiegelei-Krieg und die Auswahl der Frühstücksgerichte ist besser als gestern.

Nach dem Frühstück steht erst einmal die Wartung der Räder auf dem Programm. Im Hof des Nachbarhotels arbeitet ein Autowäscher und wir bringen unsere Räder zum Abspritzen und neu fetten.

Im Ort gibt es einen Shuttle Bus, den man kostenlos nutzen kann, das war in den fettigen 218,5 Yuan Eintrittspreis, also 23 €, mit enthalten und ist genau das richtige für müde Radlerbeine.

Zum Majushri Tempel dürfen wir dann auch weiter faul bleiben, es gibt eine Seilbahn und die nutzen die meisten auch, allerdings zuckelt die bahn so langsam, dass wir genauso schnell wie Barbara, Jacky und Lin sind, die die Treppen zu Fuß hoch gelaufen sind.

Oben hat man eine berauschend Aussicht über das ganze Tal und den recht groß gewordenen Ort, wenn ich da an meinen ersten besuch vor 11 Jahren zurück denke, da war das ein verschlafenes Nest mit nur wenig Besuchern, eine Seilbahn gab es auch nicht und auch nicht so viele Bettler oder Händler.

Buddhas und Kitsch und Mao Statuen stehen hier Reih und Glied nebeneinander und ich komme auch an zwei Figuren nicht vorbei, weiß aber noch nicht, wie ich die beiden Bronzefiguren nach Berlin bringen soll, es sind fast drei Kilo Zuladung!

Auch bekomme ich wieder eine schicke Mütze mit rotem Stern, meine geliebte aus Vietnam habe ich noch in Russland verloren. Zur Mütze fehlt dann nur noch ein Kurzhaarschnitt und den lasse ich mir später unten im Dorf für einen Euro auch verpassen und fühle mich gleich viel jünger.

Oben laufen wir durch die „alten“ Gebäude, Qing Dynastie steht dran, also irgendwas zwischen dem 14. und 17 jahrhundert, aber ich kann mich genau dran erinnern, dass hier fast alles vor 10 Jahren neu aufgebaut wurde. Damals standen die Tempel mit neuen Ziegeln und neuen Holzstämmen im Rohbau und die zahlreichen Buddhafiguren und Manjushris waren noch in Holzkisten verpackt. Ja, ja, die Chinesen und ihre Sichtweise auf die Historie!

Heute zieren die Figuren die drei Tempel und die Pilger weisen dem wichtigsten der Boddhisatvas hier in China ihre Ehre. Mit einem flammenden Schwert in der rechten Hand ist Manjushri leicht zu erkennen, damit zerschneidet er die Unwissenheit und bringt das Licht des Wissens. Einer Legende zu Folge soll Manjushri hier in den Bergen von Wutaishan ein von Sakyamuni ausgesandtes gelbes Licht empfangen haben und dann den Grundstein für die Klöster hier gelegt haben.

Wie auch immer, der Tempel ist toll und auf den Stufen nach oben trifft man Pilger, die jede Stufe einzeln heftig mit dem Kopf berühren, was natürlich einen dicken blauen Fleck an der Stirn zur Folge hat. So hat sich das Sakyamuni wohl eigentlich doch nicht gedacht.

Am Nachmittag bleibt dann noch ein bisschen Zeit zum Schreiben und für ein Schläfchen und zum Wäsche waschen, dann geht es zum Abendbrot und dann will ich am Abend noch ein wenig mit den Tücken des Computers im Zimmer kämpfen, meinen eigenen kann ich nicht anschließen, da das Kabel nur 15 cm aus der Wand ragt und ich dann meinen Laptop unter dem Schreibtisch aufschlagen müsste.

Morgen warten wieder ordentlich Berge auf uns, ich rechne wieder mit 1500 hm und knappen 140 Kilometern, deshalb werden wir auch sehr zeitig aufbrechen. Ist aber nur ein Fahrtag und dann warten schon wieder zwei Ruhetag am Hengshan, einem taoistischen Heiligtum und am Hängende Kloster Xuan Kong Si auf uns.

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