Dämme im Nebel

19.09.2010

Die chinesische Regierung sollte einen Preis ausloben, für das erste Foto des Sanxi-Staudammes bei Sonnenschein. Und einen weiteren, für unsere Leistung, trotz aller Widrigkeiten mit dem Fahrrad auf das Staudamm-Gelände zu gelangen. Doch der Reihe nach!

Nach der späten Ankunft am Vortag lassen wir es nicht zu hektisch angehen. Um 9:30 Uhr sitzen wir um Begleitfahrzeug und nutzen die Tatsache, dass die Räder sowieso noch im und auf dem Auto verpackt sind, um zum Besucherzentrum des Sanxia-Staudammes zu gelangen. Der Damm ist nicht zuübersehen, nicht vom Schiff aus, nicht von den diversen Aussichtsplattformen,die eigens zu diesem Zweck gebaut wurden, und vielleicht noch nicht einmal vom Mond.
Nachdem die Mär, die chinesische Mauer sei vom Erdtrabanten aus zu sehen durch den ersten chinesischen Taikonauten vor einigen Jahren ins Reich der Mythen verwiesen wurde, besteht also noch Hoffnung für die stolze chinesische Nation. Zumindest der 600 Kilometer lange und durchschnittlich 1,3 Kilometer breite neu entstandene Yangzi-Stausee wird vom All aus gut sichtbar sein. Der Staudamm selbst nimmt sich, sieht man ihn von Nahem, eher mickrig aus. Das mag einerseits daran liegen, daß sich die oft zitierten 185 Meter Höhe lediglich auf die Meereshöhe beziehen und die Staumauer „nur“ 120 Meter hoch ist, andererseits daran, daß von diesen 120 Metern gute 20 Meter unterhalb des Wasserspiegels liegen. Vielleicht ergibt es sich auch daraus, daß soviel geschrieben und erzählt wird vom nominell größten Staudamm der Welt, daß sich der Besucher das Bauwerk in der Phantasie zuvor um einiges monumentaler ausgemalt hatte. Erfurcht erregend sind die Daten des San-Xia-Staudammes jedoch allemal: 120 Meter Höhe, 2,31 Kilometer Länge, eine Stromerzeugungskapazität von 847 TWh pro Jahr bei installierten 26 Turbinen mit jeweils 18 200 MW nomineller Leistung, Gesamtkosten von aktuell geschätzten 120 Milliarden Euro. Nach offiziellen Zahlen müssen insgesamt 1,2 Millionen Menschen umgesiedelt werden, die tatsächliche Zahl der Umsiedler wird jedoch bei mehr als 1,6 Millionen liegen. 27 000 Arbeiter schuften unter strengsten Sicherheitsauflagen in drei Schichten rund um die Uhr auf der mit 15,28 Quadratkilometern größten Baustelle der Welt, angeleitet von über 200 Ingenieuren aus In- und Ausland.

Die Idee, die gewaltigen Wassermassen des Yangzi zu stauen, ist keinesfalls neueren Datums. Bereits die von der nationalistischen Regierung unter Sun Yat-sen 1919 veröffentlichten Studie „Plan für die Industrieentwicklung in China“ empfiehlt den Bau einer oder mehrerer Staustufen in der Gegend der Drei Schluchten zur Flutkontrolle, Energiegewinnung und zur Verbesserung der Navigation auf dem Yangzi. Erste geologische Untersuchungen in den 1930er Jahren kamen zu dem Schluß, daß der Bau eines Staudammes in der Region machbar sei, sprachen sich jedoch für einen Standort innerhalb der Westlichen Xiling-Schlucht aus. Hier war auch ein aus Geologen und Ingenieuren bestehendes amerikanisches Team von 1947 bis 1949 tätig, das jedoch mit dem Sieg der Kommunisten im Bürgerkrieg und der Gründung der Volksrepublik China abgezogen wurde. Mao Zedong, dem gewiß keine Scheu vor Großprojekten anzudichten ist, zeigte erst großes Interesse an einen Staudamm in den Drei Schluchten und war Mitte der 1950er Jahre bei einer mehrtägigen Flußfahrt von Wuhan nach Chongqing fasziniert von der Idee, die geballte Kraft des Yangzi zu bändigen. Mit dem Bruch zwischen der Volksrepublik China und der Sowjetunion 1959 siegte dann jedoch die Angst vor einem Angriff des Großen Bruders über die Entwicklungsphantasien des Großen Steuermannes. Zu verlockend wäre ein riesiger Damm für einen potentiellen Bombenangriff gewesen und zu verheerend die Folgen eines Dammbruches für die chinesische Bevölkerung. Zudem band die Kulturrevolution schon bald danach sämtliche Ressourcen, so daß die Idee, den Yangzi zwischen Yichang und Chongqing zu stauen, erst mit Beginn der Reform- und Öffnungspolitik 1979 von Neuem relevant wurde. Der Führung in Peking war klar, daß ein fortgesetztes industrielles Wachstum . Vor allem der gelernte Wasserbauingenieur und spätere Premierminister Li Peng trieb die Planungen ab Mitte der 1980er Jahre voran. Im Gegensatz zu unabhängigen und von der Weltbank in Auftrag gegebenen Studien, die große Zweifel an der des Projektes äußerten und auf die unabsehbaren Folgen hinwiesen, kamen chinesische Experten zu dem Schluß, der Bau eines Staudammes bei Sandouping sei machbar. Der Ort etwa 20 Kilometer flußabwärts von der ursprünglich avisierten Stelle in der Xiling-Schlucht wurde gewählt, da hier, anders als in den Schluchten, Untergrund wie Ufergestein aus Granit bestehen, so daß die Stabilität des Dammfundamentes gewährleistet werden kann. Starker öffentlicher Protest und der Widerstand vieler Kader der Region führten Ende der 1980er Jahre dazu, daß das Projekt für kurze Zeit auf Eis gelegt wurde. Nach der Niederschlagung der Studentenproteste 1989 und dem damit verbundenen Aufstieg Li Pengs zum starken Mann in der Regierung konkretisierten sich die Planungen jedoch wieder und das Projekt wurde 1993 dem Nationalen Volkskongreß zur Abstimmung vorgelegt. Dieser stimmte zwar zu, das Ergebnis war mit 664 Enthaltungen und 177 Gegenstimmen aber eher eine Niederlage in einem Parlament, das zumindest Anfang der 1990er Jahre noch aus knapp 3000 Jasagern bestand. Im Winter 1994 fiel trotz Widerstand der Startschuß zu dem Mammutprojekt. Kritiker wurden mundtot gemacht und wanderten, wie die bekannte Schriftstellerin und Journalistin Dai Qing, die in ihrem Buch „Yangzi, Yangzi!“ die Gefahren und Unzulänglichkeiten allzu deutlich aufgezeigt hatte, ins Gefängnis. Das äußerst empfehlenswerte Buch steht auch im Internet unter http://www.threegorgesprobe.org als Download zur Verfügung.

In der ersten Phase bis 1997 wurde ein Umleitungskanal gebaut und das ursprüngliche Flußbett des Yangzi mit Hilfe von temporären Dämmen trockengelegt. Die Arbeiten am nördlichen Teilstück der Staumauer begannen in der zweiten Phase von 1997 bis 2003, in der auch die fünfstufige Schleusenanlage fertiggestellt wurde. Im Juni 2003 schließlich wurde der Yangzi gleichzeitig mit der Eröffnung der Schleusen geblockt und mit dem Bau des südlichen Dammes begonnen. Die erste Flutungsmarke 2003 war 135 Meter, seitdem ist das Wasser im Reservoir kontrolliert auf 145 Meter gestiegen. Im Jahr 2007 wurden 156,5 Meter erreicht. Seit Fertigstellung des Projektes im Jahre 2009 pendelt der Wasserpegel um die 150 Metern, mit einem kritischen Maximum bei 181 Metern. Bereits 2005 nahmen die ersten beiden Turbinen ihren Betrieb auf und produzieren seitdem Strom, der damit zum Teil zur Gegenfinanzierung des Projektes beiträgt. Tatsächlich waren die enormen Kosten des Projektes in China eines der Hauptargumente gegen den Staudamm. Besorgte Kader fürchteten, die Volksrepublik China würde sich von ausländischen Geldgebern abhängig machen. Nach offiziellen Angaben soll jedoch die Stromgewinnung aus den insgesamt 26 Turbinen in einem Zeitraum von 50 Jahren die Kosten amortisiert haben. Während der Bauphase werden zuerst ein Aufschlag in Höhe von knapp einem Fen auf die individuellen chinesischen Energieverbrauchskosten und dann die Eigenproduktion aus den bereits installierten Turbinen neben in- und ausländischen Krediten maßgeblich zur Finanzierung des Projektes beitragen. Angesichts der gewaltigen Kostenexplosion – selbst die offiziell zugegebenen dynamischen Kosten liegen beim Dreifachen der ursprünglichen Kalkulation eine höchst fragwürdige Rechnung. Generell erwiesen sich Planung und Durchführung des Mammutprojektes an mehr als einer Stelle als mangelhaft. Ein Grund für den gewaltigen Kostenanstieg ergab sich zum Beispiel aus Planungsfehlern des Umsiedlungsprojektes. Bei Beginn war keinesfalls immer klar, wohin die Menschen, deren Häuser unterhalb der Flutungslinie lagen, umsiedeln sollten. Als deutlich wurde, daß im Gebiet der Drei Schluchten nicht genügend Ackerland für die betroffenen Bauern zu vergeben war, setzte man einen Teil der Landbevölkerung einfach in die Brachflächen Pudongs, der Sonderwirtschaftszone Shanghais um. Die Maisbauern und Orangenzüchter fanden sich so knietief im Naßreisfeld wieder, 2000 Kilometer von ihrer Heimat und ein halbes Leben von ihren Fähigkeiten entfernt. Der größte Fauxpas unterlief den Planern jedoch, als sie die Umsiedlungsgrenze bei 177 Meter ü. NN. festlegten. Als Kritiker zurecht darauf hinwiesen, daß eine maximale Flutungslinie des Staudammreservoirs von 181 Metern im Zweifelsfalle etwa 400 000 Menschen unter Wasser setzen würde, begannen die Behörden klammheimlich, auch die Bewohner in dieser Vier-Meter-Marge umzusiedeln, was zu einer Explosion der Kosten führte. Ein weiteres Problem ergab sich daraus, daß das Geld für die Umsiedlungsmaßnahmen inklusive der projektierten 10 000 Yuan Kompensation pro Umsiedler nicht zentral verwaltet, sondern den Lokalregierungen zur Verteilung überlassen wurde. Diese Selbstbedienungs-Einladung an korrupte Kader schloß Zehntausende von jedweder Kompensation aus und machte aus unzähligen lokalen Beamten reiche Menschen. Es sei denn, sie endeten mit Genickschuß, wie ein Bürgermeister der Region, der beim Bau einer neuen Brücke Teile der Zementgelder in die eigene Tasche steckte. Die Brücke stürzte kurz nach Fertigstellung ein und riß ein Dutzend Menschen in die Tiefe, worauf der Betrug aufflog und mit dem korrupten Bürgermeister kurzer Prozeß gemacht wurde. Doch das sind Einzelfälle. Die meisten Kader entlang der Drei Schluchten gehören zu den unbestrittenen Gewinnern des Staudammbaus. Nicht verwunderlich, daß die Stimmung vor allem in ländlichen Gebieten äußerst schlecht ist. Während in den Städten viele Umsiedler sich neben der rechtmäßig ausbezahlten Kompensation über schicke neue Wohnungen und deutlich verbesserte Infrastruktur freuen, sucht sich Volkes Zorn in den Dörfer des Öfteren ein Ventil. 2004 kam es im Kreis Wanxian zu einer Massenschlägerei mit mehr als eintausend Beteiligten, die erst nach etlichen Stunden von Polizeieinheiten beendet werden konnte. Bei einem Streit auf einem Gemüsemarkt hatte eine der Parteien fälschlicherweise angegeben, man könne ihm gar nichts, er sei ein Kader. Doch auch jenseits von Fehlplanung und Korruption gibt es etliche gute Argumente gegen den Yangzi-Staudamm. Die Erfahrungen im Rahmen anderer großer Staudammprojekte, vor allem am Assuan-Staudamm, lassen bezweifeln, ob der reibungslose Betrieb des Yangzi-Kraftwerkes gewährleistet werden kann. Vor allem die Verschlammung von Reservoir und Turbinen könnte sich trotz modernster Technik und der unternommenen Gegenmaßnahmen als großes Problem erweisen, ebenso wie die Trinkwasserqualität im Oberlauf, der Anstieg de Flutgefahr oberhalb des Staudammes, von den Folgen für das Ökosystem der Region ganz zu schweigen. Doch um die möglichen Folgen eines Staudammprojektes dieser Größe einzuschätzen, fehlen sowohl Erfahrungen als auch ausreichende Rechenmodelle, die die Komplexität dieses Vorhabens erfassen würden. Daß eine künstliche Wasserfläche dieser Größe Auswirkungen auf das Klima haben wird, ist unbestritten. Unklar ist jedoch, wie einschneidend diese sein werden. Das Schicksal vieler Tierarten, allen voran des Yangzi-Delphins, dessen Aussterben mit dem Bau des Staudammes fast beschlossene Sache ist, scheint unter den gegebenen Umständen kaum mehr der Rede wert zu sein und wird zumindest von chinesischer Seite als Kollateralschaden abgeschrieben, ebenso wie die unschätzbaren Kulturgüter, die seit 2003 unter den Fluten verschwunden sind.

Warum also baut man den Staudamm, ungeachtet der möglichen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Folgen? Neben dem naheliegenden Argument der Stromerzeugung geht es vor allem um Flutprävention . Nicht zuletzt die Flut von 1998 hat den Chinesen wieder einmal deutlich vor Augen geführt, welche Gewalten der Yangzi mit sich bringt. Jeden Sommer tritt der Fluß, angeschwollen durch die Monsunregenfälle im Himalaya über die Ufer und bedroht die Städte, Dörfer und Felder an Mittel- und Unterlauf. Mehr als 7000 Tote waren 1998 zu beklagen, während der Jahrhundertflut 1931 kamen nach Schätzungen 140 000 Menschen ums Leben und mehr als 40 Millionen wurden obdachlos. Durch den Bau des San-Xia-Dammes verspricht man sich eine effektivere Kontrolle der sommerlichen Fluten. Die gewonnene Sicherheit im industriell entwickelten Unterlauf des Yangzi geht jedoch auf Kosten des rückständigen Oberlaufs, wo der Rückstau des Reservoirs die Gefahr von Überschwemmungen ansteigen. Was ökonomisch durchaus verständlich ist, sorgt bei den Bewohnern flußaufwärts der Staumauer nicht gerade für Begeisterung. Was es bedeutet, am falschen Ende der Prioritätenliste zu stehen, hat 2005 die Kleinstadt Shigu in Yunnan zu spüren bekommen, als aufgrund der geringeren Abflußgeschwindigkeit die Wassermassen des Yangzi ungewöhnlich hoch stiegen und den Ortkern fast vollständig überfluteten. Als weiteres Argument für den Staudammbau wird oft die Verbesserung des Navigation angeführt.
Tatsächlich wird ab 2009 die Fahrtzeit der Schiffe zwischen Wuhan und Chongqing um einige Stunden verkürzt werden und Schiffe bis 10 000 BRT ganzjährig die Millionenmetropole am Oberlauf erreichen können. Für Chongqing und die Drei-Schluchten-Region bedeutet dies sicherlich eine deutlich bessere Anbindung an die boomende Küstenregion und wirkt sich schon jetzt in einem wesentlich höherem Wirtschaftswachstum aus. Letzter Punkt sorgt auch vor allem dafür, daß entlang des Yangzi die Meinungen über das Staudammprojekt zunehmend positiver werden, auch wenn in den Nebentälern, an denen der wirtschaftliche Aufschwung weiterhin vorbeigeht, der bescheidene Wohlstand in den auf Hochglanz polierten umgesiedelten Städten mit Argwohn und Neid beäugt wird. Im Großen und Ganzen hat man sich jedoch mit dem Staudamm arrangiert und ist nun stolz auf das Projekt, das Chinas wirtschaftlichen Aufstieg symbolisiert. Deshalb war die durchaus gangbare Alternative, mehrere kleinere Dämme in Nebenschluchten zu bauen, auch nie ernsthaft in der Diskussion. Der in Sandouping gebaute Staudamm sollte der größte der Welt werden, ungeachtet aller potentiellen Gefahren.

Und wir wollen ihn uns nun anschauen. Mit dem Rad. Oder dem Begleitfahrzeug. Irgendwie. Und das gestaltet sich schwierig. Unsere chinesische Agentur hatte nachgefragt: Unser Fahrzeug darf theoretisch bis zum Besucherparkplatz fahren, zumal diese Route auch der Bundesstraße nach Yichang entspricht. Aber eben nur theoretisch. Schon am ersten Kontrollposten werden wir aufgehalten. „Das Fahrzeug darf hier nicht rein!“, postuliert der Wachposten und wendet sich sofort ab. Ich renne ihm hinterher, diskutiere mit ihm. „Ok, die Räder dürfen durch!“, sagt er schließlich. „Bis wohin?“, frage ich. „Bis zum Besucherparkplatz.“ „Jenseits der großen Brücke?“ „Nein, der Parkplatz auf der diesseitigen Yangziseite!“

Ok, das ist machbar, den Parkplatz kenne ich, von dort verkehren Shuttlebusse zum Staudammgelände. Liu dreht also mal wieder eine Runde, wir verabreden uns für das Mittagessen am Huangling-Tempel. Wir radeln zum Besucherparkplatz, wollen unsere Räder abstellen, da kommt uns schon ein aufgeregter Uniformträger entgegen. „Hier könnt Ihr nicht parken!“, sagt er. „Wo denn dann?“, frage ich. „Über die Brücke, am Besucherzentrum!“, kommt die Antwort. „Sicher?“ „Ja“ „Wir dürfen mit den Rädern über die Brücke fahren?“ „Auf jeden Fall?“ „Ja doch!“

Ich nehme ihm beim Wort und wir radeln den Yangzi entlang zur großen Brücke. Von vorhergegangenen Besuchen habe ich bewaffnetet Wachposten an jedem Brückenkopf in Erinnerung und meine Erinnerung trügt leider nicht.

„Hier dürft Ihr nicht durch mit den Rädern!“, sagt der Wachposten freundlich aber bestimmt. Ich erzähle ihm die Vorgeschichte. „Oh!“, sagt er. „Dann organisieren wir für Euch einen Pickup, der Euch über die Brücke bringt!“

Eine Viertelstunde vergeht, ohne das etwas passiert. „Vielleicht fahrt Ihr besser mit der Fähre über den Yangzi?“, schlägt der Wachposten schüchtern vor. „Welche Fähre?“, frage ich. „Die Fähre am Eingang der Östlichen Xiling-Schlucht!“ „Also 10 Kilometer Umweg?“ „Mindestens 15!“, gibt er zurück. Also radeln wir erst zum Huangling-Tempel, ein ehemals sehr autentischer Bau, nun aber leider im Begriff, kaputt renoviert zu werden, machen eine kurze Besichtigung und ziehen dann das Mittagessen vor. Wir sitzen am Yangzi-Ufer und verkosten lokale Bauernküche. Das entschädigt erst einmal für die Aussicht, einen großen Umweg zu fahren, nur weil das lokale Wachpersonal sich nicht einig ist. Dann fahren wir zur Fähre, die prompt Mittagspause hat. Entdecken eine zweite Fähre für Fußgänger und Radfahrer, die noch in Betrieb ist und sind schon auf der anderen Yangzi-Seite. Dort holpern wir ein Stück die aufgegebene Uferstraße entlang und sind schließlich etwas 500 Meter vom Besucherzentrum entfernt.

„Halt!”, schreit der Wachposten. „Hier könnt Ihr mit dem Fahrrad nicht durch!“ Ich schaue ihn kurz an und erzähle ihm dann unsere heutige Odysee. „Einen Moment!“, sagte und holt seine Chefin hinzu. Die telefoniert kurz mit den Wachposten an der Brücke, die meine Story bestätigen. „Ok, Ihr dürft durch, fahrt aber vorsichtig!“, gibt sie uns auf den Weg. Dann sind wir endlich am Ziel. Inzwischen ist es 14:00 Uhr.

Zwei Stunden verbringen wir auf dem Staudammgelände, fotografieren den Staudamm von oben, der Seite und von gleicher Höhe und haben meist Nebel vor der Linse. Im Besucherzentrum hängt ein retuschiertes Bilde des Dammes bei „Sonne“. Nach insgesamt 20 Besuchen am Staudamm warte ich immer noch auf ein sonniges Bild vom Staudamm und habe auch noch keines gesehen, von der Retusche einmal abgesehen.

Um 16:00 Uhr sind wir wieder an den Rädern, fahren noch die Passstraße die Östliche Xiling-Schlucht entlang und beschließen dann an der Passhöhe, in das Begleitfahrzeug umzusteigen. So verlockend die Abfahrt nach Yichang ist, so gefährlich ist sie auch bei einbrechender Dunkelheit. Um 20:00 Uhr sind wir im Hotel und genießen dann eine Studne ein spätes Abendessen in einem kleinen Restaurant um die Ecke. Der Oberlauf des Yangzi liegt hinter uns, und damit die Berge. Nun geht es erst einmal flach, bis uns in zwei Wochen die Berge der Provinz Anhui erwarten.

Elevation Profile

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