Bikes on Planes 2

11.08.2010

Nach gutem Frühstück sind wir guten Mutes auf dem Weg zum Flughafen. Nicht nach Pudong, sondern nach Hongqiao, jener Flughafen, der eigentlich langsam von Pudong abgelöst werden sollte und nun brandneu ein zweites Terminal bekommen hat.

Das wir uns bzw. meinem Fahrrad fast zum Verhängnis.

Bis zum Check-in geht alles glatt. Auch dort nimmt sich gleich ein Chinese in Uniform uns und meinem Fahrrad an. „Soll ich es einpacken oder nicht?“, frage ich ihn noch. „Lass uns einfach machen!“, sagt er und ist schon auf dem Weg zum Check-in-Counter, um alles abzuklären.

Dann kommt uns ein anderer Uniformträger dazwischen, klein wie breit, und giftet gleich in meine Richtung. „Fahrrad, das geht gar nicht!“ „Warum?“ „Ist ein kleines Flugzeug!“ „Welches denn?“ „Boeing 737.“

Das werden die in den USA nicht gerne hören, dass in eine 737 noch nicht einmal ein Fahrrad passt.

„Ich habe mein Rad schon einmal in einer ATR mitgenommen, und das war kein Problem. Das war allerdings in Laos.“ erwidere ich. „Sollten die Laoten da fortschrittlicher sein als die Chinesen?“, versuche ich an seinen Nationalstolz zu appellieren.“

„Dann hättest Du das Rad anmelden müssen!“, spielt er seinen vermeintlichen Trumpf aus.
Leider muss ich ihn enttäuschen und verweise auf die erfolgte Anmeldung. Kurz angebunden verlangt er meinen Pass und zieht von dannen. Fünf Minuten später ist er wieder da. „Ist OK, nur die Kiste muss hier bleiben!“ Ist mir nur recht, da nach meiner Erfahrung ein unverpacktes Rad in der Regel besser ankommt als ein unspezifischer Karton, der dann einmal quer durchs Flugzeug geschmissen wird. „Allerdings musst Du das Rad verpacken lassen!“, weisst er mich an.

Das macht keinen Sinn, aber ich begebe mich zum Verpackungsschalter. Da werden dann ein gutes
Dutzend ein Zentimeter breite Banderolen mit der Aufschrift „Shanghai Hongqiao International Airport“ um mein Rad gewickelt. „Cha bu duo!“, sagt der Verpackungsbevollmächtigte. „Passt schon!“ Dann schiebe ich das Rad zum Check-in, wo die Gruppe schon fertig eingecheckt auf mich wartet, bekomme meine Gepäckmarke und werde zum Sperrgepäckschalter geführt. Die Gruppe geht derweil schon zum Gate.

„Passt nicht durch die Durchleuchtungsmaschine!“, sagt die Dame, die die Kulturrevolution sicher noch aktiv erlebt hat, ohne aufzuschauen. „Sind die nicht international genormt?“, frage ich. „Dann passt da ein Rad durch!“ Sie schaut kurz auf und ignoriert mich dann. Ihre Kollegin zeigt da mehr Interesse. „Kann man das Rad zerlegen?“, fragt sie. „Die Räder könnte ich für das Durchleuchten abmontieren!“ „Dann musst Du aber drei Gepäckscheine haben!“, mischt sich die Ex-Rot-Gardistin ein.„Nach dem Durchleuchten kann ich das Rad doch wieder montieren!“ „Hinter den Schalter darfst Du nicht!“.

Dann stehen wir da, der Flug geht in einer Stunde und es scheint keine Lösung zu geben. Leider verstopft mein Rad nun den Feeder des Durchleuchungsautomaten und jeden Moment können andere Fluggäste kommen. Es wird der erste Vorgesetzte gerufen. Der weiss auch keinen Rat. Sein Boss kommt angerannt. „Wie haben wir denn das sonst gemacht!?“, fragt er. „Noch gar nicht!“, sagt der Kollege. „Im alten Terminal geht das, da ist die Maschine groß genug!“. Das ist dem Boss sichtlich peinlich. „Prüft das per Hand!“, beschließt er. Nun darf ich doch hinter den Schalter, und hebe mein Rad hinter die Durchleuchtungsmaschine. Zwei Hände in Handschuhen tasten Rahmen und Lenker ab. Scheint in Ordnung zu sein. „Nur wie bekommen wir nun das Rad die Rampe hinab bis zur Verladestation?“, fragt der Boss. „Im alten Terminal kam dann immer einer der Arbeiter herauf und holte das Rad ab“, erklärt Boss Nr. 2. „Und hier?“ „Ist das aus Sicherheitsgründen verboten!“. Ich beschließe durchzuatmen und mich nicht einzumischen. Mein Flugzeug geht in 45 Minuten.

Fünf Minuten später kommt dann doch ein Arbeiter aus den Katakomben herauf und lugt durch die Lamellen des Verladeschachtes. „Legt das Rad auf zwei Plastikwannen, dann geht das schon!“, sagt er. „Was ist mit der Rechtkurve?“, fragt der Boss!“ „Gibt es hier nicht, das war in Terminal 1“

Dann ist das Rad auf dem Weg. Und kommt in Kunming an, wenn auch mit einem hässlichen Kratzer am Rahmen und einem zerbrochenen Rücklicht. Nur das Schloß kann ich leider nicht öffnen, weil ich in der Hektik, mein Flugzeug noch zu erreichen, den Schlüssel beim Security Check vergessen habe. Nun weiss ich, dass man auch ein gutes Rahmenschloß in weniger als einer Minute mit einer Flex aufbringt.

Die anderen Räder wurden schon Anfang der Woche aus Beijing nach Kunming geliefert und sind nun zusammen mit meinem Rad schon auf dem Weg nach Zhongdian, dem Anfangspunkt der Radtour. Dort werden wir in zwei Tagen unsere Tour entlang des Yangzi beginnen.

Zum Abschluß des Tages treffen wir uns alle im Xinhong-Restaurant in Laufnähe des Hotels, wo wir bei frischen Pilzen mit grüner Paprika, chinesischen Kartoffelpuffern, Rindergeschnetzeltem mit Kreuzkümmel und einigen anderen Leckereien den Tag Revue passieren lassen. Auch 100-jährige Eier mit Tofu hat die Gruppe zum ersten Mal probiert und war größtenteils ganz angetan.

(Bilder folgen!)

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2 comments to Bikes on Planes 2

  • Gisela König-Fuß

    Hallo Volker,ich lese gern deinen blog. Ich wünsche dir und der ganzen Gruppe eine gute erlebnisreiche Reise. Liebe Grüße ganz besonders an Eckhard
    Gisela

  • udo

    hallo uli und mitfahrer,
    habe jetzt endlich den reisebericht gefunden! nicht leicht!
    lese also nach. wünsche euch viele interessante
    eindrücke und darüber spannende berichte.
    gruß von udo aus gö.